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Full text of "Die thiericshen [i.e. thierischen] Parasiten des Menschen : im Anhang Tabellen enthaltend die wichtigsten Merkmale der Parasiten, Diagnosen und Angaben über die Therapie der durch die Parasiten hervorgerufenen pathologischen Erscheinungen"

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DIE THIERICSHEN 

PARASITEN DES MENSCHEN. 



Im Anhang 



Tabellen 



enthaltend die wichtigsten Merkmale der Parasiten, 
Diagnosen und Angaben über die Therapie 
der durch dieParasiten hervorgerufenen pathologischen Erscheinungen. 




Bearbeitet 

von 



Dr. Arnold Brass, 

ssisteut am zoologischen Institut zu Leipzig. 



Mit 6 lithographischen Tafeln. 



CASSEL, 

Verlag von Theodor Fischer. 



1834. 



Alle Rechte Vorbehalten. 



R52.TIO 



Vorwort. 



Das vorliegende Werkchen ist nickt dazu bestimmt, eigene 
Untersuchungen über die im Menschen vorkommenden Parasiten und 
die durch diese hervorgebrachten Störungen zu bringen, sondern es ist 
im Wesentlichsten eine Zusammenstellung der wichtigsten bekannten 
Thierformen, welche im Körper des Menschen und auf demselben 
schmarotzen; allerdings sind an verschiedenen Stellen eigene Beob- 
achtungen und Befunde mitgetheilt worden, ebenso ist die Behandlung 
des Stoffes eine von ähnlichen Arbeiten abweichende. 

In erster Linie bezweckte ich mit diesem Werkchen den Stu- 
clirenden der Medicin und Naturwissenschaft und endlich auch dem 
praktischen Arzte eine Arbeit in die Hand zu geben, in welcher das 
Wichtigste über die menschlichen Parasiten, ihre Entwickelung 
u. s. w. in knappster Form zusammengestellt ist. Jene grossen 
Parasitenwerke von Leuckart, Küchenmeister und Zürn, Stein u. A. 
sind nicht einem Jeden leicht zugänglich, besonders dürfte der prak- 
tische Arzt nicht immer in der Lage sein, das eine oder das andere 
dieser Werke zur Hand zu haben, deshalb soll diese Arbeit für den 
Handgebrauch bestimmt sein. Dadurch, dass dem Text von der 
Verlagsbuchhandlung sechs lithographirte Tafeln beigegeben sind, 
deren Figuren ich meist nach Originalen zeichnete, hat das Werk- 
chen wohl sehr an Brauchbarkeit gewonnen. Ich statte dem Herrn 
Verlagsbuchhändler Fischer hier für die sorgfältige Ausstattung 
meinen besten Dank ab. 

Die Arbeit ist aber andererseits auch derartig verfasst, dass sie 
nicht nur von Fachleute verstanden und benutzt werden kann, jedoch 
soll sie keineswegs dazu dienen, die in unseren Tagen so bedauerlich 
auftretende Kurpfuscherei zu unterstützen. Hingegen soll es mich 
freuen, wenn sie dazu beiträgt, den Arzt und den Lehrer zu veran- 
lassen, in den Kreisen, wo Beide zu wirken haben, den Laien auf die 
Gefahren aufmerksam zu machen, welche ihm durch eine Infection mit 



VI 



den häufigsten Parasiten drohen; leider ist es immer noch der Fall ; 
dass diesen, das Leben des Menschen so häufig vernichtenden Thier- 
formen viel zu wenig Beachtung geschenkt wird, sehen wir 
doch täglich und stündlich, wie die Verordnungen, welche dazu bei- 
tragen sollen, die Verbreitung eines der gefährlichsten Parasiten, der 
Trichina spiralis , zu hemmen, überall in der leichtsinnigsten Weise 
missachtet und von Laien gar zu wenig respectirt werden. Ein 
Grund, dass der Laie solchen Vorkommnissen gegenüber noch eine 
indifferente Stellung einnimmt, liegt darin, dass er von jenen Seiten, 
die auf ihn einzuwirken vermögen, also von Seiten der Lehrer und 
der Aerzte, zu wenig Aufschluss erlangt, Lehrer und Aerzte finden 
aber nun leider auf den Universitäten nicht -immer diejenige Unter- 
weisung in der Lehre von den Parasiten des Menschen und den 
durch dieselben hervorgerufenen Krankheitserscheinungen, welche für 
sie durchaus wünschenswerth und nothwendig wäre. 

Für den Arzt sind lediglich die den Tabellen beigefügten Krank- 
heitsbilder und Bemerkungen über die Therapie bestimmt, ich habe 
nur wenige Mittel angegeben, jedoch sind die angeführten vollkom- 
men erprobt und auf den Organismus des Menschen von möglichst 
wenig störender Wirkung. 

Wenn diese Arbeit den praktischen Arzt schliesslich dazu an- 
zuregen vermöchte: seine Erfahrungen über vorkommende Parasiten 
im Menschen, sowie diejenigen über darauf bezügliche Aetiologie, 
Diagnose und Therapie, soviel als thunlich, zusammen zu stellen und 
diese Aufzeichnungen einem der bedeutenden Helminthologen zur 
weiteren Verfügung zu übermitteln, so wäre ihr Zweck vollkommen 
erreicht. Dank der Arbeit zahlreicher, allbekannter Forscher hat 
sich zwar an vielen Stellen Licht über dies so schwierige Kapitel 
aus der Biologie und Pathologie verbreitet — aber es bleibt noch 
viel zu arbeiten übrig. 



Leipzig, im Mai 1884. 



Der Verfasser. 



Alphabetisches Verzeichniss. 



A. 

Aasfliege 

Acanthocephali 

Acarina 

Acarus folliculorum 

Amoeba coli 

Amphistoma hominis 

Anchylostama duodenale .... 

Anguillulidae 

Anguillula intestinalis .... 

Ang. stercorialis 

Annelides 

Anthomyia 

Anthomyia meteorica 

Aphaniptera 

Arachnoideae 

A. Chincha 

Argas persicus 

Argas reflexus columbarum . . . 

A. Talaji 

Artbropoda 

Ascaridae 

Ascaris lumbricoides 

Ascaris mystax 

Asilus crabroniformis 

B. 

Balantidium coli 

Bandwürmer 

Bandwurm, bewaffneter .... 
Bandwurm, feister od. unbewaffneter 

Bettwanze 

Bibionidae 

Biesfliegen 

Blumenfliegen 

Blutegel 

Blutegel, medizinischer .... 

Blutfadenwurm 

Bodo 

Bothriocephalus cordatus' . . . 
Bothriocephalus cristatus . . . 

Bothriocephalus latus 

Brachycera 

Branchiobdellidae 

Bremse, blinde 

Brummfliege 

Brotkapseln 

Bursaridae 



C. 

Caryophyllaeus 19 

Cercarien 48 

Cercomonas 13 

Cestodes 19 

Chritlioptes monunguiculosus . . 97 

Chrysops coecutiens 115 

Ciliata 15 

Cilien 12 

Cimex lectularius 105 

Coccidien 11 

Contractile Vacuolen 16 

Culex annulatus 116 

Culex pipiens 116 

Culicidae 116 

Cysticercus acantliotrias .... 48 

Cysticercus cellulosae 29 

D. 

Darmtrichine 68 

Dauer-Cysten 8 

Dermanyssus avium 94 

Dermatobia 110 

Dermathophili 89 

Diptera 105 

Distoma 49 

Distomeae 49 

D. Buskii dicrocoelium .... 54 

Distoma conjunctum 55 

D. crassum 54 

Distoma haematobium .... 55 

Distoma hepaticum 49 

Distoma heterophyes 55 

D. hominis 110 

Distoma lanceolatum 54 

D. noxialis 110 

D. oculi humani 54 

D. ophthalmobium 54 

D. sinense 55 

D. spatulatum 55 

Dochmius duodenale 63 

Dracunculus medinensis .... 

E. 

Echinococcus 44 

E. altricipariens 44 

E. endogena 44 

E. exogena 42 



107 

79 

89 

89 

9 

56 

63 

77 

78 

78 

81 

110 

114 

111 

86 

96 

95 

95 

96 

86 

57 

57 

60 

114 

17 

19 

22 

32 

105 

116 

110 

110 

81 

84 

76 

13 

40 

40 

35 

106 

81 

115 

107 

42 

16 



YI 



Echinococcus granulöses . . . 

E. hydatidosus 

E. multilocularis 

E. scolecipariens 

E. simplex 

Echinococcusblasen 

Echinococcuskrankheiten . . . 

Echinorhynchus gigas .... 

Ectoplasma 

Endoplasma 

Enkelblasen 

Eustrongylus gigas .... 

F. 

Facettenaugen 

Faden wärmer 

Filariadae 

F. bronchialis 

F. hominis oris 

F. labialis 

F. lacrymalis 

F. lentis 

Filaria loa 

Filaria medinensis 

Fil. oculi 

F. trachealis 

F. sanguinis 

Filzlaus 

Finne 21, 

Flagellata 

Fliegen 

Flöhe 

Fünfmund, bandwurmähnlicher 

G. 

Gamasidae 

Geissei thierchen 

Gerstenmilbenlarve, einklauige 

Gewitterfliege 

Gliederfüssler 

Gliederwürmer 

Gnathobdellidae 

Goldfliege 

Gregarina . 

Gregarinen 

Grubenkopf 

H. 

Haarbalgmilben 

Haematopoda pluvialis . . 
Haementaria officinalis . . . 

Halteren 

Hemiptera 

Hexapoda 

Hippobosca equina . , . . . 

Hirudinei 

Hirudo Ceylonica 

H. medicinalis 

Hirudo vorax 

Holzbock 

Hundebandwurm, dreigliedriger 
Hundezecke 



1 . 

Infection durch Amöben .... 12 

Infusorien 12 

Insecten 98 

Ixodes americauus 95 

Ixodes ricinus . 91 

Ixodidae 94 

K. 

Käfermilben 93 

Katzenspulwurm 60 

Kleiderlaus 102 

Kopflaus 101 

Krätzmilben 90 

Krätzmilbe, beschuppte .... 93 

Krätzmilbe, kleine 93 

Krätzmilbe, gemeine 90 

Kratzer 79 

L. 

Laufmilben 96 

Läuse 100 

Lausfliege des Wildes 114 

Leberegel, grosser 49 

Leptus autumnalis 96 

Ligula 19 

Linguatulida 86 

Lipoptena cervi 114 

M. 

Madenwurm 60 

Mallophaga 104 

Melophagus ovinus 114 

Menschenbiesfliegen 110 

Menschenfloh 111 

Miescher’sche Schläuche .... 11 

Milben 89 

Monas 13 

Monostoma 49 

Monostoma lentis 49 

Mundfeld 16 

Musca anthropophaga 109 

M. cadaverina 107 

M. caesar 107 

M. domestica 106 

M. vomitoria 107 

Muscaria 114 

Muscidae 106 

Muskeltrichine 72 

Mutterblase 42 

N. 

Nemathelminthes 56 

Nematodes 56 

Nemocera 115 

O. 

Ocellen 99 

Oestridae 110 

Ornithomyia avicularia .... 114 
Oxyuris vermicularis 60 



. 42 

44 

. 44 

. 42 

42 

42 

. 45 

80 

16 

. 16 

. 43 

. 63 

. 99 

56 

73 

76 

. 76 

. 76 

. 75 

75 

75 

. 73 

75 

. 76 

. 76 

. 103 

28, 33 

. 13 

. 106 

. 111 

. 87 

. 93 

. 13 

. 97 

. 114 

. 86 

81 

. 81 

. 107 

9 

10 

. 35 

. 89 

. 115 

. 85 

99 

. 104 

. 98 

. 114 

81 

83 

. 84 

83 

. 94 

. 41 

. 94 



VII 



p. 

Palissadenwürmer ... . . 

Pediculidae . . 

Pediculus capitis 

P. vestimenti 

Peitschenwurm 

Pelzfresser 

Pentastoma taenioides . . . . 

Peristom 

Pferdeegel 

Pferdelausfliege 

Pfriemenschwanz 

Phtirius inguinalis 

Phtirius pubis 

Plathelminthes 

Plattwürmer 

Proßlottis 

Protozoen 

Pseudonavicellen 

Psorospermien 

Pulex irritaus 

Pupipara 

R. 

Rainey’sche Schläuche . . . . 
Raubfliege, hornissenartige . . . 

Redien 

Regenbremse 

Rhabditisformen 

Rhynchobdellidae 

Rhynchota 

Rhizopoden 

Riesenkratzer 

Riesenpalissadenwurm 

Rundwürmer 

S. 

Sandfloh 

Sarcophaga carnaria 

Sarcopsylla penetrans 

S. minor 

Sarcoptes scabiei communis . . . 

S. squamifera 

Sarcoptidae 

Saugwürmer 

Saumzecken 

Saumzecke, persische 

Schafzecke 

Schmeissfliege, graue 

Schnabelkerfe 

Schwärmer 

Schwarzfliege, amerikanische . . 
Scolex 



Simulia pertinax 116 

Sporen 8 

Sporocysten 48 

Spulwurm 57 

Stechfliege 114 

Stechmücken 116 

Stechmücke, gemeine 116 

Stigmen 99 

Stomoxys calcitrans 114 

Strongylidae 62 

Strongylus duodenalis 63 

Strongylus longevaginatus ... 63 

Stubenfliege 106 

T. 

Taenia cucumerina 39 

Taenia echinococcus 4L 

Taenia flavopunctata 40 

Taenia lophosoma 40 

Taenia madagascariensis .... 40 

T. mediocanellata 32 

Taenia nana 40 

Taenia saginata 32 

Taenia solium 22 

Taenia tenella 40 

Tanystomata 114 

Tochterblasen 42 

Trematodes 48 

Trichina spiralis 67 

Trichine 67 

Trichocephalus dispar 65 

Trichomonas 14 

Trichomonas intestinalis .... 15 

Trichomonas vaginalis .... 14 

Trichotrachelidae 65 

Trombidium autumnalis .... 96 

Trombididae 96 

Y. 

Vermes 18 

Vogellausfliege 114 

Yogelmilbe 94 

W. 

Waldlaus, amerikanische ... 95 

Wanzen 104 

Wimperinfusorien 15 

Würmer 18 

Z. 

Zecke, gemeine ....... 94 

Zecken . 94 

Zungenwürmer 86 

Zweiflügler 105 115 



62 

100 

101 

102 

65 

104 

87 

16 

83 

114 

60 

103 

103 

18 

18 

19 

6 

10 

10 

111 

113 

11 

114 

48 

115 

57 

81 

100 

7 

80 

63 

56 

112 

107 

112 

93 

90 

93 

90 

48 

95 

95 

114 

107 

100 

8 

116 

19 










































» 

























' 

' 













































































Einleitung. 



Wenn wir auch die Pflanzen und Thiere als organisirte Wesen 
der übrigen Körperwelt unseres Planeten gegenüberstellen, so sind 
wir uns doch stets des Abhängigkeitsverhältnisses der ersteren von 
den letzteren bewusst. Am auffallendsten tritt uns dieses Verhält- 
niss bei den Pflanzen entgegen, indem deren Existenz der Regel 
nach ausschliesslich an das Vorhandensein anorganischer Stoffe ge- 
knüpft ist. 

Die Thierwelt stand vielleicht hinwiederum zunächst ganz voll- 
kommen in Abhängigkeit von der Pflanzenwelt und bei einer grossen 
Anzahl von Thierformen ist dieses auch heute noch der Fall. Das 
Thier verlangt eben eine organische Nahrung und daher ist seine 
Existenz durchaus an die der Pflanzen geknüpft. Die ersten Thiere 
waren entschieden Pflanzenfresser und erst nachdem die letzteren 
eine gewisse Ausbreitung erfahren hatten, entsagten einzelne Gruppen 
der ausschliesslichen Pflanzenkost und verzehrten thierische Stoffe, 
wodurch sie entweder Räuber oder Parasiten wurden, falls sie sich 
nicht von thierischen Ausscheidungsprodukten resp. Aas ernährten. 

Im Laufe der Zeit sind nun die Verhältnisse der organischen 
Welt um so complicirtere geworden, je nachdem sich die verschie- 
denen Formen der Organismen vermehrten, je nachdem die Existenz- 
Bedingungen für die grössere Anzahl von Formen verschieden wurden. 
Zunächst treten zwei oder mehrere Organismen — häufig gleiche 
oder ähnliche — in eine Wechselbeziehung, welche, wenn wir so 
sagen dürfen, freundschaftlich oder feindlich sein kann. Das Ver- 
hältniss ist ein freundschaftliches zu nennen, wenn Thiere oder 
Pflanzen nur in Gemeinschaft mit anderen, oft unter einem Schutz- 
verhältnisse, die Bedingungen für ihre Existenz erfüllt finden. So 
pflanzen sich z. B. Meereskrabben, zum Zwecke des Schutzes, lebende 
Algen auf ihre Schalen; Thiere finden durch Uebereinstimmung von 
Form und Färbung, auf und zwischen Pflanzen, Schutz und Deckung; 
Insekten sind nothwendig zur Befruchtung vieler Pflanzen u. s. w. 
Ein feindschaftliches Verhältnis tritt ein, wenn eine Art auf Kosten 
der anderen lebt, dabei kann entweder dem passiven Theil durch 
den andern die Bedingung zur Weiterexistenz genommen werden 
oder er wird direct vernichtet, fällt dem anderen zur Beute anheim, 
was wir als Raubverhältniss zu bezeichnen pflegen, öder endlich 

l 



2 



sein Fortbestehen ist möglich, aber er muss den änderen Theil er- 
nähren, der letztere schmarotzt in oder auf dem ersteren. 

Bei einem solchen Schmarotzerverhältniss können auch wieder 
verschiedene Grade unterschieden werden. 

Im schlimmsten Fall lebt der Schmarotzer von dem Körper des 
Wirthes bis zu einem Zeitpunkt, in welchem sein Körper eine Orga- 
nisation besitzt, die ein Weiterschmarotzen entbehrlich macht, in 
welchem aber andererseits der Körper des Wirthes zu einer Weiter- 
existenz nicht mehr befähigt ist. Ein solcher Fall tritt z. B. bei 
Schlupfwespenlarven ein, welche in den Larven anderer Insekten 
bis zu ihrer Verpuppung leben, in welchem Stadium dann der als 
Wirth dienende Raupenkörper vollständig vernichtet ist und für die 
weitere Entwickelung des Parasiten nicht mehr in Betracht kommt. 

Ein weiteres Schmarotzerverhältniss ist jenes, bei welchem eine 
Art längere Zeit oder während der Dauer ihres Lebens auf oder in 
einer zweiten, weiterlebenden Art schmarotzt; es ist dieser 
Parasitismus in mannigfachen Modificationen weit verbreitet. Es 
parasitiren Pflanzen auf und in Pflanzen oder Thieren, Thiere auf 
oder in Pflanzen oder Thieren. Dazu können dann schliesslich Para- 
siten selbst wieder Parasiten beherbergen. 

Wo im Thierreiche Parasitismus zu beobachten ist, da finden 
wir stets, dass der Schwächere auf oder in dem Stärkeren lebt und 
in den bei weitem meisten Fällen parasitirt eine niedriger organi- 
sirte Form bei einer höher organisirten. 

Die Anzahl der thierischen Parasiten ist eine äusserst grosse, 
besonders sind es die niedrigen Thiere, welche das Gros des Schma- 
rotzerheeres stellen, während von den Wirbelthieren nur wenige 
Formen als Parasiten bekannt sind (z. B. Myxine, Fierasfer und 
Trachurus, drei Fische, von denen Myxine an und in anderen 
Fischen lebt, Fierasfer in der Leibeshöhle der Holothurien und Tra- 
churus bei Quallen sein Dasein fristet). Die Gruppen der Proto- 
zoen, Würmer und Insekten liefern die meisten Parasiten und be- 
sonders gehören die Parasiten des Menschen diesen drei Gruppen an. 

Fragen wir nun zunächst nach den Ursachen, w r elche einen 
Parasitismus bedingen und nach den Bedingungen unter denen der- 
selbe stattfinden kann, so haben wir dabei die folgenden Hauptmo- 
mente ins Auge zu fassen. 

Zunächst muss der Körper des Parasiten durch seinen ana- 
tomischen Bau befähigt sein, sich auf dem Körper oder innerhalb 
der Organe seines Wirthes weiter entwickeln zu können; in der 
Regel finden wir daher, dass der Parasit bedeutend kleiner ist, als 
das Wirthsthier, dass weiterhin sein äusserer Körperbau so be- 
schaffen ist, dass seine Existenz durch die Functionen, welche der 
Körper des Wirthes auszuüben hat und fortwährend ausübt, nicht 
in Frage gestellt wird. Die inneren Organe des Parasiten müssen 
derartig beschaffen sein, dass sie sich schnell den oft plötzlich ver- 
änderten äusseren Bedingungen anzupassen vermögen. — Da die 
Nahrung fortwährend reichlich vorhanden ist, so sind alle jene Or- 
gane unnöthig, welche dem Thiere den Erwerb der Nahrung er- 



3 



möglichen sollen und welche während dieses Nahrungs-Erwerbes vor 
feindlichen Angriffen schützen müssen. Wir sehen daher, dass sich 
die Sinnesorgane und das Nervensystem mit sammt dem Bewegungs- 
apparate bedeutend vereinfachen, ja, zum Theil findet vollständiger 
Schwund derselben statt. 

In dem Masse, wie diese sogenannten animalischen Organe 
schwinden, tritt eine Yergrösserung und ein energischeres Functio- 
niren der vegetativen Organe ein. Während also die Leichtigkeit 
des Nahrungserwerbes, die Fortdauer des Nahrungszuflusses die Ur- 
sachen sind, dass sich ein schwächeres Thier von einem grösseren, 
besser organisirten ernähren lässt, ist es Bedingung, dass der Wirth 
erstens viel Ueberschuss an abzugebender Nahrung hat, dass ferner- 
hin seine Organe widerstandsfähig genug sind, um Parasiten beher- 
bergen zu können. Wir finden daher meist den Verdauungsapparat, 
die äussere Haut und die Musculatur als Hauptsitze der Parasiten. 
Nur in seltenen Fällen werden das Nervensystem und.die Sinnesorgane 
als Wohnplatz von diesen letzteren aufgesucht. 

Der Parasitismus kann in verschiedenen Formen auftreten. 
Entweder ist er ein constanter oder ein temporärer. 

Constanter Parasitismus zeichnet sich dadurch aus, dass die 
betreffenden Schmarotzer höchstens nur eine sehr kurze Zeit ihres 
gesammten Lebens ausserhalb ihres Wirthes verbringen. Meist sind 
es nur die Eier- und Jugendzustände eines Parasiten, welche sich 
frei entwickeln, um dann in einen Wirth übergeführt zu werden 
und hier zur vollständigen Reife zu gelangen. In anderen Fällen 
sind aber auch die Eier- und die Jugendstadien an einen Wirth 
gebunden und der betreffende Parasit hat sein freies Leben voll- 
ständig eingebüsst. In diesem extremsten Falle hat sich der Körper 
durchaus an die schmarotzende Lebensweise angepasst und stellt 
im Grossen und Ganzen nur einen Verdauungs- und Geschlechts- 
Apparat dar. 

Zu den temporären Parasiten gehören meist Thiere, welche 
eine Reihe von Umwandlungen durchmachen, ehe sie ihre definitive 
Gestalt erlangen. Aus der Reihe dieser Metamorphosen lebt dann 
gewöhnlich ein Glied auf oder in anderen Thierformen als Parasit. 
So ist es z. B. mit den Schlupfwespen der Fall, von denen die 
Larven in anderen Insekten leben, während die Puppen und die 
ausgebildeten Thiere kein parasitirendes Leben führen. 

Temporärer Parasitismus kann aber auch bei Thieren eintreten, 
welche für gewöhnlich gar keine Schmarotzer sind, die aber in 
irgend einem Stadium ihres Lebens durch Zufall in den Organis- 
mus eines anderen Tbieres oder auf den Körper eines solchen ge- 
langen und welche nun auf Kosten desselben parasitirend weiter 
leben. Dies tritt z. B. bei den Larven vieler Fliegen ein, welche 
meist in faulenden organischen Stoffen leben, welche aber, wenn sie 
unter die Haut, in die Athmungswege oder in den Verdauungskanal 
höherer Thiere kommen, dort vorübergehend parasitiren können. 

Nach dem Orte, an welchem sich die Schmarotzer bei ihren Wir- 
then aufhalten, unterscheidet man Ecto-Parasiten undEnto-Parasiten. 

l* 



4 



Erstere leben auf dem Körper und sind zum Tlieil nur tem- 
poräre Gäste, welche gelegentlich die Säfte eines höheren Thieres 
aufsaugen, um dann sofort wieder ein freies Leben zu führen, wie 
dies z. B. beim Blutegel, bei vielen Flöhen und Fliegen der Fall 
ist. Zum Theil verbringen sie aber auch, wie z. B. viele Milben 
und Läuse ihr ganzes Leben auf ein und demselben Wirthe, unter 
dessen Hautbedeckung, wie Schildern, Schuppen, Haaren oder Federn, 
sie Schutz suchen und dessen Blut sie und ihre Larven aufsaugen. 

Diese beiden Gruppen der Ecto - Parasiten zeigen einen voll- 
ständig entwickelten Körperbau und sind nur wenig von anderen, 
nicht parasitirenden Arten unterschieden, während andere temporäre 
Schmarotzer sich während ihres Parasitismus in ihrem Aeusseren so 
verändern, dass sie von nahe verwandten Arten vollständig ver- 
schieden sind. So parasitirt z. B. eine Krebsgruppe, die Rhizoce- 
phalen bei höheren Thieren nnd verliert während des parasitirenden 
Lebens die Bewegungsorgane und die Sinnesorgane vollständig, 
während sich der vegetative Organapparat mächtig entwickelt. 

Zu den Ento-Parasiten zählen wir meist Formen, welche con- 
stant schmarotzen und höchstens einmal vorübergehend ein freies 
Leben führen. Sie sind , da sie im Inneren anderer Thiere leben, 
meist vollkommen an das parasitirende Dasein angepasst. Der 
Körper zeigt auch nur rudimentäre animalische Organe, dahingegen 
stark entwickelte Verdauungs- und Geschlechts -Apparate. Meist 
durchlaufen die Ento-Parasiten eine mehr oder minder complicirte 
Metamorphose , ehe sie zur Geschlechtsreife gelangen. Die ver- 
schiedenen Zwischenglieder in der Entwickelung brauchen nicht in 
einem und demselben Wirth zur Entwickelung zu kommen, sondern 
es erstreckt sich in der Regel der Lebenslauf eines solchen Para- 
siten auf mehrere Wirthe. 

Es giebt, wie wir sehen werden, allerhand Uebergangsformen 
zwischen freilebenden Thieren, temporären und constanten Schma- 
rotzern, ja die Verhältnisse können sich derart compliciren, dass 
von einer Art nur das eine Geschlecht schmarotzt, wie dies z. B. 
bei mehreren blutsaugenden Mücken der Fall ist. Bei einigen 
Würmern und Krebsen sind die Männchen so klein und unscheinbar, 
dass sie dem Fortpflanzungsgeschäft nur obliegen können, wenn sie 
direct im Weibchen und meist direct in dessen Geschlechtsapparate 
parasitiren. 

Beim Menschen hat man bis jetzt ungefähr 100 verschiedene 
Ecto- und Ento-Parasiten gefunden. Zu den ersteren gehören einige 
Würmer und dann eine grosse Anzahl von Insekten. Meist leben 
dieselben auf oder in der Epidermis, unter den Haaren verborgen 
und in den Talgdrüsen versteckt. Nur sehr selten ist das Leben 
des Menschen durch dieselben direct bedroht und meist kann sich 
derselbe durch einfache Reinlichkeit von ihnen befreien. Die Ento- 
Parasiten stammen aus der Gruppe der Protozoen und der Würmer, 
nur wenige Arthropoden parasitiren vorübergehend in dem Körper 
des Menschen. Die grösste Anzahl der Parasiten lebt in dem Darm- 
kanal, einzelne Formen finden sich hauptsächlich in dem Muskel- 



5 



fleisch und unter der Haut, andere wieder kommen in fast allen 
Organen vor. Die Ento-Parasiten können in vielen Fällen für das 
Leben des Menschen verderblich sein, besonders wenn sie in edleren 
Organen des Körpers wohnen oder in kolossalen Massen einzelne Or- 
gane überfallen. 

Sie durchlaufen entweder alle Entwickelungsstadien im Körper 
des Menschen oder es sind ein bis mehrere Zwischenwirthe noth- 
wendig, in denen die Jugendstadien oder die geschlechtsreifen Thiere 
parasitiren. 

Von vielen Schmarotzern im Menschen kennt man die Jugend- 
stadien und die volle Entwickelung derselben noch nicht. 




Die Protozoen (Tafel i). 

Zu den Protozoen zählen wir Formen, von denen nicht direct zu 
sagen ist, ob sie Thiere oder Pflanzen sind. Jedenfalls haben wir 
aber bei denselben die Grenze des Thier- und Pflanzenreichs zu 
suchen. Der Körper dieser niedrigsten Lebewesen wird als ein- 
zellig bezeichnet, das heisst, ein äusserlich einfach construirter und 
innerlich nicht in einzelne, neben einander liegende, gleichartige 
Theile zerfallender Körper vermag alle Functionen eines höheren 
Organismus auszuführen. 

Der Körper aller höheren Thiere besteht aus einer mehr oder 
weniger grossen Anzahl von Elementen, den Zellen, deren jede in 
ihrem allgemeinen Baue Verhältnisse aufweisst, wie sie uns der 
gesammte Körper der Protozoen zeigt. Jene Angaben, wonach ein 
einheitlich construirtes, nicht weiter differe nzi rtes Pro- 
toplasma, alle Hauptfunctionen eines Lebewesens ausführen soll, 
habe ich in keinem Falle bestätigt gefunden. Ich finde im Gegen- 
theil auch in der Körpersubstanz der einfachsten Protozoen mehrere 
Haupt-Differenzirungen des Protoplasma’s. Es ist des letztere in 
concentrischen Schichten im Protozoen-Körper angeordnet und es 
sind diesen Schichten je verschiedene Functionen zuzuschreiben. 

Bei der weniger eingehenden Betrachtung des Protozoen-Körpers 
vermittelst eines guten Mikroskopes, kann man cenlral einen Kern 
und um diesen herum eine helle Plasma-Zone unterscheiden. Der 
letzteren liegt dann ein körnig ausgebildetes Plasna auf, welches 
seinerseits wieder von einer hellen Schicht umgebei wird. Ganz zu 
äusserst ist häufig noch eine mehr oder minder fiste Membran zu 
erkennen und von dieser heben sich verschieden gestaltete Bewegungs- 
Apparate ab. 

Der Kern spielt bei der Ernährung und T ortpflanzung eine 
Hauptrolle. Eine jede Vermehrung des Körpern wird durch mehr 
oder minder energische Kerntheilung eingeleite. Die dem Kerne 
aufgelagerte helle Schicht hat die Function (br Assimilation der 
Nahrung. Diese Nahrung wird durch die kö'nige Schicht reprä- 
sentirt und sind die grösseren und kleineren Körnchen, welche in 
grosser Anzahl in eine helle gallertartige Gnndmasse eingebettet 
erscheinen, theils direct aufgenommene Nahring, theils schon Assi- 
milationsproducte der centralen hellen Schiht. Den hellen peri- 
pherischen Schichten sind die Functionen ter Athmung und Be- 
wegung zuertheilt 



7 



Die Bewegungen können sich dadurch compliciren, dass ver- 
schiedene Hülfsmittel zum Zwecke derselben in Anwendung gebracht 
werden. Wir können dann von eigenen Bewegungsapparaten sprechen 
und finden als solche entweder lange und spitze, oder kurze und 
breite Fortsätze des äusseren Protoplasma in Anwendung gebracht, 
die sogenannten Pseudopodien. Durch Ausstülpung derselben und 
Nachfliessen der gesammten Körpermasse wird das betreffende Indi- 
viduum vorwärts bewegt. Weiterhin kommen zum Zweck der Fort- 
bewegung gröbere oder feinere Flimmerhaare, die sogenannten Cilien, 
in Anwendung. Dieselben treten entweder in der Ein- und Zwei- 
Zahl oder zu vielen Hunderten und Tausenden neben einander auf. 
Im letzteren Falle sind sie entweder über den gesammten Körper 
oder nur auf einzelne Schichten desselben vertheilt. 

Die Protozoen theilt man im Allgemeinen ein in: Rhizopoden 
und Infusorien. Den Letzteren fügt man die Gregarinen bei, eine 
Gruppe, welche ich nach meinen Untersuchungen vollständig auf- 
lösen und zum Theil von den Protozoen trennen muss. 

Bei den Menschen hat man Amöben und Infusorien als Para- 
siten angetroffen. Jedenfalls kennt man noch nicht alle im Menschen 
parasitirenden Protozoen und ebensowenig kennt man genau die Ent- 
wicklungsgeschichte und die Abstammung derselben. Da es mir trotz 
aller Mühe nicht gelungen ist, lebende Protozoen aus dem Körper 
des Menschen zu erhalten, so kann ich über die im Menschen be- 
obachteten Formen nur referirend berichten, werde aber meine Unter- 
suchungen an verwandten Arten hier im Auszuge kurz mittheilen. 

Da die zu den Protozoen zu stellenden Bacterien, welche für 
das Leben des Menschen oft so verhängnissvoll werden, neuerdings 
eine so unendlich mannigfaltige Literatur hervofgerufen haben, so 
verweise ich hier auf die neue Arbeit von Zopf über die Spalt- 
Pilze, in welcher Arbeit alles Bemerkenswerthe zusammengestellt 
ist. Ueber die Therapie der durch Bacterien verursachten Krank- 
heiten ist zur Zeit noch sehr wenig zu sagen. Kann man nicht lokal 
durch Anwendung von Desinfections-Mitteln die Entstehung neuer 
Spaltpilzmassen verhüten und die schon entstandenen Heerde zer- 
stören, so muss man darauf bedacht sein, durch Herabsetzung der 
Körpertemperatur, durch entsprechende Ernährung und schliesslich 
symptomatische Behänd lungsweise den betreffenden Patienten von 
den sich in ihm befindlichen Spalt-Pilzen zu befreien. Viel leichter 
als das Heilen dieser sogenannten Infections- Krankheiten ist das 
Verhüten derselben, dadurch, dass man auf eine reine Zusammen- 
setzung der Athmungsluft und der aufzunehmenden festen und flüssigen 
Nahrung bedacht ist. Auf alle weiteren Momente kann an dieser 
Stelle nicht näher eingegangen werden. 



Rhizopoden (Tafel I). 

Nur verhältnissmässig wenige Formen derselben sind als Para- 
siten im menschlichen Organismus bekannt. Von den uns bekannt 



8 



gewordenen wissen wir aber auch so wenig, dass eine einheitliche 
und umfassende Zusammenstellung derselben nicht möglich ist. Ich 
bin fest davon überzeugt, dass wir bei genauer Untersuchung viele 
amöbenartige Individuen innerhalb der Organe des Menschen finden 
werden, wenn es uns erst einmal gelungen ist, durch geeignete 
Reagentien den Körper dieser Protozoen innerhalb der von ihnen 
überfallenen Gewebe sichtbar zu machen. Vorläufig kann nur auf 
das von Anderen gesammelte Material hier hingewiesen werden. 

Die Untersuchungen über den Bau und die Entwicklung der 
parasitirenden Amöben müssten an lebenden Individuen ausgeführt 
werden. Ein solches Studium ist aber nur möglich, wenn man die 
betreffenden Formen aus dem lebenden 'Menschen oder aus ganz 
frischen warmen Leichen erhält, da dies nun mit grossen Schwierig;- 
keiten verknüpft ist, werden uns genauere Kenntnisse über Leben 
und Bau der parasitirenden Amöben vorläufig noch unklar bleiben. 

Die parasitirenden Rhizopoden sind ohne feste Membran und 
im ausgebildeten Individuum ohne bestimmte Form. Kalk und 
Kieselsäure-Skelete fehlen, während sie bei den freilebenden Formen 
sehr häufig Vorkommen. Die innere Leibesmasse setzt sich aus 
einem central gelegenen runden Kern und aus den oben angegebenen 
Schichten zusammen. Die Fortpflanzung geschieht durch einfache 
Theilung und durch Bildung von Schwärmern oder Sporen. Bei der 
Schwärmerbildung (Fig. 2 — 4) geht der Körper vorher in ein Ruhe- 
stadium über, das heisst, er rundet sich ab, umgiebt sich mit einer 
festeren Membran und liegt so bewegungslos an einer Stelle im 
Organismus. Innerhalb dieser Membran zerfällt dann das Proto- 
plasma der Amöbe in mehrere bis viele besondere Theile, die 
Schwärmer. Ein jeder Schwärmer besitzt einen Kern, welcher aus 
einem Theilungs- Stück des ursprünglichen Amöbenkernes hervor- 
gegangen ist. Um diesen Kern herum liegt dann noch ein helles 
Plasma. Die Bewegung geschieht, wenn die Schwärmer noch klein 
sind, durch eine oder zwei Cilien, wenn sie grösser werden, durch 
Pseudopodien (Fig. 6, b, c). 

Die Sporen (Fig. 5, 6, 7, 9,) werden in Dauer-Cysten gebildet 
und zwar entwickelten sich innerhalb einer ein- und mehrfachen 
stärkeren Hülle oft zwanzig bis hundert äusserst kleiner Sporen. 
Dieselben entstehen ganz ähnlich wie die Schwärmer, sind auch 
ähnlich wie diese gebaut, erweisen sich aber gegen äussere, schäd- 
liche Einflüsse bedeutend resistenter. Fig. 1, Tafel I zeigt uns eine 
frei bewegliche, ausgebildete Amöbe, welche, da sie aus dem Darm 
eines höheren Wirbelthieres stammt, wohl einen ähnlichen Bau auf- 
weisen dürfte, wie die in dem Menschen vorkommenden Formen. 
Figur 2 stellt ein Ruhestadium einer Amöbe dar, central liegt der 
Kern, um diesen herum das helle Plasma, welches die Assimilation 
besorgt, dann folgt die körnige, als Nahrung dienende Schicht, zu 
äusserst endlich wieder ein helles Plasma, dem die Function der 
Athmung und Membranbildung zukommt. Figur 3 und 4 stellen 
die Bildung von Schwärmern dar, es zerfällt hier das Plasma in nur 
wenige Theile, welche gleichförmig ausgebildet sind und schliesslich 



9 



die äussere Membran durchbrechen, um dann als selbständige Thiere 
wieder weiter zu leben. Figur 5 und 6 bezeichnen die Bildung von 
Sporen, es zerfällt dabei der Körper der Amöbe in eine grosse An- 
zahl von kleinen Gebilden (Fig. 6. b, c), welche nach dem Verlassen 
der Cyste auch wieder zu Amöben heranwachsen. Man hat solche 
amöbenartige Protozoen hauptsächlich im Darm und in den Darm- 
drüsen gefunden, jedoch ist man in der Kenntniss der einzelnen 
Formen noch sehr weit zurück, weil es nicht leicht ist, die Ent- 
wickelung einer bestimmten Art genau zu verfolgen. Mir ist dies 
bei freilebenden und unter sehr günstigen Umständen parasitirenden 
Amöben erst nach jahrelangen Bemühungen gelungen. Ich darf 
nach meinen Beobachtungen wohl mit vollem Recht behaupten, dass 
die Untersuchungen, welche viele Forscher über die in höheren 
Wirbelthieren schmarotzenden Protozoen gemacht, wesentliche Be- 
richtigungen erfahren müssen. 

Mat hatnun die parasitirenden Rhizopoden in verschiedene Gruppen 
zu theilen versucht, in die eigentlichen Rhizopoda und in die Sporozoa; 
da aber nach meinen Untersuchungen die Rhizopoden in genau der- 
selben Weise wie die Sporozoen Dauercysten und Sporen bilden 
können, so will ich mich hier nur darauf beschränken, die bekannt 
gewordenen Formen aus dieser Gruppe, ohne Angabe ihrer syste- 
matischen Stellung nebeneinander zu besprechen. 

Amoeba coli. 

In dem Dickdarm eines russischen Bauern und in dem Stuhl- 
gänge einiger Patienten will man zahlreiche Amöben in dem Darm- 
schleim gefunden haben; dieselben kamen in ungeheuren Massen 
vor und bewegten sich langsam durch ausgestülpte helle Pseudo- 
podien. Nach den Zeichnungen, welche mir vorliegen, glaube ich • 
mit Bestimmtheit annehmen zu können, dass der feinere Bau dieser 
Protozoen ziemlich vollständig dem der in Figur 1 dargestellten 
Amöben entsprach. Die Amöben ernähren sich im Darm von den 
feinen organischen Speisetheilen, von den Epithelzellen der Schleim- 
haut, den Blutkörperchen u. s.w. Die Kranken litten an hochgradiger 
Dysenterie ind ist es nicht unwahrscheinlich, dass dieselbe durch 
den fortwährenden Reiz, welchen die Amöben auf die Darmschleim- 
haut ausübten, hervorgerufen worden war. Darüber, wie die Amöben 
in den Darm gelangt waren, ist nichts bekannt geworden, ebenso- 
wenig über die Entwickelung derselben. 

Zu den Sporozoen hat man die Gregarinen, Psorospermien und 
die Coccidien gezählt und ausserdem die Rainey’schen und die 
Miescher’schen Schläuche in diese Gruppe aufgenommen. 



Gregarina (Tafel I). 

Was die Abtheilung der Gregarinen anbelangt, so erscheint mir 
diese Gruppe mehr denn je als sehr zweifelhafter Natur, die ein- 
fachsten Formen derselben werden wir wohl zu den Amöben stellen 



10 



müssen. Die in dieser Gruppe vereinigten höheren Formen sind 
nach meinen Untersuchungen ganz von den Protozoen zu trennen 
und mit den in den Cephalopoden schmarotzenden Dicyemiden als 
Zwischengruppe zwischen Protozoen und Spongien einzuschalten. 
Der zunächst einzellige Körper der Gregarine zerfällt schliesslich, 
nachdem er sich abgerundetund mit einer Membran versehen hat, in eine 
grosse Anzahl peripherisch gelagerter, kleiner, an beiden Enden zuge- 
spitzter Körperchen, welche oft eine sichelförmige Gestalt haben und als 
Pseudonavicellen beschrieben worden sind. Aus den letzteren gehen 
dann, ebenso wie aus den Sporen der Amöben, wieder neue Individuen 
hervor. Jene sogenannten Gregarinen (Fig. 22, 23), an welchen 
man einen vorderen Kopfabschnitt und einen hinteren, grösseren 
Zellkörper unterschied, habe ich als zweizeilig kennen gelernt. Der 
Kopftheil k stellt die eine Zelle dar, er zeigt einen deutlichen Kern 
und ein auch sonst differenzirtes Plasma; wir werden nicht fehlgehen, 
wenn wir ihn den Ectodermzellen eines höheren Thieres gleich- 
setzen. Der hintere Körperabschnitt h besteht aus einer grossen 
Zelle mit deutlichem, hellem Kern und körnig oder dotterartig aus- 
gebildetem Protoplasma. Dies körnige Plasma stellt die Nahrung 
der Gregarinen dar, was man auf sehr einfache Weise dadurch be- 
stätigen kann, dass man die Individuen hungern lässt, indem man 
dem Wirthsthiere die Nahrung entzieht. Nach einigen Tagen er- 
scheint dann die hintere Körperzelle der Gregarine vollständig 
körnchenfrei und nur von einem hellen, concentrisch geschichteten 
Protoplasma gebildet. Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir es 
hier mit zweizeiligen Individuen zu tliun haben. Die eigentlichen 
Gregarinen besitzen nur einen einzelligen Körper und nähern sich 
in ihrem Bau und ihrer Entwickelung den Amöben. 

Die Pseudonavicellen (Fig. 24 b) lassen im Inneren häufig stäb- 
chenförmige Ausbildungen des Plasmas erkennen; es scheinen diese 
Stäbchen zum grössten Theile aus Kernsubstanz zu bestehen, wenig- 
stens habe ich bei Amöben ähnliche, helle, glänzende Gebilde in 
den Dauercysten gefunden und für dieselben bestimmt nachweisen 
können, dass sie aus Kernplasma bestanden. Die Pseudonavicellen 
wären daher den Sporen der Amöben vollkommen identisch zu setzen. 

Psorospermien. 

In verschiedenen Organen des höheren Wirbelthierkörpers, be- 
sonders in der Leber des Kaninchen und in der Muscuktur hat man 
längere, oft schon mit blossem Auge sichtbare Schläuche angetroffen, 
deren körniger Plasmainhalt auch in eine grössere Anzahl von Sporen 
zerfallen war. Diese Sporen zeigten einen hartschaligsn Bau und 
sollen, was ich jedoch stark in Zweifel ziehen muss, vollständig 
kernlos sein. Man bezeichnet diese Sporen als Psorospermien. 
Aus denselben sollen sich amöbenartige Individuen entwickeln. 
In den Psorospermienschläuchen findet man ebenfalls glänzende, 
stäbchenförmige Gebilde oder das Innere der Psorospermien wird 
von einer gleichmässig hellen Masse erfüllt, neben welcher an einem 



11 



Pole zwei elliptische Körper liegen. Diese letzteren sollen einen 
langen dünnen Faden enthalten, welcher durch eine Oeffnung nach 
aussen hervorgestreckt werden kann. 

Coccidien (Tafel I). 

Als solche hat man eiförmige oder kugelige psorospermienartige 
Gebilde beschrieben, welche in niederen Thieren, unter Umständen 
auch im Menschen schmarotzen. Die ausgebildeten Individuen be- 
sitzen einen amöbenartigen, membranenlosen Körper und leben haupt- 
sächlich innerhalb der Zellen höherer Thiere; nachdem sie sich von 
dem Inhalt der Zelle eine längere Zeit hindurch ernährt haben, 
runden sie sich kugelig ab und bald darauf entwickeln sich aus dem 
gesammten Plasmainhalt eine Anzahl von Sporen, welche eine sichel- 
förmige Gestalt annehmen und unter Umständen mit einer dünnen Schale 
ausgerüstet sein können. Innerhalb dieser Psorospermien treten 
dann nach einiger Zeit auch wieder mehrere gebogene, helle stäb- 
chenförmige Gebilde auf, die man als die eigentlichen Sporen anzu- 
sehen hat, aus welchen neue Individuen hervorgehen. 

Diese wenigen Notizen mögen genügen, denn solange uns nicht 
die vollständige Entwicklungsgeschichte dieser niederen Parasiten 
vollkommen klar ist, dürfen wir uns über die Natur derselben keinen 
unbegründeten Vermuthungen hingeben. 



Die Raiuey’schenuudMiescher’sclien Schläuche (Taf. I,Fig.l2, 13). 

Man findet innerhalb der Musculatur bei Mäusen, Schweinen, 
Piindern und Schafen schlauchförmige lange Gebilde, deren Inhalt 
aus einer grösseren Anzahl verschieden geformter Gebilde besteht, 
welche an die Psorospermien erinnern. Von den letztgenannten Pro- 
tozoen hat man im Körper des Menschen einige coccidienartige 
Formen gefunden. 

Was nun die Krankheitserscheinungen anlangt, welche die Rhi- 
zopoden hervorrufen, so richten diese sich natürlich auch nach dem 
Sitze und der Häufigkeit der eingewanderten Protozoen. Haben 
dieselben den Darm als hauptsächlichen Wohnsitz, so erzeugen sie 
daselbst eine mehr oder minder heftiger Dysenterie und Ulcerationen, 
welche dadurch zu Stande kommen, dass die Epithelzellen voll- 
ständig durch einwandernde Rhizopoden zerstört werden und die 
letzteren dann die Darmwandungen perforiren um in weitere 
Organe einzudringen. Es werden dabei die Erscheinungen heftiger 
Darmkatarrhe auftreten, welche auf den Gesammtorganismus äusserst 
schwächend wirken können. Künstlich hat man solche Darmerschei- 
nungen bei Hunden dadurch erzeugt, dass man amöbenhaltiges 
Wasser injicirte. 

Innerhalb der Musculatur werden die eindringenden Amöben 
durch Zerstörung der Muskelfasern Functionshemmungen bedingen 
können. Auf alle Fälle werden die Amöben dadurch so äusserst 
bedenkliche Folgen hervorrufen, dass sie sich unter den so sehr 



12 



günstigen äusseren Existenzbedingen so rapid vermehren. Es werden 
anfänglich einige wenige Schwärmer gebildet und diese lassen nach 
einiger Zeit durch fortgesetzte Theilung eine grosse Anzahl neuer 
Schwärmer aus sich hervorgehen. Diese directe Bildung neuer 
Schwärmer wird erst eingestellt, wenn die Existenzbedingungen un- 
günstigere werden. 

Eine Infection durch Amöben und amöbenartige Individuen 
erfolgt sehr wahrscheinlich durch den Genuss amöbenhaltigen Trink- 
wassers, wenigstens kann man auf diese Weise bei Mäusen Infectionen 
hervorrufen. Nach meinen Untersuchungen bin ich berechtigt anzu- 
nehmen, dass eine grosse Anzahl für gewöhnlich frei lebender Rhi- 
zopoden unter Umständen als Parasiten im Körper höherer Thiere 
auftreten kann. Vielleicht sind die gleich zu erwähnenden Monas-, 
Cercomonas und Trichomonas-Arten nur Schwärmsporen von Rhi- 
zopoden. 



Die Infusorien (Tafel I). 

Die Infusorien sind durch einen äusserlich festbegrenzten Kör- 
per charakterisirt. Sie zeigen nicht jene mannigfachen Formver- 
änderungen, wie wir sie bei den Amöben gewahren. Ihre Fortbe- 
wegung geschieht durch eine bestimmte Anzahl von Flimmerhaaren 
(Cilien), welche mit dem peripherischen Plasma in Verbindung stehen 
und von diesem aus zu ihren Bewegungen veranlasst werden. Der 
innere Bau dieser Protozoen ist charakterisirt durch das Auftreten 
von ein oder mehreren Kernen, um welche herum auch wieder ein 
helles Plasma gelagert ist. Nach aussen zu liegt die aufgenommene, 
aus Algen oder fein vertheilter organischer Substanz bestehende 
Nahrung und in hellen, stark lichtbrechenden Körnchen die schon 
assimilirte Reservenahrung. Ganz peripherisch finden wir das streifig 
oder säulenartig ausgebildete Bewegungsplasma, welches sich in die 
Cilien hinein erstreckt. Der ganze Körper kann von einer festeren 
Plasma - Membran umgeben sein, in welcher sich ein oder mehrere 
Oeffnungen, die als Mund und After functioniren, vorfinden. 

Ausserdem treten in dem körnigen Plasma hin und wieder ein 
bis mehrere contractile Vacuolen (Fig. 18 v) auf, über deren Func- 
tionen man noch nicht klar ist. Diese Vacuolen stellen Hohlräume 
dar, welche von einer körnchenfreien hellen Plasma -Masse erfüllt 
werden; zumTheil scheinen sie als Excretionsapparate zu functioniren. 

Die Fortpflanzung geschieht durch Theilung, wobei sich auch 
zunächst der Kern und das ihm anliegende Plasma in zwei Theile 
abschnüren, worauf schliesslich die peripherischen Schichten der 
Kern theilung entsprechend zerfallen. Der Theilung kann die Ver- 
schmelzung zweier Individuen vorangehen, welchen Vorgang man 



Anmerkung: Zopf beobachtete das massenhafte Auftreten freier Amöben in 
der Musculatur der Schweine, er hat den betreffenden Parasiten, welcher sich 
durch einige Schwärmer weiter fortgepflanzt, als Haplococcus reticulatus bezeichnet. 



13 



als Conjugation zu bezeichnen pflegt. Sporenbildung ist nur selten 
bei Infusorien beobachtet worden. 

Als Parasiten treten Infusorien bei niederen und höheren Wirbel- 
thieren auf. 

Für viele aus dem Körper des Menschen bekannte Infusorien 
steht es absolut noch gar nicht fest, dass sie bestimmte, wohl cha- 
rakterisirte Arten repräsentiren, wir müssen im Gegentheil nach 
allen neueren Untersuchungen annehmen, dass besonders die hier 
kurz geschilderten Flagellaten zum Theil Jugendzustände anderer 
Protozoen sind. Von einigen Flagellaten habe ich es mit aller 
Sicherheit nachweisen können , dass sie zu einer gewissen Zeit ihre 
Geissein einziehen und zu amöboiden Formen werden. 

Man hat mehrere Gruppen der parasitirenden Infusorien zu 
unterscheiden versucht, eine wirkliche Berechtigung besitzt aber 
blos die der Ciliaten, zu denen das Balantidium gehört. Wir werden 
daher im Folgenden die Gruppe der Flagellaten oder Geisselthier- 
chen als eine Ordnung der Infusorien zwar besprechen, müssen da- 
bei aber immer der zweifelhaften Stellung derselben eingedenk sein. 

a. Flagellata, Geisselthierchen (Tafel I). 

Der Körper derselben ist sehr klein, meist lang gestreckt oder 
bimförmig gestaltet und besitzt an einem Pole constant ein bis 
mehrere feine Geissein, welche sich als Fortsätze des peripherischen 
Protoplasmas darstellen und durch pendelartiges Hin- und Her- 
schwingen das gesammte Individuum vorwärts bewegen. Ausser 
diesen längeren Wimpern, welche stets am vorderen, sogen. Mund- 
Pole des Protozoen stehen, verläuft bei einigen Formen seitlich am 
Körper desselben, gegen den hinteren Leibespol zu ein flimmernder 
Saum oder es finden sich am vorderen Körperende eine grössere 
Anzahl von feinen Cilien vor; am hinteren Leibesende können dann 
noch ein oder zwei weitere Cilien auftreten. Die Flagellaten pflanzen 
sich durch Theilung fort und zeigen hierbei Verhältnisse, welche 
ganz deutlich an die Schwärmer der Rhizopoden erinnern. 

Cercotnonas. KfLonas» Modo (Fig. 14, 15). 

Cercomonas. 

Der Körper ist länglich, bimförmig, zugespitzt oder spindel- 
förmig, vorn mit einer einfachen längeren Cilie ausgestattet, hinten 
häufig in einen feinen Endfaden ausgezogen. Man hat ausser Cer- 
comonas noch die beiden Gattungen 

Monas und JBodo 

unterschieden. Der Körper der ersteren soll oval sein, vorn eben- 
falls mit einer Geissei ausgestattet, an deren Grunde zwei kurze, 
feine, flimmernde Härchen sitzen. Einzelne Monas -Arten sollen in 
der Mundhöhle des Menschen Vorkommen, besonders zwischen den 
Zähnen, woselbst sie innerhalb der sich zersetzenden organischen 
Substanzen leben; mir ist es jedoch noch nicht gelungen, aus der 



14 



Mundhöhle typische Flagellaten zu Gesicht zu bekommen. Bei der 
Gattung Bodo, deren anderes Körperende mit zwei Geissein ausge- 
rüstet ist, hat man auch eine ganze Anzahl von sogenannten Arten 
beschrieben, trotzdem aber leider Nichts mehr zu verwerfen ist, als 
die Aufstellung neuer Arten, wenn man von den betreffenden Formen 
höchstens 1 Präparat und dies noch nicht einmal mit besten op- 
tischen Hilfsmitteln zu Gesicht bekommen hat. Man kann gerade 
bei den niederen Protozoen eine ganze Unsumme von verschiedenen 
Formen innerhalb derselben Species nachweisen und man muss bei 
der Sucht vieler Forscher, neue Arten schaffen zu wollen, um ihren 
Namen hinter denselben verewigt zu sehen, äusserst vorsichtig in 
der Annahme derselben sein. Von den Zeichnungen welche uns 
über diese niederen Parasiten des Menschen vorliegen, behaupte ich 
mit aller Bestimmtheit, dass sie zum Theil ungenau, zum Theil 
falsch sind. Man hat unterschieden: Monas crepusculus, M. globu- 
tus, M. lens, M, elongata; Bodo socialis, B. intestinalis, B. saltans, 
B. urinarius; Cercomonas biflagellata, C. globulus, C. intestinalis, C. 
accuminata. 

Die als Cercomonas von verschiedenen Orten des Körpers be- 
kannt gewordenen Individuen besitzen eine so unverkennbare Aehn- 
lichkeit mit mir sehr wohl in ihrer Entwickelung bekannten Schwärm- 
sporen von Amöben, dass ich sie als solche ansehen möchte; die 
Angaben, welche Tham, Zunker, Lampl u. s. w., sowie von älteren 
Eorschern Ehrenberg und Dujardin machen, sind so einseitig und 
berücksichtigen die allgemeinen Entwickelungsverhältnisse dieser 
Parasiten so wenig, dass ich vorziehe, sie ganz zu übergehen und 
nur auf das Vorkommen solcher Protozoen im Organismus hinweise. 

Alle die genannten Protozoen besitzen eine Körperlänge von 
0,001 bis 0,01 mm. Man fand besonders die als Cercomonas in- 
testinalis bezeichneten in den Stuhlgängen der Cholera- und Typhus- 
Kranken, sowie überhaupt bei verschiedenen Diarrhöen, ferner bat 
man einmal ähnliche Individuen in dem Inhalt einer Echinococcus- 
blase aus der Leber gefunden, und Lampl giebt uns Abbildungen 
von der letzteren, welche sich vollständig mit denen decken, welche 
mir von sich theilenden Amöben-Schwärmern bekannt sind. 

Trichomonas (Tafel J). 

Der Körper der Trichomonasarten ist ebenfalls oval, an einem 
Pole zugespitzt und mit 2 — 4 Geissein ausgestattet, ausserdem 
findet sich an einer Seite desselben ein flimmernder Saum oder eine 
mit mehreren Wimpern besetzte Linie. Aus dem Körper des Men- 
schen sind zwei Formen bekannt geworden und ausserdem hat man 
mehrere Trichomonasarten aus der Mundhöhle constatiren w r ollen. 

Trichomonas vaginalis (Tafel I, Fig. 16). 

Man hat in dem sauer reagirenden Vaginal-Schleime der Frauen 
länglichovale Protozoen gefunden, deren vorderes Körperende mit 
1—3 Cilien ausgestattet ist, der Leib ist bauchig oval, am hinteren 
Körperende etwas zugespitzt, etwa 0,01 mm lang; vom vorderen Ende 



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reicht bis zur Mitte des Körpers ein aus 6 — 7 Cilien bestehender 
Flimmersautn und ausserdem will man eine grössere Anzahl borsten- 
artiger Fortsätze beobachtet haben. Die Individuen scheinen sich 
durch einfache Theilung zu vermehren, was ich daraus schliesse, 
dass man einige beobachtete, welche sich scheinbar mit den Schwanz- 
fäden aneinander gelegt hatten. Man findet diese Parasiten ziem- 
lich häufig, sowohl bei Frauen, welche an Gonorrhöe leiden als auch 
bei solchen, deren Vaginal-Sehleim nur Eiterkörperchen enthält; be- 
sonders häufig sind sie in den sehr stark sauer reagirenden Secreten. 
Ob diese Parasiten pathologische Veränderungen hervorrufen, muss 
zur Zeit noch dahingestellt bleiben. 

Trichomonas intestinalis (Tafel I, Fig. 17). 

Diese Species, welche der längeren Geissein entbehren soll, 
gleicht in ihrem allgemeinen Körperbau der T. vaginalis, nur be- 
steht der vordere Wimpersaum aus einer grösseren Anzahl feiner 
Cilien. Besonders hat man diesen Parasiten in den Stuhlgängen 
der typhösen und der an chronischen oder akuten Diarrhöen lei- 
denden Patienten gefunden, auch will man ihn in der Mundhöhle 
beobachtet haben. 

Ob dieser Trichomonasart krankheitserzeugende Eigenschaften 
zukommen, ist noch sehr fraglich, wahrscheinlich tritt sie blos se- 
cundär bei verschiedenen Krankheiten auf. 

Steinberg hat sich auch wieder veranlasst gefühlt, als Tricho- 
monas elongata, caudata und flagellata, drei weitere sogenannte 
Arten aus der Mundhöhle zu beschreiben. 



b. Ciliata, Wimperinfusorien (Tafel I). 

Bei den Ciliaten hat man es mit wohl charakterisirten Infusorien- 
formen zu thun und kann hier kein Zweifel darüber herrschen, 
dass die in dieser Gruppe vereinigten Individuen und Arten ausge- 
bildete Individuen erkennen lassen, welche keine weiteren Umwand- 
lungen mehr erfahren. Der Körper dieser Infusorien lässt eine 
ganze Anzahl von Differenzirungen erkennen, Difterenzirungen, welche 
wir zum Theil auch schon bei den Amöben besprochen habeD. Im 
Inneren des Leibes liegt ein wohlunterscheidbarer grösserer Kern, 
welcher ein bis mehrere Kernkörperchen eingeschlossen enthält. 
Ueber die Function des Kernes sind wir noch nicht vollkommen 
genau unterrichtet, soviel steht jedoch fest, dass von ihm aus die 
Vermehrung des Individuums eingeleitet wird, denn erst, nachdem 
sich der Kern getheilt hat, geht auch die Trennung des übrigen 
Zellinhaltes vor sich und zwar ganz entsprechend den Theilungs- 
stücken des Kernes. 

Um den Kern herum liegt ein helles Plasma, welchem die 
Functionen der Assimilation der Nahrung zukommen und welches ich 
als E r n ä h r u n g s - P 1 a s m a bezeichnet habe, dann folgt die Haupt- 
leibesmasse, welche aus einer zähflüssigen Grundsubstanz besteht, 
in welcher die aufgenommene Nahrung abgelagert wird. Diese 



16 



Nahrung findet sich besonders in den dem Kern zunächst gelegenen 
Schichten, während jene Theile, die weiter von dem Kern entfernt 
sind (meist der vordere oder hintere Körperpol), eine mehr oder 
minder grosse Anzahl stark lichtbrechender Körperchen enthalten, 
die aus Assimilationsproducten bestehen und als Reservematerial 
aufgespeichert werden. Ich habe ihnen die Bezeichnung Nah- 
rungsplasma gegeben. 

In dieser körnigen Schicht treten dann auch die sogenannten 
contractilen Vacuolen auf, es sind dies hohle Räume, welche in der 
Grundsubstanz dadurch entstehen, dass die Körnchen von gewissen 
Stellen zurückgedrängt werden. Ob diesen Vacuolen bei den In- 
fusorien excretorische Functionen zukommen, muss vorerst noch 
dahingestellt bleiben. 

Man hat die eben genannten Schichten als Endoplasma be- 
zeichnet und sie den peripherischen Schichten (dem Ectoplasma) 
gegenübergestellt. 

Die peripherischen Schichten bestehen in der Regel aus ho- 
mogen erscheinenden oder nur ganz feinkörnigem Plasma; ihnen 
liegen die Functionen der Athmung und Bewegung ob, die Bewegung 
wird durch feine oder stärkere Cilien bewirkt, welche über den ge- 
sammten Körper oder über bestimmte Theile desselben verbreitet 
sind. Es sind diese Cilien auch nur Plasma-Fortsätze, welche mit 
dem unterliegenden Plasma in Verbindung stehen und von hier aus 
in Bewegung gesetzt werden. Dies sogenannte Bewegungsplasma 
ist in feinen Streifen und Bändern über den Körper der Infusorien 
verbreitet, es ercheint daher die Aussenseite dieser Thiere fein ge- 
rieft oder gestreift. Was nun die äusserste Schicht anlangt, so hat 
man dieselbe als Cuticula bezeichnet, ist aber in dieser Bezeich- 
nung oft zu weit gegangen', denn die Schicht ist nicht resistent 
wie es die Cuticular- Ausscheidungen anderer Zellen sind, sondern 
sie zerfällt im Wasser vollständig und dabei gewahrt man, wenn 
man den Process des Zerfalls unter dem Mikroskop betrachtet, dass 
sie zu äusserst nur ein verdichtetes, in regelmässig kleinsten Theilen 
angeordnetes Plasma darstellt. 



BurSaridae. 

Die Gestalt ist von der oberen Fläche gesehen oval, an den 
beiden Polen etwas zugespitzt, von oben nach unten zusammenge- 
drückt, die äussere Form ist verhältnissmässig starr, weil die äussere 
Körperschicht von einer festeren cuticulaähnlichen Plasmamasse ge- 
bildet wird. Das innere Plasma lässt alle die eben besprochenen 
Differenzirungen erkennen. Der Kern ist meist sichelförmig ge- 
bogen, oder oval, oder auch rundlich. Am vorderen Körperpole liegt 
das Mundfeld (Peristom), welches muldenförmig vertieft erscheint 
und in seinem Grunde eine kurze röhrenförmige Oeffnung besitzt, 
welche man als Schlund und Mundöffnung bezeichnet. Am Rande 
des Peristoms stehen Wimpern und zwar sind die nach der Körper- 
mitte zu gelegenen grösser und kräftiger als die am seitlichen Rande 



17 



des Peristoms befindlichen. Diese, um das Peristom sich herumziehende 
(adorale) Wimperzone verläuft ziemlich gerade und nicht wie bei 
verwandten Familien spiralig nach hinten. Im Uebrigen ist der 
Körper auf seiner ganzen Oberfläche dicht mit feinen Cilien besetzt. 



Balantidium. 

Das Peristom verläuft in das vordere Körperende aus, es ist 
spaltförmig, nach vorn zu etwas erweitert, in seinem Grunde liegt 
die Mundöffnung, an welche sich in einigen Fällen ein kurzes, rudi- 
mentäres Schlundrohr ansetzt. 

Balantidium coli (Tafel I, Fig. 18, 19). 

Der Körper ist kurz eiförmig, bis 0,1 mm lang und 0,07 mm 
breit. Der Kern ist nierenförmig und in der Regel mehr in der 
vorderen Körperhälfte gelagert; meist sind zwei Vacuolen (F) vor- 
handen. Die unverdaulichen Nahrungstheile werden am hinteren 
Körperpol durch den sogenannten After ausgeschieden. Balantidium 
coli findet sich hauptsächlich und meist in grosser Menge im Dick- 
darm und Blinddarm des Schweines und ist in mehreren Fällen 
auch beim Menschen constatirt worden; beim Menschen hat man 
es oft in den Stuhlgängen der an heftigen Diarrhöen Erkrankten 
gefunden. Die Fortpflanzung geschieht auch durch Theilung, viel- 
fach nach vorhergegangener Conjugation. Es scheint, dass diese 
Infusorien auch Dauercysten bilden können, wobei die Individuen 
ihre Cilien einziehen, sich kugelig abrunden und dann äusserlich 
eine feste resistente Cuticulahülle abscheiden. In dieser Form sind 
dann die Infusorien äusserst widerstandsfähig gegen äussere Ein- 
flüsse und scheint ihre Verbreitung nur durch diese Cysten vor sich 
zu gehen. Es ist nicht constatirt, ob diese Infusorien die Ursachen 
der Darmleiden sind, in deren Gefolge man sie gefunden hat, man 
will allerdings mit der Zunahme der Infusorien im Darm auch eine 
Steigerung der Diarrhöen constatirt haben. Bemerkenswerth ist, 
dass man das Balantidium coli nur bei wenigen nordischen Volks- 
stämmen gefunden hat (Schweden, Norwegen). 

Die Therapie vergl. in den Schlusstabellen. 



2 



Vermes, Würmer. 

Die grösste Anzahl der in dem Menschen schmarotzenden Thiere 
gehört den verschiedenen Ordnungen der Würmer an, sehr viele der 
letzteren sind für das Leben des Menschen durch ihr Auftreten in 
den verschiedenen Theilen des Organismus äusserst verhängnissvoll, 
andere rufen nur leichtere Störungen hervor und von noch anderen 
weiss man, dass sie gar keine Unbequemlichkeiten durch ihre An- 
wesenheit erzeugen. Mit Ausnahme der Egel schmarotzen die Würmer 
im Innern des Organismus. 

Der Körper der Würmer ist weich, ohne festes zusammenhängendes 
Skelet und in der Regel bilateral symmetrisch ausgebildet. Vielfach 
lässt sich am Wurmkörper eine Gliederung erkennen, die theils 
äusserlich ist, theils sich aber auch auf den inneren Bau erstreckt. 
Die innere gegliederte Ausbildung wird als Segmentation bezeichnet 
und enthält ein solches inneres Segment in gewissen Körperab- 
schnitten je dieselben Organe oder Organtheile. 

Die äussere Gliederung braucht nicht mit der inneren zusammen- 
zufallen. Die äusseren Segmente entbehren jene wiederkehrenden 
Körperanhänge wie wir solche z. B. constant als Gliedmassen u. s. w. 
bei den Insekten finden. 

Als äussere Bewegungsorgane finden wir höchstens kurze Stummel 
entwickelt, welche noch mit rückwärts gestellten Borsten ausgerüstet 
sein können. Meist werden die Bewegungen durch Streckung und 
Krümmung des gesammten Körpers ausgeführt. Aeussere Haft- 
apparate sind in Form von Saugnäpfchen und Haken bekannt. Da 
der Körper vollständig nackt ist, sind die Würmer an das Leben 
im Wasser oder an feuchten Orten gebunden. Auf die so wech- 
selnde, innere Organisation wird bei Besprechung der einzelnen pa- 
rasitirenden Formen eingegangen werden. Ebenso ist die Entwicke- 
lung in den bestimmten Fällen jedesmal zu betrachten. 



Plathelminthes, Plattwürmer. 

Der Körper ist blattartig, entweder einfach und ungegliedert 
oder in mehr und minder zahlreiche, aufeinanderfolgende und häufig 
selbständige Segmente zerlegt. Aeussere Bewegungsorgane fehlen, 
dafür ist aber der vordere Leibesabschnitt, der sogenannte Kopf, 
meist durch besondere Saugscheiben oder einen Hakenkranz ausge- 



19 



zeichnet, vermittelst welcher Apparate sich der Körper dieser Para- 
siten im Wirthe anheftet. 



Cestodes, Bandwürmer . 

Es sind dies durchweg im Inneren von anderen Thieren lebende, 
mund- und darmlose, lange, platte, meist gegliederte Thierformen, 
nur sehr wenige derselben sind ungegliedert (wie die in Fischen 
vorkommenden Ligula, Caryophyllaeus). Meist ist der Körper durch 
eine, auch äusserlich scharf markirte, Quergliederung in zahlreiche, 
hintereinanderliegende Abschnitte getheilt. Der vorderste dieser Ab- 
schnitte wird als Kopf (Scolex) bezeichnet; derselbe ist mit rund- 
lichen oder länglichen Saugnäpfen und vielfach mit einem einfachen 
oder doppelten Kranze von Hafthaken ausgerüstet; seltener ist er 
rüsselartig ausgezogen und mit Widerhaken besetzt. Auf ihn folgt 
nach hinten zu ein dünner, als Hals bezeichneter Abschnitt, welcher 
durch Sprossung die Glieder hervorgehen lässt. Ein solches Glied 
(Proglottis) kann als Individuum aufgefasst werden, indem es nach 
Ablauf einer gewissen Zeit selbständig wird und beiderlei Ge- 
schlechtsproducte zur Entwickelung bringt. Die reifen Proglottiden 
lösen sich meist ab und verlassen den Körper des Wirthes, in 
welchem der Kopf und die unentwickelten Glieder Zurückbleiben. 

Was nun die Anatomie dieser Würmer anlangt, so finden wir, 
dass der Verdauungs- Apparat und die Sinnesorgane vollständig fehlen. 
Die Thiere haben ja auch den ersteren nicht nöthig, weil sie direct 
in einem reichlichen Nahrungsmaterial leben und aus diesem durch 
die äussere Haut hinreichend genug aufzunehmen vermögen. Dass 
Sinnesorgane, wie Augen Ohren u. s. w. fehlen, ist leicht erklärlich, 
denn dergleichen Apparate würden unseren Thieren absolut nicht 
von Nutzen sein. 

Die äussere Haut zeichnet sich durch eine gewisse Festigkeit 
und Elasticität aus. Sie besteht aus einer ganz zu äusserst ge- 
legenen hellen, porösen Cuticula, welche als schützende Hülle gegen 
die Einwirkung verdauender Säfte anzusehen ist, was sich daraus 
folgern lässt, dass Verletzungen derselben die Auflösung der be- 
treffenden Glieder zur Folge haben. Selten ist die Cuticula ge- 
schichtet, sehr häufig aber längs gestreift und von zahlreichen feinen 
Porenkanälchen durchsetzt. Unter dieser peripherischen Haut liegt 
eine Subcuticularschicht, welche aus länglichen Zellen besteht, die 
als matrix der äusseren Cuticula aufzufassen sind. Nach einigen 
Forschern wird die Beziehung dieser inneren Schicht zur Cuticula 
in Abrede gestellt und der Subcuticularschicht die Function eines 
Bindegewebes zugeschrieben. Unter dieser letzteren Schicht be- 
findet sich der sogenannte Hautmuskelschlauch, welcher aus über- 
einanderliegenden Quer- und Längs-Muskelfasern zusammengesetzt 
wird. Stark entwickelt sind die Längsmuskelfasern, die musculi 
longilutinales. (Durch die Contraction der Längs- und Quermuskel- 
fasern werden die Bewegungen der Bandwürmer veranlasst.) Unter 
diesem äusseren und ziemlich starken Muskelschlauch liegen dann 

2 * 



20 



die inneren Organe der Cestoden. In den äusseren Schichten sind 
noch Abscheidungen von Kalk und Chitin zu bemerken. Die Kalk- 
körperchen, welche meist von rundlicher Form sind, finden sich 
besonders in den äusseren Muskelschichten, den sogenannten Rinden- 
schichten. Es scheinen diese Kalk-Concretionen aus einem Ueber- 
schuss von gelösten Kalksalzen in dem Cestodenkörper herzurühren. 
Die Cuticula bildet an einzelnen Stellen Härchen und kurze 
Stacheln oder am Kopf die klauenartig gekrümmten Haken. Die 
Haken entwickeln sich ebenso, wie die Stacheln auf einem kleinen 
subcuticularen Kegel; im Innern des Körpers können sie noch durch 
fuss- oder sohlenartige Fortsätze befestigt sein. Das Wachsthum 
der Haken geht von der Innenfläche aus. 

Die von dem Muskelschlauch allseitig umgebene Centralschicht 
wird als Mittelschicht bezeichnet. In derselben liegen alle wich- 
tigeren Organe, die Keimdrüsen und der sonstige Geschlechtsapparat, 
das Gefässsystem und die Nerven. 

Die Anatomie werden wir am Besten an einem bestimmten Bei- 
spiele kennen lernen und sind hier nur noch einige allgemeine Be- 
merkungen über die Entwickelung der Cestoden vorauszuschicken. 

Schon seit langer Zeit hat man der Entwickelung der Cestoden 
die grösste Beachtung geschenkt und hat gefunden, dass sie eine 
so complicirte Metamorphose durchmachen und dass die verschie- 
denen Zwischenformen oft so verschieden von einander gebaut sind, 
dass wir uns nicht wundern können, wenn frühere Forscher die 
wunderbarsten Ansichten über die Entwickelung gehegt haben. 

Es ist bei den Cestoden fast ausnahmslos Regel, dass die ver- 
schiedenen Entwickelungsformen unter verschiedenen Bedingungen 
und in verschiedenen Wirthen zur Ausbildung gelangen. Die End- 
form findet man meist in dem Darm eines höheren Thieres, sie 
stellt uns das geschlechtsreife Individuum dar, welches durch die 
Production einer enormen Menge von Eiern die Weiterentwickelung 
neuer Individuen einleitet. Bei den Bandwürmern werden die Eier 
in den meist aufeinander folgenden Segmenten hervorgebracht und 
es ist dabei Regel, dass die hinteren Segmente die reifen Eier ent- 
halten, während in den vorderen entweder noch gar keine oder die 
ersten Anlagen derselben vorhanden sind. Die Glieder entwickeln 
sich vom Kopf aus und scheinen der Kopf und die ersten Hals- 
glieder scheinbar vollständig indifferent, wenigstens lassen sich histo- 
logisch in ihnen keine deutlichen Gewebselemente bestimmen, aus 
denen die Eier und Spermatozoen später hervorgehen. (Wir müssen 
jedoch annehmen, dass auch in den Kopf- und Hals-Segmenten 
schon Zellen vorhanden sind, welche die Urkeimzellen für die Ge- 
schlechtsproducte repräsentiren.) 

Die Endglieder einer Bandwurmkette sind vollständig mit Eiern 
angefüllt, die mittleren Glieder enthalten neben den weiblichen auch 
die männlichen Geschlechts - Apparate. Die letzteren verschwinden 
jedoch mehr und mehr in den Endgliedern, nachdem eine wechsel- 
seitige oder Selbst -Befruchtung der mittleren Glieder stattge- 
funden hat. 



21 



Durch Ablösung gelangen nun die letzten Glieder mit dem 
Kothe nach Aussen, bewegen sich eine Zeit lang selbständig und 
gehen dadurch, dass sie an Gräsern, Kräutern u. s. w. in die Höhe 
kriechen und mit diesen gefressen werden , in den Darm eines 
Pflanzenfressers oder eines Omnivoren über. Im Magen derselben 
wird der Muskelschlauch des betreffenden Bandwurmgliedes gelöst 
und die befreiten Eier, aus denen die Embryonen ausschlüpfen, 
gelangen in den Darmabschnitt, wo sich Embryonen mit einigen 
Häkchen anheften und wo sie versuchen, durch die Wandungen 
hindurchzudringen. Ist ihnen letzteres gelungen, so gelangen sie 
alsbald in den Blutstrom, und mit diesem in die verschiedensten 
Organe des Körpers. In diesen Organen runden sie sich ab, bilden 
nach aussen eine feste Haut und wachsen innerhalb derselben zur 
sogenannten Finne heran. Diese Finne bleibt nun solange in dem 
betreffenden Organe liegen, bis dasselbe von einem Fleischfresser 
gelegentlich als Nahrung aufgenommen wird. Dann gelangt die 
Finne in den Magen und Darm des letzteren, die Cyste um sie 
herum wird verdaut, sie stülpt den früher gebildeten Kopftheil vor, 
heftet sich mit den Haken oder mit den Saugscheiben desselben an 
der Darmwandung an und wächst hier wieder dadurch, dass sich 
vom Kopftheile aus Glieder nach hinten bilden, zu einem geschlechts- 
reifen Bandwurm heran. 

Die Ausbildung von hintereinander liegenden Segmenten hat 
viele Forscher zu der Frage veranlasst, wie nun der Körper der 
Bandwürmer aufzufassen sei, ob als einheitlicher oder ob als ein 
aus mehreren Individuen zusammengesetzter. Aus verschiedenen 
anatomischen und physiologischen Gründen müssen wir annehmen, 
dass die einzelnen Glieder, auch wenn sie geschlechtsreif werden, 
nicht selbständige Individuen sind, sondern dass sie mit dem übrigen 
Körper im Zusammenhänge ein Individuum repräsentiren. Die Gründe, 
welche hauptsächlich hierfür sprechen, liegen einestheils in der Aus- 
bildung des Nervensystems und des Wassergefäss-Apparates, andern- 
theils aber auch darin, dass es Bandwürmer giebt, welche nicht jene 
Gliederung zeigen. 

Man hat unter den Cestoden verschiedene Familien unter- 
schieden. Die erste umschliesst die Taeniaten, zu welchen die 

Taenia soliurn, T. saginata, T. echinococcus, T. cucumerina u. s. w. 
gehören. Der Kopf dieser Formen ist kugelicli oder bimförmig, stets 
mit vier musculösen Saugnäpfen ausgerüstet. Ausserdem trägt der- 
selbe meist noch einen einfachen oder doppelten Hakenkranz, welcher 
auf einem einziehbaren Stirnzapfen (Rosteilum) aufsitzt. Die Ge- 
schlechtsorgane münden an den Seiten des Körpers aus. 

Die erste Gruppe der Taeniaten bildet die Blasen-Bandwürmer 
(Cystotaeniae). Der Körper derselben ist entweder wie beim kleinen 
Hunde-Bandwurm (Taenia echinococcus) nur wenige mm lang, oder 
aber, wie bei der Taenia saginata, oft in einer Länge von 4—5 m 
entwickelt. Aus den Eiern schlüpfen kleine Embryonen hervor, 
welche eine Embryonal-Blase erzeugen, von der aus sich ein oder 
viele Köpfchen nach Innen entwickeln. 



22 



Die zweite Gruppe wird von den Cystoiden gebildet. Bei diesen 
ist der finnenähnliche Zustand durch eine kleine Blase repräsentirf,. 
welche keine wässerige Flüssigkeit enthält. 

Die zweite Familie ist diejenige der Gruben-KÖpfe (Bothrio- 
cephalidae). Dieselben sind dadurch ausgezeichnet, dass an den 
Seiten des Kopfes zwei lange, flache Sauggruben auftreten und dass 
die Geschlechtsorgane nicht an den Seiten der Proglottiden, sondern 
auf der Fläche derselben ausmünden. Bei dem Menschen kommt 
blos einer aus dieser Gruppe als Parasit vor. 

Die übrigen Familien der Cestoden schmarotzen nicht im Menschen. 
Die Ligulidae leben in der Leibeshöhle der Wasservögel und Fische. 
Die Tetrarhynchidae, deren Kopf mit vier vorstiilpbaren und mit Wider- 
haken bewaffneten Rüsseln versehen ist, leben ebenso wie die Te- 
traphyllidae als Geschlechtsthiere im Darm der Haie und Rochen. 



Taenia sölium. Der beivaffnete Banclivnrm (Tafel II). 

Dieser Bandwurm, dessen Finne, wie wir noch sehen werden, 
im Schweinefleische lebt, ist oft ein sehr gefährlicher Gast im 
Körper des Menschen und unter allen Umständen sobald 
als möglich aus demselben zu entfernen. 

Der Körper der Taenia solium ist in der Regel U/ 2 — 3 m lang. 
Es schwankt sein Gewicht zwischen 10 und 25 g; die Anzahl der 
Glieder kann bis zu 850 steigen, der Kopf (Fig. 9—13) ist unge- 
fähr so gross wie ein kleiner Stecknadelkopf. An seinem vorderen 
Ende trägt er einen kleinen, erhabenen Stirnzapfen, welcher mit 22 
bis 32 Haken ausgerüstet ist, welche in zwei Reihen an geordnet 
sind. An den Seiten des Kopfes finden sich vier kräftige Saugnäpfe 
(Fig. 12, 13). 

Der auf den Kopf folgende Hals ist sehr dünn und erweitert 
sich nur ganz allmählich. Seine Aussenfläche scheint unter dem 
Mikroskop durch ganz feine Querlinien in einzelne Theile gegliedert. 
An den Hals setzen sich nach und nach die folgenden Glieder in 
immer weiteren Entwickelungs- Stadien an. Die Breite dfer Glieder 
wächst vom Hals gegen das Ende des Thieres zu in einer ungefähren 
arithmetischen Progression. Während die ersten Glieder ca. 1 ji mm 
Breite haben, ist die der geschlechtsreifen Glieder ungefähr fünfzig 
Mal grösser. 

Auf Tafel II finden wir die verschiedenen Theile einer Taenia 
solium. Fig. 11 stellt uns einige Glieder aus verschiedenen Stellen 
einer Bandwurmkette dar; a ist der Kopf mit dem Hals und einigen 
folgenden Gliedern, dann folgen einige weiter entwickelte Proglot- 
tiden (b) und schliesslich die halbreifen (c), die geschlechtsreifen 
(d, e) und die abgegangenen (f) Glieder. Fig. 13 zeigt uns den 
stark vergrösserten Kopf von oben gesehen. Das Rostellum mit 
dem Hakenkranz und die Saugscheiben sind sofort erkenntlich. In 



Fig. 14 sind ein grosser und ein kleiner Haken stärker vergiössert 
dargestellt worden. 

Der Kopf hat die Hauptfunction, den Körper des Bandwurms 
in dem Darme zu befestigen. Alle weiteren Organe fehlen ihm 
oder sind vollständig rudimentär geworden. Zwischen den Saug- 
näpfen liegt innerhalb des Kopfes das Centrum des Nerven- 
systems; dasselbe besteht aus einer einfachen Queicommissur und 
zeigt im Inneren einer ganglienartigen Anschwellung verschiedene 
Ganglienzellen. Von diesem Centralnervensystem aus verlaufen dann 
zwei Hauptnervenstämme, welche neben dem gleich zu besprechenden 
Wassergefässsystenr liegen, durch den ganzen Körper hindurch und 
geben in den einzelnen Proglottiden nach verschiedenen Seiten 
kleine Nervenzweige ab. 

Es werden von diesem Nervensystem aus natürlich hauptsäch- 
lich die Muskeln innervirt. So gehen von dem Centralorgan be- 
sondere Nervenstämmchen und Nervenfasern nach dem Rostellum 
und den Saugnäpfen hin. 

Von Sinnes-Organen ist am Kopfe absolut nichts zu be- 
merken. Dass Mund, Darm u. s. w. fehlen, ist schon erwähnt werden, 
es bleibt uns hier nur noch ein Apparat zu besprechen übrig, es 
ist das sogenannte Gefässsystem des Bandwurmes. Dasselbe 
liegt auch mit einem ringförmigen Anfangstheil im Kopfe und von 
diesem Ringe aus verlaufen nach hinten zu neben den Nerven- 
stämmen an den Seiten der Mittelschicht zwei Gefässstämme durch 
die ganze Proglottidenkette hindurch. Im Kopfe selbst gehen von 
den Ringgefässen mehrere Gefässstämmchen nach den verschiedenen 
Kopftheilchen hin. Die Gefässe des hinteren Leibestheils stehen 
untereinander durch Queranastomosen (Fig. 19, a) in Verbindung. 
Was die Gefässe für eine physiologische Bedeutung besitzen, ist zur 
Zeit noch nicht genau festgestellt. (Bei anderen Bandwürmern liegt 
anstatt eines Ringes ein ganzes korbartiges Gefässsystem im Kopf- 
theile und die Gefässstämme des weiteren Leibesabschnittes werden 
durch zahlreiche kleinere Längs- und Quergefässe miteinander ver- 
bunden.) 

Die Glieder des ungefähr 1 cm langen Halses lassen keine be- 
merkenswerthen Differenzirungen im Inneren erkennen. Auch die 
ersten Glieder des folgenden eigentlichen Leibesabschnittes sind zu- 
nächst noch sehr einfach construirt und erst in ungefähr 75 mm 
Entfernung vom Kopfe bemerkt man in den Proglottiden die ernsten 
Differenzirungen. Wenn man die Glieder zwischen zwei Objekt- 
trägern etwas presst, so gewahrt man im Inneren derselben kleine 
Verdickungen, welche nach und nach stärker hervortreten, je weiter 
wir uns vom Kopfe in der Gliederreihe entfernen. 

Es sind diese schon äusserlich durchscheinenden, innerlichen 
Verdickungen die ersten Anlagen des Geschlechtsapparates.. Be- 
sonders sind es die weiblichen Geschlechtsorgane, welche durch die 
Ansammlung zahlreicher Eier im Uterus, zunächst einen scharfen 
in der Längslinie des Körpers verlaufenden Stamm und dann in 
halbreifen und reifen Gliedern eigenthümliche dentritische Figuren 



24 



innerhalb der einzelnen Proglottiden hervorbringen (Figg. 1, c, d, g; 
16, 17, 18, 19, 22.). Diese Figuren, welche um so schärfer hervor- 
treten, je mehr sich die Glieder der Reife nähern, sind für die Be- 
stimmung der Bandwürmer von allergrösster 'Wichtigkeit. Der einen 
Kranken behandelnde Arzt hat sich von dem Aussehen der reifen 
Glieder zu überzeugen und nach diesem die betreffende Bandwurm- 
Species zu bestimmen. Besonders ist die Unterscheidung der Taenia 
solium (Fig. 18) von der weiter unten zu besprechenden Taenia 
saginata (Tafel III, Fig. 1, 14) von grösster Wichtigkeit, denn Taenia 
solium kann für das Leben des betreffenden mit ihm behafteten 
Patienten sehr gefährlich werden , während die Taenia saginata 
höchstens vorübergehende Beschwerden hervorrufen kann. Wenn 
wir nun die Glieder der Taenia solium in gewissen Zwischenräumen 
vom Kopfe ab untersuchen, so finden wir dabei folgende Verhältnisse. 
Denken wir uns einen Bandwurm, dessen Körper, wie dies nicht 
selten vorkommt, ca. 850 verschiedene Glieder aufweist, und unter- 
suchen wir die Glieder innerhalb einer Strecke von 30 zu 30 cm, 
so ergiebt sich äusserlich ungefähr Folgendes: Auf den Kopf, der 
ungefähr 1 mm Breite besitzt, folgt der Hals mit nicht ganz ^ mm 
Durchmesser. Die auf den ca. 1 cm langen Hals folgenden Glieder 
haben zunächst auch nur 0,5 mm Durchmesser und eine Länge von 
ungefähr 0,01 mm. Innerhalb der ersten 30 cm, vom Halse an ge- 
rechnet, nimmt der Durchmesser der Glieder bis auf 2 1 /3 mm zu 
(Fig. 11, b). Die Länge der Glieder ist dabei ganz allmählich von 
0,01 mm auf beinah 1,5 mm gestiegen. Die Anzahl der Glieder 
innerhalb der ersten 30 cm beträgt ungefähr 400. Gehen wir wieder 
30 cm weiter (Fig. 11, c), so finden wir, dass sich die Breite der 
Glieder hier fast verdoppelt hat und dass die Länge der letzten 
Glieder auf dieser Strecke ca. 2,3 mm beträgt. In der dritten 
Körperstrecke von 30 cm steigt die Breite der Glieder bis zu ca. 
63 mm (Fig. 11, d) und die Länge ist auf ungefähr 3,5 mm gestiegen; 
damit ist aber auch die grösste Breite der Glieder erreicht und jetzt 
beginnen dieselben nur noch nach und nach in die Länge zu wachsen 
und nehmen gegen das Ende des Tliieres zu wieder langsam an 
Breite ab, so dass die reifen und abgestossenen Glieder (Fig 11, 
e, f, g) ungefähr 11 — 13 x /2 mm lang und zwischen 5 — 7 mm breit sind. 

Eine genaue Bestimmung und für die Diagnose im Ganzen und 
Grossen sicherere ist die Bestimmung der Fläche eines Bandwurm- 
gliedes. Man nimmt die durchschnittliche Länge eines reifen, ab- 
gegangenen Gliedes und multiplicirt sie mit der Zahl der Breite 
desselben Gliedes. Bei Taenia solium erhält man dann ein Product, 
welches kleiner als 100 ist. Die durchschnittliche Länge ist unge- 
fähr 13 mm, die Breite 7,5 mm, das Product aus diesen beiden 
Zahlen ist 97,5. Bei Taenia saginata erhalten wir auf diese Weise 
ein Product, welches höher als 150 ist. Was nun die Entwickelung 
der Geschlechtsapparate anlangt, welche für die Bestimmung und 
Unterscheidung der Bandwürmer von grösster Wichtigkeit sind, so 
sehen wir die ersten deutlichen Anlagen derselben in den Gliedern, 
welche ungefähr 7 — 8 cm vom Kopfe entfernt sind. 



25 



In einem jeden Bandwurmglied entwickeln sich die männlichen 
und weiblichen Geschlechtsapparate nebeneinander und nacheinander, 
sodass wir es bei den Bandwürmern mit typischen Zwittern zu tlinn 
haben. Man kann zwischen den keimbereitenden Apparaten (Hoden 
und Eierstöckern) und den Ausführungsgängen der Geschlechts- 
apparate Unterschiede machen. 

Der männliche Geschlechtsapparat (Fig. 19, 20). 
Derselbe besteht aus Samen- oder Hodenbläschen (s) und den Aus- 
führungsgängen derselben ( vd ). Die Samenbläschen stellen sich 

als kleine, rundliche Gebilde dar von durchschnittlich 0,15 mm Durch- 
messer, sie liegen durch den ganzen mittleren Theil des Bandwurm- 
gliedes zerstreut, besonders dicht gedrängt in der Nähe der Gefäss- 
stämme, weit auseinander und einzeln auftretend in der Mitte des 
Gliedes. In ihnen entwickeln sich die Spermatozoen als büschel- 
artige Gebilde vom Rande oder den Seitentheilen des Bläschens 
aus. Von einem jeden Bläschen führt ein feiner Gang gegen das 
Innere des Gliedes. Die Gänge benachbarter Bläschen vereinigen 
sich miteinander, solche Vereinigungen gehen immer weiter und 
weiter, endlich treten sie mit einigen wenigen Ausführungsgängen 
zu einem gemeinsamen Vas deferens zusammen, welch letzteres 
nun den schliesslichen Ausführungsgang für die Spermatozoen bildet, 
das Vas deferens (<rZ), geht in horizontaler Richtung von der Mitte 
Des Gliedes aus als gewundener Schlauch gegen einen Gliedrand 
hin. An diesem Rande liegt nun eine beutelartige Erweiterung in 
deren hinteres Fnde das Vas deferens eintritt. Die Erweiterung (c) 
wird als Cirrusbeutel bezeichnet. Das Vas deferens geht in einigen 
Windungen durch diesen tiefen Beutel hindurch, seine Wandungen er- 
scheinen hier dicker und sind im Inneren mit feinen Chitinspitzen 
besetzt. Das Endstück des Vas deferens dient als Begattungs-Organ 
und wird nach aussen hervorgestülpt. Dem hervorgestülpten Theile 
hat man die Bezeichnung Cirrus (Penis p) beigelegt. Meist erfolgt 
eine Befruchtung desselben Gliedes dadurch, dass der Cirrus sich 
umbiegt und in die nebenliegende weibliche Geschlechtsöffnung ein- 
dringt; seltener tritt eine Befruchtung aufeinanderfolgender Glieder ein. 

Die w r e i b 1 i c h e n G e s c h 1 e c h t s - A p p a r a t e (Fig. 19, 20, 
21, 22), legen sich später an, als die männlichen. Auch hier müssen 
wir zuerst die keimbereitenden Organe von einigen Nebenapparaten 
und den Ausführungsgängen trennen. Wir haben zu unterscheiden 
einen paarigen Eierstock (e) und einen einfachen Dotterstock (ds). 
Der Eier- oder Keimstock legt sich als doppeltes, fächerförmig aus- 
gebreitetes Organ an und zwar liegen die Keim-Stöcke in der unteren 
Hälfte des Gliedes, ungefähr symmetrisch gegen die Längsachse 
desselben. Sie bestehen aus zahlreichen, neben einander liegenden 
Schläuchen, welche nach Aussen blind endigen, im Inneren zusammen- 
treten und mit einigen gemeinsamen, verästelten Ausführungsgängen 
in die Theile des Uterus (i u ) hineinmünden. Unter den Keimstöcken 
liegt der unpaare Dotter stock (ds). Er bildet ein längliches, 
dem unteren Gliedende aufliegendes Organ und mündet mit einem 
kleinen Ausführungsgange in die Ausleitungswege der Geschlechts- 



26 



organe. Er ist ähnlich wie der Eierstock aus kleinen schlauch- 
förmigen Drüsen zusammengesetzt. Innerhalb der Keimstockschläuche 
gelangen die primitiven Eizellen zur Entwickelung. Die Eizellen 
besitzen einen grossen Kern, eine scharf umgränzte Membran und 
um diese herum, einen hellen Plasmahof. Innerhalb der Dotterstöcke 
werden die Dotterzellen gebildet und scheinen dieselben die Function 
zu haben, später durch Anlagerung an die austretenden Eier diesen 
das nöthige Nahrungsmaterial zu verschaffen. 

An Neben-Apparaten haben wir die Schalendrüse (Fig. 21, s) 
zu erwähnen, welche sich als ein kleines, kugeliges Gebilde darstellt, 
welches zwischen den beiden Keimstöcken und dem Dotterstock ge- 
legen ist und welches sowohl mit dem Fruchthälter als auch mit 
den keimbereitenden Organen in Verbindung steht. (Von einigen 
Autoren wird die Schalen drüse als Mehlis’scher Körper bezeichnet, 
früher hat man sie als Saamentasche aufgeführt). In ihr geht viel- 
leicht die Befruchtung der Eier vor sich, sowie die Umhüllung der- 
selben mit dem Dotter und der Schale. Die letztere soll nach 
Leuckart von den umlagernden Drüsenzellen abgeschieden werden. 
Die Eier gelangen dann durch einen kurzen Gang aus dieser 
Schalendrüse in den Fruchthälter, Uterus, wo sie sich anhäufend 
sammeln und in welchem die Entwickelung des Embryo vor sich geht. 

In die Schalendrüse mündet auf der unteren Seite der Aus- 
führungsgang des Dotterstocks ein, und am anderen Pole der ge- 
meinsame Gang der Keimstöcke und der Vagina (Fig. 21, v). Diese 
letztere tritt nun mit dem Einführungsgang der Keimstöcke in Ver- 
bindung, erweitert sich dann kurz darauf zu einem kleinen Bläschen, 
dem Receptaculum seminis (r), verläuft bogenförmig um einen Keim- 
stock herum und legt sich als längerer Ausführungsgang unter 
das Vas deferens. Sie mündet innerhalb des Cirrus-Beutels; es 
führt das trichterförmige Ende dieses Abschnittes, in welches auch 
das Vas deferens ausmündet, die Bezeichnung: Geschlechts- 
Kloake. 

Geschlechtsreife Glieder treffen wir vor dem mittlern Band- 
wurm-Abschnitte an. Hier erfolgt auch die Begattung und darauf 
Schwund der Saamenbläschen, während andererseits der Fruchtbe- 
hälter durch die sich in demselben ablagernden Eier mehr und mehr 
anschwillt und die spätere charakteristische Form annimmt. Anfangs 
ist dieser Uterus ein einfacher, in der Längsachse des Gliedes ver- 
laufender Schlauch, welcher, wie schon erwähnt, mit einem kurzen 
Ausführungsgange in die Schalendrüse mündet und durch diese mit 
der Vagina in Verbindung steht. Solche Verhältnisse zeigen uns 
die Glieder im 4. bis 5. Hundert vom Kopfe an gerechnet. Bei den 
folgenden Gliedern bemerkt man nun, wie zunächst von dem ein- 
fachen Uterus aus, kleine Aussackungen nach rechts und links auf- 
treten, welche immer länger werden und sich nach und nach durch 
Anfüllung mit Eiern schärfer hervorheben (Figg. 17, 19, 22). Bei 
Taenia solium gehen auf jeder Seite vom Uterus 7 bis 10 solcher 
Schläuche ab. Dieselben gabeln sich bald und oft zu wiederholten 
Malen, so dass wir schliesslich vom Uterus ein Bild erhalten, welches 



27 



einem einfachen Stamme vergleichbar ist, von dem aus verschiedene 
Aeste mit Zweigen abgehen (Fig. 18). 

Die Ausführungsgänge der Geschlechtsorgane liegen abwechselnd 
bald auf der einen Seite, bald auf der andern Seite der Gliederkette 
und markiren sich durch eine kleine papillenartige Erhebung dicht 
unter der Mitte des Gliedes. Die reifen Glieder lösen sich von der 
Bandwurmkette los und gelangen entweder durch selbständige Be- 
wegungen oder mit dem Kothe nach aussen, kriechen frei beweg- 
lich eine Zeitlang umher und werden dann event. vom Schweine 
gefressen. Die Eier gelangen im Darm zur weiteren Entwickelung, 
indem die Embryonen aus ihnen ausschlüpfen und selbständig werden. 
Sie durchbrechen die Darmwandung, kommen in den Blutstrom, 
durch den sie dann in den verschiedenen Organen abgelagert werden. 

Für den Menschen wird die Taenia solium deshalb so verhäng- 
nisvoll, weil sich die Kette im Darme vorwärts bewegt oder durch 
ihre Bewegungen Brechreiz hervorbringt, wobei dann die reifen Glieder 
durch die Darmbewegung gegen den Magen zu gedrängt werden 
und schliesslich in diesen gelangen. Nun wird die Aussenschiclit 
der Glieder verdaut, die Eier werden frei und die Embryonen 
schlüpfen im Darm des betreffenden Patienten aus, kommen in den 
Blutkreislauf und werden in die verschiedensten Organe verschleppt, 
woselbst sie Krankheiten hervorrufen, welche wir weiter unten zu 
besprechen haben werden. 

Die Entwickelung der Taenia solium. Die primitiven 
Eier, welche im Keimstocke zur Entwickelung gelangt sind, treten 
durch den Ausführungsgang desselben in den gemeinsamen Gang, 
welchen die Vagina, die Ausführungsgänge der Dotterstöcke und 
der Schalendrüse bilden, und darauf in den Uterus ein. Sowie die 
Eier an dem Vaginalgang vorbeikommen, werden sie durch Sperma- 
tozoen befruchtet, dann lagert sich ihnen das Dottermaterial auf, 
welches aus dem Dotterstocke kommt und schliesslich umhüllt sich 
die ganze Masse mit einer äusseren dünnen Membran, worauf der 
Uebertritt in den Uterus erfolgt. Ein Uterusei stellt sich als kleines 
Bläschen dar, in welchem ein grosser Keimfleck liegt und welches 
von einer stärkeren, geschichteten Hülle umgeben wird. Um diese 
Eier herum sieht man dann noch drei grosse kernhaltige Zellen und 
zwischen diesen eine körnige, zähe Flüssigkeit. 

Die Zellen zerfallen und bilden so das Nahrungsmaterial für 
das eingeschlossene Ei. Später wird der Inhalt und die Membran 
um das Ei herum gallertig und das Ei liegt dann als bräunliches, 
rundliches Gebilde innerhalb des Uterus. Im Ei selbst gehen alsbald 
Veränderungen vor sich, welche wir als Eifurchung zu bezeichnen 
pflegen, deren Verlauf aber noch nicht genau erforscht worden ist. 
Das Resultat dieser Furchung ist ein kleiner, rundlicher Embryo 
von ungefähr 0,02 mm Durchmesser (Fig. 23). Im reifen Ei wird 
der kleine Embryo von einer starken geschichteten Schale umhüllt 
(Fig. 23, b); dieses Ei liegt dann schliesslich noch in einer weiten 
zarten Membran, innerhalb welcher sich noch die körnigen Reste 
der oben erwähnten drei Nährzellen befinden. Das Ei mit Schale 



28 



besitzt einen Durchmesser von 0,036 mm. Im Inneren des Embryo 
gewahrt man 6 kleine Chitinhäkchen, welche später zur Anheftung 
hervorgestülpt werden (Fig. 4). Im Darm des Wirthes wird nun, 
wie erwähnt wurde, ein solcher Embryo frei und nachdem er sich 
in einem Organ abgelagert hat, durchläuft er Veränderungen, welche 
zur Bildung der sogenannten Finnen führen. 

Es bildet sich an einer Seite des Embryo eine kleine Einbuch- 
tung (Fig. 5), welche bald tiefer und tiefer nach innen wuchert (Fig. 6), 
gleichzeitig umgiebt sich der Embryo mit einer dünnen Membran, 
die sich blasenartig von ihm abhebt (Fig. 7, 8), sodass diese Blase 
in die äussere zweite frei hineinragt. Die innere Blase bildet nun 
die eigentliche Finne, das heisst, den Kopf und den Halsabschnitt 
des zukünftigen Bandwurmes aus. Die oben erwähnte Einstülpung 
derselben erweitert sich am unteren Ende schwach blasenförmig und 
entwickelt hier im Grunde der Blase den Hakenkranz, an den Seiten 
derselben die vier Saugnäpfe. Ist dies geschehen, so bemerkt man, 
wie der Halstheil nach und nach sich gliedert und faltet, sodass 
der Kopf mit dem Hals eingerollt in der Finne liegt. Isoliert man 
die Finne, z. B. aus dem Muskelfleisch und quetscht sie ganz wenig 
zwischen zwei Objektträgern oder lässt man sie längere Zeit im 
Wasser liegen, welches ungefähr Bluttemperatur hat, so stülpt sich 
der umgefaltete Hals und Kopftheil nach aussen hervor und der 
Hakenkranz sammt den Saugnäpfen liegt jetzt am vorderen Theile 
des zapfenartigen Finnenkörpers (Fig. 24 a). Eine ebensolche Aus- 
stülpung erfolgt im Darme, wenn finniges Schweinefleisch genossen 
wurde. Es werden dann die äusseren Blasen gelöst, die Finnen 
werden frei, sie stülpen sich aus und heften sich sofort mit den 
Hakenkränzen und den Saugnäpfen an der Darmwandung an. Der 
hintere blasenartige Theil schnürt sich vom Halsstück ab, er wird 
verdaut und darauf beginnt am Hals die Production der späteren 
Glieder. Die weitere Entwickelung des Bandwurms bis zur Pro- 
duction von geschleclitsreifen Gliedern geht innerhalb 10 bis 18 
Wochen vor sich, es werden dann später täglich 5 bis 15 Glieder 
reif, deren jedes ungefähr 50,000 Eier enthalten kann. 

Die durch Taenia solium hervorgerufenen Krankheiten. 

Die directe Ursache einer Krankheitserscheinung durch Taenia 
solium ist in der Einführung von reifen Gliedern oder Eiern in den 
Magen des Menschen zu suchen. Diese Einführung kann auf ver- 
schiedene Weise geschehen. Erstens tritt Selbst-Infection ein, wobei 
die Glieder entweder bei Brechreiz in den Magen gelangen oder bei 
welcher die reifen Glieder zerdrückt werden, die Eier an den Fingern 
oder an der Nahrung hängen bleiben und so in den Darmkanal des 
Menschen gelangen. Im zweiten Falle werden die Eier von aussen 



Anmerkung: In den reifen Schweinefinnen ist zu constantiren, dass sich 
der Kopf von der inneren Blase aus entwickelt, er ist (Fig. 8, a) an einer Seite 
eingewachsen, der Hals erscheint zunächst doppelt gefaltet und erst am oberen 
Pole stülpt sich der Kopf eiu. 



29 



her aufgenommen und sind dieselben wohl ebenfalls aus reifen Pro- 
glottiden auf die Nahrung übertragen. Früchte und Salat, Brot, 
Fleisch u. s. w. können dann die Infectionsheerde sein. Vorauszu- 
setzen ist dabei natürlich, dass diese reifen Proglottiden und Eier 
von einem mit Taenia solium behafteten Individuum herrühren. 

Die Finne der Taenia solium, welche wir, wenn sie sich in den 
Organen des Menschen findet, als Cysticercus cellulosae bezeichnen, 
wird dadurch zu einem nicht zu entfernenden Feind des Menschen- 
lebens, dass sie auch in edleren Organen des Körpers, im Gehirn, 
im Rückenmark, den Augen und dem Herzen zur Ausbildung ge- 
langt. Es werden dadurch selbstverständlich die allerverschiedensten 
Störungen hervorgerufen, je nachdem die Finne in der Ein- oder 
Mehrzahl eingewandert ist, und je nach den Theilen der Organe, in 
denen sie sich festgesetzt hat. Am unangenehmsten sind immer 
die Erscheinungen, welche auftreten, wenn das Central-Nervensystem 
Sitz der Finne ist. 

Die Anzahl Finnen, welche sich im Organismus ablagert, kann 
auf 3000 wachsen. Die Meisten derselben, vielleicht gehen in 
das Binde- und Unterhaut-Zellgewebe. Vielleicht 3 Procent der- 
selben finden sich in dem Gehirn und den Gehirnhäuten. 30 Pro- 
cent in den Muskeln, nur Wenige in den Lungen, in den Gefässen 
und im Herzen. In anderen Fällen wieder ist das Verhältniss um- 
gekehrt, indem der bei Weitem grösste Theil sich im Gehirn und 
Rückenmark befindet und weniger häufig in den übrigen Organen 
und im Unterhaut-Zellgewebe Finnen gefunden werden. 

Leber, Milz und Niere scheinen wenig günstige Orte für Cysti- 
cercen zu sein. Das Heranwachsen des Cysticercus in den Organen 
dauert sehr verschieden lange, schon nach x /4 Jahr können Finnen 
in der Musculatur soweit heranreifen, dass der Kopf zur Weiter- 
entwickelung befähigt ist. Im Auge hat man das Wachsthum der- 
selben 2 Jahre hindurch verfolgt. Die Lebensdauer des Cysticercus 
im Gehirn ist in einzelnen Fällen ziemlich genau zwischen 10 und 
20 Jahren constatirt worden. 

Gehirnkrankheiten. Da der Cysticercus cellulosae bei 
seinem Eintritt in das Gehirn nur 1 /io mm Durchmesser hat, werden 
die Symptome selbstverständlich nicht direct nach der Einwanderung 
auftreten, sondern erst dann, wenn das Wachsthum des Cysticercus 
beginnt, da dieses Wachsthum nun so lange fortdauert bis eine 
Blase von ungefähr Bohnengrösse gebildet ist, so werden sich die 
Krankheitserscheinungen um so mehr compliciren, je weiter das 
Wachsthum vor sich geht. Die Störungen werden entweder directe 
sein, hervorgebracht durch den Druck, welchen die Finnenwandung 
auf die umliegenden Gehirntheile ausübt und zweitens indirect da- 
durch, dass die local entstehenden Entzündungen weiteren Umfang 
annehmen können. Die einfachsten Symptome stellen sich als Schwindel- 
anfälle, Ohrensausen, Sehstörungen und vorübergehende Lähmungen 
dar. Dann folgen Gehirnkrankheiten der allerverschiedensten Art, 
je nachdem der betreffende Cysticercus in verschiedenen Gehirn- 
theilen sich befindet. Es treten die schwersten Fälle von Wahnsinn 



30 



ein, von Tobsucht und von Apoplexie. Im Rückenmark können die 
Cysticercen die Ursachen von Lähmungen und Epilepsie sein. Epi- 
lepsie kann auch auftreten, wenn die Cysticercen auf einen beliebigen 
Nerven ein wirken. 

Da die Krankheits-Erscheinungen so äusserst verschiedene sind 
und mit jenen übereinstimmen, bei welchen ganz andere Ursachen 
zu Grunde liegen, so ist eine sichere Diagnose so gut wie gar nicht 
zu stellen. Wir können höchstens sagen, es ist sehr wahrscheinlich, 
dass Hirn-Cysticercen vorhanden sind, wenn gleichzeitig Cysticercen 
unter der Haut gefunden werden, wenn die Lähmungserscheinungen, 
die epileptischen Anfälle u. s. w. nach und nach auftreten und zwar 
bei Kranken, welche schon ein höheres Alter erreicht haben und 
bei denen die Erblichkeit der betreffenden Krankheit ausgeschlossen ist. 

Es fehlen uns zu einer genauen Statistik leider alle weiteren 
Angaben, denn der practische Arzt wird nur in den seltensten Fällen 
eine so eingehende Section vornehmen können, wie sie für die Be- 
stimmung des Cysticercen-Vorkommens durchaus nothwendig wäre. 

Eine weitere Vermuthung, dass obengenannte Krankheitser- 
scheinungen durch Hirn-Cysticercen hervorgerufen wären, liegt dann 
nahe, wenn der betreifende Patient von der Taenia solium bewohnt 
wird oder wenn in seiner Umgebung ein mit einer solchen Taenia 
Behafteter vorhanden ist. 

Im Auge finden sich die Cysticercen in den allerverschiedensten 
Theilen, unter- und innerhalb der Netzhaut, in der hintern Augen- 
kammer und in der vorderen, entweder direkt dem Augenbulbus 
angelagert oder mehr central im Glaskörper ru s. w. Im Auge sind 
sie leicht zu diagnosticiren, weil man vermittelst des Augenspiegels 
nicht allein die Form, sondern auch die Bewegung derselben genau 
beobachten kann. Grade innerhalb des Glaskörpers hat man des öfteren 
beobachtet, dass sich der Kopftheil vorstülpt und wieder zurückzieht. 

Die Störungen, welche die Finne im Auge veranlasst, richten 
sich ebenfalls wieder nach dem Sitz und der Grösse derselben. Be- 
findet sie sich in den brechenden Medien, so werden sich Erschei- 
nungen einstellen, welche den Trübungen dieser Theile gleichen, 
befindet sich der Cysticercus jedoch innerhalb oder unter der Netz- 
haut, so werden Sehstörungen schwerer Art auftreten, schliesslich 
Erblinden, Entzündungen u. s. f. 

Ueber die Störungen, welche die Cysticercen in anderen Organen 
hervorbringen ist zur Zeit noch wenig bekannt; es wird sich hier 
natürlich auch immer darum handeln, in welchen Theilen des be- 
treffenden Organs sie abgelagert sind. So können sich z. B. im 
Herzen die Krankheitserscheinungen verschieden verhalten, je nach- 
dem die Cysticercen in den Kammern, im Pericard, in der äusseren 
oder inneren Muskelschicht, in den Klappen oder in den Anfängen 
der Gefässstämme zur Entwickelung gelangen. Sitzen die Cysti- 
cercen im Paricard oder in den Klappen, so kann die Auscultation 
oft wünschenswerten Aufschluss geben. Die Zufälle, welche durch die 
Infection des Herzens hervorgebracht werden, sind natürlich auch 
ganz verschiedener Art. Liegen die Cyst. unter oder in den Klappen, 



31 



so werden Stauungserscheinungen, Klappen-lnsufficienzen u. s. w. 
zu diagnosticiren sein. Allgemein werden diese Krankheiten durch 
Angstgefühl, Beklemmung, Herzklopfen, Athemnoth und Ohnmacht 
zu Tage treten. Man kann bei ihrem Auftreten jedoch erst mit 
einiger Sicherheit auf die Anwesenheit von Cysticercen schliessen, 
wenn solche innerhalb des Auges oder unter der äusseren Haut 
sicher nachzuweisen sind. 

Was nun die Therapie anlangt, so ist diese leider durchaus 
ungünstiger Art. In jenen Fällen, wo das Herz, das Gehirn und 
Rückenmark oder ein grösserer Nervenast von Cysticercen befallen 
ist, kann der betreffende Arzt absolut gar nicht wirksam eingreifen. 
Leichter ist es bei den Augen-Cysticercen, weil man hier von 
aussen mehr oder minder leicht an den Parasiten gelangen kann. 

Viel wichtiger als Therapie ist die Prophylaxis. Zunächst ist 
es Pflicht des Arztes, seine Patienten, wenn sie mit einem Band- 
wurm behaftet sind, so schnell als möglich von diesem zu befreien 
und sich genau davon zu unterrichten, ob der betreffende Bandwurm 
die Taenia soliuin oder eine andere Art ist. Ist der Patient 
von einer Taenia solium befallen, und hat er Brechreiz gehabt, so 
ist sofort durch Abführmittel, sowie durch Antihelminthica der Darm 
von den geschlechtsreifen Gliedern des Bandwurmes und von diesem 
selbst zu befreien. Es darf dem Arzt dann nicht genügen, vielleicht 
blos einen Theil eines Bandwurmes abgetrieben zu haben, sondern 
er muss sich durch eine fortgesetzte Kur davon überzeugen, dass 
auch der Kopftheil aus dem Patienten entfernt ist. Da gleichzeitig 
mehrere, unter Umständen bis 15 Bandwürmer der Species solium 
den Darm bewohnen können, so hat der behandelnde Arzt auch in 
der Folge seinen Patienten noch genau zu überwachen, und diesen 
mit den Symptomen, durch welche die Anwesenheit eines Bandwurmes 
charakterisirt wird, bekannt zu machen, damit eine Entfernung des 
Parasiten rechtzeitig vorgenommen werden kann. Es ist leider der 
Fall, dass viele Aerzte der Anwesenheit eines Bandwurmes zu wenig 
Gewicht beilegen und dass sie den betreffenden Patienten nicht 
genau darüber belehren, wie er sich vor einem solchen unangenehmen 
Gast zu bewahren hat. Es ist uöthig, dass die abgegangenen reifen 
Glieder des Bandwurmes möglichst sorgfältig aufgesucht und sofort 
vernichtet werden. Man hat sich dabei zu hüten, dieselben mit den 
Fingern anzufassen und zu drücken, weil dadurch eine Uebertragung 
der so gefährlichen Eier stattfinden könnte. 

Weiterhin soll nur genau untersuchtes Schweinefleisch roh ge- 
nossen werden. Es sündigt hier die Sanitätspolizei oft sehr, denn 
es würde ihr ein Kleines sein, betreffs der Untersuchung finnigen 
Schweinefleisches gleiche Bestimmungen zu treffen, als die sind, 
welche trichinöses Fleisch betreffen. Auch der Genuss rohen Obstes 
und der verschiedenen Salate sollte insofern möglichst modificirt 
werden, als diese Nahrungsmittel vorher gut abzuwaschen sind. Dem 
Trinkwasser ist deshalb Beachtung zu schenken, weil häufig in jene 
Brunnen, welche in der Nähe der Aborte liegen, reife Bandwurm- 
glieder gelangen. 



32 



Taenia saginata (s. mediocanellata). Der feiste oder unbewaffnete Band- 
wurm (Tafel III). 

Der Kopf der Taenia saginata unterscheidet sich sehr wesent- 
lich von dem der Taenia soliuni, er entbehrt vollständig des Haken- 
kranzes und ist nur mit 4 flacheren Saugnäpfen ausgestattet (Fig. 6). 
Ausserdem ist der Kopf grösser als der der Taenia solium, indem 
er bis 2 x /a mm im Durchmesser haben kann. Vor der Stirn be- 
findet sich häufig ein kleiner sogenannter Stirnsaugnapf. In einigen 
Fällen ist der Kopf schwarz pigmentirt. Der Hals ist kurz und 
breit und zeigt sehr bald eine deutliche Gliederung. Die Proglot- 
tiden sind überall stärker entwickelt, als bei Taenia solium, beson- 
ders zeichnen sich die reifen, abgehenden Glieder durch ihre Grösse 
aus. Dieselben sind ungefähr 13—20 mm lang und 12 — 14 mm 
breit. Wenn wir also auch hier das Product aus Längen- und 
Breiten-Maassen ziehen, so erhalten wir eine Zahl, welche stets höher 
als 150 ist. Die Länge des ganzen Bandwurmes kann bis 6 m be- 
tragen.*) Die Glieder sind in verschiedenen Zonen des Körpers na- 
türlich auch wieder verschieden weit entwickelt. Jene, welche di- 
rect an den Halsabschnitt anstehen, und die, welche innerhalb einer 
Entfernung von 5 — 7 mm von dem Kopfe liegen, lassen äusserlich 
noch gar keine Differenzirung erkennen, erst vom vielleicht 140. 
Gliede ab bemerkt man das Auftreten eines dunkleren Längsstreifen 
in der Mitte des Gliedes, welcher Streifen die Anlage der Ge- 
schlechtsorgane ist. Die Glieder reifen zwischen dem 200. — 500. 
Gliede allmählich heran, vom 500. — 900. beginnt die Entwickelung 
der Eier und Embryonen, sowie der U ebertritt derselben in den 
Fruchtbehälter. Dann vom 900. — 1200. Gliede bemerkt man voll- 
ständig vollgepfropfte Uterusschläuche. Vom 1200. Gliede ab un- 
gefähr lösen sich die Proglottiden von der Bandwurmkette los. Die 
Eier werden aber schon vorher ausgestossen und trifft man daher 
nur selten abgegangene Glieder, welche noch voll von Eiern sind, 
in Folge dessen werden dann die abgehenden Glieder stets kleiner 
sein, als diejenigen, welche noch mit der Kette im Zusammenhänge 
sind. Die Proglottiden zeigen noch längere Zeit nachdem sie den 
Wirth verlassen haben freie Beweglichkeit und allerhand Formver- 
änderungen. Es wird dabei das hintere abgestumpfte Ende als eine 
Art Saugnapf benutzt, der sich anheftet, worauf sich das vorher 
ausgestreckte Glied zusammenzieht und weiter bewegt. 

Was die Anatomie der Taenia saginata anlangt, so brauchen 
wir dieselbe nicht ausführlich zu betrachten, weil sie im Wesent- 
lichen mit derjenigen der Taenia solium übereinstimmt. Für unsere 
Zwecke wird es genügen, wenn jene Verschiedenheiten, welche der 
Bau des Uterus aufweist, hier genauer mitgetlieilt werden. Wäh- 
rend wir bei der Taenia solium einen Uterus fanden, 
welcher aus einem Längsstamme bestand, an wel- 



'*) Die Angaben, dass dieser Bandwurm 9—13 m lang werden könne, be- 
ruhen auf Irrthum. 



33 



chen sich seitlich 8 — 10 Paar Nebenäste ansetzten, 
finden wir bei Taenia saginata einen Längsstamm, 
von dem aus eine grosse Menge von Seitenästen ab- 
gehen; die Anzahl derselben schwankt jederseits 
zwischen 15 und 25. Die abgehenden Aeste ver- 
zweigen sich sehr schnell und bedeutend häufiger, 
als die der Taenia solium. 

Während die Finne der Taenia solium bis jetzt nur bei dem 
Schweine und beim Menschen gefunden ist, findet sich die der Taenia 
saginata bei dem Rinde und einigen anderen Wiederkäuern. Es 
scheint, dass sich die Rinder nur in den ersten Jahren mit Taenia 
saginata inficiren können. Eine solche Infection geschieht am leich- 
testen dort, wo der Mensch mit den Heerden eng zusammenlebt. 
Der Mensch besitzt den Bandwurm,' die Eier desselben werden an 
die Futterkräuter verschleppt oder es kriechen die abgegangenen 
reifen Glieder an denselben in die Höhe und gelangen so gelegent- 
lich in den Magen eines Kalbes oder Rindes; in dem Verdauungs- 
apparat desselben schlüpfen dann die kleinen Embryonen aus und 
gelangen, ebenso wie die der Taenia solium, in den Blutstrom, und 
durch denselben in die verschiedenen Organe. Die Eier der Taenia 
saginata unterscheiden sich nur wenig von denen der Taenia so- 
lium. Sie sind auch klein, blasenförmig, aber etwas mehr oval. 
Die Eischale ist nicht ganz so stark, wie die bei Taenia solium. 

Bei dem Rinde kommen nun die ßhakigen Embryonen in den 
verschiedensten Organen zur Ablagerung, sie entwickeln sich hier 
in ähnlicher Weise wie die Finnen der Taenia solium; sie bilden in 
der inneren Kapsel durch Einstülpung den Kopf und den Hals. Der 
eingestülpte Kopftheil erweitert sich an seinem unteren Ende auch 
blasenförmig und bildet hier an dem Rande der Blase 4 kräftige 
Saugnäpfe, am Boden der Blase, den schon oben erwähnten kleinen 
Stirnsaugnapf. Der Halskopftheil entwickelt sich an der Einstülpungs- 
stelle der äusseren und inneren Bläsenwandung und stülpt sich von 
hier aus handschuhfingerartig in die letztere ein. 

Die Finnen werden vom Menschen beim Genuss des rohen 
Rindfleisches (Beefsteak ä la tartare und nicht durchgebratenes 
Rostbeef) aufgenommen, im Magen wird die Finnenwandung gelöst 
und der Kopf ausgestülpt, worauf er sich dann später im Dünn- 
darm anheftet und zu einer Bandwurmkette heranwächst. Im Men- 
schen sollen die reifen Proglottiden, in allerdings äusserst sel- 
tenen Fällen, ebenfalls durch Erbrechen in den Magen zurückge- 
bracht werden und sich dann ebenso verhalten, wie die Glieder von 
Taenia solium und die aus ihnen hervorgehenden Cysticercen. Zu 
erwähnen ist, dass die Finnen der Taenia saginata innerhalb der 
Musculatur oft nur sehr schwer aufzufinden sind. Ich habe häufig 
im stark finnigen Rindfleisch lange nach Finnen suchen müssen. 

Da die abgehenden Proglottiden, wie schon erwähnt wurde, 
eine ziemlich bedeutende Eigenbewegung haben, so kommt es öfter 
vor, dass sie gleich nach dem Verlassen des Afters auf dem Körper 
des Menschen herum wandern und dann gelegentlich auf dem Bauche 

3 



34 



oder auf der Brust, ja selbst im Gesicht entdeckt werden. Bei 
Frauen und Mädchen hat man beobachtet, dass Proglottiden 
in die Vagina hereingekrochen waren. Bei Darmgeschwüren und 
wenn Perforationen der Darmwandung stattgefunden haben, kann 
es Vorkommen, dass Bandwurmstücke in die Leibeshöhle gelangen, 
auf andere Weise kann aber niemals ein Theil eines reifen Band- 
wurmes in das Innere des menschlichen Organismus kommen. 



Es werden also die Proglottiden zur Bestimmung ber betreffenden 
Arten äusserst wichtig sein. Um eine ganz genaue Diagnose stellen 
zu können ist es nöthig, die Proglottiden einer eigenen Behandlung 
zu unterwerfen. 

Man tödtet das Object in Warmen 40% Alcohol und legt das 
Glied 24 Stunden in eine Karminlösung, wie solche zur Färbung 
von Schnitten verwandt werden. Dann bringt man dasselbe kurze 
Zeit in verdünntes Glycerin, dem man einige Tropfen Salzsäure zu- 
setzt. Nach vielleicht ^Mündigem Liegen in einer solchen Mischung 
legt man die Glieder in concentrirteres Glycerin und mit diesem 
zwischen zwei Objektträger, innerhalb welcher man sie ganz wenig 
quetscht. Man wird sich nun sehr bald über die Formen der Uteri 
unterrichten können. Es ist angezeigt, nicht die abgegangenen 
Glieder zu nehmen, weil bei denselben die Uteri schon von Eiern 
entleert sind, sondern man veranlasst das Abgehen der reifen Glieder, 
dadurch, dass man dem betreffenden Patienten leichte Abführmittel, 
Hering, schwache Antihelmin tliica verordnet. Hat man sich davon 
überzeugt, welche Bandwurmarten vorliegen, so schreitet man un- 
verzüglich zur vollständigen Entfernung derselben. Häufig er- 
scheinen übrigens auch sogen. Patienten, welche sich einbilden, einen 
Bandwurm zu beherbergen, der Arzt hat sich daher niemals auf 
blosse Aussagen zu verlassen, sondern die Beschaffung abgegangener 
Glieder direct zu fordern. Gurkenkerne u. s. w. können Täuschungen 
veranlassen ! 

Die Lebensdauer der Taenia saginata beträgt zwischen 20 und 
35 Jahren. Schon nach 54 Tagen hat man die Bildung reifer Glieder 
bemerkt, nachdem vorher lebensfähige Finnen verschluckt werden 
waren. Sowohl die Taenia saginata, als auch die Taenia solium 
heften sich im Dünndarm des Menschen mit dem Kopftheile zwischen 
den Darmzotten an und lassen ihre Gliederketten meist lang in den 
Darm hinein hängen. Wohl nur selten und erst nach vorherge- 
gangenem Reize findet eine Aufrollung oder Zusammenknäulung des 
Bandwurmes statt. 

Die Beschwerden, welche Taenia saginata hervorbringt, sind 
gar verschiedener Art Viele Personen, welche mit ihr behaftet 
sind, haben gar keine Ahnung von dem Gaste, den sie ernähren 
müssen, bei anderen treten leicht Magen- und Darmbeschwerden 
ein, welche sich nach und nach bis zu heftiger Kolik, Erbrechen u. s. w. 
steigern können. In noch anderen Fällen tritt Schwindel, Ohnmacht, 
ja selbst vorübergehende Geistesstörung ein, so dass man von einer 



35 



eigenen Bandwurmmelancholie geredet hat. Darmentzündungen 
können dadurch anftreten, dass durch heftige Bewegungen des Band- 
wurmes andauernde starke Reize auf die Darmschleimhaut ausgeübt 
werden, Bleiches Gesicht, leichte Abmagerung, Schatten um die 
Augen, Kollern im Leibe, Aufsteigen eines Knauls von dem Darm 
gegen den Schlund zu, werden hin- und wieder (nicht immer) 
als Zeichen für die Anwesenheit eines Bandwurmes angesehen werden 
können. 

Was die Therapie anlangt, so werden wir über die anzuwen- 
denden Mittel im Schlusskapitel berichten. Die Prophylaxis ist 
eine ähnliche, wie bei der Taenia solium und lautet einfach: Man 
vermeide den Genuss des rohen und ungaren Fleisches der Wieder- 
käuer. Eine Infection durch Eier ist nicht ausgeschlossen, wenn- 
gleich sie auch nur ganz vereinzelt stattfinden mag. Es ist um eine 
solche zu verhüten, darauf zu achten, dass die abgehenden reifen 
Glieder möglichst beachtet und vorsichtig vernichtet werden. 



JBotliriocephalns latus. Der Grnbenkopf (Tafel III). 

Der dritte, bei dem Menschen häufig vorkommende Bandwurm 
ist der oben genannte. Er ist in einzelnen Gegenden, wie z. B. in 
Schweden, Finnland, Petersburg, in den Ostseeprovinzen und in der 
westlichen Schweiz äusserst verbreitet. Seltener ist er in Schleswig- 
Holstein, in Ostpreussen und Pommern, in Belgien und Holland, sehr 
selten findet er sich im Innern von Deutschland und Frankreich. 
In Haparanda sollen fast in jeder Familie Mitglieder von diesem 
Bandwurme bewohnt werden. In Genf trat er seiner Zeit bei 25 Pro- 
cent aller Einwohner auf und in Petersburg befindet er sich in 
15 Procent der Bevölkerung. 

Die Länge des Bothriocephalus latus ist äusserst beträchtlich, 
sie kann bis gegen 9 m betragen und besteht dann ein solcher Band- 
wurm aus circa 3000 — 4000 Gliedern. (Stein zeichnet und beschreibt 
ein Exemplar, an dem er genau 4133 Proglottiden zählte.) 

Der Kopf (Fig. 8, 9) ist seitlich plattgedrückt, mandel- oder 
spatelförmig, auf dem Querschnitt ungefähr elliptisch, er trägt keinen 
Hakenkranz, ist aber mit zwei mächtigen, vorn und hinten gelegenen 
Sauggruben ausgerüstet. (Die Sauggruben liegen also nach den 
breiten Seiten der Glieder zu). Die Länge des Kopfes kann 2 — 2^2 mm, 
seine Breite bis 1 mm betragen. Seine Gestalt ist je nach Con- 
traction der Musculatur eine wechselnde. Die Ränder der an den 
schmalen Seiten verlaufenden Sauggruben sind je auf der einen Seite 
eingerollt und auf der andern Seite scharf vorspringend. Auf den 
Kopf folgt ein ungefähr 4 — 5 mm langer Halsabschnitt, an dessen 
unterem Theil schon eine leichte Querfältelung erkennbar ist. 

Die Glieder des Bothriocephales latus (Fig. 2, b — 1,) sind stets 
Bedeutend breiter als lang, sie unterscheiden sich schon hierdurch 
von den Gliedern der oben besprochenen Taenien, was sie aber 
vollständig von diesen trennt, ist 1., die Ausbildung der Geschlechts- 

3 * 



36 



organe und 2., die Lagerung der Ausführungs-Oeffnungen derselben. 
Auf die Geschlechtsorgane haben wir weiter unten zurückzukommen 
und sei hier nur vorläufig bemerkt, dass die Ausführungsöffnungen 
derselben, nicht wie bei den oben beschriebenen Taenien, an den 
Seiten der Glieder liegen, sondern dass sie sich auf der breiten Fläche 
der Proglottiden befinden und zwar nahe am oberen Rande derselben. 

Vom Halse an, oder eigentlich schon vom Kopftheile ausgehend, 
bemerken wir in der Mitte des Thieres einen zunächst feinen und 
dann immer deutlicher hervortretenden Parenchym-Streifen. Dieser 
Streifen trennt sich in den Gliedern, welche 3 — 4 cm vom Kopfe 
entfernt sind, in einzelne Stücke, von denen je eins auf ein Seg- 
ment kommt. Zunächst zeigen diese letztgenannten Stücke, in denen 
wir die erste Anlage der Geschlechtsorgane zu sehen haben, ein 
ungefähr biscuitförmiges Aussehen, (ca. im 200. Gliede vom Kopfe 
an gerechnet), die Figur streckt sich nun etwas, wird in der Mitte 
wellig und zeigt am hinteren Ende zwei kleine, seitliche Flügel, 
und zwischen diesen eine Erweiterung. Die Schlängelung im mitt- 
leren Theile wird (bis zum 500. Gliede ungefähr) immer weiter und 
schliesslich treten an Stelle der Windungen einige breite, lappige 
Gebilde auf. 

Die Grösse der Bandwurmglieder nimmt in einer beständigen 
Progression vom Kopf gegen das letzte Drittel des Bandwurms zu; 
während die Glieder am Halse ungefähr 1 ji — Vs mm Breite und 
Vao — Vs o mm Länge haben, sind die reifen Glieder ungefähr 13 — 15, 
ja bis 24 mm breit und ca. 5 — 6 mm lang, gegen das Leibesende 
zu nimmt die Breite der Glieder allmählich wieder ab (Tafel III, 
Fig. 2). 

Die einzelnen Glieder setzen sich nicht scharf gegeneinander 
ab. Mit den Gliedern der sonst im Menschen vorkommenden Band- 
würmer, besonders der oben besprochenen, können sie bei einiger 
Vorsicht gar nicht verwechselt werden, weil die Seitenränder glatt 
sind und nicht jene deutlich vorspringenden papillenartigen Er- 
höhungen zeigen. 

Was die Anatomie anlangt, -so weicht dieselbe vielfach von der 
der Taenien ab. — Ueber das Nervensystem ist noch wenig be- 
kannt. Das Wasser gefässsystem besteht im Kopf aus einem 
engmaschigen Netze; in den Gliedern finden sich zwei Hauptlängs- 
stämme, von denen es noch nicht sicher ist, ob sie durch Quer- 
Anastomosen verbunden werden. — Unter der äusseren Cuticula 
liegt eine äussere Rindenschicht, in welcher zahlreiche, dunkele 
Körner zerstreut Vorkommen. Dann folgt eine Muskelschicht, welche 
von der centralen Mittelschicht durch einen hellen Saum geschieden 
ist. In der Mittelschicht liegen hier wie bei den Taenien die Längs- 
gefässstämme und die Geschlechtsorgane. 

Die Geschlechtsorgane zeigen sich abweichend von denen 
der Taenien gebaut, sie münden mit drei Oeffnungen nach aussen, 
von denen die oberste zum männlichen Geschlechtsapparate führt, 
die zweite, direct unter dieser liegende, in die Vagina überleitet, 
während die dritte, etwas weiter nach unten, aber auch in der 



37 



Mittellinie des Gliedes liegend, die Oeffnung für den Austritt der 
Eier aus dem Uterus ist (Fig. 17). Wir müssen auch hier unter- 
scheiden zwischen weiblichen und männlichen Geschlechtsapparaten 
innerhalb derselben Glieder. 

Der männliche Geschlechtsapparat (Fig. 16) besteht 
auch wieder aus den Samenbläschen (A), welche zahlreich zerstreut 
im mittleren Theile des Gliedes liegen. Aus ihnen führen feine 
Kanälchen in ein gemeinsames Vas deferens (yd). An der Einmün- 
dungsstelle der Kanälchen in das letztere findet sich eine erweiterte 
Blase, aus welcher dann das mehrfach gewundene Vas deferens 
herausführt. Dieser Samenleiter mündet in den Cirrusbeutel (c), 
welcher sich aus einer Anzahl spiralig gewundener Ringmuskeln auf- 
baut und verläuft in demselben als korkzieherartig gewundener 
Kanal. Das Ende des Vas deferens dient als Copulationsorgan und 
hängt aus dem Cirrusbeutel heraus (Fig. 17 c ), da wo der Samen- 
leiter in den Cirrusbeutel Übertritt, wird er von einer taschenartigen 
Hülle umlagert, welche von einigen Autoren als Samentasche, von 
anderen als Ringmusculatur angesehen wird. Der Cirrus befindet 
sich auf der vorderen Fläche des Gliedes, das Vas deferens ver- 
läuft durch die Mittelschicht nach hinten hindurch und dann auf 
der Rückseite des Gliedes, parallel der Rindenschicht nach unten. 
Die in den Samenbläschen erzeugten Spermatozoen sind sehr klein, 
stecknadelartig gebildet. Der Durchmesser der Samenbläschen be- 
trägt 0,1— 0,2 mm. 

Die weiblichen Geschlechtsorgane (Fig. 17). Wäh- 
rend die männlichen Geschlechtsdrüsen in der Mittelschicht zur 
Ausbildung gelangt sind, finden wir die weiblichen Geschlechts- 
drüsen, oder Ovarien (ov) als breites, lappiges Organ im unteren 
Theile des Gliedes gelegen und die Dotterstöcke ( ds ) als zahlreiche 
kleine Bläschen in der Rindenschicht vertheilt. Unter den Keim- 
stöcken liegt eine kleine Drüse, die Schalendrüse (s). An der Zu- 
sammentrittstelle der Ausführungsgänge der Keimstöcke, der Dotter- 
stöcke und Schalendrüse liegt ein kleines Bläschen, welches als 
receptaculum seminis gedeutet werden muss. Daneben liegt eine 
Blase (r), in welcher sich die Eiweissvorräthe und Dottermassen 
sammeln, um an die Eier abgelagert zu werden. Dicht über dieser 
kleinen Erweiterung gehen zwei Gänge ab, der eine nach hinten, 
in den Uterus oder Fruchthälter (m), der andere nach vorn in die 
Samentasche, aus welcher er alsdann als Vagina (v) nach aussen 
führt. Nachdem die Eier aus den Keimstöcken ausgetreten sind, 
werden sie mit Eiweiss- und Dottermaterial, sowie mit dem Secret 
der Schalendrüse umgeben, dann gelangen sie in den Uterusgang, 
werden bei dem Eintritt in denselben befruchtet und nun als fort- 
pflanzungsfähige Keime in dem Uterus aufgespeichert. 

Der Uterus (u) macht zahlreiche Windungen nach rechts und 
links, geht jedoch nie über die Mittelschicht hinaus. Die Win- 
dungen werden um so undeutlicher, je mehr sie sich mit Eiern voll- 
pfropfen. 

Die Eier gelangen schliesslich durch einen besonderen Aus- 



38 



führungsgang (a), welcher, wie oben erwähnt wurde, etwas unter- 
halb des Cirrus und der Vagina nach aussen mündet, ins Freie. 

Die Entwickelung der Eier. Mehrere Jahrzehnte hindurch 
hatten sich eine Reihe von Medicinern und Zoologen abgemüht, die 
Entwickelungsgeschichte von Bothriocephalus latus zu erforschen und 
besonders den Zwischenwirth kennen zu lernen, durch welchen der 
Mensch inficirt wird, aber erst in diesem Jahre ist es gelungen, die 
Frage zu einer gewissen Lösung zu bringen, indem man, wie wir gleich 
sehen werden, die Fische als Träger der Finnen erkannte. Nach- 
dem sich die Uteri, vollständig mit Eiern vollgepropft haben, müssen 
dieselben aus den reifen Proglottiden in’s Wasser gelangen, woselbst 
sie, nach ungefähr 6 — 8 Wochen, die Embryonen aus sich hervor- 
gehen lassen. Die Embryonen (Fig. 14) gelangen dann in das Innere 
von Knochenfischen und hat Braun aus Finnen, welche sich in 
Hechten vorfanden, direct bei Menschen Bandwürmer erzeugt. 

Die Eier wachsen im Uterus aus kleinen bläschenförmigen Ge- 
bilden zu ovalen Körperchen heran (Fig. 13). Aeusserlich wird ein 
solches Ei von einer Chitinhülle umgeben, welche an einem Pole 
einen kleinen deckelartigen Verschluss besitzt. Innerhalb dieser 
Hülle bildet sich durch Furchung ein runder Embryo aus, welcher 
im Inneren 6 Chitinhaken ausgebildet zeigt und nach Aussen zu 
von einer Wimperhülle umgeben ist. Nachdem die Wimperhülle all- 
seitig ausgebildet ist, erfolgt der Austritt des Embryo aus der Ei- 
schale und der U ebertritt in das umgebende Wasser. In dem letz- 
teren bewegt sich der flimmernde Embryo (Fig. 14) längere Zeit 
frei umher und sucht auf diese Weise in den Verdauungsapparat 
eines Fisches, eines Hechtes z. B., zu gelangen. Die Flimmerhülle, 
deren einzelne Haare gegen früher übrigens bedeutend kürzer ge- 
worden sind, wird nun abgestreift und der innere Theil des Embryo 
mit den 6 Haken dringt durch die Darmwandung hindurch, kommt 
in der Musculatur oder in verschiedenen Organen des Fisches zur 
Ruhe und bildet hier eine Finne, welche der äusseren Kapsel ent- 
behrt, die aber den Kopf ebenfalls nach Innen eingestülpt hat 
(Fig. 11). Dieser Kopf stülpt sich nach aussen hervor, zeigt an 
den Seiten die länglichen Sauggruben (Fig. 7), hat aber nach Braun 
an seinem abgerundeten Hinterende niemals ein Anhängsel, auch 
ist von einer Gliederung nichts zu bemerken. Aus dem Fischfleisch 
gelangen dann diese Bothriocephalus scolices in den Darm des 
Menschen oder in den anderer Fischfresser, woselbst sie sich än- 
saugen und die Bildung eines Bandwurmes beginnen. Der Band- 
wurm ist nach Braun’s neuesten Untersuchungen schon nach un- 
gefähr 3 Wochen geschlechtsreif, wenigstens entleert er zu der Zeit 
den grössten Theil seiner Eier, welche mit dem Kotli nach aussen 
und dann event. wieder in’s Wasser hineingelangen. Welche Fiscli- 
arten alle die Zwischenwirthe für den Bothriocephalus latus sind, 
ist noch nicht sichergestellt. Ausser dem Hecht und der Quappe 
werden es vielleicht einige Karpfenarten und Raubfische sein. 

Die Beschwerden, welche der Bothriocephalus hervorruft, sind 
im Grossen und Ganzen dieselben, wie bei den vorhergehenden 



3'J 



Bandwurmarten. Erwachsene sollen vielfach gar keine Beschwerden 
haben, während bei Kindern und jüngeren Personen Verdauungs- 
beschwerden, Schwindel, Herzklopfen u. s. w. eintreten. Von Cysti- 
cercen dieses Bandwurms ist natürlich der Mensch vollständig befreit. 



Die sporadisch im Menschen vorkommenden Bandwürmer. 

Ausser den eben besprochenen, allgemein verbreiteten Band- 
wurmarten, gibt es noch mehrere, welche vorübergehend im Menschen 
Vorkommen. Meist finden sich dann die betreifenden Bandwürmer 
unter normalen Verhältnissen innerhalb des Darmes verschiedener 
Hausthiere, des Hundes, der Ente u. s. w. Es sind noch G eigentliche 
Taenien und 2 Bothrioceplialen als Parasiten beim Menschen be- 
kannt geworden. 



Taenia cacumerina. Kürbiskemartiger Bandwurm (Tafel III, Fig. 18). 

Bei Hunden kommt neben anderen Bandwürmern ein bis 25 cm 
langer, dünner Bandwurm vor, welcher als Taenia cucumerina be- 
zeichnet wird, weil die reifen, abgehenden Glieder (Fig. 18, e) un- 
gefähr die Form von Kürbiskernen haben. 

Im Darm der Katzen lebt ein ganz ähnlich gebauter Bandwurm, 
welcher nur etwas kleiner und schwächer gebaut ist und deshalb 
als Taenia elliptica zu einer besonderen Gattung erhoben wurde. 
Mir scheint nach solch wenig stichhaltigen Gründen eine solche 
Trennung nicht angezeigt, weil es bekannt ist, dass mehrere 
Cestoden in verschiedenen Wirthen leicht ein verschiedenes Aeussere 
annehmen. 

Was nun diese beiden Bandwürmer auszeichnet, ist das Vor- 
handensein von doppelten Geschlechtsapparaten in jedem Gliede. 
Es werden ungefähr 120 Glieder gebildet und schon sehr bald be- 
merkt man in denselben die Anlage der Geschlechtsapparate und 
die beiden an den Seiten des Gliedes liegenden Ausführungsöffnungen 
derselben (Fig. 18 f, gg). Von der Taenia cucumerina weiss man, 
dass ihre Embryonen (Fig. 15) das Finnenstadium in der Hundelaus 
durchlaufen. Die Läuse nehmen die Eier dadurch auf, dass die- 
selben mit dem Ivotlie nach Aussen gelangen und nun wieder an 
den Haaren hängen bleiben, von wo aus sie leicht in die Haarpara- 
siten übertragen werden können. Von dem Hunde bekommt der 
Mensch unter Umständen die Finne direct dadurch, dass der Hund 
die mit denselben behafteten Parasiten zerbissen hat und den Inhalt 
der Parasiten mit der Schnauze und Zunge auf den Menschen 
überträgt. 

Was die Anatomie anlangt, so haben diese Bandwürmer einen 
rundlichen Kopf, welcher mit 3 — 4 Reihen Haken ausgestattet ist 
und vorn einen mit einem Rostellum versehenen Rüssel besitzt, 
welcher vorgestreckt und zurückgezogen werden kann. Der Hals 



40 



jst sehr fein und die ersten Glieder setzen sich wenig scharf von 
ihm ab. Ungefähr vom 25. Gliede ab bis zum 70. erfolgt die Bildung 
und allmälige weitere Entwickelung der Geschlechtsapparate. Die 
nachfolgenden Glieder sind dann schon mit mehr oder minder ent- 
wickelten Eiern angefüllt und besitzen eine hellrosenrothe Farbe. 
Die Anatomie dieser Glieder ist aus der Figur 18, Tafel III, zu 
ersehen. 

Krankheitserscheinungen ernsterer Art sind in den seltenen 
Fällen, in denen diese Bandwürmer bei den Menschen vorgefunden 
wurden, nicht bekannt geworden. 



Taenia flavopunctata. 

Diese Bandwurmform hat für uns wenig Interesse. Sie wurde 
seiner Zeit einige Male in Amerika gefunden und ist in keinem 
vollständigen Exemplare bekannt, die Glieder sind kurz, ungefähr 
1 mm lang und 2—3 mm breit. Die mittleren Glieder zeigen nach 
hinten zu, je in der Mitte einen gelben Fleck, welcher durch das 
samenerfüllte Receptaculum erzeugt wird. Die Geschlechtsöffnung 
scheint in allen Gliedern auf derselben Seite zu liegen. 



Taenia nana (Taf. III, Fig. 19 — 22). 

Auch dieser, kaum 3 cm lange und 0,5 mm breite Bandwurm 
ist erst einmal bei dem Menschen gefunden worden und zwar in 
Aegypten, er kann uns daher auch wenig interessiren. Es sei nur 
bemerkt, dass der Kopf (Fig. 20) 4 Saugnäpfe und 1 Rüssel trägt, 
welcher mit einem Hakenkranz bewaffnet ist, während der Leib aus 
ungefähr 150 Segmenten besteht, welche eine geringe Länge haben 
und sich allmälig vom Kopfe gegen das hintere Ende zu verbreitern. 



Taenia madagascariensis. 

In dieser Taenia haben wir eine Form vor uns, welche einige 
Male auf Madagaskar in dem Menschen gefunden wurde. Die Länge 
desselben beträgt ungefähr 8 cm. Ueber den Kopf und Hinterleib 
ist nichts bekannt, die reifen Glieder sind quadratisch und beläuft 
sich die Gesamtzahl der Segmente auf ungefähr 120 bis 150. Auch 
die im Menschen einmal gefundene 



Taenia lophosoma und Taenia tenella. 
wollen wir hier blos dem Namen nach anführen. 

Von Bothriocephalus sind einige weitere Arten beim Menschen 
bekannt geworden. 

So Bothriocephalus cordatus und Bothrioce- 
phalus cristatu s. Bothriocephalus cordatus ist be- 
deutend kleiner als Bothriocephalus cristatus. Der Kopf ist kurz 



41 



und abgeplattet und an ihn setzen sich sofort Glieder an, welche die 
Anlage der Geschlechtsapparate zeigen ; schon 3 cm vom Kopfe ent- 
fernt werden die Glieder geschlechtsreif. Man hat 300 bis nahe an 
700 Glieder gefunden und ist das reife Bandwurmglied ungefähr 
quadratisch, während die vorhergehenden Glieder bedeutend breiter 
als lang sind. Der Bandwurm ist bei Grönländern häufig beobachtet 
worden; der Zwischenwirth desselben scheint auch in Fischen zu 
suchen zu sein. 

Ueber Bothriocephalus cristatus ist so gut wie gar 
nichts bekannt, weshalb wir ihn auch nur kurz erwähnen wollen. 



Taenia echinococcus. Dreigliedriger Hundebandwurm. 

(Tafel IV, Fig. 1-10). 

Ebenso wie Taenia solium durch ihre Finnen das Menschen- 
leben gefährdet, können es die Embryonen und Jugendzustände 
dieses kleinen Bandwurmes thun, welcher oft in grossen Mengen im 
Darm unserer Haushunde lebt und mit dessen kleinen, reifen Glie- 
dern der Mensch sehr leicht inficirt wird. Der Bandwurm, welcher 
die sogenannte Echinococcus-Krankheit veranlasst, ist ein kleines, 
nur aus 3 Gliedern bestehendes Thier. Die Gesamtlänge desselben 
beträgt 3 bis 4 mm (Fig. 1). Die Farbe ist weisslich, deshalb ge- 
wahrt man die mit den Faeces nach Aussen gelangenden Thiere auf 
den Kothballen des Hundes und neben denselben verhältnissmässig 
leicht. Das erste Glied des Bandwurmes (Fig. 2) trägt den Kopf 
und Hals dieses Parasiten, das zweite Glied enthält die Anlage der 
Geschlechtsorgane, das dritte ist das geschlechtsreife. — Der Kopf 
besitzt vorn ein kurzes, mit Haken bewaffnetes Rostellum und an 
den Seiten 4 Saugnäpfe. Aus dem Kopfe verlaufen 2 deutliche 
Längsgefässtämme durch die Glieder hindurch. Die Geschlechts- 
organe bestehen in den reifen Gliedern auch wieder aus den ge- 
getrennten männlichen und weiblichen. 

Die männlichen Geschlechtsorgane. Aus ungefähr 
60 Hodenbläschen treten feine Kanälchen aus, welche sich vereinigen 
und mit einem einzigen, stark gewundenen Samenleiter ( vd ) in den 
grossen Cirrusbeutel (c) einführen , aus dem der Cirrus oft weit 
hervorragt. 

Die weiblichen Geschlechtsorgane bestehen aus 
einem Ovarium, einer Schalen- und einer Albumindrüse, sowie aus 
zahlreichen Dotterstöcken. Die Ausführungsgänge dieser Geschlechts- 
apparate münden sämmtlich in eine kleine Blase ein, von der aus 
der Vaginalkanal (v) nach aussen führt. Der letztere ist in der 
Mitte bauchig aufgetrieben und mündet unter dem Cirrus aus. 

Die Eier (Fig. 3), welche gerade nicht in allzu grosser Anzahl 
(bis 600) ausgeschieden werden, finden sich bei den nach aussen ge- 
langenden Würmern besonders im unteren Theile des letzten Gliedes; 
sie sind von einer starken Hülle umgeben, in welcher dann direct 
der Embryo liegt. 



Für den Menschen werden nun, wie schon erwähnt wurde, grade 
die Embryonen verhängnisvoll. Dieselben besitzen auch wieder 
6 Chitinhäkchen, vermittelst derer sie sich am Darm anheften, dann 
durch den Darm hindurchgehen und in verschiedenen Organen zur 
Ruhe kommen. Besonders sind es beim Menschen Leber und Lunge, 
welche zu Wolmplätzen ausgesucht werden und in welchen die oft 
mächtig werdenden Echinococcusblasen zur Entwickelung gelangen. 
Aus den kleinen 6 hakigen Embryonen wird zunächst nach ungefähr 
4 Wochen ein kugeliges Körperchen von ungefähr 1 mm Durch- 
messer. Im Inneren dieser Körperchen (Fig. 4) bemerkt man ein 
kugeliges, Säugethierei ähnliches Bläschen, aus dem sich dann später 
die Echinococcusblase entwickelt. Die Blase wächst zunächst viele 
Wochen lang heran, ohne im Inneren weitere Differenzirungen zu 
zeigen. Ihr Inhalt ist anfänglich dotterartig und wird nach und 
nach vollkommen klar. Der innere Belag einer solchen Blase (Fig. 5) 
wird aus sternartigen Zellen gebildet, in denen ein grosser Kern 
bemerkbar ist, später wird diese Innenfläche zu einer parenchyma- 
tösen Keimschicht, von welcher sich konische, zugespitzte Wimpern 
nach innen erheben, nach aussen liegt eine häufig mehrfach ge- 
schichtete Cuticula; aus der inneren Parenchymschicht gehen später 
die Brutkapseln u. s. w. hervor. Eine solche Blase wird als Mutter- 
blase (Fig. 8) bezeichnet. Ist dieselbe bis zur Grösse einer Kirsche 
herangewachsen, so- treten auf der Innenwandung kleine Wucherungen 
auf, welche nach und nach heranwachsen; dieselben werden bald 
im Inneren hohl und bilden nun, nach länger andauerndem Wachs- 
thum, kleine Bläschen innerhalb der Mutterblase, bleiben jedoch 
mit derselben durch kurze Stiele im Zusammenhang. Diese Blasen 
sind die sogenannten Brutkapseln (Fig. 7, b, c), aus deren 
Wandungen die Köpfchen (welche später im Darm zu neuen Taenien 
heranwachsen) entstehen. Neben diesen Brutkapseln können sich 
von der Blasenwandung noch nach Aussen zu secundäre Ecliino- 
coccenblasen bilden (Fig. 8, au); dieselben entstehen wahrscheinlich 
auch aus Theilen der inneren Parenchymschicht, stülpen sich dann 
vor und schnüren sich häufig vollkommen von der ursprünglichen 
Blase ab (E. granülosus, s. Simplex, s. exogena, s. scolecipariens), 
so dass der gesammte E. ein traubiges Aussehen gewinnt. 

Die Brut kapseln lassen aus sich die Köpfchen hervor- 
gehen. 

Die Brutkapseln können sich in neue Echinococcus- 
blasen (T o c h t e r b 1 a s e n) umwandeln. 

Die Köpfchen können gleichfalls zu Tochterblasen 
werden. 

Bildung der Scoleces: Man hat verschiedene Ansichten 
über die Entwickelung der Köpfchen innerhalb dieser Kapseln aus- 
gesprochen. Eine Anzahl von Gelehrten nimmt an, dass die Wuche- 
rung aus der ein Köpfchen hervorgeht, gegen das Innere der Binse 
erfolgt; Leuckart berichtet hingegen mit Bestimmtheit, dass die 
Köpfchen in der Regel nach aussen aus den Brutkapseln sich 
entwickeln und dass sie später event. in dieselben zurückgestülpt 



43 



werden können. Dem sei nun, wie ihm wolle, soviel steht fest, dass 
die erste Anlage der Köpfchen von der inneren Parenchymschicht 
der Brutkapseln ausgeht, dieselbe verdickt sich anfangs, bildet dann 
eine kleine Hervorwölbung, aus der, ähnlich wie bei den Finnen 
der eben besprochenen Taenien, die Köpfchen hervorgehen. Ein 
solches Köpfchen, deren sich in den verschiedenen Brutkapseln viele 
Tausende bilden können, stellt sich als kleiner Hohlzapfen dar 
(Fig. 9) von ungefähr 0,3 mm Länge und 0,1 mm Breite; vorn be- 
sitzt dasselbe ein kurzes Rosteilum, welchem der Hakenapparat an- 
sitzt; dieser Hakenapparat besteht aus drei Reihen kleiner Häkchen, 
welche bedeutend kleiner in ihren Fussstücken gebaut sind, als die 
Haken der Taenia solium (die fussartige Sohle fehlt häufig noch, 
die Wurzelfortsätze sind kurz und schlank); unter dem Haken- 
apparat sitzen vier kleine Saugnäpfe, in der Gegend derselben ist 
der Kopf etwas verdickt, dann verjüngt er sich wieder nach hinten 
zu und sitzt schliesslich mit einem kurzen Stielchen der Brutkapsel 
an. Im Inneren verläuft unter dem Hakenkranz ein Ringgefäss, 
von dem aus vier Längsgefässe nach hinten abgehen. Nur diese 
Köpfchen vermögen, wenn sie in den Darm der- Hunde kommen, 
neue Taenien zu bilden. In vielen Fällen wird ihre Entwicke- 
lung gehemmt und bleiben die Echinococcusblasen dann steril, man 
bezeichnet dieselben in diesem Falle als Accphalocysten. 

Mit den Brutkapseln und den Köpfchen können nun innerhalb 
der grossen Echinococcusblasen Veränderungen vor sich gehen, die 
schliesslich zur Bildung neuer Blasen innerhalb der ursprünglichen 
Mutterblasen führen, man bezeichnet diese secundär entstehenden 
Blasen als Tochterblasen, und finden sich ihrer oft Tausende 
innerhalb derselben Mutterblase vor. Die Tochterblasen können 
ebenfalls wieder neue Blasen aus sich entstehen lassen, welche man 
als Enkel blasen bezeichnen darf; innerhalb der Tochterblasen 
entstehen dann die Köpfchen auch wieder in neuen Brutkapseln. 

Die Wandung der Brutkapseln ist verhältnissmässig sehr dünn 
und wenn die Entwickelung der Köpfchen oder die der Brutkapseln 
innerhalb der Mutterblase zu schnell vor sich geht, so kann es 
Vorkommen, dass die Kapselwandungen platzen und die Köpfchen 
zum Theil frei werden, zum Theil, auf Stielen neben einander an- 
geordet, frei in das Innere der Mutterblase hineinragen (Fig. 8, kl). 

Wenn sich eine Brutkapsel loslöst, so kann sie sich unter Um- 
ständen in ihren Wandungen verdicken und dann als Tochterblase 
innerhalb der Mutterblase auftreten (Fig. 8, cd). Die Wandung 
derselben zeigt dann eine gleiche Ausbildung wie die der Mutter- 
blase, zu äusserst liegt eine geschichtete Cuticularschicht, nach 
innen auch wieder eine parenchymatöse Keimschicht. 

Die frei gewordenen Köpfchen bilden sich, wie wir schon er- 
wähnten, unter Umständen ebenfalls zu Tochterblasen aus (Fig. 8, 
ko), der in ihrem Inneren befindliche Hohlraum erweitert sich, die 
Haken werden nach und nach abgeworfen , die Saugnäpfe ver- 
schwinden und es entsteht nun eine kleine Blase, von nicht ganz 
x /2 mm im Durchmesser, welche sich auch nach und nach ver- 



44 



grössert und in ihren Wandungen denselben Bau zeigt wie die 
Mutterblase und ebenso wie diese aus ihren Wandungen neue Köpf- 
chen hervorgehen lässt. Viele dieser Tochterblasen können auch 
wieder steril bleiben, ja, es können unter Umständen sämmtliche 
dies Verhalten zeigen, wir haben dann natürlich keine fortpflanzungs- 
fähigen Echinococcen vor uns. 

Jene Echinococcen, welche im Inneren Tochterblasen entwickelt 
haben, werden als Eck hydatidosus, s. endogena, s. altricipariens 
bezeichnet. 

Als Eck multilocularis \ hat man Formen derselben angeführt, 
welche sich nicht als einfacher Blasenkörper, sondern als eine An- 
häufung kleiner Bläschen darstellen, die in grosser Anzahl neben 
einander liegen und innerhalb eines weichen Stroma’s zu einer 
kugeligen Masse zusammengedrängt liegen ; besonders sind dieselben 
in der Leber des Menschen gefunden worden. 

Betrachten wir das Innere einer Blase, so finden wir ausser 
der hellen, stark kochsalzhaltigen Flüssigkeit, von welcher sie erfüllt 
ist, meist noch feinen Detritus, welcher von dem Zerfall des einen 
oder anderen Köpfchens herstammt. Daneben können Fetttröpfchen 
und chitinige Häkchen in mehr oder minder grosser Anzahl gefunden 
werden. Die Flüssigkeit der Ech.-Blasen giebt beim Kochen keinen 
eiweissartigen Niederschlag. In allen Blasen treten oft eine ganze 
Reihe von Veränderungen ein. Es können die Tochterblasen durch 
Druck platzen, wobei dann die Köpfchen, welche nun frei werden, 
absterben, verfallen, verkalken oder auch ganz zerfallen. Die Wan- 
dungen der Mutterblasen verstärken sich alsdann meistens ganz 
bedeutend und zeigen eine ziemlich regelmässig concentrische 
Schichtung. 

Auch die normale Ech.-Blase zeigt eine Schichtung und erweist 
sich in den äusseren Theilen fester als in den inneren. Nach dem 
Eintrocknen nimmt eine solche Blasenwand im Wasser sehr schnell 
wieder ihre ursprünglichen Eigenschaften an. 

Für den Arzt ist es von Wichtigkeit, eine Kenntniss des In- 
halts der Blasen und der Zusammensetzung ihrer Wandung zu 
haben, weil er oft die sich stark erweiternden Blasen mit dem Troi- 
cart anstechen muss, um ihren Inhalt möglichst ablaufen zu lassen. 
Eine mikroskopische Untersuchung und eine chemische Analyse der- 
selben wird in den meisten Fällen unumgänglich nöthig sein, weil 
nur durch eine solche Untersuchung die Diagnose richtig gestellt 
werden kann. 

Zur Weiterentwickelung der in den Kapseln sich bildenden 
Scoleces ist es nun unbedingt nothwendig, dass eine Brutkapsel mit 
ihren Scoleces oder nur ein solcher Scolex in den Verdauungs- 
apparat des Hundes gelangt. Daselbst wird der Kapseltheil ver- 
daut und aus den kugeligen Brutkapseln werden die ebenfalls 
kugeligen Scoleces frei. Sie stülpen dann ihre Saugnäpfe und den 
Hakenkranz hervor und heften sich an der Darmwandung an. Inner- 
halb des Darmes bleibt blos der Kopf mit dem Halstheile zurück; 
später schnüren sich an ihm die zwei letzten Glieder ab, welche 



45 



dann wieder geschlechtsveif werden und neue Eier produciren. Die 
Ausbildung des ungefähr 1 / 3 mm im Durchmesser habenden Köpf- 
chens zu dem 3 — 4 mm langen Wurm geht erst innerhalb 7 — 9 
Wochen vor sich, so dass nach dieser Zeit wieder reife Glieder 
entleert werden können. 

Was nun die Krankheiten anlangt, welche die Entwicke- 
lung des Echinococcus hervorruft, so sind dieselben zum Theil leich- 
terer, zum Theil schwerer Natur, je nachdem die Echinococcen in 
verschiedenen Organen zur Entwickelung kommen. 

In den bei Weitem meisten Fällen ist die Leber der Sitz der 
Echinococcenblase, dann folgen die Lungen und die Pleura', die 
Nieren, Blase und Geschlechtsorgane, Gehirn und Rückenmark, 
Knochen und Circulationsapparat, Omentum und äussere Haut. 

In vielen Fällen bleiben die Echinococcenblasen steril, in den 
meisten Fällen aber bilden sie sich zu wallnuss- bis kindskopfgrossen 
Blasen aus und verursachen natürlich je nach ihrer verschiedenen 
Grösse in den verschiedenen Organen verschiedene Störungen. 

Da die Leber der hauptsächlichste Sitz der E.-Blasen ist, und 
der practische Arzt auch wohl in den bei Weitem meisten Fällen 
Krankheitserscheinungen zu Gesicht . bekommt, welche in der An- 
wesenheit eines E. in der Leber ihren Grund haben, so wollen wir 
hier zunächst und hauptsächlich den Leber-Echinococcus berücksich- 
tigen. — Jene kleinen Embryonen finden entweder durch die Gallen- 
gänge oder durch die Pfortader ihren Weg in das Lebergewebe, 
sind sie einmal darin eingedrungen, so werden sie zunächst wenig 
Beschwerden hervorrufen, weil ihre Grösse eine sehr geringe ist, 
sowie sie jedoch anfangen zu wachsen, werden sie sich auch nach 
und nach bemerkbar machen und es ist klar, dass Ech.- Säcke von 
der Grösse einer Faust bis zu der eines Kindskopfes, wie sie ver- 
hältnissmässig häufig Vorkommen, bedeutende Störungen hervorzu- 
rufen im Stande sind. Wenn dann gar ein solcher Ech. ein Gewicht 
von mehreren Pfunden erreicht, ja, wenn dasselbe, wie es vorge- 
kommen ist, bis auf 30 Pfund steigt, so können durch den Druck, 
welchen eine solche (im letzten Fall bedeutend grosse) Blase auf 
die nebenliegenden Organe ausübt, nicht blos Leberleiden, sondern 
auch eine ganze Reibe anderer Beschwerden hervorgebracht werden.*) 

Eine grosse Anzahl von Ech. -Blasen werden in der Leber gar 
keine Störung hervorrufen, viele derselben findet man erst bei der 
Section. Meist sitzen die Blasen in der Gegend des Hypochon- 
drium oder Epigastrium oder in der unteren Rippenbogengegend; 
in zahlreichen Fällen ist es aber auch das tiefer liegende Gewebe, 
welches von ihm aufgesucht wird. 



*) Luschka schildert einen Leber -Ech. von 30 Pfund Schwere, den er im 
Körper einer 60jährigen Frau fand, der ganze Sack wurde von einigen Tausend 
Tochterblasen ausgefüllt, welch’ letztere von der Grösse einer Faust bis zu der 
einer Erbse herabgingen. Köpfchen und Haken fehlten. Ech.-Blasen von 8 — 15 Pfund 
Schwere sind öfter gefunden worden. Die Anzahl der Tochterblasen kann in den- 
selben bis auf einige wenige heruntergehen. 



46 



Die Krankheitserscheinungen werden davon abhängen, ob der 
Ech. schnell oder langsam wächst, im ersteren Falle wird das Leber- 
Parenchym zurückgedrängt und es können sich in demselben Abs- 
cesse bilden; sind in der Leber Eiterheerde entstanden, so tritt Ent- 
zündung der Cystenwandung des Ech.-Sackes ein, die Leber ver- 
wächst an den betreffenden Stellen mit den benachbarten Organen, 
w r orauf häufig ein Durchbruch gegen die in der Nähe gelegenen 
hohlen Organtheile erfolgt, so nach dem Magen und Darm, ja, nach 
dem Uterus, der Scheide und der Harnblase, sowie nach der Brust- 
höhle zu. Wenn der Ech. nach unten wächst, so bewirkt er durch 
Druck auf die unteren Leibesorgane eine Reihe von Verdauungs- 
beschwerden , Schmerzen in den Därmen , Erbrechen oder Ver- 
stopfung. Durch Druck auf die Gallengänge wird in allerdings 
seltenen Fällen Icterus hervorgerufen. Durch Druck auf die Blut- 
gefässe entsteht hin und wieder Ascites. Dass die Störungen, welche 
durch Eindringen des Sackes in die Pleurahöhle erzeugt werden, 
meist sehr ernster Art sind, liegt auf der Hand, erfolgt noch un- 
glücklicher Weise ein Platzen des Ech.-Sackes gegen die Bauch- 
höhle zu, so treten schnell schwere Lungen- und Pleura-Leiden ein, 
welche das Leben des Kranken bedrohen. Lungengangrän, Cavernen- 
bildung, Pleuritis, Lungenentzündung sind die directen Folgen eines 
solchen Durchbruchs. Ebenso ist die Prognose eine sehr schlechte, 
wenn der Ech. -Sack mit den grossen Gefässstämmen verwachsen ist 
und ein Durchbruch in die Gefässe erfolgt. Es können dann unter 
Umständen die Tochterblasen durch die Venen in das Herz gelangen 
und hier einen sicheren, mehr oder minder schnellen Tod herbei- 
führen. In den Arterien werden sie Verstopfungen derselben ver- 
anlassen und die Bildung von Tromben verursachen. 

Durchbrüche nach dem Magen, dem Darm, der Blase werden, 
wenn die Zerreissungsstelle eine kleine ist, schmerzlos sein und 
meist gar nicht bemerkt werden; die Ech.-Blasen werden dann mit 
dem Harn oder durch Erbrechen u. s. w. entleert, ist die Perfo- 
rationswunde jedoch gross, so ist ein Uebertritt des Darminhaltes 
in die Blase zu befürchten und es treten dann Eiterungen mit ihren 
vielfach schweren Folgen ein. 

Platzt eine Ecli.-Blase gegen die Bauchhöhle zu, so erzeugt ihr 
austretender Inhalt Peritonitis, welche tödtlich werden kann. 

Verschmilzt der Ech. mit der äusseren Bauchwand, so tritt 
Entzündung ein, auf welche Vereiterung und Durchbruch nach 
Aussen erfolgt. Es können sich dabei mehr oder minder lange 
Fistelgänge bilden. Der Ausgang der Peritonitis kann tödtlich sein. 

Die Diagnose der Leber-Ech. ist nicht leicht, sicher sind ohne 
Weiteres nur die oberflächlichen, langsam wachsenden und keine 
grösseren Störungen hervorrufenden Lebergeschwülste als Ech.- 
Blasen zu diagnosticiren, beim Percutiren kann man die Anwesen- 
heit des Ech. - Hydatidosus dadurch constatiren, dass man auf ein 
leichtes Schwirren achtet (Hydatiden-Schwirren), welches sich dem 
aufliegenden Finger bemerkbar macht und durch die Schwingungen 
der Tochterblasen erzeugt wird. Am sichersten ist die Diagnose 



47 



wenn man eine Punction vornehmen kann, worauf man dann durch 
Untersuchung der abgelaufenen Flüssigkeit leicht die Anwesenheit 
einer Ech.- Blase bestimmen kann. Näher kann hier nicht auf die 
verschiedenen Erscheinungen eingegangen werden; in grösserer Aus- 
führlichkeit ist dies Kapitel in dem Werk von Küchenmeister und 
Zürn „Die Parasiten des Menschen“ behandelt worden. 

In der Milz nimmt der Ech. meist auch beträchtliche Grössen 
an und sind die Erscheinungen, welche er im Körper hervorruft, 
ganz ähnlicher Art wie beim Leber-Echinococcus. 

In den Nieren treten Ech. noch seltener auf und dann meist 
nur in einer Niere; sie bewirken in dem betreffenden Nierentheile 
Atrophie und event. Durchbruch nach dem Nierenbecken zu; ist ein 
solcher Durchbruch erfolgt, so können die ausgestossenen Blasen 
eine ganze Reihe von mehr oder minder heftigen Leiden der Harn- 
wege erzeugen und unter Umständen das Leben des Patienten ge- 
fährden. 

In den anderen Organen sind die Störungen welche der Ech. 
hervorruft, je nach den betreffenden Organen verschieden; im Ge- 
hirn und Rückenmark treten bei Anwesenheit von Ech.-Blasen ähn- 
liche Krankheitserscheinungen auf, wie jene waren, welche wir bei 
dsm Cysticercus cellulosae besprochen haben. Hat ein Ech. das 
Centralnervensystem zu seinem Sitz erkoren, so wird nur in seltenen 
Fällen Heilung dadurch erfolgen, dass die Blase steril bleibt und 
eine gewisse Grösse nicht überschreitet. 

Hat sich ein Ech. in dem Inneren der Röhrenknochen festge- 
setzt, so wird er sich langsam ausdehnen; an den Stellen, wo er 
die Knochenwandung berührt, wird dieselbe resorbirt werden und es 
wird die letztere schliesslich so dünn, dass es bei der ersten besten 
Gelegenheit zu einer Fractur kommt. 

Bei allen Ech.-Krankheiten ist die Prognose eine sehr schlechte, 
denn auch dort, wo es gelingen sollte, durch operative Eingriffe 
die Ech.-Blase zu entfernen, wird man stets Entzündungen der um- 
liegenden Gewebe und Organe zu befürchten haben. Wie häufig 
der Ech. in einzelnen Gegenden vorkommt, ist daraus zu ersehen, 
dass 1 l i bis 4 Procent der zur Section gelangenden Leichen den- 
selben enthalten. 

Ueberall dort, wo ein inniges Zusammenleben des Menschen 
mit dem Hunde stattfindet, wird auch der Ech. bei dem ersteren 
häufig Vorkommen, es ist bemerkenswert^, dass die Frauen mehr 
an demselben zu leiden haben, als die Männer, welcher Umstand 
wohl dadurch veranlasst wird, dass die zahlreichen Schoos- und 
Luxushunde von Seiten der Frauen allerhand Liebkosungen erfahren, 
geküsst werden, Gesicht und Hände lecken dürfen u. s. w. Es ist 
unbedingt nötliig, dass grössere Vorsicht bei dem Halten der Hunde 
beobachtet wird und dass jene Hunde, welche von der Taenia echi- 
nococcus bewohnt sind, sofort aus der Nähe des Menschen entfernt 
und solange fern gehalten werden, bis die Taenien aus ihrem Darm 
vollständig abgetrieben sind. 

Es ist der Bandwurm des Echinococcus nicht mit jenem Band- 



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wurm zu verwechseln, welcher ebenfalls in dem Darm des Hundes 
lebt und dessen Finne im Gehirn der Schafe zu sogenannten Blasen- 
würmern heranwächst. Diese Blasenwürmer bewirken, wie bekannt, 
die Drehkrankheit der Schafe; die zugehörige Taenia coenurus ist 
ein bis 30 cm langer Wurm, welcher sich sofort von der nur wenige 
mm langen Taenia echinococcus unterscheidet. 



Cysticercus acantliotrias. 

Ohne den Bandwurm zu kennen hat man eine Finne aus dem 
Gehirn und Muskelfleisch des Menschen beschrieben. Sie gleicht 
dem Cysticercus cellulosae, zeichnet sich aber von diesem durch 
den Besitz eines dreifachen Hakenkranzes aus. 

Dieser Cysticercus istj nur in einem Falle bekannt geworden, 
vielleicht auch nur eine Varietät des Cysticercus cellulosae gewesen, 



Trematodes. Saugwürmer. 

Der Körper dieser Parasiten ist ungegliedert, meist blattförmig, 
seltener drehrund. Der Darmkanal ist verzweigt, afterlos, am Bauche 
liegen meist Saugscheiben. 

Die Entwickelung der Trematoden vom Ei bis zum ausgebil- 
deten Individuum ist meist complicirter als die der Cestoden, indem 
die Trematoden vielfach durch drei Wirthe hindurch gehen. In 
seltenen Fällen entschlüpft dem Ei ein Embryo, der sich ohne 
Weiteres zur ursprünglichen geschlechtsreifen Form entwickelt. In 
anderen Fällen gehen aus den meist ins Wasser gelegten, kleinen 
Eiern contractile oder bewimperte Embryonen hervor, welche sich 
selbständig weiter bewegen und in einen ersten Wirth (Schnecke 
z. B.) gelangen. Hier bilden sich au§ den Embryonen längere, ver- 
ästete Schläuche (Keimschläuche), die Sporocysten oder Redien, 
deren Inhalt in Zellhaufen zerfällt, die sich zu geschwänzten Formen, 
den Cercarien, umbilden (aus den ersten Schläuchen können auch 
zunächst Töchterschläuche hervorgehen, welche dann geschwänzte 
Cercarien produciren). Als Cercarien verlassen sie den als Amme 
zu bezeichnenden Keimschlauch und wandern wieder in’s Wasser, 
wo sie sich frei bewegen und von einem Wurme, einer Schnecke, 
Fischen oder Fröschen u. s. w. aufgenommen werden, resp. sich in 
dieselben einbohren. In diesem zweiten Wirthe verlieren sie den 
Schwanz und kapseln sich in eine häutige Cyste ein. Mit dem 
Fleische dieses zweiten Wirthes gehen die Cysten nun eventuell in 
den Darmkanal eines dritten über, die Hüllen werden hier verdaut 
und die ungeschwänzte, geschlechtslose Distomee dringt durch die 
Darmwandung hindurch und gelangt an die Stelle ihrer endlichen 
Ausbildung (Augenhöhle, Lunge, Blase u. s. w.). Der zweite Zwischen- 
wirth kann jedoch auch fehlen, so dass aus der Cercarienform die 
Geschlechtsform hervorgeht. 



49 



Distomeae. 

Die Distomeen besitzen ein bis zwei Saugnäpfe, jedoch keine 
Hakenkränze. Die Jugendformen leben meist in Mollusken, die Ge- 
schlechtsthiere im Darme der Wirbelthiere. 

Beim Menschen sind ungefähr 9 verschiedene Distomeen beob- 
achtet worden. Die häufigsten derselben leben im Körper der 
Aegypter, der Chinesen, seltener findet man Vertreter dieser Gruppe 
im Körper der Mittel- und Nord-Europäer. 



Monostomum. 

Der Körper derselben ist platt, Kopf und Leib nicht von einander 
abgesetzt, der Mund ist bewaffnet oder unbewaffnet und wird von 
einem schwachen Saugnapf umgeben, ein Bauchsaugnapf fehlt, von 
inneren Organen ist zunächst der wenig entwickelte afterlose Darm 
zu erwähnen. Das Wassergefässsystem öffnet sich am hinteren 
Leibesende. Die Geschlechtsorgane, von denen wir auch männliche 
und weibliche in demselben Individuum finden, sind ähnlich ent- 
wickelt wie bei den Taenien und liegen die Ausführungsöffnungen 
derselben auf der Bauchfläche, die männlichen dicht am Mundsaug- 
napf, die weiblichen etwas zurück. 

Die ersten Stadien leben vielleicht in Mollusken , bei Fischen 
und Amphibien, seltener beim Menschen. Als Zwischenwirthe dienen 
dann Säugethiere und Vögel und als definitive Wirthe für die ge- 
schlechtsreifen Thiere haben wir ebenfalls Warmblüter anzusehen, 
in deren Darm und anderen Organen Monostomum vorkommt. 

Monostomum lentis 

ist einmal in mehreren Exemplaren in der Linse des menschlichen 
Auges gefunden worden. 



Distoma. 

Der Leib besitzt einen vorderen und einen hinteren Saugnapf. 
Der vordere ist um den Mund herumgelagert, der hintere liegt un- 
gefähr in der Mitte des Leibes. Als Wirthe für die Jugendformen 
dienen niedere Wasser-Mollusken und andere Wasserbewohner. 

Distoma hepaticum. Der grosse Lcberegcl (Tafel IV, Fig. 11 — 19). 

In dem Körper der Menschen, der Einhufer, der Wiederkäuer, 
Schweine und Nager kommt dieser, oft grosse Verwüstungen an- 
richtende Parasit in verschiedener Häufigkeit vor. Von der oft er- 
schreckenden Häufigkeit giebt uns die Statistik Mittheilungen, welche 
uns mittheilt, dass in einem Jahre in England nahe an 2 Millionen 
Schafe zu Grunde gegangen und dass in einzelnen Gegenden Eu- 
ropa’s in feuchten Jahren oft 20—75 Procent der Rinder ein Opfer 
von Distoma hepaticum werden. Solchen Vorkommnissen gegen- 
über müssen wir das Auftreten von Distoma hepaticum im Körper 

4 



50 



des Menschen als sporadisch bezeichnen. Da aber auch das Leben 
des Europäers häufig durch diese Parasiten in Gefahr kommt, so 
wollen wir die Anatomie von Distoma hepaticum genauer be- 
trachten. Der Körper ist blattartig flach, sein Vorderende kugel- 
förmig; auf diesen sogenannten Kopfabschnitt folgt ein durchschnitt- 
lich 30 mm langer Leib, der ungefähr 12 mm breit ist. Vom Kopf 
setzt er sich gleich scharf ab und erreicht seine grösste Breite 
etwas vor der Mitte der gesammten Körperlänge (Fig. 11). Zu 
äusserst liegt auch wieder, wie bei den Cestoden eine Epidermis, 
welche von einer Cuticula und der unter dieser liegenden Subcuti- 
cular- Schicht gebildet wird. Die erstere ist häufig gestreift, die 
letztere besteht aus nebeneinander liegenden Längszellen, zwischen 
denen zahlreiche Drüsen ausgebildet sind. Nach aussen wird der 
Körper unseres Distoma hepaticum an Rücken- und Bauchfläche von 
zahlreichen, in Querreihen angeordneten Schüppchen und Stacheln 
bedeckt, deren Spitzen nach vorwärts gerichtet sind. Unter der 
Epidermis liegt ein Bindegewebe, das aus grossen Zellen besteht 
und ausserdem ein Muskelapparat, welcher aus Längs- und Ring- 
muskeln, sowie aus quer durch den Körper hindurchgehenden Bün- 
deln gebildet wird. 

Vorn am Körper ist der Haftapparat in Gestalt zweier Saug- 
näpfe entwickelt, der vordere derselben (a) ist ungefähr 2 mm breit, 
der hintere (b) erreicht einen Durchmesser von 1,5 mm. Central 
im vorderen Saugnapfe liegt die Mundöffnung, welche in den Darm- 
apparat hereinführt. An der Mundöffnung tritt ausserdem noch 
ein blindsackartiges Anhängsel auf, dessen Functionen noch nicht 
klargestellt worden sind. 

Der Mund führt in den vorderen als Pharynx bezeichneten Ab- 
schnitt, welcher aus einer ungefähr 0,5 mm langen, musculösen 
Röhre gebildet wird, in deren Wandung einzelne Drüsen zu be- 
merken sind. Der Verlauf der Muskeln in diesem Pharynx ist 
ziemlich complicirt und kann hier nicht näher darauf eingegangen 
werden. An diesen Schlund schliesst sich ein kurzes, unpaares 
Darmstück an, welches sich dann in zwei Theile gabelt, welche als 
Hauptstämme durch den Körper hinziehen und im Endabschnitt 
desselben blind endigen. Sie geben von vorn bis hinten hin äusserst 
zahlreiche Seitenblindsäcke ab, welche regelmässig dendritisch ge- 
theilt sind und in die Seiten des Leberegels verlaufen (Fig 10). 
Als Nahrung dienen sehr wahrscheinlich Blutkörperchen und Blut- 
serum. 

Das Nervensystem besteht aus einem doppelten Ganglien- 
paare, welches im Kopftheile direct hinter dem Mundsaugnapf liegt 
und durch eine Quercommissur verbunden wird. Von ihm aus gehen 
schwache Seitenästchen nach den Saugnäpfen u. s. w. und dann 
zwei Hauptnerven durch den ganzen Körper hindurch, woselbst sie 
Seitennervenästchen abzugeben scheinen. Sinnesorgane fehlen den 
ausgebildeten Parasiten. — Vom Wasser gef ässsystem kennt 
man die Seitenstämme und ein an dieses sich anschliessendes feines 
Gefässnetz, welches in verschiedenen Districten im Körper einge- 



51 



lagert ist. Die Gefässnetze laufen in mehreren Seitenzweigen zu- 
sammen, diese Seitenzweige vereinigen sich dann zu einem kurzen 
Endstücke, welches in der Mitte des Rückens verläuft und am letzten 
Ende des Hinterleibes nach aussen mündet. 

Die Geschlechtsorgane sind getrennt von einander; es tritt, 
trotzdem das Distoma hepaticum ein Zwitter ist, keine Selbstbe- 
fruchtung ein. 

Die männlichen Geschlechtsorgane (Fig. 13). Sie 
bestehen aus den Hodenkörperchen, einem Hodenröhrensystem, zwei 
Kanälchen, welche zu den Samenleitern zusammentreten, dazu kommt 
eine Samenblase und nach aussen zu ein ductus ej aculatorius , wel- 
cher durch den Copulationsapparat hindurchgeht. Die Hodenkör- 
perchen werden aus kleinen blinden Röhrchen gebildet, die in der 
Bauchfläche des Thieres liegen und von zwei Punkten ausgehend, 
sich spalten, schlängeln und durch einander verlaufend, in der Mitte 
des Körpers ein ungefähr 13 mm breites und 8 mm langes Feld 
einnehmen. In ihnen werden aus den Kernen besonderer Samen- 
zellen spiralige Fäden gebildet, welche sich in einer grösseren An- 
zahl von Röhren sammeln, welche in die beiden Hodenkanälchen (v) 
Zusammenflüssen. Der Copulationsapparat besteht aus dem Cirrus- 
beutel und dem Cirrus (c), welcher als längeres, gewundenes Gebilde 
vorgestülpt werden kann. Die Spitze ist stets nach vorn und rechts 
gedreht. Die Ausführungsöffnungen der männlichen Geschlechts- 
organe liegen im Ivopftheile zwischen Mund und Bauchsaugnapf, am 
vorderen Rande des letzteren. 

Die weiblichen Geschlechtsorga n'e (Fig. 13). Bei 
denselben haben wir auch wieder die bei den Cestoden schon be- 
sprochenen verschiedenen Abtheilungen zu unterscheiden. Mit zwei 
Oeffnungen mündet der Apparat nach aussen, die eine derselben 
liegt auf dem Rücken, die andere ventral, dicht unter der Aus- 
mündungsöffnung der männlichen Geschlechtsapparate. Es beginnt 
der Apparat mit der Begattungsscheide (Laurer’scher Kanal, Va- 
gina) mit einer trichterförmigen Erweiterung auf dem Rücken des 
Individuum, geht dann als kurzer, ungeschlängelter Kanal nach vorn 
und mündet in einer Erweiterung aus, welche als Atrium (a) des 
Eileiters bezeichnet wird und als Uterus functioniren soll. Um den 
letzteren herum liegt ein drüsenförmiges Organ, welches man als 
Eierschalendrüse bezeichnet. Aus dem Atrium des Eileiters treten 
nun eine ganze Reihe von Kanälen aus (resp: münden in dasselbe 
ein), von denen die einen aus dem Eierstocke kommen, in welchem 
die primitiven Eier gebildet werden. Der Eierkeimstock ist ein 
verästelter Schlauch, welcher sich aus lauter kleinen blinden Säckchen 
zusammensetzt. Daneben befindet sich das Dotterstockpaar ( d ), 
welches aus zwei grossen flügelförmigen Organen zusammengesetzt 
ist, die von der Bauch- bis zur Rückenfläche und vom Bauchsaug- 
napf bis zum Hinterleibesende sich erstrecken. An den Seiten- 
rändern liegen kleine runde Dotterbläschen, welche mit kleinen 
Ausführungskanälchen zu mehreren zusammentreten; es führen 
schliesslich diese Ausführungsgänge in einige wenige und dann in 

4 * 



52 



einen gemeinsamen Kanal über. Jede Dotterstockshälfte besitzt 
solch einen Längsstamm, welcher vom vorderen Rande des Bauch- 
saugnapfes bis zum hinteren Leibesende geht. In dem vorderen 
Theile desselben befindet sich ein querer Vereinigungsstamm, wel- 
cher in der Mitte eine Anschwellung zeigt, die als Dotterbeutel be- 
zeichnet worden ist; es stellt sich diese Tasche als kurzer, herz- 
förmig erweiterter, rundlicher, gemeinsamer Gang dar, von dessen 
Mitte aus ein kleiner Kanal in das Atrium des Eileiters führt. Aus 
diesem Atrium gehen dann die Eier, nachdem sie sich in demselben 
mit verschiedenen Secreten und den Spermatozoen vereinigt haben, 
in den letzten Gang über, welcher als Eileiter oder Eiergang zu 
deuten ist; zunächst verläuft derselbe gerade, dann aber in vielen 
Windungen und Schlingen (sogenannter Uteruskanal). Ueber die 
Deutung der verschiedenen Theile des weiblichen Geschiechtsappa- 
rates ist man noch nicht ganz klar und mag ich mich deswegen 
hier an dieser Stelle nicht direct der einen oder anderen Ansicht 
anschliessen. Die Geschlechtsapparate münden dorsal mit einer 
kleinen Oeffnung. 

Die Entwickelung der Embryonen. Schon in der 
Einleitung ist gesagt worden, dass die verschiedenen Distomeen in 
ihrer Jugend 2—3 Wirthe bewohnen und zum Theil freilebend sind. 
Aus den reifen Eiern von Distoma hepaticum (Fig. 14) bildet sich 
ein kleiner Embryo; die Eier selbst sind ungefähr 0,14 mm lang 
und 0,08 mm breit, ihre Form ist hinten zu gespitzt, vorn flach ge- 
wölbt und gedeckelt. Die Schale der reifen Eier erscheint doppelt 
eontourirt, innen grünlich, aussen röthlich. Die Entwickelung des 
oben erwähnten kleinen Embryo geht in den befruchteten Eiern 
entweder im Körper des Wirthes oder ausserhalb desselben im 
Wasser vor sich. Aus dem Keimbläschen des Eies und jedenfalls 
auch aus den diesem zunächst liegenden Plasma-Massen entsteht 
ein Häufchen von Keimzellen, welche äusserlich von Dotter-Material 
umlagert werden. Aus diesem Keimfleck bildet sich ein längerer, 
ovaler Embryo aus, von nicht ganz x /io mm Länge. Derselbe liegt 
etwas gekrümmt an der einen Seite des Eies (Fig. 15), er wird 
von einem dunkeln Wimperkleide bedeckt, welches später seine 
Functionen ausübt. Der Embryo sprengt den Deckel des Eies und 
kriecht heraus, wobei sein vorher gefalteter Körper glatt wird 
und eine feste Form annimmt. Dieselbe ist kegelförmig, jedoch 
wird die breite Seite des Kegels nach vorn gehalten. Seine Länge 
beträgt nun das Doppelte der oben erwähnten. Vermittelst der 
Wimperhaare schwimmt der Embryo im Wasser herum, wobei die 
vorhandene vordere Kopf- Pappille eingezogen ist. Am vorn ver- 
breiteteren Ende befindet sich ausserdem ein kleiner Pigmentfleck, 
welcher als Augenfleck gedeutet werden kann und eine X förmige 
Gestalt besitzt. Dieser Embryo gelangt nun nach Leuckart’s neue- 
sten Untersuchungen in den Körper einer kleinen Wasserschnecke 
(Limnaeus minutus). Nach dem Einwandern verliert der Embryo 
durch Abblättern die Epidermiszellen, er wird oval oder kugelig 
und biisst seine Beweglichkeit ein. Auf diesem Stadium entwickeln 



sich eine Reihe von Zellen weiter, welche zunächst im hintern 
Leibesabschnitt des Embryo lagern und sich nach und nach durch 
Wucherung durch den ganzen inneren Körper erstrecken. Es sind 
die Keimzellen, aus denen dann später die weiteren Entwickelungs- 
stadien vom Distoma hervorgehen. Es bilden sich aus denselben 
sogenannte Redien, welche nach ungefähr 2 Wochen entstehen und 
zu 5 bis 8 in einem Schlauch auftreten. Der Leib derselben (Fig. 14) 
ist cylindrisch und besitzt am verjüngten Hinterende 2 zapfenför- 
mige Vorsprünge. Vorn zeigt sich ein Kopfabschnitt, welcher frei 
beweglich ist, entwickelt. In diesen Redien werden auch wieder 
eine Anzahl von neuen Keimen gebildet, welche die erste Anlage 
des definitiv ausgebildeten Thieres sind. Diese Neubrut , welche 
allerdings einem geschlechtsreifen Leberegel wenig ähnelt, wird als 
Cercarien (Fig. 18) bezeichnet. Die Cercarien, welche zu 15 — 20 
innerhalb einer Redie entstehen, besitzen einen elliptisch gestalteten 
Körper, an welchem sich ein Schwanz als Anhang ansetzt. In diesen 
Eercarien, deren äusserer Körper nicht mit Stacheln besetzt ist, 
findet sich ein auf die Seitentheile des Leibes ausgedehntes Organ 
welches aus neben einanderliegenden Körnchenzellen gebildet wird. 
Aus diesen Körnchen entwickelt sich später eine Cyste um das Thier 
herum. Wie aber nun die Weiter-Entwickelung dieser Cyste ist, 
das steht noch nicht ganz fest. So viel ist sicher, dass die Jugend- 
formen von Distoma hepaticum erst in dem Leibe, eines Warm- 
blüters zu Geschlechtsthieren heranreifen. Die Cercarien besitzen 
ausser einem Kopfstachel und dem äusserst beweglichen Schwanz- 
anhang schon die Anlage des Verdauungs- Apparates («), während 
vom Geschlechts - Apparat noch nichts zu bemerken ist. Es ist 
möglich, dass die Cercarien ihre Cysten in einem zweiten Wasser- 
thiere entwickeln und dann mit diesem in den Darm der Wieder- 
käuer gelangen*). (Weiteres vergleiche man im Nachtrag.) 

Im Menschen erzeugen nun die Distomeen, ebenso wie im Körper 
der Wiederkäuer u. s. w. dadurch Krankheiten, dass sie in den ver- 
schiedenen Organen, besonders aber in der Leber, zur Ablagerung 
gelangen, indem sie von dem Zwölffingerdarm durch die Gallenwege 
in die Gallengänge Vordringen. Die Gallengänge werden entweder 
erweitert oder verstopft. Sind nun eine grosse Anzahl von Cer- 
carien eingedrungen, so werden natürlich durch die Reize, welche 
sie auf die Gallengänge ausiiben und durch die Stauungen in diesen 
Gängen, Entzündungen und blasenartige Erhebungen der Leber- 



*) Die Entwickelung der übrigen Distomeen geht meist in ganz ähnlicher 
Weise vor sich, wie es eben vom Leberegel mitgetheilt wurde. Aus dem Embryo 
entwickelt sich entweder eine mund- und darmlose Sporocyste, aus welcher dann 
eine Redie hervorgeht, welche mit Mund und Darm ausgestattet ist. Aus dem 
Embryo kann aber auch sofort eine solche Redie hervorgehen. Diese Redien werden 
nun die Ammen von neuen Entwickelungsstadien ; in ihnen keimen entweder 
wieder Redien,- aus denen dann Cerearienformen hervorgehen, oder es entwickeln 
sich aus den Redien direct Cercarien, welche dann, sowie sie in einen Wirth 
kommen, noch einige Entwickelungen erfahren, auch noch einmal den Wirth 
wechseln können, dann aber die geschlechtreifen Thiere produciren. 



54 



kapsel gebildet. Gleichzeitig tritt Schwund der Leberzellen ein 
und in Folge dessen werden die schwersten Leber-Krankheiten her- 
vorgerufen. Aus der Leber geht der Leberegel in den Blutstrom 
über und kann an verschiedenen Stellen der Blutbahn Störungen 
hervorrufen. Ueber den schliesslichen Austritt aus dem Körper des- 
Menschen ist noch gar nichts bekannt. 

Eine Diagnose ist schwer zu stellen, falls man nicht zufällig 
Eier von Distomeen im Kothe oder Gallen -Erbrechungen findet. 
Als ein Hauptort der Infection durch Leberegel ist das Narenta- 
Thal in Dalmatien bekannt. Der practische Arzt wird aber nur 
äusserst selten Gelegenheit haben, Fälle von durch Distoma Erkrankten 
zu behandeln. 

Bei Menschen ist noch beobachtet worden : 

Distoma lanceolatum. 

Diese Form gleicht in ihrem Aeusseren und in ihrer Entwicke- 
lung dem Leberegel, nur ist sie bedeutend kleiner und myrthen- 
blattförmig gestaltet. Die Länge des Gesammt - Körpers beträgt 
ungefähr 8—10 mm. Derselbe ist glatt und hakenlos, vorn stärker 
zugespitzt, dann sich schnell verbreiternd und wieder langsam gegen 
das stumpfe Hinterende zu abnehmend. Bei dem Menschen ist 
diese Form nur in wenigen Fällen bekannt geworden und da sie 
keine schwereren Störungen verursacht, wird sie auch wohl häufig 
übersehen worden sein. Niemals wurde sie aber in unreifen Indi- 
viduen (wie Distoma hepaticum) in der menschlichen Haut ein- 
gekapselt gefunden. Das Hauptwohnthier derselben ist das Schaf. 

Distoma oculi humani (D. ophthalmobiam). 

Man hat einen Fall aus dem Anfang dieses Jahrhunderts an- 
geführt, bei welchem in dem Auge eines 5 Monate alten Kindes 4 
Distomeen zwischen der Linse und Linsenkapsel entdeckt wurden. 
Die Thierchen waren ungefähr 1 mm lang und zeigten durch das 
Vorhandensein der Saugnäpfe und des gegabelten Darmes an, dass 
sie zu einer Trematodenart gehörten, welcher ist fraglich. 

Distoma crassum (D. Buskii dicrocoelium). 

Als eine solche Distomee ist von Cobbold ein 4 — 6 cm langer 
ungefähr 2 cm breiter Wurm beschrieben, welcher einen dicken, 
breiten, vorn zugespitzten , hinten abgerundeten und äusserlieh 
glatten Körper besitzt. Die Saugnäpfe liegen nahe beieinander, die- 
Darmäste gehen bis in’s letzte Hinterleibsdrittel und die Geschlechts- 
Öffnung liegt gleich vor dem Bauchsaugnapf. Der Wurm ist bei 
einigen Chinesen und bei einem englischen Missionär und dessen 
Frau, welche lange in China gelebt hatten, gefunden worden,. Die 
reifen Thiere wanderten, ohne grosse Störungen zu veranlassen,, 
aus. Die Infection hatte wahrscheinlich durch Salat, dann Austern 
und frische Seefische stattgefunden. 



55 



Distoma sinense (D. spatulatum.) 

Im Körper eines Chinesen fanden sich innerhalb der Gallen- 
gänge schmale, platte, stachellose Distomeen, welche die Ursache 
des Todes gewesen waren. Der Kranke war zuletzt dyspnoisch und 
hatte seit 14 Tagen an fcbris continua gelitten. 

Distoma conjundum. 

Dasselbe wurde bei einem Muhamedaner aus Kalkutta, welcher 
2 Monate schon am Fieber gelitten hatte, gefunden. In den Leber- 
lappen waren zahlreiche Distomeen zerstreut, jedoch waren Gallen- 
blase und Gallengänge frei davon. Von der vorigen Art unter- 
scheidet sich diese durch das mit Stacheln besetzte Aeussere. 

Distoma heteropliyes. 

Im Darm einer Knabenleiche fand Bilharz eine Anzahl von 
Distomeen, welche einen rothbraunen, vorn ovalen und spitzen, 
hinten stumpfen Leib besassen. 

Distoma liaematobium. 

Dieser Parasit hat dadurch ein grösseres Interesse, dass er an 
der Nord- und Ostküste von Afrika, von Kairo bis zum Kapland 
sowie auf den afrikanischen Inseln sehr häufig vorkommt. Bei 
Fellah’s, Kopten und Nubiern, seltener bei Negern hat man diese 
Distomee gefunden. 

Vor allen anderen bis jetzt besprochenen Distomeen zeichnet 
sich D. liaematobium dadurch aus, dass die Geschlechter getrennt 
sind, Männchen und Weibchen kommen nebeneinander vor. Das 
Männchen ist 12— 14 mm lang und ungefähr 1 mm breit, vorn liegt 
ein Mundsaugnapf, kurz dahinter der Bauchsaugnapf, auf welchen 
dann der lange platte Leib folgt. Da die Seitenränder des Körpers 
sich nach aussen Umschlagen, erscheint derselbe cilindrisch; seine 
Aussenfläche ist mit Wärzchen und Spitzen besetzt. Die Geschlechts- 
öffnung liegt dicht hinter den Saugnäpfen, von ihr aus geht ein 
kurzes, gemeinsames Vas deferens nach innen und verzweigt sich 
schliesslich bis zu den dicht gedrängten Hodenbläschen, welche dem 
sich gabelnden Darm anhängen. Das Weibchen ist 15—19 mm lang, 
der Leib desselben ist platt, schlank und mehr cylindrisch, vorn ist 
er spitzer, nach hinten zu verbreitert er sich allmählich. Die Darm- 
schenkel verlaufen nicht vollständig getrennt, sondern vereinigen 
sich bald wieder zu einem spiralig gewundenen Darmblindschlauch. 
Die Eier liegen massenhaft nebeneinander, sind ungefähr 0,1 mm 
lang und 0,04 mm breit, an einem Rande häufig mit einem dorn- 
artigen Fortsatz ausgestattet. Die Weibchen heften sich an dem 
Körper des Männchen an und sollen sich augli nach der Befruch- 
tung von diesen nicht trennen; das Männchen schlingt die Seiten 
seines Leibes mantelartig um das Weibchen herum. 

Im Körper des Menschen finden sich unsere Distomeen in ver- 
schieden grosser Anzahl und zwar leben sie hauptsächlich in den 
Blutgefässen des Körpers von Blutserum und Blutkörperchen. Da 



56 



dieselben, von der Blutbahn weitergetragen, besonders in den Capil- 
laren zur Ablagerung gelangen, so werden sie hauptsächlich da 
grosse Störungen veranlassen, wo die Capillaren sich reich ver- 
zweigen und wo das umliegende Gewebe ein sehr empfindliches ist. 
Es treten daher meist schwere Gehirnleiden ein, chronischer Blasen- 
katarrh und stellenweise heftige Kolikschmerzen. Der Urin ist mit 
einem blutig schleimigen Exsudat vermischt und durch das Blut- 
harnen wird schliesslich chronische Anämie erzeugt. In der Niere 
und der Blase treten Steinbildungen auf und diesen Bildungen ent- 
sprechend compliciren sich dann die Krankheitserscheinungen noch 
weiter. Ausserdem können Darmleiden, Pneumonie und Störungen 
im Gefässapparat stattfinden. Aeusserlich sind die Kranken schon 
durch die bleiche Hautfarbe und durch das welke zusammengefallene 
Aussehen kenntlich. Der Tod tritt durch Erschöpfung ein. 

Auf welche Weise die Infection geschieht , ist nicht genau zu 
bestimmen. Es scheint die Distomeenbrut dadurch aufgenommen zu 
werden, dass dieselbe in jungen kleinen Mollusken und Wasserin- 
secten lebt, welche beim Trinken verschluckt werden. Auch der 
Genuss der Wasserpflanzen und Wasserthiere (Schnecken, Muscheln) 
kann die Ursache einer Infection durch Distomeenbrut sein. Die 
Therapie besteht in der Prophylaxis. Es ist darauf zu achten, dass 
das Trinkwasser stets filtrirt oder gekocht wird, dass Wasserpflanzen 
und Thiere niemals roh genossen werden, es wird dann möglichst 
eine neue Einwanderung von Distomeen vermieden und kann so 
Heilung hervorgerufen werden. Zweckmässig ist auch das Aus- 
wandern der Patienten aus der Gegend, wo die Distomeen häufig sind. 

Amphistoma hominis. 

Amphistoma gehört zu den, äusserlich den Blutegeln ähnlichen 
Thieren, welche einen bimförmigen, vorn schlanken, hinten erwei- 
terten Leib besitzen, dessen Vorder- und Hinterende je einen Saug- 
napf trägt. Die Würmer sind zahlreich im Dickdarm, im Coecum 
und Colon ascenäens , aber niemals im Dünndarm gefunden worden. 
Sie saugen sich an der Darmschleimhaut fest und ziehen aus dieser 
direct das Blut durch Saugen aus. 



Nemathelminthes. Rundwürmer. 

Der langgestreckte Körper ist drehrund, schlauch- oder faden- 
förmig, nicht gegliedert, höchstens geringelt. Das vordere Ende ist 
mit Papillen oder Haken ausgestattet. Die Rundwürmer sind meist 
getrennt geschlechtliche Parasiten, Die Entwickelung geht ent- 
weder direct oder vermittelst einer Metamorphose vor sich. 



Ufematodes. Vadenuiiirmer . 

Der Körper ist langgestreckt, drelirund, spul- ode.’ fadenförmig, 
der Darmkanal mit Mund und After versehen. Am vorderen Kör- 



57 



perende sind Papillen oder Spitzen, Haken und Stacheln ausge- 
bildet. Meist legen die Nematoden Eier ab, seltener entwickeln 
sich diese im Körper schon zu Embryonen. Die Jugendformen 
leben in der Regel an anderen Orten als die geschlechtsreifen Thiere; 
die ersteren besitzen häufig Bohrapparate, welche später verloren 
gehen. Die Entwickelung ist eine sehr wechselnde. Die Jugend- 
formen können sich in dem Körper anderer Thiere bis zu einem 
gewissen Stadium entwickeln , sich daselbst auch eventuell ein- 
kapseln; gehen sie nun in ein anderes Thier über, so bilden sie 
sich in diesem erst zu geschlechtsreifen Individuen aus. Andere 
Nematoden entwickeln sich in feuchter Erde zu sogenannten Rhab- 
ditiden, welche nun erst in den Körper eines spät eren Wirt lies ein- 
dringen. Solche Rhabditisformen können auch geschlechtsreif werden, 
einige Nachkommen erzeugen, welche dann in höhere Thiere ein- 
wandern und hier zur ausgebildeten Nematode heranwachsen. 

Ascaridae, 

Der Körper der Ascariden ist verhältnissmässig kurz und schlank, 
bei den einzelnen Formen von sehr verschiedener Länge. Während 
z, B. der Pfriemenschwanz höchstens 10 mm lang wird, erreicht der 
Spulwurm eine Länge von 30 — 38 cm, ja bis 40 cm. Der Kopf ist 
oft durch drei papillentragende Mundlippen ausgezeichnet, eine der- 
selben liegt mehr dorsal, zwei sind ventral gelegen. Die Hinter- 
leibesenden zeigen bei den verschiedenen Geschlechtern verschie- 
denen Bau; während das der Weibchen ziemlich schlank ist, finden 
wir das der Männchen meist hakenförmig herumgebogen und mit 
1—2 hornigen Stacheln, sowie auch häufig mit einem lappenartigen 
Haftapparat ausgerüstet. Was die inneren Organe anlangt, so 
wollen wir dieselben gleich bei dein Spulwurm näher besprechen. 
Ueber die Entwickelung und die Jugendformen ist man nur bei 
einigen klar geworden. Es scheint bei denselben nicht immer nöthig 
zu sein, dass die Eier, nachdem sie nach aussen gelangt sind, eine 
Brut hervorgehen lassen, welche erst eine Zeit lang frei lebt und 
dann in ein höheres Thier übertragen wird, sondern es können die 
Eier direct, im Körper des Menschen z. B., Embryonen bilden, welche 
sich im Darm weiter entwickeln und geschlechtreif werden, wie dies 
beim Pfriemenschwanz der Fall ist, 

Ascaris lumbricoiäes. Der Spulwurm (Tafel IV, Fig. 20 — 24). 

Im Darm des Menschen, besonders in dem der Kinder findet 
sich dieser weit verbreitete Parasit in wenigen oder in Hunderten, 
ja Tausenden von Exemplaren vor; während die kleinsten derselben 
nur wenige mm lang sind und dem blossen Auge als zarte, weisse 
läserchen erscheinen, erreichen die grösseren derselben eine durch- 
schnittliche Länge von 20 — 30 cm. Die Spulwürmer sind getrennten 
Geschlechts und kennzeichnen sich die geschlechtsreifen Individuen 
durch eine verschiedene Ausbildung ihres Körpers. Die Männchen 
sind stets die kleineren sie werden etwa 27 cm lang und sind leicht 



58 



daran zu erkennen, dass das Hinterleibsende, welches die Ge- 
schlechtsöffnung trägt, in Form eines kurzen Hakens nach der Bauch- 
seite zu umgeschlagen ist (Fig. 22); das Ende ist stumpf, mit 
einigen Papillen auf der breiten Fläche versehen und zeigt nahe am 
ventralen Rande eine Art Kloakenöffnung (c), durch welche die Ge- 
schlechtsproducte und der Darminhalt entleert werden. Ausserdem 
ragen über diese kleine Endscheibe aus der Kloakenöffnung zwei 
gebogene, dünne Chitinstacheln (Spicula) hervor, welche bei der 
Copulation eine innigere Fixirung des Männchens und Weibchens be- 
werkstelligen. Die Weibchen sind, wie bemerkt, die grösseren, sie 
erscheinen in der Mitte des Leibes oft mehr aufgetrieben, das hintere 
Leibesende ist spitz, das vordere ist gerade, die Geschlechtsöffnung 
liegt hinter dem vorderen Leibesdrittel. 

Die äussere Haut ist bräunlich oder von einer schmutzig 
gelbrothen Farbe, sie wird von einer äussereü Cuticula (Fig. 24 cu) 
gebildet, welche ziemlich derb ist und über einer weichen, feinen 
körnigen Subcuticularschicht liegt. Der Hautmuskelschlauch, wel- 
cher auf die letztgenannte Schicht folgt, ist stark entwickelt und 
besteht der Hauptsache nach aus einer kräftigen Längsmusculatur. 
An den Seiten sieht man zwei längs verlaufende Linien, welche von 
den Excretionsorganen, die direct unter der Haut von vorn nach 
hinten verlaufen, gebildet werden (Fig. 24 S). 

Das Nervensystem wird aus einem Nervenringe gebildet, 
welcher um den Schlund herum gelagert ist und nach hinten zu 
Ausläufer entsendet; im Schwanzende soll noch ein weiteres Gang- 
lion (das Schwanzganglion) vorhanden sein. Sinnesorgane 
scheinen vollständig zu fehlen, höchstens können kleine Papillen am 
Mund- und Endabschnitt des Körpers als Tastapparate angesprochen 
werden. Der Verdauungsapparat beginnt am vorderen Körper- 
ende mit einer kleinen Mundöffnung, um welche herum die drei 
Mundlippen stehen, deren Ränder mit feinen chitinigen Zahnleisten 
ausgestattet sind. Der Oesophagus ist lang und weit, auf dem Quer- 
schnitt dreikantig, er wird von einzelnen, starken Muskelbündeln 
umlagert. Der auf ihn folgende Darm verläuft ziemlich gerade und 
lässt keine weiteren Abschnitte an sich erkennen. Auf Querschnitten 
zeigt der vordere Leibesabschnitt central den dreikantig ausgebil- 
deten Oesophagus, um welchen ringförmig das Central - Nerven- 
system gelagert ist. Der mittlere Leibesabschnitt (Fig. 24) lässt auf 
Querschnitten den Darm als flaches, breites Gebilde (d) erscheinen 
unter welchem die Geschlechtsorgane (Cr) und Keimdrüsen liegen. 
Alle Querschnitte zeigen genau oben und unten die Mittellinien, an 
denen sich eine Quermusculatur ansetzt. An den Seiten lassen sich 
die erwähnten Excretionsorgane erkennen. Als solches dient 
ein jederseits unter der Haut verlaufendes, helles Gefäss, welches 
mit einem hellen, körnchenreichen Inhalt erfüllt ist. Im vorderen 
Körpertheile vereinigen sich die beiden Gefässe und entsenden dann 
eine kurze Ausgangsröhre nach der Bauchseite, woselbst sich die 
Ausführungsöffnung, der Poms excretorius, findet. 

Die Geschlechtsorgane stellen sich beim Männchen als 



59 



ein langes unpaares, sehr vielfach aufgewundenes, röhrenförmiges 
Organ dar, welches als Hoden functionirt und schliesslich in ein 
einfaches Vas deferens übergeht; in dem gewundenen Endabschnitt 
bilden sich die Spermatozoen, welche sich als Zellen, niemals aber 
in Faden- oder Haarform repräsentiren. Die Zellen führen amö- 
boide Bewegungen aus und gelangen vermittelst derselben in das 
obere Ende der weiblichen Keimröhre. Das Vas deferens dient in 
seinem unteren Theile als Ductus ejaculatorius. Als Begattungs- 
organ dienen die oben erwähnten Stäbchen (Spicula) die durch zwei 
Muskeln vorgestreckt und zurückgezogen werden können. — Die 
weiblichen Geschlechtsorgane zeigen im Inneren einen doppelten, 
vielfach gewundenen Schlauch, welcher die Keime producirt; all- 
mählich gehen dieselben in dicker werdende Abschnitte über, welche 
wir als Eileiter bezeichnen können. Die Eileiter treten schliesslich 
zusammen, bilden in ihren Endstücken einen Uterus, welcher mit 
einer kürzeren, engeren Scheide am vorderen Theile des Körpers 
mündet. Die Eier bilden sich in Schnüren hintereinander innerhalb 
der Ovarien, sie sind zunächst rundlich, schliesslich platt und dann 
oval. Nachdem sie befruchtet worden sind, gehen sie durch die Ei- 
leiter nach dem Uterustheile hin und werden hier von einer Schale 
umhüllt (Fig. 23 a). 

Wie die Weiterentwickelung der Eier vor sich geht, ist noch 
nicht genau bekannt, man weiss zwar, dass sich der Dotter zer- 
klüftet, zuuächst zwei, dann mehrere Furchungskugeln bildet, welche 
sich dann energisch wieder theilen und schliesslich einen kleinen 
Embryo aus sich hervorgehen lassen, der nach vielleicht 12 Monaten 
vollständig ausgebildet ist, dann das Ei verlässt und auf irgend eine 
Weise wieder in den Körper des Menschen zurückgelangt, wo wir 
aber die junge Ascaridenbrut zu suchen haben, ist zur Zeit noch 
nicht festgestellt, es ist nur Thatsache, dass die niedere Volksklasse 
und die Kinder der höheren Stände sehr häufig mit Spulwürmern 
behaftet sind. Nach diesem Umstand hat man vorausgesetzt, dass 
vielleicht das rohe ungeschälte Obst derjenige Stoff sei, welcher die 
Embryonen weiter verbreitet. 

Die Krarikheitserscheinungen, welche der Spulwurm hervorruft, 
sind nur in wenigen Fällen sehr heftige, meist sind es leichtere Ver- 
dauungsbeschwerden und ein unangenehmer Kitzel in dem Ver- 
dauungsapparat, oft aber auch gelinderer oder heftigerer Kopf- 
schmerz, welcher durch das massenweise Auftreten der Spulwürmer 
hervorgerufen wird. Bei Kindern soll er ausserdem Epilepsie her- 
vorrufen können und hat man Gehirnerscheinungen der verschie- 
densten Art mit der Anwesenheit von Spulwürmern in Zusammen- 
hang gebracht. Im Dünndarm des Menschen kann er durch con- 
stanten Druck auf die Darmwandungen Perforationen der letzteren 
erzeugen und zu Abscessen und Hernien Anlass geben. Durch die 
entstandene Darmöffnung tritt dann der Wurm aus, worauf der 
Abscess zur Heilung gelangt. Bei Kindern gewahrt man bei An- 
wesenheit zahlreicher Würmer eine blasse Gesichtsfarbe und tief 
umschattete Augen. ' 



60 



Es können jedoeli auch ernstere Krankheitserscheinungen durch 
den Spulwurm dadurch hervorgerufen werden, dass einzelne Indi- 
viduen desselben aus dem Darme auswandern und in andere Organe 
übertreten. Besonders gern kriechen kleine Spulwürmer in den 
ductus cliöledoclms u. s. w. , auch hat man beobachtet, dass die- 
selben durch den Oesophagus in die Nasen- und Rachenhöhle hinein- 
gelangen und dann von hier aus unter Umständen in die Tuba 
Eustachii oder in den Kehlkopf und die Luftröhre u. s. w. wandern. 
Auch in den Nieren, sowie in der Vagina und der Blase, endlich 
auch in der Musculatur hat man Ascariden hin und wieder aufge- 
" fanden. Sind die Würmer in edlere Organe hineingelangt, so können 
natürlich die Störungen, welche sie hervorrufen, bedenklicher Ai't 
werden. 

Die Prophylaxis ist solange noch unsicher, als wir nicht 
die Verbreitung der Jugendformen wie der Würmer kennen. Die 
Therapie werden wir in den am Schlüsse angeführten Tabellen 
angeben. 

Ausser beim Menschen kommt, der Spulwurm noch bei ver- 
schiedenen Säugethieren vor, so beim Rinde und Schweine, jedoch 
hat man die in den letzteren vorkommenden Spulwürmer, da sie 
kleiner sind, als die, welche im Menschen gefunden werden, als eine 
Varietät des A. lumbricoides angesehen. 

Ascaris mystax. Katsenspuhvurm. 

Bei vielen Fleischfressern, der Katze, dem Hunde, dem Wolfe, 
Fuchse u. s. w. kommt im Darm ein dünner, langgestreckter Spul- 
wurm vor, dessen Männchen 5 — 6 cm, dessen Weibchen 12 — 13 cm 
lang ist. Am Kopf befindet sich ein mit drei rundlichen Lippen 
besetzter Mund, an jeder dieser Lippen zeigen sich vorne zwei spitz 
zulaufende Zipfel und ausserdem grössere Chitinzähnchen. Hinter 
dem abgesetzten Kopfe befinden sich zwei, ungefähr 3—4 mm lange, 
seitlich gelegene Membranen von zusammen ungefähr herzförmiger 
Gestalt. Das Männchen ist durch das .spiralig aufgerollte Hinter- 
leibsende charakterisirt. An diesem hinteren Körperabschnitt finden 
sich zahlreiche Papillen und zwei dünne, stark gekrümmte Spicula. 
Die Geschlechtsöffnung des Weibchens liegt ungefähr zu Ende des 
vorderen Leibesdrittels. Das Weibchen von Ascaris mystax ist als 
Ascaris marginata beschrieben worden. Die Entwickelungsgeschichte 
ist nicht genau bekannt. Die Würmer finden sich unter Umständen 
auch im Körper des Menschen. 

Oxyuris vermicidaris. Der Ffriemcnschivanz , Madenmmn 
(Tafel V, Fig, 1-7). 

Der Körper dieser Würmer ist klein und schlank, am Vorder- 
ende etw r as verdickt, am hinteren spitz auslaufend; das Weibchen 
wird ungefähr 10 mm lang, das Männchen erreicht nur eine Länge 
von vielleicht 3 — 5 mm. Aeusserlich unterscheiden sich Männchen 
und Weibchen ausser durch die verschiedene Grösse auch schon 



61 



durch die verschiedene Körperform. Während der Körper des 
Weibchens (Fig. 2) seine grösste Dicke im vorderen Leibesdrittel 
erreicht und sich nun allmählich verjüngt und schliesslich in einen 
spitzen schwanzartigen Anhang endigt, ist der Körper des Männchens 
(Fig. 3) fast an allen Stellen ziemlich gleich stark; während weiter- 
hin das Weibchen gerade gestreckt sein kann, ist der Körper des 
Männchens am Hinterende hakenförmig umgebogen und führt nur 
ein Spiculum (ni). 

Der vordere Körpertheil zeichnet sich durch eine Hautauf- 
treibung aus und trägt an seiner Spitze die Mundöffnung, welche 
von drei kleinen Lippen umgeben wird. Der Mund führt in eine 
anfangs enge, dann aber weiter werdende Speiseröhre (s), welche 
durch einen starken Muskelschlauch zu einem Pumpapparat umge- 
wandelt ist und sich in ihrem letzten Abschnitte blasenförmig zu 
einem Schlund erweitert. An diesen letzteren setzt sich mit einer 
kleinen Anschwellung der Darmkanal an und verläuft ziemlich gerad- 
linig durch den Körper hindurch, um beim Weibchen ungefähr auf 
3 ji der ganzen Körperlänge, beim Männchen am Ende des Körpers 
nach aussen zu münden. 

Die weiblichen Geschlechtsapparate (Fig. 2, u, v) 
bestehen bei jungen Thieren aus zwei fadenförmigen Ovarien, welche 
einige Schlingen beschreiben und dann in die Eileiter übergehen. 
Die letzteren sind etwas erweitert und bilden schliesslich ein als 
Uterus (m) functionirendes Stück. Der eine Uterus ist nach vorn, 
der andere nach rückwärts von der Geschlechtsöffnung iy) gelagert. 
Die Uteri führen in eine zunächst blasig aufgetriebene, dann röhren- 
förmige Vagina. Die Geschlechtsöffnung liegt im vorderen Leibes- 
abschnitt. 

Der männliche Geschlechtsapparat (Fig. 3, h) stellt 
ein unpaares, schlauchförmiges Organ dar, dessen oberes Ende als 
Hoden functionirt, während das untere Ende zur Ejaculation des 
Sperma’s dient. Als Copulationsorgan finden wir ein Chitinspiculum. 

Die reifen Thiere bewohnen oft zu vielen Tausenden den Dünn- 
darm des Menschen, begatten sich hier und gehen dann in den 
Blinddarm über, wo sie die Eier weiter entwickeln und woselbst die 
Weibchen von den reifen Eiern (8000 — 12000) ganz vollgepfropft 
werden und dadurch bedeutend grösser und dicker erscheinen. Diese 
Weibchen ziehen nun weiter durch den Darmkanal hinab und legen 
ihre Eier zwischen den Schleimhautfalten des Enddarms ab, oder 
gelangen zu Hunderten oder Tausenden mit dem Koth nach aussen. 
Die Eier (Fig. 5) sind oval, seitlich etwas abgeflacht 0,05 mm lang, 
0,02 mm breit. Das in ihnen enthaltene Dottermaterial theilt sich 
und bildet schliesslich einen kleinen, in der Eihaut aufgerollten 
Embryo, welcher nur die Eischale zu durchbrechen braucht, um 
zum Weiterleben befähigt zu sein. 

Aus dem Darmkanal wandern die Pfriemenschwänze häufig aus 
und gelangen dann entweder durch den Oesophagus in die Mund- 
höhle, wie dies häufiger bei Kindern beobachtet ist (?) oder sie ver- 
lassen den Körper durch den After und treten lei Frauen und 



62 



Mädchen in die Vagina über, in welcher sie dann bis zu dem Uterus 
hinaufkriechen und selbst in diesen eindringen. 

Wie schon erwähnt lebt der Pfriemenschwanz nur im Körper 
des Menschen, er muss direct vom Menschen auf den Menschen 
wieder übertragen werden und diese Uebertragung geschieht eben 
, durch die Eier. Die sich im Enddarm befindenden Weibchen er- 
zeugen durch ihre Bewegungen einen heftigen Juckreiz, welcher 
besonders des Abends und Nachts in der Bettwärme äusserst lästig 
wird. Da nun der Mensch auf alle äusseren Reize mit den Fingern 
juckend und kratzend reagirt, so werden die aus dem After aus- 
tretenden Weibchen zerdrückt und die frei werdenden Eier dann 
durch die Finger entweder direct auf den Mund übertragen oder 
indirect durch die Nahrung dem Magen einverleibt. Besonders 
heftig tritt die Infection durch den Madenwurm hei jenen Personen 
auf, welche die üble Angewohnheit haben, ihre Nägel des Morgens 
durch Kauen wieder auf ein Minimum zu reduciren. Der practische 
Arzt hat daher seine Patienten direct auf diese Unsitte aufmerksam 
zu machen, um dadurch eine Selbstinfection möglichst zu verhüten. 
Die Weiterverbreitung geschieht aber auch sehr leicht dadurch, 
dass durch ein Individuum in der Umgebung Eier auf Nahrungs- 
mittel übertragen werden und sich so auf verschiedene Individuen 
verschleppen. Tritt also in einer Familie bei mehreren Mitgliedern 
unser Madenwurm auf, so kann man sicher sein, dass das Dienst- 
personal oder die Vorsteherin des Hauswesens mit denselben be- 
haftet ist, worauf natürlich der Arzt in solchen Fällen genau zu 
achten hat. Um eine Ansteckung zu vermeiden ist auf peinlichste 
Reinlichkeit, besonders der Hände und Nägel zu halten. 

Die Krankheitserscheinungen sind ganz verschiedener Art; meist 
weiss es der Mensch gar nicht einmal, wenn er den Pfriemen- 
schwanz beherbergt, häufig wird er durch ein Jucken im Enddarm 
und After auf diese Parasiten aufmerksam. Bei geeigneten Vorsichts- 
m assregeln bleibt es bei diesen leichten Erscheinungen. Tritt aber 
fortwährend wieder Selbstinfection ein, so können allerhand Darm- 
beschwerden und Nervenleiden hervorgerufen werden. Bei den 
Kranken tritt häufig eine Melancholie ein, die sich beträchtlich 
steigern kann und sie zu allen Arbeiten unfähig macht. Die Ent- 
wickelung der jungen Brut geht im Körper nach wenigen Tagen 
vor sich und schon nach Verlauf von ungefähr 14 Tagen finden sich 
geschlechtsreife Weibchen auf den Fäces. Besonders zu Ende des 
Winters scheint die Entwickelung am energischsten vor sich zu 
gehen, wenigstens hat man um diese Zeit die meisten an Oxyuris 
leidenden Kranken constatirt. 



Strongylidae, JPalissadenwiirmer (Tafel VI, Fig. 1—4). 

Die Mundöffnung ist von Papillen umgeben, entweder eng oder 
in eine chitinige, weite Mundkapsel führend, an deren Rändern 
Spitzen und Haken entwickelt sein können. Um die männliche 
Geschlechtsöffnung liegt eine schirmförmige Bursa, in welcher Muskel- 



63 



rippen verlaufen und welche am Rande 'mehrere Papillen trägt. Als 
Begattungsorgane dienen meist zwei Spicula. 

ft 

Eustrongylus gigas. Der Riesenpalissadenwurm. 

Das Männchen ist ungefähr 13 bis höchstens 40 cm lang, wäh- 
rend das Weibchen 30 — 90 cm lang sein kann und dann eine Dicke 
von 1 cm erreicht. Der Körper ist walzenförmig und von röthlicher 
Farbe. Der Kopf ist stumpf; um den eckigen Mund herum stehen 
sechs kleine Wärzchen. Der Oesophagus ist verhältnissmässig kurz 
und musculös, neben ihm verlaufen vorn drei Längskanälchen, welche 
sich hinten theilen und blind endigen. Der Darm geht ohne Bie- 
gung durch den Körper hindurch. Der männliche Geschlechts- 
apparat mündet mit dem Darm innerhalb der Bursa; als Copula- 
tionsorgan ist ein Spiculum vorhanden. Die weibliche Geschlechts- 
öffnung liegt ventral ungefähr 5 — 7 cm hinter dem Kopf. Die Keim- 
drüse ist einfach fadenförmig und besonders im hinteren Leibesende 
vielfach geschlungen; an dieselbe setzt sich ein einfacher, mehrere 
mm dicker Uterus an, welcher schliesslich durch die 2 cm lange 
Vagina nach aussen führt. Die Eier sind braun, an einem Pole 
etwas abgeplattet, ungefähr 0,07 mm lang und 0,04 mm breit. Der 
Riesenpalissadenwurm findet sich in dem Nierenbecken des Hundes, 
Pferdes, Rindes, bei Ottern und Mardern, selten in dem des Men- 
schen. Hin und wieder kann er auch im Harnleiter oder in der 
Harnblase, sowie in der Bauchhöhle Vorkommen. 

Beim Menschen kann natürlich ein solcher Parasit grosse Stö- 
rungen hervorrufen, indem er das Nierengewebe zerstört. In Folge 
dessen treten Abmagerung und Harnleiden ein. Der Harn ist blutig 
und enthält häufig Eiter oder Gerinnsel, welches aus der von dem 
Wurm befallenen Niere herrührt. Die Patienten, deren allerdings 
nur wenige bekannt sind, klagten über Schmerzen in der kranken 
Niere und über eine Bewegungsempfindung, welche durch den Wurm 
hervorgerufen worden war. 

Strongylus longevaginatus. 

Derselbe ist bis jetzt nur einmal in der Lunge eines Knaben 
gefunden worden. Das Männchen ist ungefähr 16 mm, das Weibchen 
bis 25 mm lang und 0,5 — 0,7 mm dick. Der Mund wird von sechs 
grossen Papillen umgeben; die Bursa ist zweilappig, die zwei Spi- 
cula sind sehr lang. Die weibliche Geschlechtsöffnung liegt un- 
mittelbar vor dem After; die inneren Keimorgane sind einfach. 
Ueber die Entwickelung ist zur Zeit noch nichts bekannt. 

Strongylus duodenalis (Tafel VI, Fig. 1 — 4).; 

Dieser als Anchylostoma duodenale oder Dochmius duodenale 
bekannte Wurm findet sich hauptsächlich in südlicheren Ländern, 
besonders in Aegypten, Brasilien, Italien und in der Schweiz. Neuer- 



64 



dings wurde er bei den am Gotthard- Tunnelbau beschäftigten Ar- 
beitern und Beamten gefunden. Er scheint sich langsam nach 
dem Norden hin zu verbreiten, wenigstens hat man ihn in Wien 
und auch an anderen Orten bei italienischen Arbeitern gefunden. 

Männchen und Weibchen sind verschieden gebaut. Ersteres ist 
6—10 mm, letzteres 12 — 18 mm lang, das Kopfende ist etwas nach 
hinten gebogen und ausserdem ist der Leib des Männchens meist 
noch in der Mitte geknickt. 

Charakteristisch ist die Ausbildung des Saugapparates am vor- 
deren Kopfende (Fig. 3), dasselbe ist vorn etwas abgestutzt und 
zeigt eine glockenförmige Vertiefung, welche mit einem Chitinüber- 
zug ausgerüstet ist und in welcher eine Anzahl von Stacheln zum 
Zweck des Nahrungserwerbes auftreten. Am vorderen Rande dieser 
Mundkapsel befinden sich vier Stacheln, diesen gegenüber noch 
zwei kleinere und ausserdem weiter nach innen zu noch zwei spitze 
Fortsätze. Mit der Mundkapsel wird ein Stückchen der Darm- 
schleimhaut aufgesaugt, die Stacheln stechen ein Blutgefäss an, 
worauf das ausfliessende Blut in den Darm eingepumpt wird. Der 
Verdauungsapparat beginnt mit einem kräftigen, musculösen Schlund, 
welcher als Saugapparat uient und in den ziemlich gerade ver- 
laufenden Darm überführt. 

Die Geschlechtsorgane sind ähnlich gebaut, wie bei den oben 
besprochenen Arten. Die weibliche Geschlechtsöffnung liegt etwas 
hinter der Leibesmitte, die männliche auch wieder am hinteren 
Leibesende, woselbst sie von einer häutigen, flachen Bursa umgeben 
wird (Fig. 4). Die Entwickelung der Eier ist nicht genau bekannt, 
aus den ovalen 0,05 mm langen zartwandigen Eiern schlüpft schon 
nach Verlauf eines Tages ein kleines Würmchen aus, welches um- 
herkriecht und schliesslich ins Wasser gelangt, um dann mit dem 
Trinkwasser oder mit der aufgenommenen Nahrung in den mensch- 
lichen Körper zurückzukehren. Man kennt noch nicht genau die 
Umwandlungen, welche der Palissadenwurm im Darm des Menschen 
erfährt. Wahrscheinlich durchläuft er erst ein Ruhestadium, indem 
er sich kürzere Zeit in der Darmwandung einkapselt und dann aus 
dieser Kapsel wieder mit vollkommen entwickelten inneren Organen 
in den Darm zurückkehrt. 

Die Krankheiten, welche der Palissadenwurm hervorbringt, sind 
sehr verschieden, je nachdem mehr oder minder zahlreiche Würmer 
im Darm auftreten. Da dieselben die angerissene Darmschleimhaut 
öfter verlassen, so treten Nachblutungen aus den Wunden ein und 
in Folge dieses constanten Blutverlustes werden die Patienten im 
hohen Grade chlorotisch, da ausserdem noch die Verdauung ge- 
schwächt ist, und sehr mangelhafte Ernährung stattfindet, so wird 
der Körper schwach und arbeitsunfähig. Man ist geneigt gewesen, 
jenes Siechthum, welches die Arbeiter des Gotthardtunnels befiel, 
einzig und allein auf die Störungen zurückzuführen, welche der 
Palissadenwurm im Organismus hervorruft, man ist darin aber wohl 
zu weit gegangen und hat die Nebenumstände, welche mit auf die 
Erschlaffung der Arbeiter hinwirkten, zu wenig beachtet; die Gruben- 



65 



luft, angefüllt mit Stickgasen, die fortwährende Feuchtigkeit und 
die Exhalation der gesprengten Gesteine, mögen wohl das Meiste 
dazu beigetragen haben, dass der Körper der Arbeiter so schnell 
dahinsiechte. 

Man kann die Therapie hier auch wieder in die Prophylaxis 
und in die directe eintheilen. In jenen Gegenden, wo der Doch- 
mius in grösserer Anzahl vorkommt, thut man gut, das Trink- 
wasser und die aufzunehmende Nahrung möglichst zu reinigen. 
Ersteres sollte man niemals unfiltrirt geniessen, letztere stets ge- 
kocht und gut gereinigt. Da sich die Eingeborenen in den befallenen 
Districten sicher nicht dazu verstehen werden, durch Anlage guter 
Wasserwerke die Gefahr einer Infection möglichst herabzusetzen, 
so hat sich der in jenen Gegenden aufhaltende Europäer selbst um 
die Beschaffung guten Trinkwassers zu kümmern. 



Trichotrachelitlae. 

Der fadenförmige, dünne Leib ist meist nur von geringer 
Grösse, oft mikroskopisch klein, er jst lang gestreckt, rund und mit 
einem schwachen, langen Vorderabschnitt versehen, an dessen Spitze 
die papillenlose, kleine Mundölfnung liegt. Der After befindet sich 
fast am hinteren Körperende. 

Die männlichen Individuen treten in ihren Grössenverhältnissen 
bedeutend hinter den weiblichen zurück, ja sie sind oft so klein, 
dass sie, wie z. B. bei den in der Ratte vorkommenden Tricho- 
somum crassicauda als Parasiten direct in den weiblichen Geschlechts- 
organen leben. 

Trichocephalus dispar. Der Peitschenwurm (Tafel V, Fig. 8 — 10). 

Der Peitschenwurm ist einer der häufigsten Parasiten des 
Menschen, in dessen Blinddarm er lebt, ohne gerade grössere Stö- 
rungen hervorzurufen. Seinen Namen verdankt er der eigentüm- 
lichen Ausbildung seines Körpers. Das vordere Ende ist äusserst 
zart und langgestreckt. Nachdem er ungefähr 2 — 2,5 cm in gleicher 
Stärke bestanden hat, verdickt er sich allmählich gegen das hintere 
Leibesende zu. Beim Männchen ist das letztere spiralig aufgerollt, 
beim Weibchen aber ist es peitschenstielartig gestreckt; durch das 
ansitzende, gekrümmte, dünne Vorderende gewinnt dann bei diesem 
Thiere der Körper das Aussehen einer Hetzpeitsche. 

Die Würmer leben niemals frei im Darm, sondern sie ver- 
senken das vordere, dünne Körperende in die Darmschleimhaut, 
aus welcher sie dann mit dem hinteren dicken Leibesabschnitt 
herausragen. 

Was die Ausbildung der inneren Organe anlangt, so verläuft 
der Verdauungsapparat ziemlich gleichmässig durch den Körper 
hindurch, der Oesophagus ist nicht so musculös ausgebildet, wie 
derjenige der oben besprochenen Nematoden. 

Wenn wir den Abschnitt des Verdauungskanales, welcher sich 

5 



66 



durch den Hals hindurchzieht und dann am Ende des Halsab- 
schnittes mit einer Einschnürung in den etwas erweiterten Magen 
überführt, als Oesophagus bezeichnen wollen, so ist derselbe durch 
eine bedeutend lange Entwickelung ausgezeichnet, denn der Hals- 
abschnitt beträgt mehr als die Hälfte der gesammten Körperlänge. 
Der im Hals liegende Theil des Verdauungsapparates besitzt ein 
wellenförmiges oder geringeltes Aeussere, setzt sich dann am Ende 
des Halsabschnittes mit einer Einschnürung scharf gegen den etwas 
erweiterten Magen ab; aus’ dem letzteren tritt nun das Darmrohr 
heraus und verläuft beim Weibchen mit einigen Schlängelungen bis 
zum hinteren Leibesende. Beim Männchen führt der Darm unge- 
fähr in der Mitte des Hinterleibes in einen grossen, starken, mus- 
culösen Schlauch, bildet die Kloake, welche in ihrem unteren Theile 
nach Aussen umgestülpt werden kann und dann ein Copulations- 
organ bildet. Als weiteres Copulationsorgan dient ein Spiculum. 

Die männlichen Geschlechtsorgane, welche, wie oben 
erwähnt wurde, in die Kloake münden, stellen sich als einfache in 
eine Schlinge herumgelegte Hoden dar, an welche sich ein zunächst 
enges, dann blasig erweitertes Vas deferens anschliesst. 

Die weiblichen Geschlechtsapparate (Fig. 9) sind 
auch verhältnissmässig einfach gebaut. An der Stelle, wo der vordere 
Verdauungsapparat sich gegen den Magenabschnitt absetzt, liegt 
die äussere Geschlechtsöffnung ( v ), an welche sich die Vagina an- 
setzt. Die letztere verläuft in einigen Windungen nach hinten und 
schwillt dann zu einem erweiterten Uterus an, an den sich der 
Keimapparat in Form eines dünneren, vielfach geschlängelten Ova- 
riums (ov) anschliesst. Der Uterus reicht fast bis zum hinteren Leibes- 
ende; es läuft das Ovarium vom Uterus zunächst geradlinig nach 
vorn bis zur Ausmündungsstelle der Vagina, biegt dann um und 
geht in zahlreichen Windungen nach dem hinteren Leibesende 
zurück, es endigt hier in der Nähe der Afteröffnung mit einer 
knopfförmig angeschwollenen Erweiterung. 

Die Würmer leben im Coecum, selten im Colon oder im Rec- 
tum. Die Eier (Fig. 10) werden im Körper ausgeschieden, gelangen 
mit den Fäces nach Aussen und entwickeln sich im Wasser oder 
in feuchter Erde nach längerer Zeit (4 — 18 Monate). Die kleinen 
Embryonen, welche dadurch ausgezeichnet sind, dass das vordere 
Leibesende das dickere ist, hat man in ihrer Weiterentwickelung 
noch nicht verfolgt, ob ein Zwischenwirth nöthig ist, kann nicht 
mit Bestimmtheit gesagt werden. Man findet unseren Peitschen- 
wurm in 20 — 30 Procent sämmtlicher zur Section kommender Leichen, 
meist allerdings in nur wenigen Exemplaren, häufig aber auch bis 
zu Tausend und darüber. 

Was für Krankheiten durch dieselben erzeugt werden, ist noch 
nicht ganz klar, dass sie jedoch geeignet sind, Darmkatarrh hervor- 
zubringen, ist sicher. Ob sie auch Geistesstörungen verursachen, 
wie dies einige Forscher annehmen, muss noch dahingestellt bleiben. 
Es ist zu bemerken, dass bei Geisteskranken häufig grosse Mengen 
von Peitschenwürmern gefunden w r erden. 



67 



Die Anwesenheit dieser Würmer im Körper wird am Besten 
durch den Nachweis von Eiern in den Faces constatirt. Die Eier 
sind elliptisch, vorn und hinten etwas zugespitzt und mit kleinen 
Deckelchen versehen. Die Schale ist stark und doppelt contourirt 
(Fig. 10). 

Trichina spiralis. Die Trichine (Tafel V, Fig. 11 — 20). 

Schon seit längerer Zeit hatte man in den Muskeln des Men- 
schen kleine Kalkablagerungen gefunden, ohne zunächst über ihre 
Herkunft orientirt zu sein. Als dann Paget 1835 in denselben 
kleine, spiralig aufgerollte Würmer fand, wurde den Thieren mehr 
Aufmerksamkeit geschenkt und der englische Forscher Owen be- 
richtete ausführlich über dieselben, er gab ihnen den Namen Tri- 
china spiralis. Trotzdem man den Wurm hin und wieder in der 
Musculatur der menschlichen Leichname fand, hielt man ihn für 
einen vollständig harmlosen Parasiten im Körper des Menschen. Im 
Jahre 1860 bestätigte Zenker dann das Factum, dass dieser kleine 
Wurm die Ursache einer Zahl von Krankheitserscheinungen sei. 
Es gelang Zenker auch gleichzeitig den Wirth nachzuweisen, welcher 
die Trichine bis dahin beherbergt hatte und von dem aus sie auf 
den Menschen übertragen worden war. Seit jener Zeit sind es be- 
sonders die Arbeiten von Leukart, Pagenstecher, Vircliow und 
Zenker, welche uns über die Entwickelung und Anatomie der Tri- 
chine vollständigen Aufschluss gegeben haben. Nach den Unter- 
suchungen dieser Forscher sind es wohl hauptsächlich Ratten, welche 
als die gefährlichsten Verbreiter der Trichine anzusehen sind. Bei 
ihnen finden sich sehr häufig Muskeltrichinen vor, dieselben werden 
nach dem Tode eines Individuums direct auf eine Anzahl andere 
übertragen, weil die Ratten ihre Todten einfach auffressen. Durch 
die Wanderlust der Ratten gelangen die Trichinen in die verschie- 
densten Gegenden hinein. Da nun die Ratte ein steter Begleiter des 
Menschen ist und der Mensch unter seinen Hausthieren das Schwein 
überall mit eingeführt hat, so sind hierdurch die Bedingungen ge- 
geben, durch welche der Mensch inficirt wird. Von den Ratten 
werden die Trichinen auf die Schweine übertragen, indem die letz- 
teren, wo sie immer können, die Ratten fangen oder todte fressen. 
Der Mensch erhält die Trichine wieder durch den Genuss des 
Schweinefleisches, sowohl des rohen, als auch des nicht vollständig 
gekochten. Der Mensch ist aber nicht allein befähigt, die Trichine 
aufzunehmen, sondern sie scheint unter Umständen in jedem Säuge- 
thiere Vorkommen zu können, wie dies durch Verfüttern an die 
verschiedensten Thiere constatirt worden ist. Gleicherweise hat 
man Trichinen auch in jenen Raubthieren gefunden, welche Ratten 
fressen. Die Ratten inficiren sich vielleicht wieder durch Schweine- 
fleisch, welches in Abdeckereien abfällt. 

Für die Entwickelung der Trichine werden zwei Wirthe in 
Anspruch genommen. Das Schwein erhält z. B. die Trichine aus 
dem Körper der Nager oder dadurch, dass es mit Abfällen von 



68 



geschlachteten trichinösen Schweinen gefüttert wird. In dem Darm 
des Schweines werden die eingekapselten Trichinen geschlechtsreif; 
die Brut derselben durchbricht die Darmwandung und gelangt in 
der Musculatur zur Ruhe, umgiebt sich dort mit einer häutigen 
Kapsel, um welche später Kalk abgeschieden wird; innerhalb dieser 
festen Hülle bleibt die Trichine jahrelang lebendig, bis sie dann 
durch einen Zufall mit dem Fleisch wieder in den Darm eines an- 
deren Thieres gelangt, dort von neuem geschlechtsreif wird und 
eine neue Brut erzeugt. Man unterscheidet daher die geschlechts- 
reife Darmtrichine, die wandernden Embryonen derselben und die 
ruhenden Muskeltrichinen. 

Die Darmtrichine (Fig. 11 — 14). Man unterscheidet die 
fortpflanzungsfähigen männlichen und weiblichen Individuen derselben 
sehr leicht an der verschiedenen Grösse, indem die ersteren (Fig. 9) 
1 J /a mm, die letzteren (Fig. 14) 3 — 4 mm lang sind. In ihnen sind 
die Geschlechtsproducte zur vollständigen Reife gelangt, und nach- 
dem dieselben abgesetzt worden sind, gehen die Trichinen nach 
6—8 Wochen zu Grunde. Bei dem Weibchen liegt die Geschlechts- 
öffnung vor der Leibesmitte, beim Männchen am hinteren Leibes- 
ende und wird beim letzteren von zwei Papillen umgeben. Was die 
sonstige Anatomie unserer Würmer anlangt, so ist zu bemerken, 
dass der äussere Körper von einer glatten, zarten Cuticula über- 
zogen ist und dass unter derselben ein schwach entwickelter Haut- 
muskelschlauch zur Entwickelung gelangt. Der Verdauungskanal 
beginnt mit einer einfachen Mundöffnung am vorderen Leibesende, 
der Oesophagus reicht bis fast zur Mitte des Körpers und wird von 
einem Schlauch umgeben, dessen Wandungen aus grossen Zellen 
gebildet werden. Man hat diesen Schlauch als Zellkörper bezeichnet 
und schreibt ihm secretorische Functionen zu. Auf den Oesophagus 
folgt ein anfänglich weiter und dann immer enger werdender Magen- 
abschnitt, welcher mit zwei kleinen blinddarmartigen Anhängseln 
ausgestattet sein soll. Der Darm ist zunächst einfach, schlauch- 
artig und endet mit einem musculösen Abschnitt durch die Kloake 
nach Aussen. Die Kloake stellt sich als Spalt am hinteren Leibes- 
ende dar. Ueber das Nervensystem ist noch wenig bekannt ge- 
worden, ebenso wenig über den excretorischen Apparat. Am mäch- 
tigsten entwickelt sind die Geschlechtsorgane, welche den ganzen 
inneren Körper erfüllen. 

Der männliche Geschlechtsapparat ist höchst einfach 
gebaut, er stellt auch wieder einen blind endigenden, geknickten 
Schlauch dar (h), welcher mit einer kleinen Anschwellung versehen, 
im hinteren Körpertheil liegt. Derselbe verläuft nach vorn, biegt 
sich dann um und geht mit einem dünnen Vas deferens in die 
Kloake über. 

Die weiblichen Geschlechtsapparate sind ganz ähn- 
lich gebaut, das einfache Ovarium liegt ebenfalls in dem hinteren 
Leibesende, läuft dann eine Strecke weit nach vorn, schnürt sich 
darauf ab und geht in den Uterustheil über, welcher mit einer 
kurzen Vagina abschliesst, deren Vulva sich am Ende des Oeso- 



69 



phagus nach Aussen öffnet. Nach der Begattung gelangen di Eier, 
nach Leuckart 400 auf einmal, zur Reife, die Embryonen (Fig. 15) 
entwickeln sich vollständig und verlassen das Weibchen als leben- 
dige Individuen. Nachdem sie kurze Zeit frei in dem Darm gelebt 
haben, durchbrechen sie die Darm wandung und wandern in die dem 
Darm zunächst liegende Musculatur aus (Fig. 17), sie dringen in 
die Muskelfasern ein und wachsen hier noch etwas heran, werden 
aber nicht geschlechtsreif. So stellen sie die Muskeltrichinen dar, 
welche dort, wo sie zur Ablagerung gelangen, liegen bleiben, sich 
aufrollen und mit einer kleinen Kapsel umhüllen, welche von einer 
hellen, serumartigen Flüssigkeit umgeben ist (Fig. 18, 19). In der 
Flüssigkeit bilden sich nach und nach länglich runde Körperchen 
oder Kerne aus, oder es wird der Gesammtinhalt ganz feinkörnig. 
Da die Kapsel ruhig an ihrer Stelle verharrt und da der Wurm 
in derselben sich nicht bewegt, so wird sie vom Organismus wie 
ein Fremdkörper behandelt, d. h. mit einer zunächst dünnen, dann 
immer dicker werdenden Kalkschicht umhüllen. Die Kapsel kann 
schliesslich bis zu 0,3 mm Länge heran wachsen und besitzt eine 
Breite von 0,1 — 0,2 mm. Wenn man ein Stück trichinöses Fleisch 
zwischen zwei Glasplatten fein ausbreitet und quetscht, so kann 
man die eingekapseltcn Muskeltrichinen meist mit blossem Auge 
ohne Schwierigkeit erkennen (Fig. 16). Die Muskeltrichine unter- 
scheidet sich von der Darmtrichine zunächst durch verschiedene 
Grösse, sie wird selten über 1 mm lang, das hintere Leibesende ist 
stärker als das vordere, das letztere ist spitz, das erstere stumpf 
abgerundet. Die Geschlechtsorgane sind rudimentär und entwickeln 
sich nur bis zu einem gewissen Grade weiter. In ihrer Kapsel bleibt 
nun die Muskeltrichine sehr lange am Leben. Man will constatirt 
haben, dass sie länger denn 30 Jahre lebensfähig geblieben ist, 
sicher weiss man, dass sie 15 — 18 Jahre leben bleiben kann. 
Auch gegen äussere Einflüsse sind die Muskeltrichinen sehr resistent. 
In faulendem Fleische blieben sie mehrere Monate lebendig. Lässt 
man das Fleisch frieren, so zeigt sich, dass ihnen niedere Tempe- 
raturen wenig schaden. Eine Temperatur von beinahe 0 Grad er- 
tragen sie bis 2 Monate lang. Höhere Temperaturen tödten sie 
sofort, wenn sie über 60 Grad betragen. Schwache Räucherung 
und besonders jene künstlichen Conservirungsmethoden schaden 
ihnen wenig, jedoch sterben sie bald, wenn die Räucherung durch- 
geht und bei der sogenannten heissen Räucherung. Im gepökelten 
Fleische sterben sie erst nach ungefähr 1 Monat, im schlecht ge- 
pökelten Fleisch oft erst nach 2 Monaten. 

Dieser Widerstandsfähigkeit haben es die Trichinen auch zu 
danken, dass sie eine so weite Verbreitung gefunden haben und 
verhältnissmässig leicht in neue Wirthe übertragen werden können. 

Die früher gehegte Ansicht, dass sie im Speck nicht vorkämen, 
ist neuerdings durch das Auffinden von eingekapselten Trichinen im 
amerikanischen Speck und Schinken widerlegt worden. 

Die Erscheinungen, welche nach der Auswanderung der Trichine 
auftreten, sind ganz verschiedener Art. Selten wird ein Mensch 



70 



Trichinose zeigen, meist werden mehrere Personen durch den Ge- 
nuss des trichinösen Fleisches inficirt sein; es kann der Arzt mit 
Sicherheit auf Trichinose schliessen, wenn gleichzeitig in einem Ort 
oder in einem Stadttheil mehrere Personen die gleich zu besprechenden 
Krankheitserscheinungen zeigen. 

Die aus genossenem trichinenhaltigem Schweinefleisch frei wer- 
denden Darmtrichinen rufen zunächst durch die Bewegung, welche 
sie auf der Darmschleimhaut ausüben, leichtere Darmbeschwerden 
hervor. Schon nach ungefähr 3 Tagen bemerkt man die ersten 
Störungen , bis dahin sind die Trichinen geschlechtsreif geworden 
und es findet im Darm die Begattung statt. Die ersten Erschei- 
nungen bestehen in Magendrücken und leichter Uebelkeit, diese Er- 
scheinungen können aber auch erst nach längerer Zeit eintreten 
und scheint es von der persönlichen Anlage des betreffenden Pa- 
tienten zunächst abzuhängen. Die folgenden Erscheinungen charak- 
terisiren sich durch Appetitlosigkeit, Durstgefühl und Erbrechen, 
es treten Erscheinungen eines heftigen Magenkatarrhs und Dyspepsie 
auf, schliesslich erfolgt mehr oder minder heftiger Durchfall, welcher 
längere Zeit anhalten kann. Die Schweissabsonderung ist in den 
ersten Tagen meist heftig.*) 

Am 7. Tage treten die charakteristischen Oedeme der Augen- 
lider auf, wenige Tage später folgen die ersten heftigeren Muskel- 
erscheinungen. Es sind ziehende und reissende Schmerzen, worüber 
die Patienten klagen; äusserlich bemerkt man, dass die Muskeln 
angeschwollen und hart sind, jeder Druck auf dieselben, sowie Be- 
wegungen steigern die Schmerzen, es können dann unwillkürliche 
Muskelcontractionen stattfinden. Natürlich wird es sich immer 
darum handeln, welche Muskeln am stärksten von den wandernden 
Trichinen überfallen sind. Als dem Darm zunächst liegend ist es be- 
sonders das Zwerchfell, welches zuerst durchsetzt wird, von hier aus 
werden die Intercostalmuskeln überfallen, dadurch treten Athmungs- 
beschwerden ein, welche sich bis zu Erstickungszufällen steigern 
können. Es tritt dann auch leicht Lungenentzündung in diesem 
Stadium ein. Durch die Einwanderung in die Kehlkopfs-, Zungen- 
und Gaumenmuskeln werden Schlingbeschwerden und Heiserkeit 
hervorgerufen ; mehr oder minder heftige Bronchialkatarrhe sind 
dabei häufig. In den Extremitätenmuskeln sind die Störungen be- 
sonders dadurch unangenehm, dass bei willkürlichen Bewegungen 
die Schmerzen oft heftig gesteigert werden, und da besonders die 
Beugemuskeln befallen werden, so finden Contractionen derselben 
statt, und eine jede Streckung der Extremitäten ist von heftigen 
Schmerzen begleitet. In den Extremitäten treten schliesslich Oedeme 
ein. Die Hauterscheinungen sind charakterisirt durch heftiges 
Jucken, besonders in den Extremitäten. In der 4. — 5. Woche tritt 
meist der Tod ein, es kann derselbe aber auch erst mehrere Wochen 



*) Bald zu Anfang, besonders aber im späteren Verlaufe ist die Temperatur 
erhöht (bis 40,5 Grad) und die Pulsfrequenz eine gesteigerte (130), Frösteln und 
heftige Schüttelfrostanfälle sind die Anzeichen des beginnenden Fiebers. 



71 



später erfolgen. Oft ist es ein Erstickungstod welcher eintritt, 
da die Kranken nicht mehr zu athmen vermögen, weil besonders 
die Athemmusculatur inficirt ist. Zu Schluss tritt vielfach Schwinden 
des Bewusstseins und Deliriren auf. 

Es scheinen nicht alle Glieder gleichmässig zur Infection dis- 
ponirt zu sein, ebenso treten die Krankheitserscheinungen nicht 
überall mit derselben Heftigkeit auf.*) 

Die Genesung kann nach der ersten Woche, meist aber nach 
der 4. — 5., spätestens nach der 17. erfolgen. Es gehen dann lang- 
sam die Darm- und Muskelerscheinungen zurück und damit tritt 
auch allmähliches Wohlbefinden, Schlaf, freies Athmen, ungehinderte 
Bewegung und verbesserte Verdauung ein. 

Wie viel Trichinen nöthig sind, um bei einem Menschen Er- 
scheinungen der Trichinose hervorzurufen, ist absolut nicht zu sagen. 
Bei Kaninchen, deren vier je 60 Trichinen aus demselben Muskel- 
fleisch erhielten, traten bei zweien deutliche Kennzeichen der Tri- 
chinose ein, während die beiden anderen ungehindert weiter lebten. 
Auch vom Menschen sind Fälle bekannt, wo grosse Mengen tri- 
chinösen Fleisches genossen wurden, ohne dass schädliche Wirkungen 
auftraten. 

Der directe Nachweis von freilebenden Trichinen im Körper 
ist nicht immer leicht und sicher zu führen, ja selbst in den Leichen 
der an Trichinose Gestorbenen sind häufig gar keine Trichinen nach- 
gewiesen. Figur 20, Tafel V, ist nach einem Präparat gezeichnet, 
welches vor mehreren Jahren einem in Leipzig an Trichinose ver- 
storbenen Docenten entnommen wurde. Der Patient starb unter 
den schwersten Erscheinungen einer Trichinose und gleichzeitig mit 
ihm erkrankten eine grössere Anzahl von Personen, welche von der- 
selben trichinösen Wurst gegessen hatten. Neun verschiedene Herren 
untersuchten das frisch eingeschickte Fleisch, aber in den Hunderten 
von Präparaten, welche gemacht wurden, fand sich nur eine lebende 
Muskeltrichine vor. Die Ursache dieser entschieden höchst auffälligen 
Erscheinung dürfte darin zu suchen sein, dass durch den Druck, 
welchen die einwandernden Trichinen in dem inficirten Muskel her- 
vorriefen, das Bindegewebe derartig zu wuchern angefangen hat, 
dass die eingewanderten Trichinen erdrückt wurden. 

Will man Trichinen im kranken Körper direct nachweisen, so 
hat man erstens die Fäces und das event. Erbrochene auf darin vor- 
handene freie Trichinen zu prüfen. Weiterhin kann man durch 
Excision eines kleinen Muskelstücks event.i in diesem unter dem 
Mikroskop Trichinen erkennen. Ist dies nicht möglich, so kann 
man unter Umständen von dem Fleisch, von welchem der Patient 
genossen, eine Probe untersuchen oder man kann durch die gleich- 



*) Von 20 Kaninchen, welche gleichaltrig und gleich kräftig waren und 
welche sämmtlich mit einer gleichen Anzahl von Trichinen inficirt wurden, starb 
das erste am 13 .Tage, zwei weitere starben 4 Tage später, während alle übrigen 
mit dem Leben davon kamen. Einige derselben zeigten keine Presslust, andere 
frassen ungestört weirer, auch die Muskel- und Athmungs-Erscheinungen traten, 
in den verschiedenen Fällen verschieden auf. 



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zeitige Erkrankung mehrerer Personen mit mehr oder weniger 
grosser Sicherheit auf die Anwesenheit der Trichinose schliessen. 

Der Nachweis von Muskeltrichinen in den Muskeln ist übrigens 
gar nicht so leicht zu führen, am besten untersucht man die Mus- 
keln in folgender Weise: Man schneidet mit der Scheere aus dem 
Muskel, längs der Fasern desselben, ein kleines Stückchen heraus, 
legt dasselbe in Kochsalzlösung oder Speichel auf den Objectträger 
und zerzupft es nun mit zwei Nadeln derartig, dass die Muskel- 
fasern in einer dünnen parallelen Schicht gelagert sind, dann deckt 
man das Präparat mit einem Deckglas zu und untersucht es zu- 
nächst bei schwacher Vergrösserung (30 — 50fach) und dann bei 
stärkerer. Sind die Muskeltrichinen frisch eingewandert, so ge- 
wahrt man sie zwischen den Muskelfasern gestreckt oder gebogen 
zwischen Sarcolemm und Fleischstoff. Später nimmt die Muskel- 
trichine, nachdem sie eine Zeitlang herangewachsen ist, innerhalb 
der Muskelfaser eine gekrümmte, spiralige Gestalt an, wodurch die 
Hülle der Muskelfaser aufgebaucht wird. Oberhalb und unterhalb 
der Trichine geht die Muskelfaser bald zu Grunde und aus dem 
der Trichine anlagernden Sarcolemm bildet sich die Kapsel um den 
spiralig aufgerollten Wurm. Oberhalb und unterhalb dieser Kapsel 
scheiden sich bei gut genährten Individuen bald Fettmassen aus. 
Die eigerollte Trichine wird dann innerhalb eines Zeitraumes von 
1 — l l j 2 Jahren vollständig, von Kalkablagerungen umgeben; in diesem 
Stadium vermag sie allen äusseren Einflüssen zu widerstehen. 

Jedenfalls wird die Trichine häufiger Vorkommen als man an- 
zunehmen geneigt ist, denn wenn auch wirklich einmal einige wenige 
Trichinen in den Darm hinein gelangen, so wird deren Brut keine 
bedeutenden Störungen hervorrufen und der betreffende Patient wird 
mit einigen leichten Darmbeschwerden und rheumatismusähnlichen 
Schmerzen davonkommen. 

Was nun die Mittel anlangt, welche bei der Trichinose ange- 
wendet werden, so bestehen dieselben höchstens in Brech- und 
Abführmitteln, um den Darm möglichst zu entleeren und die reifen 
Darmtrichinen aus ihm herauszuschaffen. Am wichtigsten ist die 
Prophylaxis, denn bei einiger Vorsicht ist es kaum möglich, dass 
man sich mit lebenden Trichinen inficirt. Jene Polizeiverordnung, 
wonach die Schlächter angehalten sind, die geschlachteten Schweine 
vor dem Verkauf durch den Fleischbeschauer untersuchen zu lassen, 
gewährt absolut keine hinreichende Sicherheit. Wenn ein Fleisch- 
beschauer täglich bis 30 Schweine untersuchen soll, so kann er bei 
den Untersuchungen nicht mit der Genauigkeit verfahren, welche 
wünschenswerth wäre. Jeder Fachmann, der sich einmal mit Tri- 
chinenuntersuchungen beschäftigt hat, weiss, wie mühsam es oft ist, 
selbst in notorisch trichinösem Fleische Trichinen nachzuweisen. Es 
ist zum mindesten nöthig, dass man bei einer Trichinenuntersuchung 
die Zwerchfell- und Zwischenrippenmuskeln berücksichtigt, die Kau- 
muskeln und die Augenmuskeln genau untersucht und soll man 
aus den verschiedenen Muskelpartien stets mehrere Präparate an- 
fertigen. Weiterhin ist zu bedenken, dass zwischen den Muskel- 



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fasern eingelagerte Fett- und Bindegewebstheile so täuschend einer 
eingekapselten Trichine ähneln, und man die letztere oft neben dem 
Bindegewebe so leicht übersieht, dass selbst geübte Mikroskopiker 
vorübergehend irre geführt werden 

Um sich vor der Infection mit Trichinen zu schützen, ist es 
nöthig, dass man niemals Schweinefleisch isst, welches nicht voll- 
ständig durchgekocht oder gebraten ist. Dasselbe darf im Inneren 
keine blutig rothen Stellen mehr zeigen, daher sind besonders jene 
flüchtig gebratenen, aus gehacktem Rind- und Schweinefleisch zu- 
bereiteten Fleischklöschen zu vermeiden. Zweitens esse man keinen 
Schinken und keine ungekochte Schweinewurst, ohne dass dieselben 
gründlich und längere Zeit warm geräuchert worden sind. Auch 
flüchtig gepökeltes Schweinefleisch kann eine Trichineninfection her- 
vorbringen. Um dem Eintreten einer Trichinenepidemie vorzubeugen, 
ist hauptsächlich darauf zu sehen, dass trichinenkranke Schweine 
möglichst wenig geschlachtet werden, es ist daher nöthig, dass diese 
Hausthiere ein möglichst gesundes Futter erhalten. Niemals sollten 
Schweine mit den Abfällen von geschlachteten Schweinen und dem 
Spülwasser von Schlächtereien gefüttert werden. Alle Fleischnahrung, 
welche man denselben giebt, muss gut gekocht werden. In den 
Schweineställen ist die Pflasterung derartig anzulegen, dass Ratten 
und Mäuse möglichst wenig Schlupfwinkel finden. Endlich sollte 
das Fleisch von trichinösen Schweinen dadurch unschädlich gemacht 
werden, dass es an Seifensiedereien u. s. w. abgegeben, auf keinen 
Fall aber durch blosses Verscharren in die Erde unschädlich zu 
machen gesucht wird. 



Filariadae, Fadenwürvner. 

Um den Mund stehen entweder 2 Lippen oder es fehlen die- 
selben, häufig sind 6 Mundpapillen und eine hornige Mundkapsel 
vorhanden. Am After stehen 4 Paar Papillen und oft eine unpaare. 
Entweder ist ein Spiculum entwickelt oder es finden sich 2 un- 
gleiche Spicula vor. 

Filaria medinensis. Der Fadenwurm. 

(Dranunculus med.) 

In den Tropen, besonders an der Westküste von Afrika, hat 
man unter der Haut des Menschen ziemlich häufig die Weibchen 
eines Wurmes kennen gelernt, welcher bei nur 0,5— 1,7 mm Dicke 
eine Länge von 60 — 80 cm, ja (nach Schneider sogar bis 4 m?) be- 
sitzt. Da die Männchen dieses Wurmes zur Zeit noch nicht be- 
kannt sind, so müssen wir uns hier auf die Schilderung der Weib- 
chen beschränken. 

Der Körper dieses Faden wurmes ist gelblich weiss, ziemlich 
gleichmässig cylindrisch und endet mit einem spitzen, ventral um- 
gebogenen Hintertheil; der Kopf ist stumpf abgerundet und trägt 
central eine kleine chitinige Vertiefung, wmlche von 4 Papillen um- 



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geben wird und an deren dorsaler und ventraler Seite eine grössere 
Lippe vorspringt. Die dreieckige Mundöffnung liegt im Grunde 
dieser Vertiefung. Der Verdauungsapparat durchzieht als lange, 
gerade Röhre den ganzen Körper und endigt blind. 

Die weiblichen Geschlechtsapparate bestehen aus einem 
geraden, neben dem Darme verlaufenden Uterus, an welchen sich 
das gewundene, röhrenförmige und kurze Ovarium ansetzt. 

Da eine Vagina fehlt und eine äussere Geschlechtsöffnung nicht 
vorhanden ist, so ist die junge Brut erst im Stande den Körper 
der Mutter zu verlassen, wenn derselbe an einer Stelle zerreisst, 
was gewöhnlich kurz nach dem Austreten des Wurmes aus seinem 
Wirthe erfolgt. Die jungen Medinawürmer sind etwas grösser als 
1 js mm und besitzen einen durchschnittlichen Durchmesser von 
1 /i o o mm. Sie müssen zur Weiterentwickelung ins Wasser gelangen 
und scheinen daselbst in kleinen Wasser-Arthropoden (Cyklops- 
Arten) einen Zwischenwirth zu finden. Hier wachsen sie zunächst 
um das Doppelte ihrer Länge heran, dann häuten sie sich, werfen 
den früheren langen und spitzen Schwanz ab, worauf das Hinterleibs- 
ende eine verjüngte, abgestutzte Gestalt annimmt und sich mit 3 
kleinen Häkchen ausgerüstet zeigt. Mit diesen kleinen Arthropoden 
(Krebsen) kommt nun die Medinawurmbrut durch das Trinkwasser 
in den Darm des Menschen, hier bleibt dieselbe bis zur Geschlechts- 
reife (ungefähr 1 Jahr lang). Anfänglich zeigen diese Darmwürmer 
eine vollkommene Ausbildung des Verdauungsapparates. Schliesslich 
im Darm scheinen sich Männchen und Weibchen zu begatten, worauf 
dann die letzteren die Darmwandung durchsetzen und sich bis unter 
die Haut des Menschen durchbohren. Im Unterhautzellgewebe 
wachsen die Weibchen nach und nach mächtig heran, der Darm- 
apparat und die äusseren Geschlechtsapparate werden rudimentär. 
Die Embryonen entwickeln sich weiter, dann erst erfolgt die Aus- 
wanderung des Wurmes. Derselbe reizt durch Andrücken mit dem 
Kopfe die Oberhaut, diese entzündet sich, es bildet sich ein Eiter- 
heerd, welcher schliesslich nach Aussen durchbricht, worauf der 
Medinawurm einen Ausweg aus dem Körper hat. 

Meist finden sich mehrere dieser Würmer im Körper desselben 
Menschen vor. Man hat dieselben bis 50 in einem Individuum ge- 
funden. In Ostindien und Oberägypten, dann am Senegal und in 
Arabien, Abessinien, Nubien, Guinea und durch Ueberschleppung 
auch in Amerika (Brasilien) kommt er in manchen Gegenden in 
kolossaler Menge vor. An einigen Orten innerhalb der angegebenen 
Districte soll er vollständig fehlen, in anderen wieder Epidemien 
hervorrufen und zwar besonders in heissen und dann regenreichen 
Jahren zur Regenzeit, in Aegypten nach der Nilüberschwemmung. 

Die Krankheitserscheinungen, welche dieser Parasit hervor- 
bringt, bestehen theils in den furunkelartigen Hautentzündungen 
und den Abscessbildungen beim Durchbruch des Wurmes, theils in 
heftigen Schmerzen in der Umgegend derjenigen Organe, welchen 
der Wurm anliegt, denn die Würmer finden sich in den verschie- 
densten Körperregionen, meist an der Ferse und am Unterschenkel, 



75 



seltener am Oberschenkel, im Praeputium, am Rumpf, an den Armen 
und am Kopf. Am letzteren Orte sind besonders die Nase, Lippen, 
Zunge und Schläfengegenden der Sitz des Parasiten. Als allge- 
meine Erscheinungen treten Darmbeschwerden, wie Leibschmerzen, 
Uebelkeit, Erbrechen u. s. w. ein. Es können verschiedengradige 
Fieber auftreten. Von Nervenerscheinungen sind besonders heftiges 
Jucken in der Haut und Krampferscheinungen bekannt. Durch 
Druck auf die Nerven und Blutgefässe des befallenen Theils können 
Ernährungsstörungen einzelner Organe oder auch des ganzen Kör- 
pers vorhanden sein. Sowie nun die Abscessbildung vor sich geht, 
kommt ein Theil des Wurmkörpers durch die sich bildende Oeffnung 
hervor; ist der Abscess gross, so kann der Wurm mit einem Male 
in geknäultem Zustande ausgestossen werden. Nach dem Austritt 
des Wurmes können an der Stelle des Abscesses länger dauernde 
Eiterausscheidungen, Verjauchungen mit den Erscheinungen einer 
Septikämie, bei Verletzung der Knochenhaut, Periostitis, sowie Ge- 
fäss- und Nervenerkrankungen eintreten. Ein Gleiches wird auch 
stattfinden, wenn man den Wurm abreisst und ein Stück desselben 
in der Wunde zurückbleibt. 

Man entfernt die Würmer dadurch, dass man einen leichten 
Hautschnitt macht und das eine Ende des Wurmes zu erlangen 
sucht; unter sorgfältiger Reinhaltung der Wunde wickelt man dann 
den Wurm langsam um ein Stäbchen auf. Dieses Aufwickeln muss 
jedoch sehr vorsichtig geschehen, damit der Wurm nicht etwa ab- 
reisst und durch Abscessbildung neue Störungen hervorruft. 

Nach Bertholin’s und Küchenmeisters Ansicht sollen die feurigen 
Schlangen, welche in der Bibel häufig erwähnt werden, mit unserem 
Medinawurm identisch sein. Die alten Griechen und Römer hatten 
ihn jedenfalls gekannt. 



Filaria loa. 

Dieser ungefähr 3 cm lange, weisse Wurm findet sich an der 
Westküste von Afrika und Amerika unter der Conjunctiva der 
Neger. Er dürfte auch als Ml. oculi s. lacrymalis bezeichnet werden. 
Da sich derselbe an vielen anderen Orten des Körpers unter der 
Haut findet, so hat man vielfach vermuthet, dass er die Jugendform 
der filaria medin. sei. Der Mund soll unbewaffnet und rund sein, 
das vordere Leibesende spitz, das hintere schmal und mit einer 
kegelförmigen Vertiefung auslaufend — sonst ist über den Wurm 
nichts bekannt. Da derselbe seinen Wohnsitz in der Orbitalgegend 
aufgescblagen hat, so kann er durch Druck und Reizung heftige 
Schmerzen im Auge veranlassen. 

Aus verschiedenen Organen des Menschen sind einzelne Faden- 
würmer beschrieben worden, über deren Natur und systematische 
Stellung vorläufig noch wenig zu sagen ist. Wir wollen dieselben 
daher nur ganz kurz im Zusammenhänge behandeln. 

Als Filaria lentis wird ein kleiner Fadenwurm aus der Linse 
des Menschen beschrieben. Man hat ihn bis zu 3 Stück in einigen 



76 



wenigen Fällen in der Linsenkapsel gefunden. Die Würmer hatten 
lA/a — 11 mm Körperlänge, das Kopfende war etwas zugespitzt, das 
hintere Leibesende zeigte sich aufgetrieben und mit einer dünnen, 
gekrümmten Spitze versehen. Es wäre jedenfalls sehr wünschens- 
wert , wenn die practischen Aerzte bei vorkommenden Linsen- 
trübungen und Katarakten, solchen Wurm Vorkommnissen möglichste 
Beachtung schenkten und die betreffenden Individuen, in vielleicht 
50°/o Spiritus aufbewahrt, den Autoritäten zuschickten. 

Als Filaria labialis hat man aus der Oberlippe eines Mannes 
einen dünnen, 3 cm langen, weiblichen Fadenwurm bezeichnet. Der 
Mund desselben soll von 4 Papillen umgeben gewesen sein; das 
hintere Leibesende zeigte sich keulig aufgetrieben; die Geschlechts- 
öffnung lag 4 mm vor dem letzten Körperabschnitt. Es ist fraglich, 
ob der betreffende Wurm überhaupt den Filarien zuzuzählen ist. 

Filaria hominis oris, wurde, aus dem Munde eines Kindes 
stammend, von Cobbold beschrieben. Der scheinbar geschlechtlich 
noch nicht zur Reife gelangte Wurm besass eine Länge von 13,3 cm. 

Als Filaria bronchialis lernte man aus den Bronchialdrüsen des 
Menschen einen 25 mm langen Wurm kennen, dessen Körper seit- 
lich etwas zusammengedrückt war, vorn spitz zulief und am Kopf- 
ende 2 kleine Haken zeigte. Von einigen Forschern wurde er als 
identisch mit Strongylus longevaginatus angesehen. Es kann meiner 
Ansicht nach aber auch eine Fliegenmade gewesen sein, wie solche 
fortwährend noch für Würmer gehalten und als solche beschrieben 
werden! 

Filaria trachealis wurde in der Trachea und dem Larynx einer 
Leiche gefunden; ihre Länge betrug 0,5 mm. Da weiter von diesen 
Würmern nichts bekannt geworden ist, so muss es dahingestellt 
bleiben, ob sie wirklich zu den Filarien gehörten oder nicht. 



Filaria sanguinis. Der Blutfadenwurm (Tafel V, Fig. 21). 

Aus dem Blute des Menschen und besonders aus den Arterien 
der Nierenwände und des Harnapparates hat man kleine unge- 
geschlechtliche Würmer kennen gelernt, welche man mit obigem 
Namen bezeichnete. Die durchschnittliche Länge derselben betrug 
ungefähr ^3 mm, die grösste Dicke etwa 0,006 mm. Der Kopftheil 
ist etwas abgestumpft, der Hinterleib spitz, oft in eine Spitze aus- 
gezogen.*) 

Als Geschlecbtsthiere sollen Fadenwürmer anzusehen sein, welche 
im Inneren verschiedener krankhafter Geschwülste aufgefunden 
worden sind. Der geschlechtsreife Wurm (?) ist fein und ungefähr 
8 cm lang; die Jungen werden als lebendige Brut zur Welt ge- 
bracht, leben dann längere Zeit im Blute des Menschen und zwar 
in solchen ungeheuren Mengen, dass jeder Tropfen bis 20 Indi- 
viduen aufweist. Dieselben verlassen den Körper darauf durch die 



*) Eine jede Krähe, deren Blut man untersucht, zeigt ähnliche Würmer, oft 
in kolossaler Masse. 



77 



Nieren und Harnwege, gelangen nach Aussen und scheinen einen 
Zwischenwirth aufzusuchen, von dem aus sie wieder in den Körper 
des Menschen zurückkehren. Man hat sie in Brasilien, Australien, 
Aegypten, West- und Ostindien und China gefunden; es sollen in 
einzelnen Distrikten bis x /io der Einwohner von ihnen befallen 
werden. Da sie aus dem Blute des Menschen häufig in den Körper 
blutsaugender Insecten, besonders der Muskito’s übergehen, so ist 
es nicht unmöglich, dass sie auch durch solche weiter verbreitet 
werden, 

Die Krankheitserscheinungen, welche diese Filaria hervorruft, 
sind häufig schwerer Art, meist treten verschiedene Nierenleiden 
auf, so Haemathurie, welche mit leichtem Fieber beginnt, dann sich 
durch Schmerzen in der Nieren- und Lendengegend charakterisirt 
und durch von Zeit zu Zeit blutigen Harn leicht diagnosticirt 
werden kann. Es scheinen durch die Würmer directe Sprengungen 
der Nierencapillaren hervorgebracht zu werden und wird durch Zer- 
setzung des Blutes weiterhin Eiweiss in löslicher Form im Harn 
auftreten. Der letztere zeigt auch häufig eine trübe, milchigweisse 
Färbung, welche durch die feinen Reste der Epithelzellen, Blut- 
und Eiterkörperchen, coagulirtes Eiweiss u. s. w. hervorgerufen wird. 
In einem derartig beschaffenen Harn findet man stets zahlreiche 
Individuen unseres Fadenwurms. Die Nierenkrankheit hat Ver- 
dauungsstörungen, Appetitlosigkeit, mangelhafte Ernährung, Anämie 
und Chlorose, sowie Oedeme im Gesicht und an den Füssen zur 
Folge, häufig tritt der Tod in Folge der Darmblutungen oder nach 
anhaltenden Diarrhöen ein. — Da man im Hunde ganz ähnliche Fi- 
larien vorgefunden hat und von diesen die Geschlechtsformen kennt, 
welch’ letztere in den Herzhöhlen dieser Thiere leben, so möchte es 
nicht unwahrscheinlich sein, dass diese mit obigen Filarien identisch 
sind, was allerdings von einigen Forschern geleugnet wird, weil die 
Grösse der Parasiten eine verschiedene sein soll. Da nun aber die 
Grösse der Parasiten je nach dem jedesmaligen Wirth wechselt, so 
ist dies immer noch kein Beweis dagegen, dass die Annahme einer 
Identität ungerechtfertigt sei. 

Weil man die Entwickelung unseres Wurmes noch nicht genau 
kennt, so ist die Prophylaxis auch nicht anzugeben, es kann hier 
nur wiederholt gesagt werden, dass man möglichst vermeide, 
in jenen Gegenden ungekochte Nahrungsstoffe oder unfiltrirtes 
Wasser zu sich zu nehmen. Die Therapie ist gleichfalls nicht an- 
zugeben, weil es nicht möglich ist, die Filarien aus dem Blut zu 
entfernen. 



A.nguillulidae% 

Zu diesen zählen wir meist freilebende Formen von geringer 
Körpergrösse. Einige leben auf oder in Pflanzen parasitirend und 
nur sehr wenige innerhalb höherer Thierformen. Der Oesophagus 
zeigt eine doppelte Anschwellung, der Darm ist einfach, die Männ- 
chen besitzen zwei gleichartige Spicula; das Hinterleibsende des 
Weibchens ist spitz, häufig pfriemenförmig, der Keimschlauch kann 



78 



hintereinander Sperma und dann Eier erzeugen; die Eier kommen 
in der Regel im mütterlichen Organismus zur Entwickelung. Der 
Embryo durchläuft zunächst ein Larvenstadium und aus dieser 
Larve entwickelt sich nach erfolgter Häutung die geschlechtsreife 
Anguillula. Die Larven leben meist in faulenden organischen Sub- 
stanzen oder sie kriechen frei umher und kommen auf die Nahrung 
verschiedener Wirbelthiere, in deren Körper sie dann übergehen. 

In den faulenden Substanzen oder im Körper eines höheren 
Wirthes verwandeln sie sich in die geschlechtsreifen Thiere (meist 
Zwitter) und die Brut derselben wandert dann aus dem Wirthe aus 
und bildet wieder die oben beschriebenen Larven. Viele dieser 
Anguillulalarven sind gegen äussere Einflüsse äusserst widerstands- 
fähig, sie vermögen vollständig einzutrocknen, nach kurzer Zeit, nach- 
dem man sie angefeuchtet hat, ruhig wieder weiter zu leben und in 
der Entwickelung fortzufahren. So hat man eingetrocknete Larven 
nach 6 — 7, ja nach 20 Jahren wieder aufleben sehen. Beim Men- 
schen hat man die als Anguillula stercoralis, Kothälchen oder 
ang. intestinalis, Eingeweideälchen bezeichneten vorgefunden. 



Anguillula intestinalis. 

Nach Leukart’s neuesten Untersuchungen soll zwischen ang. 
intestinalis und der als ang. stercoralis bezeichneten Art ein ver- 
wandtschaftliches Verliältniss insofern bestehen, als ang. intestinalis 
diejenige Form repräsentirt, welche wahrscheinlich hermapliroditisch 
ist, während sich die ang. stercoralis frei entwickeln kann und eine 
Generation hervorgehen lässt, welche aus männlichen und weiblichen 
Individuen besteht. 

Die Fäces eines im Julius-Hospital zu Würzburg aufgenommenen 
Kranken, welcher längere Zeit in französischen und englischen 
Diensten, in Mexico und Atschin gelebt hatte, wurden untersucht 
und es fanden sich in denselben grosse Mengen kleiner Würmchen 
(in jedem Stuhlgang vielleicht mehr denn eine Million). Die Würm- 
chen besassen einen runden Kopf, schmalen, spitzen Schwanz, eine 
Oesophagusanschwellung und die Anlage der Geschlechtsorgane. 
Der Oesophagus war in 3 Abschnitte getheilt und zog sich fast 
durch die halbe Länge des Thierchens hin (die Länge der Würmer 
betrug etwas mehr als x / 2 mm und ihre Dicke 0,02 mm). Nachdem 
diese frei gewordenen Würmchen kurze Zeit einer geeigneten Wärme 
(26 — 28° R.) ausgesetzt worden waren, entwickelten sich aus ihnen 
schon nach 30 Stunden männliche und weibliche Formen, nachdem 
vorher eine Häutung erfolgt war. Die Männchen waren 0,58 und 
die Weibchen 0,57 mm lang. Das Kopfende der Würmer w r ar ab- 
gerundet und ohne Lippenansätze, die Mundöffnung rundlich, der 
sich an sie anschliessende Oesophagus in 3 scharfe Abschnitte ge- 
gliedert und setzte sich in das Darmrohr fort. 

Das Hinterleibsende des Männchens stellt einen hakenförmig ein- 
gekrümmten Zapfen dar, welcher mit einem niedrigen, spitzen Fort- 
satz endigt, es sind 2 Spicula und 3 Paar kleine Papillen vorhanden. 



79 



Das Hinterleibsende des Weibchens ist schlank, kegelförmig und 
in eine fadenartige Verdickung ausgezogen. Der Uterus ist doppelt 
und füllt sich kurz nach der Begattung mit Eiern, welche sich 
unter Umständen vollständig im Uterus zu Embryonen weiter ent- 
wickeln können. Die Embryonen sind oft frei im Uterus und 
wachsen innerhalb des mütterlichen Organismus etwas heran. Nach 
Ablauf eines Tages zeigten sich die Embryonen sämmtlich voll- 
ständig entwickelt und wuchsen nach und nach zu einer gewissen 
Grösse heran (von Vs — Vs mm). Nun häuten sie sich und verlieren 
dabei ihr Aussehen, welches an die Rliabditisformen der Frosch- 
Nematoden erinnert. Sie werden zu kleinen, selbständigen Würmern 
und ähneln so den Strongyliden und Filarien. Nach der Häutung 
erscheint der Schwanz kurz, schlank und zeigt seitlich 2 gleiche 
Spitzchen. Der Oesophagus wird zu einem einfachen Rohr, welches 
in der Leibesmitte in den Magen Übertritt. Die oben bemerkten 
3 Abschnitte lassen sich nur sehr schwer noch unterscheiden. Diese 
Larven zeigen nach einigen Tagen eine Länge von ungefähr 5 mm. 
Nach kurzer Zeit gingen sie zu Grunde, d. h. sie verhungerten. 
Jedenfalls müssen sie, um sich weiter entwickeln zu können, in den 
Darm eines Wirthes gelangen und da setzt Leuckart wohl auch mit 
vielem Recht voraus, dass sie wieder in den Darm des Menschen 
zurückgehen und dort als ang. intestinalis geschlechtsreif werden. 
Von den geschlechtsreifen Anguillulae hat man bis jetzt nur Weib- 
chen entdeckt und scheint es, dass der Hermaphroditismus dieser 
Formen übersehen ist und die männlichen Geschlechtsproducte vor 
der Bildung der Eier in denselben Keimdrüsen zur Reife gelangten. 

Vollständig klar ist allerdings die Entwickelungsgeschichte dieser 
Würmchen trotz der Untersuchungen Leuckart’s noch nicht. 

Besonders sind es die tropischen Gegenden, in denen diese An- 
guillula vorkommt. So hat man sie in Cochinchina und neuerdings 
auch bei den St. Gotthardts-Arbeitern gefunden, woselbst sie neben 
Dochmius duodenale im Darm zahlreich aufgefunden worden ist. 

Die Krankheitserscheinungen, welche dieser kleine Parasit her- 
vorruft, bestehen in einer heftigen Diarrhöe, welche sich endemisch 
über ganze Districte erstrecken kann. Man hat diese Diarrhöe als 
Cochinchina-Diarrhöe bezeichnet. 

Wie die Würmer immer wieder in den menschlichen Körper 
gelangen, ist noch nicht bekannt und ebensowenig sind therapeu- 
tische Versuche bekannt gemacht worden. 



Acanthocephali. Itrataer. 

Der Körper dieser, im Menschen glücklicherweise verhältniss- 
mässig sehr selten auftretenden Parasiten ist schlauchförmig, meist 
quer gerunzelt. Die inneren Organe bestehen nur aus einem gang- 
lienartigen Nervensystem, welches in der gleich zu besprechenden 
Rüsselscheide liegt und eine Reihe Nerven nach hinten und vorn 
entsendet, weiterhin aus dem Geschlechtsapparat und dem Haut- 
muskelschlauch. Sinnesorgane und Verdauungsapparat fehlen voll- 



ständig. Ein Gefässsystem ist durch 2 Längsstämme und eine 
grössere Anzahl von verzweigten Kanälen gebildet. 



EcJiinorhyncJius gigas. Der Iiiesenkratzer. 

Dieser Wurm, welcher die Grösse eines Spulwurms erreichen 
kann, soll einmal im Dünndarm eines 9jährigen Knaben gefunden 
worden sein, ausserdem hat man einige wenige Fälle angeführt, wo 
echinorhynchusartige kleine Würmer im Darmkanal eines Menschen 
beobachtet wurden. Da aber eine grosse Menge von Thieren Echino- 
rhynchen beherbergt, und die bei Menschen beobachteten Formen 
niemals von competenten Forschern beschrieben worden sind, so ist 
es schwer zu sagen, welcher Species die bstreffenden Würmer an- 
gehört haben. 

Wenn wir hier trotz alledem auf die Anatomie eines solchen 
Parasiten näher eingehen, so geschieht es deshalb, um den Arzt in 
einem möglicher Weise vorkommenden Falle einen Anhaltepunkt 
zur Bestimmung dieser Parasiten zu geben. 

Im Darm der Schweine lebt der oben genannte Parasit meist 
zu vielen Individuen neben einander und bewirkt daselbst oft heftige 
Verdauungsstörungen. Was diesen Kratzer sofort von dem Spul- 
wurm unterscheiden lässt, ist die Anwesenheit eines eigenthümlichen 
Haftapparates am Kopftheile. Der gegen den Leib etwas abgesetze 
Kopf besitzt an seinem vorderen Ende einen einstülpbaren Rüssel, 
welcher an der Spitze eine grössere Anzahl von Haken zeigt. Dieser 
Rüssel wird vorgestreckt und heftet sich mit den rückwärts ge- 
krümmten Haken in der Darmschleimhaut fest. Der Wurm saugt 
dann wie die Bandwürmer aus dem Darm die Nahrung auf osmo- 
tischem Wege durch die äussere Körperoberfläche auf. Durch ein 
Paar Muskeln kann der Rüssel theilweise zurückgezogen werden und 
liegt alsdann innerhalb der sogenannten Rüsselscheide. 

Was die übrigen Organe der Echinorhynchen anlangt, so sind 
vorzüglich die Geschlechtsapparate zu bemerken. Die Echinorhynchen 
sind getrennten Geschlechts. Die männlichen Geschlechtsorgane, 
welche sich, ebenso wie die weiblichen, am Grunde der Rüsselscheide 
anheften, bestehen aus einem Paar rundlichen grossen Hoden, die 
in zwei musculöse Samenleiter übergehen, welch’ letztere noch 
mit verschiedenen Drüsen ausgestattet sein können. Der Copu- 
lationsapparat besteht aus einem kegelförmigen Gebilde, welches in 
einer glockenartigen Bursa zurückgezogen liegt. 

Die weiblichen Geschlechtsorgane bestehen aus einer äusseren, 
in der Nähe des Endabschnittes gelegenen Vulva, welche in eine 
kurze Scheide überführt und an welche sich der Uterus in Gestalt 
einer nach oben offenen Glocke ansetzt. Von dieser Glocke aus 
zieht sich bis zum Rüssel hin ein Bindegewebsstrang ( ligamentum 
sasgjensoriiwi), an denselben und theilweise von ihm umlagert liegt 
das Ovarium, welches von zwei Säcken dargestellt wird, die im 
vorderen Körperabschnitt mit einander communiciren. In diesen 
Säcken entwickeln sich die Eier an bestimmten Keimstellen, sie 



81 



fallen dann in die Leibeshöhle und kommen schliesslich durch 
Pumpbewegungen des glockenförmigen Uterus in die Scheide, durch 
welche sie nach Aussen befördert werden. 

Die Eier gelangen mit dem Kotlie nach Aussen und werden 
von Insektenlarven aufgenommen (besonders sind die Maikäferlarven 
als Träger derselben bekannt). Hier entwickelt sich im Darm der 
Larve der kleine Embryo, welcher, nachdem er frei geworden ist, 
mit Hilfe eines Stachelapparates den Darm des Engerlings durch- 
bohrt und in der Leibeshöhle desselben einen weiteren Wohnort 
findet. Die Engerlinge werden nun wieder vom Schweine verzehrt 
und im Magen derselben werden die Echinorhynchusembryonen frei, 
worauf sie in dem Dünndarm des Schweines zur weiteren Entwicke- 
lung und zur Geschlechtsreife gelangen. 

Da der Mensch fiir gewöhnlich keine lebenden Engerlinge zu 
verzehren pflegt, ist es klar, dass der Echinorhynchus nur durch 
einen wunderbaren Zufall in den Körper desselben gelangen könnte. 
Die Prophylaxis und die Therapie braucht für diesen Schmarotzer 
nicht weiter angegeben zu werden. 



Annelides, Gliederwürmer. 

Der Körper ist rund oder von oben nach unten abgeplattet, 
äusserlich geringelt und im Inneren in hintereinanderliegende Me- 
tameren zerlegt. Bewegungsapparate sind als Haftscheiben (Blutegel) 
oder Borsten, welche auf kurzen Extremitätenstummeln sitzen, aus- 
gebildet. Die Fortpflanzung geschieht geschlechtlich oder bei kleinen 
Chaetopoden durch Sprossung. 

Hirudinei. Blutegel » 

Körper kurz, im Querschnitt ungefähr halbmondförmig, äusser- 
lich geringelt oder platt. Am vorderen und hinteren Leibesende 
je eine Saugscheibe. Mehrere äussere Ringel entsprechen einem 
inneren Segmente. Die Mundöffnung, welche mit Chitinkiefern be- 
wehrt sein kann, liegt ventral in oder unter dem vorderem Saug- 
napfe. Die Blutegel sind Zwitter. 

1. Familie. RhynclioMellklae. Vorderes Leibesende durch einen 
Rüssel innerhalb der Mundhöhle ausgezeichnet. Jchthyobdellidae, 
Fischegel. Clepsinidae mit der mexikanischen officinellen Haemen- 
taria mexicana. 

2. Familie. Gnathöbdellidae , Kopf mit 3 Kiefern, Blut röthlich. 
Hirudo, mit 95 Ringeln. H. medicinalis, medicinischer Blutegel, 
wird erst im 3. Jahre geschlechtsreif. 

3. Familie. JBranchioldellidae , Körper cylindrisch, wenig seg- 
mentirt. 

Eigentlich sind die Egel nicht zu den typischen Parasiten des 
Menschen zu zählen, sondern sie sind Räuber, welche gelegentlich 
einmal den Menschen überfallen und sein Blut saugen, welche aber 
ebensogut an jedes andere warmblütige Thier gehen. Der auf 

6 



82 



Ceylon fortkommende Blutegel lebt auf Bäumen, sonst sind diese 
Thiere Wasser- und Sumpfbewohner. Was die innere Organisation 
der Blutegel anbelangt, so beginnt der Darmapparat mit einem 
am vorderen Leibesende befindlichen Mundtheile, welcher durch die 
Anwesenheit eines Saugnapfes und in der Regel 3 chitiniger Sägen 
ausgezeichnet ist. Der Oesophagus stellt einen kräftigen muscu- 
lösen Apparat dar, welcher zum Einsaugen des Blutes dient. Der 
Darmapparat zeigt innerhalb der verschiedenen Metameren Aus- 
buchtungen, welche sich nach beiden Seiten blindsackförmig absetzen. 
Der After liegt dorsal am hinteren Leibesende, unter demselben, 
ventral gelegen, befindet sich der Schwanzsaugnapf, welcher bei der 
Fortbewegung des gesammten Organismus Verwendung findet. Als 
Excretionsorgane functioniren eine Anzahl schleifenförmiger Kanäle, 
von denen die mittleren Körpersegmente je ein Paar enthalten. Die 
als Kanälchen entwickelten Organe knäulen sich in Schleifen und 
Schlingen auf und münden entweder mit einer freien Oeffnung in 
die Leibeshöhle oder in den Gefässapparat hinein. Aeusserlich münden 
sie seitlich an der Bauchfläche mit einem kleinen, blasig aufge- 
triebenen Ausführungsgange. Das Gefässsystem besteht aus 2 Längs- 
stämmen, welche vielleicht aus einer Umbildung der Leibeshöhle 
hervorgingen. Unter sich stehen die Längsgefässe mit Ringgefässen 
und Anastomosen in Verbindnng; die einzelnen inneren Organe 
werden von feinen Gefässnetzen überzogen. Das Blut ist häufig roth 
gefärbt, jedoch ist die Farbe nicht an Blutkörperchen gebunden, 
sondern sie ist in der Blutflüssigkeit gelöst. 

Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus einer 
grösseren Anzahl von Hodenbläschen, welche mit kleinen Ausfüh- 
rungsgängen in 2 seitlich verlaufende Samenleiter einführen; in 
mehreren Segmenten ist je ein Paar derselben gelegen. Die beider- 
seitigen Samenleiter treten in der Mitte des Vorderleibes zusammen 
und gehen durch einen hakenförmigen Copulationsapparat nach Aussen. 
Dieser letztere Apparat steht mit einer stark entwickelten Drüse 
in Verbindung und ist entweder ein zweihörniger, vorstiilpbarer 
Sack oder ein dünnerer, umgebogener Schlauch. 

Der weibliche Geschlechtsapparat befindet sich nur in 
einem Körpersegment und besteht aus einem gemeinsamen Oviduct, 
an welchen sich 2 bläschenförmige Ovarien anschliessen können ; 
nach Aussen zu öffnet er sich in der Medianlinie des Körpers 
mit einer etwas erweiterten Scheide. Die Eier werden, nachdem eine 
wechselseitige Befruchtung der Individuen stattgefunden hat, in so- 
genannten Cocons abgelegt. Sie werden zusammengeballt und dann 
mit dem Secret einiger Hautdrüsen umsponnen. Auch das Sperma 
wird in Form eines Packetes (Spermatophore) ausgeschieden und 
durch das Secret einiger Drüsen umhüllt. 

Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn, welches über dem 
Schlund gelegen ist (oberes Schlundganglion), von dem aus 2 Nerven- 
stränge zu einem unter dem Schlund gelegenen Ganglion führen 
(unteres Schlundganglion). Von diesem verlaufen dann unter dem 
Verdauungsapparat 2 Hauptnervenstämme dicht neben einander bis 



83 



zum hinteren Körperpole. In jedem Segment bilden dieselben gan- 
glionäre Anschwellungen, welche wieder durch Quercommissuren ver- 
bunden sind. Als sympathisches Nervensystem liegt über und neben 
der Ganglienkette ein Nervenpaar, welches an den Darm und die 
Blindsäcke desselben zahlreiche Verzweigungen abgiebt. Von den 
Sinnesorganen sind besonders die Augen zu bemerken, welche in 
Gestalt von Pigmentflecken und mit einem lichtbrechenden Körper 
ausgestattet, auf dem Rücken in einer Bogenlinie paarweise durch 
mehrere Ringe hindurch angeordnet sind. Beim Blutegel liegen 
ausserdem noch an den vorderen Segmenten grosse helle Blasen, an 
welche ein Nerv herantritt, welcher mit feinen Härchen endet. Die 
Functionen dieser Sinnesorgane sind unbekannt. 

Die Befruchtung der Blutegel erfolgt meist wechselseitig und 
wird die Spermatophore vermittelst des Copulationsapparates in 
die weibliche Scheide hineingeschoben oder in den Geschlechts- 
öffnungen eingeklebt. Wie schon erwähnt, werden die Eier in Co- 
cons zusammengesponnen; innerhalb dieser Cocons entwickeln sich 
aus ihnen die Embryonen, welche zunächst das Coconmaterial auf- 
fressen und etwas heran wachsen, worauf sie frei in’s Wasser ge- 
langen und nun auch sogleich ihr räuberisches Leben beginnen. In 
dieser jungen Brut finden wir schon vollständig alle Organe des 
ausgebildeten Thieres angelegt. 

Rirudo Ceylonica. 

Der flache Körper ist an beiden Enden spitz und äusserlich 
so geringelt, dass von 5 äusseren Ringen ungefähr immer ein inneres 
Segment begrenzt wird. Der Mundsaugnapf wird aus einer, vom 
Mundinnern ausgehenden, ringförmigen Anschwellung gebildet. Die 
Kiefer zeigen je 30 kleine Zähnchen, ein Kiefer liegt median in der 
Lippenfläche, die beiden anderen seitlich nach dem Bauch zu ge- 
kehrt. Dieser Egel lebt in vielen Gegenden Südasiens, auf Ceylon, 
sowie auf vielen Inseln zwischen Asien und Australien, ebenso in 
den Nilgerries, Chili u. s. w. Er bewohnt nicht das Wasser, son- 
dern findet sich auf der Erde unter Blättern, im Gebüsch und auf 
Bäumen. Die Thiere bewegen sich ziemlich schnell und überfallen 
Menschen und warmblütige Thiere, an welche sie entweder direct 
herankriechen oder auf welche sie von den Sträuchern und Bäumen 
herunterfallen. Da sie in enormen Mengen Vorkommen und sich 
nicht leicht abstreifen lassen, wenn sie einmal angebissen haben, 
so sind sie eine Plage in den von ihnen bewohnten Landstrichen. 

Man entledigt sich ihrer entweder durch schnelles Abstreifen, 
ehe sie sich angebissen haben, oder durch Auftröpfeln von Citronen- 
säure, Tabakslauge u. s. w. Ob Ueberstreuen mit Salz hier denselben 
Effect hat wie beim medicinischen Blutegel, ist nicht bekannt. 

Rirudo vorax. Der Pferdeegel. 

Körper nicht stark abgeflacht, äusserlich 47 Ringe zeigend ; die 
Farbe ist oben olivenartig bis bräunlich. Der Rücken wird von 6 

6 * 



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Reihen schwarzer Punkte überzogen, der Bauch ist grau mit einer 
braungelben Längsbinde; der Bauchsaugnapf ist gross; die Kiefer 
sind nicht fein gezähnelt und können daher nur zum Anreissen 
weicher Schleimhäute dienen. Der Pferdeegel wird in Gräben und 
Teichen Süddeutschlands, Südeuropas und Nordafrikas gefunden. 
Er ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem bei uns als Pferdeegel 
bekannten, in mitteldeutschen Teichen so oft vorkommenden Aulostoma 
gulo, welcher von Weichthieren lebt. 

Der Egel ist deshalb so gefährlich, weil er in seiner Jugend 
durch das Trinkwasser in die Mund- und Rachenhöhle grösserer 
Warmblüter und auch des Menschen gelangt. An den Schleim- 
häuten dieser Höhlen beisst er sich sehr rasch fest und bleibt lange 
daran haften, so dass man ihn noch nach mehreren Wochen auf 
diesen Schleimhäuten sitzend gefunden hat. Beim Menschen erzeugt 
er, wenn er nicht entfernt werden kann, Heiserkeit und Hustenan- 
fälle. Sitzt er auf dem Kehlkopf in der Nähe der Stimmritze, so 
kann er Erstickungsfälle veranlassen, ausserdem Kehlkopfsentzün- 
dungen, Trachealblutungen, schliesslich Abmagerung, ja selbst Tod 
hervorrufen. Ausserdem hat man ihn bei in Teichen badenden 
Frauen innerhalb der Vagina gefunden. Der Egel wird aber nicht 
allein beim Trinken aufgenommen, sondern es gelangt die junge, 
kaum sichtbare Brut desselben auch durch den Genuss von Wasser- 
pflanzen in den Körper des Menschen und der Thiere. 

Aus dem Inneren des Körpers lassen sich die Würmer nur 
sehr schwer entfernen. Da man es nicht wagen kann, sie vermittelst 
einer Pincette abzureissen, so muss man es versuchen, durch In- 
jection von concentrirter Salzlösung oder gutem Cognac in die 
Leibeshöhle des Wurmes denselben zum Absterben und Loslassen 
zu bringen. Es sind solche Operationen selbstverständig nicht leicht 
ausführbar, wenn der Wurm weit hinten am Kehlkopf oder gar in 
die Trachea gelangt ist. 

Hirado medicinalis. Der niedicinische Blutegel 

Man kann denselben eigentlich nicht als einen Parasiten des 
Menschen betrachten, sondern er ist als ein Raubthier anzusehen, 
welches neben anderen Warmblütern gelegentlich auch einmal den 
Menschen überfällt; man hat seine Blutgier zu therapeutischen 
Zwecken auszunutzen gewusst. Die 3 Kiefer sind je mit 80 — 90 sehr 
feinen scharfen Zähnchen bewaffnet. Der als Magen zu deutende 
1. Darmabschnitt besitzt 11 Paar Seitentaschen. Der äussere Körper 
ist in 95 deutliche Ringe gegliedert. Je ein Paar Augen liegen 
auf dem 1,, 2., 3., 5. und 8. Ringe. Die männliche Geschlechts- 
öffnung befindet sich vorn zwischen dem 24. und 25., die weibliche 
etwas weiter zurück zwischen dem 29. und 30. Ringe. Die Cocons 
werden in einer spongiösen Schale in feuchte Erde abgelegt, die 
junge Brut braucht bis zur Geschlechtsreife ca. 3 Jahre. 



85 



Haementaria officinalis. 

Dieser zu den Rüsselegeln gehörende Blutsauger wird in Mexico 
häufig an Stelle unseres officinellen Blutegels verwendet. Der Körper 
desselben ist vorn zugespitzt, er trägt einen 21ippigen Mundsaug- 
napf, über welchem die Mundöffnung liegt. In der Mundhöhle be- 
findet sich ein kräftiger, lang vorstreckbarer Rüssel, welcher vorn 
mit einer feinen Spitze endigt. Das 2. Leibessegment trägt ein 
Paar Augen. 5 äussere Leibesringe gehen auf ein inneres Segment. 
Die junge Brut kommt unterhalb des napfartig sich auf Steine an- 
legenden Egelkörpers zur Entwickelung und wird auch vielleicht 
noch, wie die unserer Clepsinen, von der Mutter einige Zeit mit 
herum getragen. 



Arthropoda, Gliederfüssler. 

Der Körper der Arthropoden ist mit nur sehr wenigen Aus- 
nahmen äusserlich streng bilateral - symmetrisch gebaut. Er ist 
lieteronom (nicht gleichmässig) gegliedert und trägt entweder an 
allen Segmenten oder an nur einzelnen derselben gegliederte An- 
hänge, welche theils als Kauwerkzeuge, theils als Hülfsapparate für 
die Respirationsorgane und endlich als Bewegungsapparate dienen. 
Die äussere Körperbedeckung besteht aus einer festen chitinigen 
Hülle, welche ausserdem in Borsten, Stacheln, Dornen u. s. w. aus- 
gezogen sein kann, oder unter Umständen eine grössere Menge von 
Kalksalzen eingeschlossen enthält. Als Nervensystem findet sich 
stets ein über dem Schlund gelegenes Gehirn und ein unter dem 
Schlund gelegenes Ganglion, sowie eine Bauchganglienkette, welche 
auch unter Umständen die verschiedensten Verschmelzungen zeigen 
kann. Die Geschlechter sind getrennt. Aus den Eiern entwickelt 
sich entweder ein dem Mutterthier ähnlich gebildetes Individuum 
oder eine Larve, welche erst nach mehreren Metamorphosen in die 
definitive Geschlechtsform übergeht. 

Aus der Gruppe der Krebse kennen wir bei dem Menschen 
keine Schmarotzer, die Milben stellen einige wenige, die Onycho- 
phoren und Myriopoden keine, die Hexapoden oder eigentlichen In- 
secten eine grössere Anzahl. Im Grossen und Ganzen schmarotzen 
nur wenige Arthropoden in inneren Organen des Körpers, einige 
leben in der äusseren Haut, andere auf derselben und wieder an- 
dere überfallen nur gelegentlich den Menschen, um von seinem 
Blute zu leben. 



Arachnoidea. 

Der Körper zerfällt meist in 2 Haupttheile, welche selten eine 
tiefere Segmentirung zeigen. Der Kopf- und Brustabschnitt ist 
zum sogenannten Cephalothorax verschmolzen, zeigt vorn 2 Kiefer- 
paare und ausserdem 4 Beinpaare. Flügel fehlen vollständig. An 
den Cephalothorax setzt sich der Hinterleib entweder mit einem 
breiten Stücke an (Milben) oder mit einem Stiele (Spinnen). 

Linguatnlina. Zangenwiirmer (Taf. VI, Fig. 5—8). 

Parasiten mit wurmförmig gestrecktem, geringeltem Körper. 
Um den kieferlosen Mund stehen 2 Paar von Klammerhaken (Fig. 
7 und 8), welche an kurzen rudimentären Beinstummeln angebracht 



87 



sind und mit diesen Extremitäten in kleinen Taschen verborgen 
liegen , aus welchen sie eventuell etwas hervorgestülpt werden 
können. Die äussere Haut ist geringelt und lässt zahlreiche Drüsen 
erkennen, deren Functionen noch nicht klargestellt sind. Wegen 
ihrer einfachen Organisation sind die Zungenwürmer lange Zeit zu 
den Würmern gestellt worden, Von inneren Organen bemerkt man 
bei ihnen die Athmungsorgane gar nicht. Das Gefässsystem und 
der excretorische Apparat sind angedeutet. Die Mundöffnung liegt 
ventral, sie wird von einem Chitinring umgeben und führt zu einem 
gerade durch den Körper hindurch laufenden Darmrohre, welches 
im hinteren Leibesende mit dem After endet. Unterhalb des 
Schlundes liegt das untere Schlundganglion, welches um den Schlund 
herum eine Commissur entsendet, die aber nicht in ein Gehirn Über- 
tritt; es ist dies über dem Schlund durch eine einfache Mark- 
brücke angedeutet. Von Sinnesorganen ist nur ein aus mehreren Pa- 
pillen gebildetes, am vorderen Körperende gelegenes Tastorgan zu 
erwähnen. Sehorgane fehlen vollständig. Die Geschlechter sind 
getrennt. Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus einem 
unter dem Darm liegenden Hoden, von dem aus ein kurzes Rohr 
herausführt, welches sich gabelt, den Oesophagus umfasst und 
dann mit einem doppelten Begattungsorgane in Verbindung tritt. 
Die Geschlechtsöffnung liegt nahe am Munde. Die weiblichen Ge- 
schlechtsorgane bestehen aus einem unmittelbar über dem Darm 
liegenden, unpaaren Eierstocke, von welchem zum vorderen Leibes- 
ende zwei dünne Eileiter abgehen, welche bald in eine taschenartige 
Erweiterung überführen, von der aus ein einfaches weiteres Rohr, 
welches als Eibehälter und als Vagina dient, zum hinteren Leibes- 
theil verläuft und in der Nähe des Afters ausmündet. 

Die Weibchen sind bedeutend grösser als die Männchen. Im 
geschlechtsreifen Zustande finden wir die Zungenwürmer in den 
Lufträumen vieler Warmblüter und Amphibien. 



Pentastoma taenioicles. Bandwurmähnlicher Fünfmund. 

Der Körper des Weibchens ist 7—13 cm, der des Männchen 
2 — 21/2 cm lang; die Gestalt ist lanzettförmig, vorn breit, hinten 
allmälig schmäler werdend und mit einer stumpfen Spitze endend. 
Ungefähr 90 Querfalten sind hinter einander angeordnet und lassen 
den Körper fein segmentirt erscheinen. Am vorderen, abgerundeten 
Kopftheile liegen ventral 2 kleine Tastpapillen und die länglich 
runde Mundöffnung. 

Seitlich dieser Mundöffnung und etwas nach hinten liegen 
jederseits 2 Schlitze, in welche die oben erwähnten Extremitäten- 
stummel zurückgezogen sind (Fig. 8). Die letzteren Taschen wurden 
trüher fälschlich für weitere Mundöff'nungen gehalten. Die zwei- 
gliederigen Fussstummel sind mit hornigen Klauen ausgerüstet. Die 
inneren Organe zeigen ungefähr das oben geschilderte Verhalten. 
Die geschlechtsreifen Thiere leben in den Nasenhöhlen und Stirn- 
sinus des Wolfes, Fuchses und Hundes. 



Nach Leuckart’s eingehenden Untersuchungen über die Ent- 
wickelungsgeschichte dieser Thiere, ist die Stellung der Zungen- 
würmer erst klar geworden. Sie legen in die Athmungsorgane ihrer 
Wirthe die Eier (nach Leuckarts Angabe bis zu 500,000) ab, diese 
Eier kommen mit dem Nasenschleim nach Aussen auf verschiedene 
Pflanzen, die Embryonen werden frei und gelangen mit den Pflanzen- 
theilen eventuell in den Magen von Kaninchen und Hasen, sein- 
selten einmal in den des Menschen. Hier kommt die junge Brut 
zur weiteren Entwickelung, sie durchsetzt die Darmwandung und 
geht in die Leber über, wo sie, von einer Kapsel umhüllt, ein Larven- 
stadium durchläuft. 

Sind die Larven in der Leber oder auch in anderen Organen, 
wie in den Mesenterialdrüsen, in dem Peritoneum, in den Lungen, 
bis zu einem gewissen Entwickelungsstadium herangereift (innerhalb 
ca. 5 Monaten), so fangen sie an beweglich zu werden, nachdem 
sie sich vorher des Oefteren gehäutet haben. Nun durchbrechen 
sie die Kapselwandung und gehen durch die betreffenden Organe hin- 
durch in die Leibeshöhle hinein. Von der Leibeshöhle aus wandern 
sie meistens durch das Zwerchfell in die Lunge und die Athmungs- 
wege und dann nach Aussen. Werden sie nun von Hunden mit 
der Nahrung wieder aufgenommen, oder bleiben sie an der Nase 
der betreffenden Thiere haften, so trachten sie danach, in die Nasen- 
höhle und Stirnsinus hineinzugelangen, wobei man beobachtet hat, 
dass die in den Magen gelangenden Zungenwürmer die Magenwan- 
dung durchbohrten, durch das Zwerchfell und durch die Lunge hin- 
durch gingen, dann in den Bronchien und der Luftröhre weiter 
krochen und schliesslich durch die Choanen in den Nasenraum er- 
wanderten. 

Diese in der Leber vorgekommenen und später frei werdenden 
Jugendzustände hat man als Pentastoma denticulatum bezeichnet. 
In den Stirnhöhlen werden nun die Thiere wieder geschlechtsreif 
und beginnen einen neuen Entwickelungscyclus. Als Pentastoma 
constridum hat man besonders einen Zungenwurm in der Leber der 
Neger beschrieben, welcher vielleicht auch nur ein Jugendstadium 
von Pentastoma taenioides war. 

In dem Körper der Thiere rufen die Larven dieser Schmarotzer 
dadurch grosse Störungen hervor, dass sie häutig in beträchtlicher 
Anzahl in den inneren Organen eingekapselt liegen und beim Aus- 
tritt aus diesen Organen grosse Verwüstungen in denselben an- 
richten, was meist den Tod der betreffenden Individuen zur Folge 
hat. Beim Menschen erzeugt die geschlechtsreife Form Nasenbluten, 
heftigen Katarrh und mehr oder minder intensive Kopfschmerzen. 
Die in der Leber Eingekapselten können heftige Leberleiden her- 
vorbringen und, wenn sie die Brusthöhle und die Lungen durch- 
wandern, Lungenblutungen, Entzündungen u. s. w. hervorrufen. 

Die Prophylaxis hat sich darauf zu beschränken, dass bei Hun- 
den möglichst die Anwesenheit von Pentastoma in der Nase con- 
statirt und die betreffenden Individuen dann sofort der geeigneten 
thierärztlichen Behandlung übergeben werden. 



89 



Bei diesen Hausthieren kann man mit Sicherheit auf die An- 
wesenheit von Pentastoma schliessen, wenn dieselben häufig mit den 
Pfoten die Nase reiben, viel niesen, schlechte Laune haben, beissen 
und umherstreifen. Es liegt natürlich dem Arzt ob, die Familie, 
welche er behandelt, auf die Gefährlichkeit der Hunde soviel als 
möglich hinzuweisen, denn grade der Hund und das Schwein über- 
liefern dem Menschen die meisten und die gefährlichsten Parasiten. 



Acarina; Milben. (Taf. VI.) 

Der Körper derselben ist gedrungen und ungegliedert, Kopf, 
Brust und Hinterleib sind zu einem Stück verwachsen, meist sind 
heissende oder saugende Mundwerkzeuge vorhanden; als Bewegungs- 
organe dienen 4 Bein- Paare; als Athmungsorgane meist Tracheen. 
Die Milben sind getrennten Geschlechts. 

Dermatophili. Haarbalgmilben. 

Der Körper ist lang gestreckt, der Hinterleib geringelt. Tra- 
cheen fehlen. 

Acarus fölliculorum. Die Haarbalgmilbe. (Taf. VI. Fig. 9). 

Innerhalb der Talgdrüsen der Haut findet man häufig kleine, 
langgestreckte Milben, welche erst bei starken Vergrösserungen 
ihren eigentlichen Bau erkennen lassen. Das Männchen hat unge- 
fähr eine Länge von 0,3 mm und eine Breite von 0,04 mm. Das 
Weibchen wird 0,4 mm lang und 0,05 mm breit. Am vorderen 
Leibestheil gewahrt man den Kopfabschnitt etwas abgesetzt, dann 
folgt der Brustabschnitt, an welchem die 4 stummelförmigen Bein- 
Paare zur Ausbildung gelangt sind. Das letzte schwach abgesetzte 
Bein-Glied trägt eine längere und 2—3 kleinere Krallen. Der Hin- 
terleib setzt sich direct an den Brustabschnitt an, ist ungefähr 
2Vs Mal so lang als dieser und zeigt eine ganz feine Ringelung; 
das Hinterleibsende ist stumpf abgespitzt. Am Kopftheile finden 
wir einen nur sehr schwer zu analysirenden Kau-Apparat; dorsal 
liegen 2 Platten, dann folgen 2 sich horizontal bewegende und mit 
den Platten durch Gelenke verbundene Oberkiefer, unter diesem 
liegen ein Paar Unterkiefer, die sich auch wieder horizontal be- 
wegen und aus 2 kurzen, gebogenen Chitinstäben bestehen. An 
ihnen sitzen seitlich die beiden 3gliederigen Kieferfühler an, und 
schliesslich findet sich noch ein unpaares stiletförmiges Gebilde, 
welches zwischen den Unterkiefern liegt und als Mundklappe be- 
zeichnet wird. Der Mund führt in einen kurzen Schlundkopf, auf 
welchen eine ebenfalls sehr kurze Speiseröhre folgt, die in den, im 
Brustabschnitt liegenden Magen überführt. Der Enddarm ist wieder 
kurz und mündet mit dem After direct hinter dem Brustabschnitt 
nach Aussen. Von einem Nerven- und Gefässsystem , sowie von 
einem Athmungsapparat hat man bis jetzt noch nichts entdeckt. 



90 



Augen sollen vorhanden sein. Wie viel Eier abgelegt werden, weiss 
inan noch nicht genau, man nimmt an, dass jeweilig nur 1 Ei zur 
Reife gelangt, in diesem entwickelt sich dann der Embryo, worauf 
dasselbe durch einen am vorderen Abdomen gelegenen Spalt nach 
Aussen abgelegt wird. Der Embryo häutet sich schon im Ei ein- 
mal und verlässt das Ei als Obeinige Larve ; dieselbe wächst heran, 
häutet sich noch einmal und bildet dann eine 8beinige Larve, aus 
welcher nach einer 3. Häutung die definitiven Thiere hervorgehen *). 

Ob die Haarbalgmilbe wirklich beim Menschen Entzündungen 
der Balgdrüsen, Acne und anderen Ausschlag hervorbringt, ist 
fraglich ; dass eine verwandte Haarbalgmilbe bei Hausthieren häufig 
räudeartige Krankheiten erzeugt, ist hinwiederum sicher. Vor einer 
Infection mit diesen Thieren kann man sich wohl kaum schützen, 
ein jeder Erwachsene wird eine mehr oder minder grosse Anzahl 
derselben in seinen Talgdrüsen beherbergen. Es ist höchstens zu 
bemerken, dass man sich davor hüte, mit Hunden, welche an der 
Acarusräude leiden, in Berührung zu kommen. 

Sarcoptidae. Krätzmilben. 

Die Sarcoptiden, welche beim Menschen als Krätzmilben, bei 
den Thieren als Räudemilben bezeichnet werden, leben unter der 
Haut der Säugethiere. Dabei ist zu bemerken, dass alle auf Säuge- 
thieren vorkommenden Sarcoptiden -Arten auch unter Umständen 
auf den Menschen übertragen werden können und bei demselben 
die Erscheinungen einer mehr oder minder heftigen Krätze hervor- 
rufen. Auf den Menschen sind wenigstens die Krätzmilben des 
Hundes, Pferdes, Schafes, des Kaninchen und die der Ziege direct 
übertragen worden. Es scheint jedoch, dass die Milben auf ver- 
schiedenen Wirthsthieren ihre Grösse und Gestalt etwas ändern, 
welcher Umstand Veranlassung gegeben haben mag, eine ganze Reihe 
sogenannter Arten zu unterscheiden. 

Sarcoptes scabiei communis. Die gemeine Krätzmilbe. 

(Tafel VI, Figg. 10, 11). 

Dieselbe kennen wir aus der Haut des Menschen, des Pferdes, 
des neapolitanischen Schafes und des Löwen. Das Männchen wird 
bis 0,23 mm. das Weibchen bis 0,45 mm lang, ersteres erreicht eine 
Breite von 0,19 mm, letzteres eine solche von 0,35 mm. Der Kopf 
ist gegen den Hinterleib verhältnissmässig scharf abgesetzt, was 
darin seinen Grund hat, dass er als Grabinstrument benutzt wird. 
Von oben gesehen überdeckt den ganzen Kopf ein flaches Schild, 



*) Die oben für die Haarbalgmilbe des Menschen gemachten anatomischen 
Angaben sind aus Küchenmeister nach Cooker entnommen. Letzterer machte 
seine Untersuchungen an den Haarbalgmilben verschiedener Thiere ; Verfasser 
kann jedoch seine gewonnenen Resultate, soweit sie die menschlichen Haarbalg- 
milben betreffen, nicht vollkommen mit Cooker’s Untersuchungen in Einklang 
bringen und behält sich eine Publication über die Anatomie der menschlichen 
Haarbalgmilben vor. 



91 



welches an der Vorderspitze etwas ausgezackt ist, unter dem Schild 
liegen dann ein Paar Kiefer, welche scheerenförmig ausgebildet sind, 
so zwar, dass jeder Kiefer aus zwei übereinanderliegenden, von oben 
nach unten sich bewegenden Hälften gebildet wird. Unter diesem 
Kieferpaar liegt die Unterlippe und zu Seiten derselben stehen ein 
Paar kräftige, kurze Taster (Figg. lla,b). 

An diesen Kopfabschnitt setzt sich dann der übrige Körper 
breit an. Die allgemeine Form desselben ist in der Aufsicht fast 
kreisförmig oder elliptisch, von oben nach unten stark abgeplattet 
und fein quer geringelt. Seitlich neben dem Kopf stehen zwei kurze, 
stummelförmige Beinpaare, welche, wie der Kopf mit einigen starren 
Borsten besetzt sind und die an ihrem Endgliede eine längere, mit 
einem Saugnapf endende Haftscheibe tragen. Die anderen 2 Bein- 
paare stehen etwas hinter der Körpermitte nach hinten, sie sind 
beim Weibchen mit Borsten besetzt, während das letzte Beinpaar 
beim Männchen ebenfalls ein Paar Haftscheiben trägt. Auf dem 
Bücken zeigt das Weibchen der Krätzmilbe eine Reihe von schup- 
penartigen Chitinfortsätzen, ausserdem kommen auf dem Rücken 
bei beiden Geschlechtern Borsten vor. 

Unter der Haut bohren nun diese Milben ungefähr centimeter- 
lange Gänge, in welche das Weibchen die Eier neben einander ab- 
legt, meist 20 — 24 Stück in einen Gang. Die Längsaxe der Eier, 
deren Länge ungefähr 0,14 mm ist, liegt rechtwinklig zur Längsaxe 
der Gänge. Im Ganzen werden ungefähr 50 Eier von einem Indi- 
viduum abgelegt. Aus diesen Eiern entwickeln sich nun in 4 — 7 
Tagen kleine Obeinige Larven, welche noch ungefähr 7 Wochen 
innerhalb der Gänge, in welche sie abgelegt wurden, bleiben; sie 
häuten sich wählend dieser Zeit dreimal, bekommen schliesslich ihre 
8 Beine und verlassen dann den ursprünglichen Gang, um ein selb- 
ständiges Leben weiterzuführen. Sie begatten sich, die Weibchen 
graben den Eiergang, legen ihre Eier ab und sterben kurze Zeit 
darauf am Ende der gegrabenen Gänge. Die Gänge werden sämmt- 
lich in den unteren Schichten der Epidermis angelegt und leben 
die Thiere von den jungen Epidermiszellen. 

Die Erscheinungen, welche die Krätzmilben in dem Körper des 
Menschen hervorrufen, sind sehr verschieden je nach der Menge 
der eingewanderten Milben und je nach dem Grade der Reinlichkeit, 
welche das betreffende Individuum seinem Körper angedeihen lässt. 
In leichten Fällen tritt nur an den direct befallenen Stellen ein 
heftiges Jucken auf, dadurch veranlasst, dass die Nervenpapillen 
durchbissen werden und sich in den frisch gebohrten Gängen Ex- 
sudate bilden und kleine locale Entzündungen entstehen. Auf dem 
Milbengang bildet sich eine kleine Pustel, welche nach wenigen 
Tagen vertrocknet, worauf sich dann die Epidermis abschuppt. Der 
Ausschlag braucht nicht durch ein besonderes Secret der Milbe 
hervorgerufen zu werden, wie man annimmt, sondern er wird meiner 
Ansicht nach durch die in dem Gange abgelagerten Fäces erzeugt, 
welche, wie jeder unter die Haut eingeschobene Fremdkörper fast 
constant Entzündungen hervorrufen. 



92 



Bei der beginnenden Pustelbildung reagirt der Patient meist 
durch Jucken und Kratzen und dadurch wird dann die Menge des 
sich ausscheidenden Exsudates vergrössert. Es können innerhalb 
der Epidermis kleine Blutungen stattfinden, wodurch nun natürlich 
die localen Entzündungen gesteigert werden und die kleinen Pusteln 
sich allmälig vergrössern, sodass schliesslich furunkelartige Ge- 
schwüre entstehen können. Durch das Gerinnen der austretenden 
Lymphe, des Blutes und Eiters aus den kleinen Pusteln bilden sich 
nach und nach Schorfe und besonders bei unreinlichen Individuen 
ein Grind, welcher mehr oder minder grosse Hautstrecken über- 
deckt. Aeusserst schwere Fälle der Krätze hat man bei Norwegern 
gefunden und dieselbe als norwegische Krätze bezeichnet. Bei der- 
selben zeigten sich zunächst an Händen und Füssen rothe Flecken, 
dann kleine Pusteln, schliesslich bedeckte sich die Epidermis mit 
Schuppen und endlich mit dicken Krusten, welche sich nach und nach 
über alle Körpertheile ausbreiteten. An den Beugeflächen der Arme 
und Beine, an Händen und Füssen, am Kopf und dem Nacken ent- 
standen graugrüne, bis 7 mm dicke, äusserst feste Krusten, unter 
denen die Haut stark entzündet und fortwährend feucht war. Die 
Nägel an Händen und Füssen degenerirten, die Kopfhaare fielen 
zum Theil vollständig aus und erst nach langer Zeit trat Besse- 
rung ein. 

Die Heftigkeit hängt natürlich von der Anzahl der Milben ab, 
ausserdem ist sie bedingt durch die betreffenden Hautpartien selbst, 
indem an zarthäutigen Körperstellen die Einwanderung der Milben 
in bedeutenderer Anzahl erfolgt und diese Stellen ausserdem durch 
stattfindendes Jucken und Kratzen viel leichter in einen entzünd- 
lichen Zustand versetzt werden können. Man erkennt die Krätze 
durch die Anwesenheit der Milben, aber es ist wenigstens eine gute 
Loupe zur Auffindung derselben nöthig. Die Weibchen sind zur 
Geschlechtsreife am grössten und wühlen die längsten Gänge in der 
Haut. Vorn in einem solchen Gange gewahrt man bei der Unter- 
suchung mit einer guten Loupe die rundlichen kleinen Eier, von 
denen die vordem die älteren sind, zwischen den Eiern liegen kleine 
bräunliche oder gelbliche Ballen, es sind die Kothballen der Milbe, 
welche letztere am äussersten Ende des Ganges anzütreffen ist. 
Nach aussen mündet solch ein Gang mit einer kleinen Oeffnung, 
durch welche die junge Brut auskriecht. Die Männchen, welche 
kleiner als die Weibchen sind, wühlen sich nur ganz kurze Röhren 
und bleiben selten länger als 3 Tage an demselben Orte. Die 
Jungen nagen zahlreiche 2 — 3 mm lange Gänge in die Haut ein, 
welche schräg von der Epidermis zur Cutis verlaufen. Um eine 
Milbe aus dem Gange herauszubringen, öffnet man einen solchen 
mit der Nadel und holt auch mit derselben unter Zuhülfenahme 
der Loupe die Milbe hervor. Als zweites diagnostisches Merkmal 
ist das Auftreten der Pusteln zwischen den Fingern, an den Beuge- 
seiten der Arme und Beine und eine gesteigerte Hautreizung bei 
Bettwärme zu merken. 

Die Prophylaxis hat sich darauf zu beschränken, den innigen 



93 



Verkehr mit Krätzkranken möglichst zu vermeiden und nicht allein 
mit krätzkranken Menschen, sondern auch mit krätzkranken Haus- 
thieren ; nur die penibelste Reinlichkeit kann oft vor einer Infection 
schützen, denn die Milben bleiben nicht nur auf dem Körper haften, 
sondern sie gehen auch auf die allerverschiedensten Kleidungsstücke 
über, weshalb die Kleidungsstücke Krätzkranker stets ordentlich 
desinficirt werden sollten. Besonders scheinen verschiedene äthe- 
rische Oele z. B. Ol. Rosismar., 0. tanaceti u. a. das Leben der Milbe 
zu vernichten und die Auswanderung zu verhüten. Ausserdem ge- 
nügt ein längeres Erwärmen der Kleidungsstücke bis zu einer Tem- 
peratur von 70 — 80 Grad. 

Sarcoptes squamifera. Die beschuppte Krätzmilbe. 

Männchen und Weibchen sind etwas grösser als die der Species 
S. scabiei; ihren Namen haben sie daher erhalten, dass das Weib- 
chen auf dem Rücken eine Anzahl in Reihen gestellter Chitin- 
schuppen besitzt, welche von dreieckiger Gestalt sind und ungefähr 
vom vorderen Körperdrittel an, die Mitte des Rückens überziehen. 
Auf dem hinteren Rückentheil stehen weiterhin 14 kräftige Dornen 
und ausserdem auf der Bauchfläche 3 solche zwischen dem 2. und 
3. Beinpaare. Die Milben finden sich beim Schwein, bei der Ziege, 
bei dem Hunde und anderen Säugethieren. Bei den Hausthieren, 
besonders bei Schweinen, Ziegen und Schafen verursacht die Krätz- 
milbe starke Krustenbildung auf dem Körper, weshalb dieselbe von 
einigen Forschern auch als die Urheberin der sogenannten Norwe- 
gischen Krätze, welche wir oben besprochen haben, angesehen wird. 

Sorcoptes minor. Die Heine Krätzmilbe. 

Männchen und Weibchen sind ungefähr um die Hälfte kleiner 
als die eben besprochenen Krätzmilben. Das Männchen wird 0,18 
mm lang und 0,14 mm breit, während beim Weibchen die ent- 
sprechenden Dimensionen 0,25 mm^ und 0,20 mm sind. Der Rücken 
des Weibchens zeigt auch wieder eine grössere Anzahl kleiner 
Schuppen, von denen nur wenige beim Männchen Vorkommen. Es 
finden sich 12 Rücken- aber keine Brustdornen. Die Thiere leben 
in der Haut räudiger Katzen und Kaninchen ; nur selten in der des 
Menschen. 

Gama&idae. H äj'trni i Iben. 

Die zu dieser Familie gehörenden Milben leben auf dem Körper 
der Säugethiere, Vögel und Insecten. Sie besitzen scheerenförmige 
Kieferfühler und frei hervorstehende Kiefertaster. Als Athmungs- 
organe functioniren Tracheen, als Excretions-Organe 2 Harngefässe 
(Malpighi’sche Canäle). Augen sind nicht bekannt. Die behaarten 
Beine sind mit Klauen und oft mit blasenförmigen Haftscheiben 
ausgerüstet. Auf dem Menschen schmarotzt nur die Vogelmilbe 
und auch diese nur vorübergehend. 



94 



Dermanyssus avium. Die Vogclmilbe. 

Das Männchen ist etwas über J /ä mm, das Weibchen häufig bis 
1 mm lang. Die Breite des Männchens beträgt 0,2 mm, die des 
Weibchens 0,28 mm. Der Körper der Milben ist länglich rundlich, 
trägt 8 Beine, deren Endglieder einen mit einer Kralle und einer 
gelappten Haftscheibe ausgerüsteten Fuss besitzen. Die Larven sind 
auch Obeinig. Die Farbe ist je nach dem eingesogenen Blute 
weisslich-gelblich, braun bis blutroth. Bei Tage sitzen die Milben 
in ihren eigenen Verstecken und überfallen des Nachts die Vögel 
ev. auch Säugethiere und den Menschen. Da die Milben in den 
Federviehstallungen, sowie in Schwalbennestern sehr häufig in grosser 
Anzahl Vorkommen, so ist der Mensch stets in Gefahr, von ihnen 
überfallen zu werden, wenn er die erst genannten Stellen aufsucht 
oder wenn er Nachts in Zimmern schläft, über deren Fenstern mil- 
benhaltige Schwalbennester sind. Durch den Stich, den die Milbe 
mit ihrem am Kopfe befindlichen Bohr- und Saugapparate in die 
Haut macht, entsteht an der betreffenden Stelle eine kleine Haut- 
entzündung event. Pustel; ob sich die Milben aber, wie man in 
einem Falle angenommen hat, in die Haut einbohren und hier grosse 
Beulen und ein sehr schmerzliches Jucken hervorbringen, muss noch 
dahingestellt bleiben. Man hat diese Krankheit als Acariasis be- 
zeichnet. 

lacodidae. Zecktn. 

Der Körper ist gross, mit festem Rückenschild; die Mundwerk- 
zeuge bestehen aus den zu einem, mit Widerhaken versehenen, 
langen Rüssel umgebildeten Maxillarladen; die 8 Beine sind gleich 
lang und tragen je 2 Klauen und Haftlappen; die Athmung ge- 
schieht durch Tracheen, deren Eingangsöffnungen (Stigmen) hinter 
dem 4. Beinpaare liegen. Die Weibchen sind bedeutend grösser als 
die Männchen; die Geschlechtsöffnung liegt bei den ersteren an 
der Brust. 

Ixodes ricinus. Holzbock, gemeine Zecke, Hundesecke. 

Das Männchen wird bis 2 mm lang, das Weibchen ist, wenn es 
noch nicht gesogen hat, nur ein Weniges grösser, schwillt aber 
während des Blutsaugens bis zu 12 mm Länge an. Das Weibchen 
ist gelbroth, während das Männchen dunkelbraun bis schwarz ge- 
färbt ist. Die Unterlippe ist löffelförmig und mit Zähnen besetzt, 
über ihr liegen die Kiefer, welche mit nach rückwärts gerichteten 
Zähnen ausgerüstet sind und zum Durchstechen der Haut dienen. 
Die Zecken halten sich im Walde auf, woselbst sie am Laub der 
Bäume oder unter dem Laub auf der Erde sitzen; sie werden ge- 
legentlich von Säugethieren oder dem Menschen abgestreift, suchen 
dann auf dem Körper derselben einen ruhigen Platz aus, woselbst 
sie sich mit ihrem Kopfe in die Haut eingraben und nun allmäh- 
lich voll Blut saugen. Nach ungefähr 8-10 Tagen geht das Thier 
von selbst wieder fort und hinterlässt weiter keine Spur seiner 
Thätigkeit. Reisst man jedoch die Zecke gewaltsam von der Haut 



95 



los, so bleibt der mit Widerhaken versehene Saugapparat in der 
Haut stecken und erzeugt dann natürlich eine locale, heftige Haut- 
entzündung und einen kleinen Eiterherd, durch welchen der Stachel 
entfernt wird. Bestreicht man die Zecke mit Oel, so verstopft man 
ihre Athemlöcher und zwingt sie dadurch, ihre Thätigkeit ein- 
zustellen. 

Ixodes americanus. Amerikanische Waldlaus. 

Dieselbe ist etwas grösser als unsere Zecken und zeichnet sich 
vor diesen durch den Besitz von Augen aus, welche unseren ge- 
schlechtsreifen Zecken fehlen. Das Vorkommen u. s. w. ist das gleiche, 
wie bei unseren Zecken. 



Argas. Sanmzeckeu. 

Der Körper derselben ist schildförmig und trägt auf der unteren 
Seite des Bruststückes einen sehr kleinen Kopf, die Kiefertaster 
sind 4gliederig, drehrund, die Beine ohne Haftscheiben. 

Argas reflexus columbarum. 

Der Körper dieser Zecken ist gross und auf der Oberseite 
muschelförmig flach ausgehöhlt; die Farbe ist gelb, an den Rändern 
weisslich; die Fussglieder haben nur zwei starke Klauen, jedoch 
keine Haftscheiben ; der Rüssel ist kurz pfriemenförmig. Die Thiere 
leben in Italien, Frankreich und sehr vereinzelt auch in Deutsch- 
land innerhalb der Taubenställe im Holz- und Mauerwerk ver- 
borgen. Während der Nacht überfallen sie die Tauben und gele- 
gentlich auch den Menschen. 

An der Stelle, wo die Zecke Blut gesaugt hat, tritt nach einiger 
Zeit eine kleine, rundliche Anschwellung auf, welche stark juckt 
und nach einzelnen Berichten jahrelang bestehen bleiben soll. Es 
sollen sich dann innerhalb einer gewissen Entfernung kleine Haut- 
erhabenheiten bilden. Wo die Zecken in grosser Anzahl Vorkommen, 
werden sie äusserst lästig. Die Schmerzen nach einem Stich sollen 
sich nicht blos auf die betreffende Localität erstrecken, sondern 
sich über den zunächst liegenden Körpertheil ausbreiten. Durch 
Jucken und Kratzen werden die Reizerscheinungen natürlich ge- 
steigert, es können sich sogar grössere Blasen an den betreffenden 
Stellen bilden. Um sich vor den Zecken zu schützen, hat man die 
Lage der Schlafzimmer so zu wählen, dass sie von Taubenställen 
möglichst entfernt sind. Gründliche Reinlichkeit und möglichstes 
Zustopfen aller Schlupfwinkel der Zecken würden das geeignetste 
Mittel gegen ihre Einwanderung sein. Perubalsam und das schon 
früher einmal erwähnte Rainfarrenöl hält sie fern. 

Argas persicus. Persische Saumzecke. 

Dieselbe wird 4—6 mm lang, besitzt einen platten, herzförmi- 
gen Körper von rothbrauner Farbe, auf der Rückenfläche zeigen 
sich zahlreiche kleine, weisse Grübchen. 



96 



Sie soll besonders in Persien in der Stadt Miana Vorkommen 
und nach dieser Stadt auch die Bezeichnung Miana-Wanze oder 
Giftwanze von Miana erhalten haben. Ausserdem soll sie sich noch 
in Aegypten finden. Sie bewohnt die WohDräume des Menschen 
und überfällt die letzteren während der Nachtzeit, um sich an 
ihnen vollzusaugen. Der Biss hat die Bildung einer schmerzhaften 
und juckenden Wunde zur Folge; es sollen diese Thiere daher von 
den Einwohnern sehr gefürchtet sein und, wenn sie in grosser An- 
zahl Vorkommen, die Menschen zwingen, ihre Wohnungen zu ver- 
lassen. Die Eingeborenen behaupten, dass der Biss dieser Zecken 
unter Umständen den Tod zur Folge haben könnte, was jedoch noch 
nicht bestätigt worden ist. 

Bestreichen des Körpers mit den oben angeführten Mitteln und 
das Schlafen in beleuchteten Zimmern dürfte wohl einigen Schutz 
gegen die Ueberfälle dieser Parasiten gewähren. 

Als ähnliche gelegentliche Schmarotzer auf Menschen hat man 
die in Columbien vorkommende Argas Cliinclia und die in Cen- 
tral -Amerika sich findende Argas Talaje beschrieben. Dieselben 
sollen ganz ähnlich wie die oben beschriebene Persische Saumzecke 
den Menschen überfallen und gleiche Erscheinungen durch ihren 
Biss bei ihm hervorrufen. 



TrombUlidae. JLaufmilben . 

Der Körper derselben ist weichhäutig und lebhaft gefärbt; die 
Kieferfühler sind stiletförmig oder selten scheerenförmig; die Taster 
dgliederig, beinartig und mit Endklauen versehen; die Beine sind 
stark, lang und behaart, sie enden mit Krallen und Haftlappen; die 
Athmung geschieht durch Tracheen, zu welchen 2 Athmungsöffnungen 
führen, die an der Basis der Kieferfübler liegen. Die ausgebildeten 
Milben laufen auf der Erde oder an Pflanzen herum, die kleinen 
6beinigen Larven derselben saugen parasitirend an Pflanzen, an 
Insecten oder auch gelegentlich an höheren Thieren und an dem 
Menschen. 



Trombidium autumnale. Leptas autumnalis. 

Zu verschiedenen Jahreszeiten, besonders aber im Herbste über- 
fallen den Menschen kleine, x / 2 mm grosse Milben, deren Geschlechts- 
thiere noch nicht genau bekannt sind, welche jedoch unter Um- 
ständen auch auf Arthropoden zu schmarotzen pflegen. Der Körper 
ist oval, mit grossem Kopf und über und über mit längeren isolirt 
stehenden Borstenhaaren bedeckt. Die Mundwerkzeuge sind lang 
vorstreckbar, an dieselben setzt sich eine musculösere Saugscheibe 
an, die Augen sind deutlich entwickelt, die Geschlechtswerkzeuge 
jedoch vollständig rudimentär. Diese Milbenlarven halten sich auf 
Gras und Kräutern, im Moose u. s. w. auf und werden von hier aus 
auf den menschlichen Körper übertragen, woselbst sie durch ihren 
Biss kleine Hautentzündungen hervorrufen. Man berichtet über 
einen epidemischen Hautausschlag in einer dänischen Stadt, welcher 



97 



durch diese Milbe hervorgerufen war. An den Bissstellen entstehen 
.kleine Papeln und etwas über die Haut sich erhebende Plaques von 
2 — 5 mm Durchmesser, welche eine hell zinnoberrothe Färbung 
zeigen und eine sammetartige Oberfläche besitzen. In der Kegel 
finden sich mehrere Milben zusammen, wodurch dann an den be- 
treffenden Stellen kleine Geschwüre gebildet werden, welche zum 
Theil wohl dadurch hervorgerufen und verschlimmert werden, dass 
durch Jucken und Kratzen die Leiber der eingebohrten Milben 
abreissen, während die Saugwerkzeuge sitzen bleiben und nun 
durch einen eiterigen Zerfall der Umgebung nach aussen be- 
fördert werden. Leichte Fiebererscheinungen sollen hin und wieder 
ebenfalls auftreten. Auf Martinique, an der Muskitoküste und an 
der Hondurasbai haben ähnliche Milben bei Soldaten und Ansied- 
lern verschiedene Hautausschläge hervorgerufen, in deren Gefolge 
sich häufig schlimme Geschwüre einstellten. 

Man bekommt die Milben durch Waschung mit Karbol wasser, 
Glycerin oder durch Einreiben der überfallenen Körperstellen mit 
Oel oder Perubalsam leicht wieder von der Haut herunter. 



Ghrithoptes monunguiculosus. Einklauige Gerstenmilbenlarve. 

Dieselbe ist als die Urheberin einer endemisch auftretenden 
Hautkrankheit constatirt worden und zwar bei Arbeitern, welche 
Gerste verladen hatten. Die letztere enthielt zahlreiche solcher 
Milbenlarven, welche ein zimmtrothes Pulver bildeten. Die hervor- 
gerufenen Krankheitserscheinungen waren ähnliche, wie bei den 
oben geschilderten Milben. Hautröthung, kleine Bläscheübildung 
und Eczeme stellten sich im Weiterverlaufe ein. Fieber waren in 
einigen Fällen vorhanden. Nach 2 — 3 Tagen verschwanden die 
Milben und die Krankheitserscheinungen hörten auf. 

Endlich schildert Mericourt eine der Gattung CJieyletus ange- 
hörige Milbe, welche im Eiter aus dem Ohre eines kranken Matrosen 
vorkam. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass auf der Haut des Menschen 
dann und wann einmal Milben Vorkommen und vorübergehend para- 
sitiren. Es brauchen diese Milben nicht gerade von Hause aus 
Blutsauger zu sein, sondern sie können zunächst auf Pflanzentheilen 
leben und nur durch die Günstigkeit der Nahrungsverhältnisse auf 
Thiere übergehen. Ausserdem hat man behauptet, dass Milben, wie 
z. B. die Käsemilbe, in den Magen gebracht, Katarrhe desselben 
hervorrufen sollen. 

Aus der Gruppe der Spinnen und Scorpione kennen wir keine 
Schmarotzer auf dem Körper des Menschen , wir wissen nur, dass 
einige Spinnen durch ihren Biss Vergiftungen im menschlichen 
Organismus hervorrufen können, wie dies von der Tarantel und 
einer in den kirgisischen Steppen vorkommenden Art bekannt ist. 
Letztere soll allerdings durch ihren Biss selbst das Leben des 
Menschen gefährden. Die Scorpione gebrauchen den Stachel am 

7 



98 



Ende ihres Hinterleibes auch nur als Wehr und ist deswegen in 
Südeuropa Buthus occiclentalis besonders gefürchtet. 



Hexapoda. Insecten. 

Eine grosse Anzahl freier Insecten leben als Parasiten auf 
Menschen und Thieren und ebenso leben eine Menge von Insecten- 
larven im Inneren tbierischer Organe. 

Der von einer festen Chitinhülle umgebene Körper der Insecten 
ist in der Regel mehr oder minder scharf segmentirt, die Segmente 
sind meist in 3 Körperabschnitte getrennt, den vordersten Abschnitt 
bildet der Kopf, in welchem mindestens 4 Segmente aufzufinden 
sind. In dem folgenden Brustabschnitte sind constant 3 Segmente 
mit einander verschmolzen und der Hinterleib oder das Abdomen 
wird aus 10 weiteren Segmenten gebildet. Bei den vollständig ent- 
wickelten Insecten sind nur der Kopf- und Brustabschnitt mit Glied- 
massen versehen. Am Kopftheile bilden dieselben die beiden Fühler, 
die Oberkiefer (Mandibulae), die Unterkiefer (Maxillae) und die 
Unterlippe. Ueber den Mundwerkzeugen liegt dann noch eine Ober- 
lippe und an den Maxillen finden sich mehrgliederige Kiefertaster. 
Die Unterlippe stellt in der Regel ein in der Mittellinie verschmolzenes 
Gliedmassenpaar dar. Sie besteht aus einem Centralstück, neben 
welchem 2 seitliche Lippentaster hervortreten. 

Die Mundwerkzeuge dienen zum Beissen bei den Käfern, Gracl- 
Üüglern und Netzflüglern. Es sind bei denselben Mandibeln t und 
Maxillen zangenförmig entwickelt und functioniren als Fang- und 
Kauwerkzeuge. Bei den bienen- und wespenartigen Insecten sind 
die Oberkiefer noch Beisswerkzeuge, wohingegen die Unterlippe zu 
einem leckenden und aufsaugenden Apparat umgewandelt ist. Bei 
den Schmetterlingen sind die Mundwerkzeuge bis auf die Unter- 
kiefer verkümmert, die letzteren legen sich zu einer langen röhren- 
förmigen Saugrinne zusammen. Die saugenden Mundwerkzeuge 
der Fliegen, Wanzen u. s. w. besitzen einen stiletartigen Stechapparat, 
welcher aus den Kiefern hervorgegangen ist, während die Unter- 
lippe eine Saugröhre darstellt. 

An den 3 Brustringen, welche wir von vorn nach hinten gebend 
als Pro-, Meso- und Meta-Thorax bezeichnen, befinden sich constant 
die ventral gelegenen 3 Beinpaare, sodass sich an jedes Brustseg- 
ment ein solches anheftet. Jedes Bein besteht aus einer kugeligen 
oder warzenförmigen Hüfte (coxa), auf diese folgt ein ringförmiger 
Abschnitt, der Schenkelring (trochanter), an welchen sich ein lang- 
gestreckter Oberschenkel (femur) ansetzt, in der Fortsetzung des- 
selben findet sich ein längeres Schienbein (tibia), an dessen Spitze 
2 bewegliche Dorne (calcaria) angebracht sind. An das Schienbein 
ist endlich der Fuss (tarsus) an gesetzt, welcher aus 3—5 Gliedern 
besteht und an seiner Spitze Klauen und Haftscheiben tragen kann 



99 



Die Mittel- und Hinterbrust tragen häufig je ein Paar Flügel, welche 
am oberen Theile der Brust als Cuticularausscheidungen hervor- 
treten. 

Von den 4 Flügeln können die letzteren beiden fehlen und 
durch rudimentäre Gebilde (in Gestalt kleiner Schwingkölbchen 
[Halteren]) ersetzt werden. Bei anderen z. B. den Käfern sind die 
Vorderflügel stark entwickelt und dienen als Schutzdecken für die 
häutigen Hinterflügel. Selten fehlen die Flügel vollständig. Jeder 
Flügel ist von Adern durchzogen; häufig finden wir auf den Flügeln 
eine grosse Menge kleiner Schuppen und Härchen. 

Die letzten Hinterleibssegmente können zu Stechapparaten, Leg- 
röhren, zu Greif- und Copulationsorganen umgewandelt werden. 

Die innere Organisation ist hoch entwickelt. 

An dem Verdauungsapparat unterscheiden wir vorn einen Mund- 
theil, welcher mit einem heissenden, saugenden oder stechenden 
Mundwerkzeug ausgestattet ist, und an welchen sich ein muscu- 
löser, häufig kropfartig erweiterter Oesophagus ansetzt. Der Darm 
zerfällt in einen vorderen Magendarm, den drüsenreichen Mittel- 
darm und einen längeren Enddarm. Als Excretionsorgane dienen 
eine verschieden grosse Anzahl von schlauchförmigen Drüsen, welche 
in den Darmabschnitt ausmünden und als Malpighi’sche Gefässe 
bezeichnet werden. 

Als Respirationsorgane functioniren die sogen. Tracheen, ein 
weit verzweigtes Röhrensystem, welches sich nach aussen mit einer 
verschiedenen Anzahl von Athemlöchern (Stigmen) öffnet. Es wird 
die Luft durch dasselbe direct an das Blut und die verschiedenen 
Organe ahgegeben. Das Blut liegt frei in der Leibeshöhle und wird 
durch ein rückenständiges Herz in Circulation gesetzt. 

Die Geschlechtsorgane bestehen aus paarigen (ein bis mehrere 
Paare) Geschlechtsdrüsen, an welche sich ein Ausleitungsapparat 
ansetzt, welcher als Samenleiter beim Männchen, als Oviduct, Uterus 
und Vagina beim Weibchen functionirt. — Die äusseren Geschlechts- 
apparate repräsentiren einen sehr verschieden geformten Copulations- 
apparat. 

Das Nervensystem besteht aus dem oberen Schlundganglion 
(Gehirn), welches durch eine den Schlund umfassende Commissur 
mit dem unteren Schlundganglion in Verbindung tritt, an welch’ 
letzteres sich dann eine ventral gelegene Ganglienkette anschliesst. 

Die Sinnesorgane sind hoch entwickelt, es finden sich compli- 
cirt gebaute, einfache (Ocellen) und zusammengesetzte (Facetten- 
augen) Augen, in den meisten Fällen Geschmacks- und Geruchs- 
organe und ausserdem ein weit verbreiteter feiner Tastapparat, 
welcher in Form von Fühlern, Tastern und Tasthaaren entwickelt ist. 

Die Entwickelung erfolgt stets aus Eiern, welche entweder be- 
fruchtet oder unbefruchtet im Inneren des mütterlichen Organismus 
oder ausserhalb desselben neue Individuen aus sich hervorgehen 
lassen. 

Diese letzteren machen nun vielfach verschiedene Umwandlungen 
durch, ehe sie zu geschlechtsreifen, ausgebildeten Insecten werden. 

7 * 



100 



Das erste Stadium dieser sogen. Metamorphosen bezeichnet man 
als Larven- oder Raupenstadium. Nachdem die Larve gewachsen 
ist und eine Anzahl von Häutungen durchgemacht hat, tritt sie in 
ein weiteres Stadium ein und wird dann als Puppe (Imago) be- 
zeichnet. Aus dieser Puppe schlüpft bei einer letzten Häutung das 
fertig ausgebildete Insect hervor. Das Puppenstadium fehlt oft. 

Es sind nur wenige Ordnungen der Insecten, welche Schma- 
rotzer auf höheren Thieren umfassen ; besonders sind es die Schnabel- 
kerfe und die Zweiflügler, die als ausgebildete Insecten oder als 
Larven auf anderen Thieren in der Haut oder im Darmkanal leben. 



Rhynchota. Schnabelkerfe. 

Die Thiere sind geflügelt oder ungeflügelt, im ersteren Falle 
sind 4 oder nur selten 2 Flügel ausgebildet. Von den 4 Flügeln 
sind entweder die vorderen zur Hälfte hornig und an der Spitze 
häutig oder es sind alle 4 Flügel gleichartig ausgebildet. Die 
Mundwerkzeuge sind schnabelartig entwickelt und bestehen aus der 
gegliederten nnd röhrenförmig verlängerten Unterlippe, dem Schnabel 
(rostrum). Die Mandibeln und Maxillen sind bolzenförmig gestaltet 
und können innerhalb des Schnabels vor- und rückwärts bewegt 
werden. Die Oberlippe ist etwas verlängert und bedeckt die Basis 
des Schnabels. — Die Fühler sind kurz oder lang, drei- bis viel- 
gliederig. — Die Augen bestehen aus kleinen Facettenaugen, selten 
sind sie als Punktaugen entwickelt. — Das Tracheensystem besitzt 
2 Stigmenpaare an der Brust und 6 am Hinterleibe. — Bei vielen 
Formen, besonders den Wanzen, finden sich in der äusseren Haut 
eine Anzahl von Drüsen, welche ein widerlich riechendes Secret 
ausscheiden. 

Die Eier werden meist nach aussen abgelegt und nur bei den 
Pflanzenläusen tritt eine ungeschlechtliche Vermehrung auf, indem 
während des Sommers flügellose Weibchen in ihrem Eierschlauche 
aus unbefruchteten Eiern sofort neue Individuen produciren, welche 
schon geschlechtsreif sind und kurz nach der Geburt ebenfalls wieder 
unbefruchtet neue Generationen gebären. Erst bei Nahrungsmangel 
und bei Eintritt kälterer Witterung bilden sich im Herbst männ- 
liche und weibliche Individuen, welche sich begatten, worauf dann 
das Weibchen einige hartschalige Wintereier ablegt, aus denen im 
nächsten Frühjahr die geschlechtslose Generation hervorgeht, 

Bei vielen Schnabelkerfen ist die Verwandlung in der Regel 
eine unvollkommene, indem nur in sehr seltenen Fällen ein Puppen- 
stadium eintritt. 

JP ediculidae. JLäute. (Tafel YI). 

Der Körper ist ungeflügelt, meist platt. Der Kopf ist klein, 
trägt vorn saugende und stechende Mundwerkzeuge, welche aus 
einer kurzen Scheide bestehen, in der ein weiches Saugrohr, dessen 
Ende mit Widerhaken besetzt ist, auf- und abgeschoben werden 



kann. In diesem Säugrüssel liegt ausserdem noch eine Stechröhre, 
welche in die Haut des Wirthes eingebohrt wird. Die Fühler sind 
fünfgliederig, hinter ihnen liegen die einfachen, kleinen, zusammen- 
gesetzten Augen. Der Thorax setzt sich gegen den Kopf ziemlich 
scharf, gegen den Hinterleib vielfach nur undeutlich ab. An den 
Brustsegmenten befindet sich je ein Beinpaar, dessen letztes Ende 
grosse Klammerfüsse trägt. Das Endglied des Tarsus ist klammer- 
förmig umgebogen und dient zum Umfassen der Haare. Der Hinter- 
leib ist schwach segmentirt und mit kurzen, steifen Borsten besetzt. 
Das Nervensystem besteht aus dem Schlundring, an dessen unteres 
Ganglion sich im Brustabschnitt 3 eng aneinander gelagerte Gang- 
lien anschliessen, während die Abdominalganglienkette fehlt. Der 
Verdauungsapparat schliesst sich mit einem engen Oesophagus an die 
Mundwerkzeuge an ; der Oesophagus führt in einen Magenabschnitt, 
welcher vorn ein Paar Blindsäcke trägt, an die sich der gebogene 
Dünndarm ansetzt, der schliesslich in den Enddarm übergeht. Der 
letztere ist blasig erweitert. In dem vorderen Dünndarmabschnitt 
münden 2 Paar Malpighi’sche Gefässe. — Der Athmungsapparat be- 
steht aus den 7 Stigmenpaaren, welche an den Seiten des Körpers, 
etwas ventral gelegen, ausmünden und mit kurzen Röhren zu 2 
längsverlaufenden Haupttracheenstämmen führen. Von diesen 
Tracheenstämmen geht dann ein weitverzweigtes Röhrennetz an die 
verschiedenen Körperorgane über. — Die männlichen Geschlechts- 
apparate bestehen aus 2 Paaren bimförmigen Hoden, welche mit 
2 Samenleitern in Verbindung stehen, die letzteren treten zusammen 
und weisen an dieser Verschmelzungsstelle noch eine paarige Drüse 
(Prostata) auf. Der Copulationsapparat bildet einen fingerförmigen 
in einer Scheide gelegenen Penis. — Die weiblichen Geschlechts- 
apparate bestehen aus 5 Paar Eischläuchen, welche mit kurzen Ei- 
leitern in den doppelten Uterus einführen, an welch’ letzteren sich 
noch eine Samentasche und eine doppelt gelappte Kittdrüse an- 
schliessen. Die Uteri vereinigen sich zu einer kurzen Scheide, die 
vor dem Enddarm kudie Kloake mündet. Die Genitalspalte wird 
von 2 Klappen bedeckt. 

Die Eier (Nisse) sind bimförmig und werden mit dem spitzen 
Pole an Haaren und Federn angeklebt. Der vordere stumpfe Pol 
ist mit einem Deckelchen versehen, in dessen Centrum die kleinen 
Oeffnungen für das Eindringen der Samenfäden liegen (Mikropyl- 
apparat). Im Ei entwickelt sich ein kleiner Embryo, welcher nach 
erlangter Reife das Deckelchen absprengt, ausbricht und dann nach 
einigen Häutungen direct zum geschlechtsreifen Thiere wird. 



Pediculus capitis. Kopflaus (Taf. VI, Fig. 12). 

Der Körper ist schlank gebaut, der Kopf klein, der Hinterleib 
nur wenig gegen die Brust abgesetzt. Das Männchen wird 1 — 1,5 mm 
lang, das Weibchen bis 2 mm. Die Eier sind gross und bis 0,6 mm 
lang. Der Kopf erscheint dreieckig; die Fühler sind verhältnissmässig 
kurz; gegen die Brust ist der Kopf mit einem kurzen Halsstück 



102 



scharf abgesetzt. Der Hinterleib ist länglich oval und an den Rän- 
dern tief eingekerbt. Die 6 Beine tragen kurze Klauen. Die Farbe 
des Körpers wechselt nach dem Individuum auf welchem die Läuse 
wohnen , sie ist grau bei denen der Europäer und dunkel bis 
schwarz bei den Kopfläusen der Neger. 

Die Eier (Fig. 15) werden durch einen hohlen, stumpfen, mit 
Leisten und Längskanälen versehenen Haftapparat mit dem spitzen 
Ende an die Haare angeklebt. Ein Weibchen producirt ungefähr 
50 Eier, aus welchen nach 6 Tagen die Jungen ausschlüpfen; die- 
selben häuten sich dreimal und werden vor Ablauf der 3. Woche 
wieder geschlechtsreif, 

Die Kopflaus findet sich bei fast allen Völkerstämmen, sie be- 
wohnt meist nur den behaarten Theil des Schädels und Hinterkopfes 
und geht höchstens bei sehr unreinlichen Personen auf andere be- 
haarte Körpertheile über. Durch Eindringen mit dem Stechapparat 
in die Kopfhaut und Saugen wird ein Jucken erzeugt und in Folge 
des Kratzens bildet sich dann an der betreffenden Stelle eine kleine 
Quaddel. Weitere Erscheinungen ruft die Kopflaus nicht hervor. 

Man schützt sich gegen dieselbe durch Reinlichkeit und durch 
Anwendung von stark riechenden Haarölen und Pomaden, besonders 
sind es ätherische Oele, welche Schutz gegen die Kopflaus geben. 



Pediculus vestimenti. Kleiderlaus (Tafel VI, Fig. 13). 

Als Ped. humanus, Ped. corporis und Ped. tabescentium hat 
man die Kleiderlaus ebenfalls beschrieben und glaubte mit diesem 
Namen verschiedene Arten, welche beim Menschen die sogen. Läuse- 
sucht hervorbrächten, bezeichnen zu müssen. Die Länge der Kleider- 
laus beträgt 2 — 4 mm, die Männchen sind kleiner als die Weibchen 
und treten in geringerer Anzahl als die letzteren auf. Die Eier 
werden 0,8— 1,0 mm lang und bis 0,5 mm breit. Der Körper ist 
schmutzig grau. Der Kopf ist länglich rund. Die Fühler sind schlank. 
Die einfachen Augen sind an der breitesten Stelle des Kopfes gelegen. 
Der Brustabschnitt lässt keine deutliche Gliederung erkennen, er 
ist unten platt und auf dem Rücken etwas gewölbt. Die Beine 
tragen verhältnissmässig kleine Klauenglieder. Der Brustabschnitt 
setzt sich in den Hinterleib fort, der letztere verbreitert sich gegen 
die Mitte zu stark uud endet dann mit 2 Spitzen; der Rand ist 
nicht so scharf eingezackt, wie dies bei der Kopflaus der Fall ist, 
weiterhin ist er hell gesäumt. Von den 8 Segmenten führt das 2. 
bis 7. je einfache Stigmenöffnungen, das letzte Körpersegment zeigt 
in der Mitte dorsal gelegen die Afteröß'nung, es ist beim Weibchen 
hinten in 2 Zipfel ausgezogen, zwischen welchen die von 2 Klappen 
überdeckte Geschlechtsöffnung liegt. Beim Männchen ist das letzte 
Leibessegment abgerundet und zeigt dorsal den Copulationsapparat, 
ventral die Afteröffnung. 

Das Weibchen producirt ungefähr 60 — 70 Eier, welche es in 
die Näthe und in die Falten der Kleidungsstücke ablegt und zwar 
meist an den Stellen, wo die Kleider und Wäschetheile direct den 



103 



Körper berühren. Die junge Brut geht dann auch bald nach dem 
Verlassen der Eier auf den Menschen über. 

Als Wohnort dienen die unbehaarten oder nur schwach be- 
haarten Theile des Halses, Rückens und Bauches des Menschen. 
Ob jene Krankheit, welche als Phthiriasis beschrieben wird und an 
welcher Herodes, Philipp II. von Spanien, Max I. von Deutschland 
und einige andere Personen gestorben sein sollen, wirklich auf die 
Anwesenlieit und den Einfluss der Kleiderläuse zurückzuführen ist, 
erscheint sehr fraglich. In neuerer Zeit haben wir keinen genau 
beschriebenen Fall einer solchen Läusesucht beim Menschen zu ver- 
zeichnen. Massenhaftes Auftreten von Kopfläusen, Milben und Maden 
wird wohl der Grund solcher Verwechslungen gewesen sein. Es 
sollen durch die Kleiderläuse, sowie durch eine sehr nahe stehende 
verwandte Art, Hautkrankeiten erzeugt werden, bei denen die Haut 
runzlich und welk wird und Schuppen bildet, die sich ablösen und 
unter welchen die Läuse in Menge Vorkommen können. Wenn die 
Kleidei’laus in geringen Mengen auftritt, so ruft sie eine Art Haut- 
ausschlag hervor, es finden sich dann z. B. auf dem Rücken oder 
der Brust, den Schultern u. s. w. thalergrosse Stellen, welche mit 
10 — 20 kleinen gerötheten Fleckchen bedeckt sind, die sich nach 
dem Kratzen und Jucken stark röthen und an der Spitze kleine, 
mit Schorfen bedeckte Stellen zeigen. Nach 2 — 3 Tagen verschwindet 
dieser Ausschlag wieder vollständig. Im schlimmsten Fall entstehen 
blasige Ausschläge, welche sich über grössere Körperflächen er- 
strecken. 

Man schützt sich vor dem Ueberfallenwerden durch Kleider- 
läuse am besten durch grosse Reinlichkeit, welche sich nicht bloss 
auf den Körper, sondern auch auf die Kleidung und Wäsche zu 
erstrecken hat. 



Phtirius inguinalis s. pubis. Die Filzlaus (Taf. VI, Fig. 14). 

Das Männchen wird bis 1 mm lang, das Weibchen bis 1,2 mm 
Die Eier zeigen eine bimförmige Form, werden 0,9 mm lang und 
0,5 mm breit. Die Gestalt der Fl. ist herzförmig, der Vorderrand 
zeigt sich schwach ausgeschweift, in demselben ist der länglich ovale 
Kopf bis ein Drittel seiner Länge zurückgezogen. Der Kopf ist 
vorn breit, trägt die ziemlich gerade abstehenden, fiinfgliederigen 
Fühler und hinter diesen auf 2 Vorsprüngen die 2 einfachen Augen. 
Der Brustabschnitt ist kurz gedrungen und geht ohne scharfe Grenze 
in das sich allmählich nach hinten verjüngende Abdomen über. Das 
ei’ste Beinpaar ist schwach und mit kleinen Krallen vei’sehen, die 
beiden hinteren Beinpaare sind mächtig entwickelt, das Fuss- 
ende dei’selben ist mit einem Dom ausgestattet und trägt an seiner 
Spitze eine mächtige Chitinklaue, welche gegen das Schienbein zu 
eingeschlagen ist und zum Anheften an den Haaren dient. Diese 
Fixirung wird noch durch Chitinfortsätze am Fuss und an der Klaue 
unterstützt. Der Hinterleib besteht aus 9 Segmenten, welche dorsal 
einige stärkere Stacheln und an den Seiten 4 Paar mit Borsten be- 



104 



setzte Papillen tragen. Das hintere Leibesende des Weibchen ist 
ausgebuchtet, das des Männchen abgerundet. Der After liegt am 
vorletzten Segment. 

Es werden vom Weibchen ungefähr 10 bimförmige Eier abge- 
legt und vermittelst eines aus feinen Nadeln gebildeten Haftappa- 
rates mit den spitzen Enden an die Haare angeklebt. 

Als Wohnort haben die Läuse die Scham-, Brust- und Achsel- 
höhlengegend, den Bart und die Augenbrauen des Menschen, sie 
bohren sich in die Haut dieser Körpertheile mit dem Kopfe tief 
und fest ein und sind in Folge dessen nicht leicht zu entfernen. 

Sie sind sehr weit verbreitet und werden entweder durch un- 
mittelbare Berührung (Coitus) von einem Menschen zum anderen 
oder durch Kleidungsstücke, Wäsche, Betten der mit ihnen behaf- 
teten Individuen übertragen. Auch finden sie sich auf den Ab- 
orten grosser Restaurationen, der Bahnhöfe u, s. w. und in einzelnen 
Gegenden ziemlich häufig. Die Angabe, dass Kinder von ihnen ver- 
schont sein sollten, kann ich nicht bestätigen, da ich in mehreren 
Fällen ganze Familien, Mann, Frau und Kinder mit ihnen behaftet 
fand. Treten die Filzläuse in geringen Mengen auf, so erzeugen 
sie nur an den von ihnen bewohnten Stellen starkes Jucken, treten 
sie in grösserer Anzahl auf, so bilden sich, wohl erst secundär, 
durch das vom Menschen vorgenommene fortwährende Kratzen und 
Jucken, an den von ihnen bewohnten Stellen grindartige Hautab- 
schorfungen; bei Kindern können die Augenbrauen eine Zeitlang 
vollständig verloren gehen. 

Peinlichste Reinlichkeit, waschen mit Emulsionen von ätherischen 
Oelen sind als Schutzmassregeln von jenen Personen zu beachten, 
welche gezwungen sind, mit unreinen und mit Filzläusen behafteten 
Individuen umzugehen. 



JtKallophaga, JP elxfresser. 

Die Mallophagen, welche in der allgemeinen Körperform den 
Läusen sehr ähneln, jedoch heissende Mundtheile besitzen oder nur 
eine Art Mundröhre haben, leben besonders zwischen den Federn 
der Vögel und den Haaren einiger Säugethiere, selten gehen sie 
einmal auf den Körper des Menschen über und noch seltener ver- 
weilen sie längere Zeit auf demselben. Für den Menschen ist 
höchstens die Hundelaus, Trichodectes canis von Bedeutung, weil 
sie die, auf Seite 139 erwähnte Cysticercoidform der Taenia cucu- 
merina enthält. 



Memiptera, Wanzen . 

Der Körper ist in der Regel flach und breit, flügellos oder mit 
4 Flügeln ausgestattet. Die Flügel liegen in der Ruhe dem Körper 
horizontal an, die Vorderflügel sind bis zur Mitte oder über diese 
hinaus lederartig. Die Vorderbrust ist frei. Die Verwandlung un- 
vollkommen, ohne Puppenbildung. 



105 



Cimex lectularius. Bettwanze. 

Die Länge beträgt 4 — 5 mm, die grösste Breite ungefähr 3 mm. 
Der flügellose, plattgedrückte Körper ist hellbraunrotli und an allen 
Theilen mit kurzen, steifen Haaren besetzt. Der Kopf dreikantig 
und trägt vorn die zu einem Saugapparat umgewandelten Mund- 
theile. Dieselben bestehen aus einer zweigliederigen kurzen Ober- 
lippe und aus einer beinahe 3 Mal so langen viergliederigen Unter- 
lippe. Zwischen diesen liegen die zu einem Saug- und Stechapparat 
umgewandelten Mandibeln und Maxillen, die letzteren sind ungleich 
lang und an ihrem Ende mit äusserst feinen Widerhaken versehen. 
Die Brust ist deutlich gegliedert, oben befindet sich ein höckeriges 
Rückenschild und rudimentäre Flügel; ventral liegen 6 Beine, welche 
starkschenklich und sehr zum Laufen eingerichtet sind. Der Fuss 
trägt eine kleine doppelte Klaue. In dem vorderen Darmabschnitt 
münden 2 mächtige Speicheldrüsen, deren Secret in die Wunde ein- 
fliesst und die Anschwellung derselben hervorbringt. Zwischen den 
Hinterbeinen findet sich die Mündung einer langen, nierenförmigen 
Stinkdrüse, deren Secret willkürlich entleert werden kann. Die Eier 
sind oval und besitzen einen flachen Deckel, welcher den Mikropyl- 
Apparat enthält. Die Eier werden in Wandritzen u. s. w. im März, 
Mai, Juli und September abgelegt. Die Jungen entwickeln sich in 
ungefähr Jahresfrist nach mehrfachen Häutungen zu geschlecbts- 
reifen Thieren. 

Die Bettwanze ist über die ganze Erde verbreitet; bei Tage 
sitzen sie in den Ritzen der Wände, der Bettstellen und der son- 
stigen Möbel, hinter Tapeten u. s. w., bei Nacht überfallen sie den 
Menschen und andere Warmblüter, um sich an deren Blut vollzu- 
saugen, dann vermögen sie wieder monatelang zu fasten. 

Reinlichkeit, Lüften der Wohnungen und Verschmieren der 
Schlupfwinkel der Wanze, sowie Auspinseln der Bett- und Möbel- 
ritzen mit tinctura nuces vomicae und Coloquinthen -Abkochung, 
sowie mit wässerigen Emulsionen des Oleum tanaceti verhindert den 
Aufenthalt und die Einwanderung der Wanze. 

Der Stich mit dem Säugrüssel und das Nachfliessen des Spei- 
chels in die gemachte Wunde ruft jene grossen, oft tagelang be- 
stehenden Quaddeln hervor. 



Diptera. Zweiflügler (Taf. VI). 

Aus der Gruppe der Zweiflügler kennen wir eine ganze Reihe 
von Formen, welche dauernd oder vorübergehend auf dem Menschen 
oder in demselben parasitiren. Der Floh saugt als ausgebildetes 
Thier das Blut des Menschen, einige Mückenarten überfallen ihn 
gelegentlich, ebenso verschiedene Fliegen. Im Inneren des Körpers 
schmarotzen zeitweilig die Larven verschiedener Fliegenarten; es 
finden sich dieselben entweder im Darmkanal oder in eiterigen 
Hautwunden vor, besonders in Wunden der Nasenhöhle und des 
äusseren Gehörganges. 



106 



Der Körper der Dipteren lässt Kopf, Brust und Hinterleibs- 
abschnitt deutlich getrennt erkennen. Der Kopf besitzt grosse 
Facetten - Augen und verschieden gestaltete Mundwerkzeuge. Die 
Fühler sind entweder klein, mit borstenförmigen Anhängen oder 
lang vielgliederig und häufig gefiedert. An der Mittelbrust sitzen 
meist ein Paar grosse häutige Flügel, die Hinterbrust trägt die 
Schwingkölbchen (Halteren), welche die Rudimente der Hinterflügel 
darstellen. Die Verwandlung ist eine vollkommene, indem sich aus 
den frei beweglichen Larven ruhende, sogenannte Tönnchen-Puppen 
entwickeln. 

Man unterscheidet bei den Zweiflüglern die eigentlichen Fliegen 
(Brachycera) , die Langhörner (Nemocera) und die flügellosen Flöhe 
(Aphaniptera). 



Brachycera. Fliegen. 

Meist geflügelte Insecten von sehr verschiedenem Körperbau. 
Die Fühler an dem frei beweglichen Kopfe sind sehr kurz, in der 
Regel 3gliederig, das Endglied ist gross und trägt an seiner vor- 
deren Fläche eine einfache oder geringelte Borste. Die Larven leben 
in faulenden Stoffen oder im Wasser; die meisten derselben sind 
unter dem Namen Maden allgemein bekannt; sie verpuppen sich in 
einer tonnenförmigen Larvenhaut oder bilden Scheinpuppen. Auf 
dem Menschen parasitiren einige Arten der Fliegen ganz vorüber- 
gehend, meist sind es die Maden, welche, länger im Körper ver- 
weilend, als Parasiten zu betrachten sind. 

HEuscidae. Fliegen . 

Am Kopfe finden wir eine Stirnblase und dreigliederige Fühler, 
deren abgeplattetes Endglied eine ungeringelte Borste trägt, als 
Mund Werkzeug dient ein blasiger Rüssel, dessen Ende mit einem 
Paar Platten ausgestattet ist, welche eine weiche polsterförmige 
Anschwellung bilden und als Saugapparat functioniren. Die Brust- 
ringe sind mit einander verschmolzen und tragen ein Paar Flügel, 
die in der Regel die Schwingkölbchen verdecken. Die Fussenden 
sind mit Klauen und ein Paar Haftlappen ausgerüstet. 

Musca domestica. Gemeine Stubenfliege. (Taf. VI, Fig. 16). 

Die Stubenfliege, welche nicht mit der ihr ähnlichen und weiter 
unten zu besprechenden, ebenfalls häufig in den Wohnungen des 
Menschen vorkommenden (Stomoxys calcitrans) zu verwechseln ist, 
besitzt einen fleischigen Rüssel, an dessen Ende der oben erwähnte 
Saugapparat sitzt. Der Rüssel ist geknickt und dient zum Auf- 
saugen von Flüssigkeiten; feste Nahrungsstoffe werden zunächst 
durch ausfliessenden Speichel in lösliche Form zu bringen gesucht. 
Die Stubenfliege legt 60 — 70 weisse, glänzende Eier, welche zu 
einem Klumpen zusammengeballt werden, die Eier haben eine wal- 
zenförmige Gestalt, sie sind am vorderen Ende zugespitzt und mit 



107 



2 niedrigen Leisten versehen. Nach kurzer Zeit schlüpfen aus ihnen 
die Larven (Fig. 16) aus; dieselben sind wurmförmig gestreckt und 
entbehren der Extremitäten und der Sinnesorgane. Als Fortbewe- 
gungs-Apparat dienen 2 am Kopfe befindliche Chitinhaken (Fig. 16a, 
16&) und einige Borsten am Hiuterleibsende ; die Larven kommen 
gelegentlich im Körper des Menschen vor und werden wir dieselben 
mit denen der gleich zu besprechenden Arten zusammenfassen. 

Musca vomitoria. Schneiss- oder 'Brumm fliege. 

Der Körper wird doppelt so gross, als der der Stubenfliege und 
ist durch die glänzend blaue Farbe des Hinterleibes ausgezeichnet. 
Der Kopf ist schwarz, an den Backentheilen mit rothbraunen Haaren 
ausgestattet, die Taster sind rothgelb. Auf dem Rückenschilde ver- 
laufen 4 undeutliche Längsstreifen. Die ungefähr 2 mm langen 
weissen Eier werden haufenweise an faules Fleisch abgelegt, die 
Larven kriechen innerhalb 24 Stunden aus und verwandeln sich 
nach 1 — 2 Wochen in die Tönnchenpuppen. Der Körper der Larven 
ist lang kegelförmig, am hintern Leibesende etwas abgestumpft und 
mit zwei dunkelbraunen Stigmen - Üeffnungen versehen. Der Mund- 
theil ist auch wieder durch 2 Chitinhaken ausgezeichnet. 



Musca caesar. Goldfliege. 

Der Körper dieser Art ist etwas kleiner, als der der Brumm- 
fliege und prächtig smaragdgrün glänzend, die Beine sind schwarz, 
das Gesicht mit silberweissen Haaren besetzt. Die Eier entwickeln 
sich wie die der Schmeissfliege. 



Musca cadaverina. Aasfliege. 

Der Körper, welcher ungefähr dieselbe Grösse besitzt, wie der 
der Stubenfliege, ist ebenfalls glänzend goldgrün und in verschie- 
denen Farben schillernd, die Beine und Taster sind schwarz, die 
Eier werden an faulendes Fleisch abgelegt. 

SarcopJiaga carnaria. Graue Schmeissfliege. 

Das Männchen wird bis 10 mm, das Weibchen bis 15 mm lang. 
Der Kopf ist schmal; die Augen sind von einander getrennt; die 
Fühler dicht neben einander liegend, lang gestreckt und mit ge- 
fiederter Fühlerborste versehen; das Gesicht ist weisslich oder hell- 
gelb. Die Brust ist oben grau mit 3 dunkeln Längsstreifen ausge- 
stattet und zeigt eine Quernath. Der Hinterleib ist herzförmig, 
hinten spitz zulaufend, seine Farbe braun, dunkel und hell schim- 
mernd, die einzelnen Segmente weiss gewürfelt. Die Eier, deren 
ein Weibchen bis 2000 procluciren kann, kommen schon im Körper 
der Mutter zur weiteren Entwickelung, es werden ungefähr je 50 
bis 80 Stück Maden geboren. Diese Larven besitzen einen kegel- 



108 



förmig geringelten Körper von weissgrauer Färbung, das vordere 
Leibesende ist spitz, das hintere abgestumpft. Vorn finden wir 2 
schwarze Klammerbaken, hinten 2 Platten, welche je 3 Stigmen- 
Oeffnungen erkennen lassen. Nach ungefähr 1 Woche bildet die 
Larve eine schwarzbraune Tönnchen -Puppe, aus welcher nach 3 
Wochen eine Fliege hervorgeht. Die Entwickelungszeit der Fliegen- 
larven wird vielfach sehr verschieden angegeben und bemerke ich 
hier, dass die Entwickelung einestheils von der Art und dem Vor- 
handensein einer reichlichen Nahrung abhängt, andererseits auch 
durch verschiedene Temperaturen verzögert und beschleunigt 
werden kann. 

Wie wir schon erwähnten, sind es grade die Larven der oben 
besprochenen Fliegenarten, welche unter Umständen in den mensch- 
lichen Körper gelangen und hier je nach ihrem Sitze verschiedene 
Störungen hervorrufen. Nach ihrem Vorkommen kann man sie 
unterscheiden als Larven aus dem Darmkanal , Larven aus dem 
Nasen- und Rachenraum und Larven aus dem äusseren Gehörgang, 
den offenen Hautwunden der Urethra und Vagina. 

Mit der Speise, meist mit kaltem Fleisch, faulem Käse u. s. w. 
kommen die weit entwickelten Eier oder die eben ausgeschlüpften 
Larven in den Magen des Menschen, hier gehen die Larven nicht 
zu Grunde, sondern sie leben ruhig weiter, heften sich an der 
Magenschleimhaut an und verbringen ihr gesammtes Larvenleben 
oder den grössten Theil desselben parasitirend, dann verpuppen sie 
sich und erst die Puppen gehen mit den Fäces nach aussen. 

Da die Larven die Schleimhaut durchwühlen und empfindlich 
reizen, so erzeugen sie meist mehr oder minder heftige Magen- 
katarrhe, Erbrechen u. s. w. Aus dem Magen kommen sie auch ge- 
legentlich in den Darm und gelangen unter Umständen mit den 
Fäces nach aussen. 

In die Nasenhöhle der Kinder wandern unter Umständen die 
Larven der Schmeissfliege und man berichtet, dass in den Tropen 
solche Vorkommnisse ziemlich häufig sein sollen. Die Erscheinungen, 
welche die Fliegenlarven während ihres Aufenthalts in den Nasen- 
höhlen erzeugen, sind vielfach sehr schwerer Art; zunächst tritt 
Niesen ein, in Folge des anfänglich schwachen Reizes, welcher auf 
die Nasenschleimhaut ausgeübt wird, sowie aber die Larven an- 
fangen, sich in die Schleimhaut einzubohren, und das Secret der- 
selben und die Epithelien zu verzehren, treten Kopfschmerzen auf, 
welche sich einseitig über die eine Stirn- und Schädelgegend oder 
über die gesammte Kopffläche verbreiten und so lange andauern, 
als die Larven vorhanden sind. Gleichzeitig treten Gesichtsschmerzen 
verbunden mit Anschwellung des Gesichts hinzu, die Patienten leiden 
an Schlaflosigkeit, heftigem Schwindel und leichterem Fieber, dazu 
kommt dann noch ein allgemeines Unbehagen, Reizbarkeit, Appetit- 
losigkeit, leichte Durchfälle u. s. w. Als äusserliche Erscheinungen 
treten hinzu ein eiteriger, blutiger, stinkender Nasenausfluss, welcher 
erst aufhört, wenn die Larven entfernt sind. Anschwellung des 
Gaumens, welche dadurch hervorgerufen wird, dass sich die Larven 



109 



an der Basis der Choanen ansetzen und sich hier einbohren. In 
der Folge treten, durch die Anschwellung des Gaumens bedingt, 
Schluckbeschwerden auf. In den Hautwunden, besonders in Ab- 
scessen des äusseren Gehörganges legen die oben genannten Fliegen, 
wenn die Wunden schlecht verbunden werden und einen stinkenden 
Eiter ausscheiden , gern ihre Eier ab. Bei der constant gleich- 
mässigen Wärme entwickelt sich die junge Brut sehr schnell, die 
Larven bohren sich in die zerfallenen Gewebe ein und lassen na- 
türlich keine Heilung eintreten, so lange sie in der Wunde lebendig 
sind ; in den Wunden sitzen sie, mit dem Kopf nach innen, mit dem 
Hinterleibe, an welchem sich die Athmungsöffnungen befinden, nach 
aussen, dicht gedrängt neben einander. Ausserdem hat man Fliegen- 
maden noch in der Scheide und den Harnorganen der Mädchen 
und Frauen gefunden, wenn sich innerhalb der Kanäle katarrha- 
lische Affectionen oder Geschwüre vorfanden; ebenso will man sie 
unter dem Praeputium unreinlich gehaltener Knaben gefunden haben. 

Man schützt sich vor dem Befallenwerden durch Fliegenmaden 
dadurch, dass man kaltes Fleisch, Gemüse, Käse u. s. w. sorgfältigst 
von etwa angelegten Larven und Eiern säubert oder das Fleisch 
und die Gemüse nur warm oder aufgewärmt geniesst. Weiterhin 
werden in gut behandelten und rein gehaltenen Wunden niemals 
Fliegenmaden auftreten. Sind sie in die Nasen- oder Ohrenhöhle 
schon hineingelangt, so suche man sie möglichst schnell mit der 
Pincette oder durch die später anzugebenden Mittel zu entfernen 
und so den eintretenden heftigen Krankheitserscheinungen vorzu- 
beugen ; erst wenn die Kopfschmerzen nachlassen und der Eiter 
nicht mehr mit Blut gemischt ist, kann man annehmen, dass die 
Larven vollständig aus der Nasenhöhle entfernt sind. 



Musca anthropophaga. 

Man hat mehrere Fliegen unter der obigen Bezeichnung zu- 
sammengefasst. Der Körper derselben ist ungefähr 5—7 mm lang, 
der Thorax braun schillernd, der Rüssel fleischig, die Backen gelb- 
lich. Das Hinterleibssegment ist schwarz. Ueber den Hinterleib 
verläuft eine dunkele Linie. Als CallipJiora hat man mehrere solcher 
Arten aus den verschiedenen mittelamerikanischen Ländern be- 
schrieben. Es scheint vor allem so viel sicher, dass die Larven in 
dem Nasen- und Rachenraum des Menschen häufig bedeutende Ver- 
heerungen anrichten, sie perforiren den weichen Gaumen, nagen die 
Gaumenpfeiler an und gehen selbst auf die Schleimhaut des Kehl- 
kopfes über und zerstören unter Umständen die Stimmbänder. Die 
Krankheitserscheinungen, welche dadurch hervorgerufen werden, sind 
sehr heftig und es tritt gar nicht selten* der Tod ein ; besonders 
sollen in Mexico oft fieberkranke Personen von den Fliegen aufge- 
sucht werden; ist es klar, dass durch die Thätigkeit der Fliegen- 
maden die Krankheit nicht gebessert, sondern häufig bedenklich 
verschlimmert wird. Auch in offenen Körperwunden und in dem 
Gehörgange will man die Calliphoralarven gefunden haben. Die- 



110 



selben kommen meist in beträchtlicher Anzahl, bis 150 Stück vor, 
sie werden 16 mm lang und erreichen eine Dicke von 3,5 mm. Die 
Made ist vorn spitz, hinten abgerundet und besitzt an diesem Ende 
2 papillenartige Fortsätze und 2 Stigmenplatten. 

Anthomyia. Blumenfliegen. 

Die Augen stossen beim Männchen zusammen und sind beim 
Weibchen breit getrennt; das Endglied der Fühler ist länglich und 
die ihm aufsitzende Borste gefiedert oder nackt. Die Brust ist ohne 
deutliche Queinath. Der Hinterleib zeigt 4 Ringe, er ist lang kegel- 
förmig, eirund oder kugelig. Es giebt in Europa über 200 Arten, 
deren Weibchen die Eier meist in frischen Dünger ablegen, ausser- 
* dem legen einige Arten ihre Eier an gekochte Gemüse oder kalt- 
gewmrdene Mehlspeisen und von hier aus gelangen junge Maden 
häufig in den Darm des Menschen und den einiger Säugethiere. Im 
Mastdarm rufen sie dann heftiges Jucken hervor und unter Um- 
ständen Darmkatarrhe. Die Larven sind kenntlich durch die gefie- 
derten Rücken- und Seitenborsten, welche an den Segmenträndern 
stehen. Die Athemlöcher liegen auf 2 hervorragenden Athemröhren 
am letzten Körpersegment. Die Fliegen werden 9—13 mm lang. Jgf 

Oestridae. Biesflicgen. 

Die Fühler sind kurz, papillenförmig und liegen in Vertiefungen 
des Kopfes. Der Rüssel ist verkümmert, ja er kann fehlen, oder es 
ist der Mund verschlossen. Die Augen sind klein, das Brustschild 
zeigt eine Quernath. Das Abdomen ist behaart, 4- oder ögliedrig. 
Die Weibchen besitzen eine längere Legröhre und legen ihre Eier 
hauptsächlich in die Nasenlöcher einzelner Wiederkäuer, sowie unter 
die Haut verschiedener Säugethiere und des Menschen. So will man 
in den Nasenhöhlen des Menschen die Larven von Oestrus bovis 
gefunden haben ; ausserdem hat man vermuthet, dass die Larve der- 
selben Fliege auch in der Haut des Menschen vorkommt. Derartige 
Fälle sind besonders aus Surinam und den südamerikanischen Staaten 
bekannt geworden; man muss jedoch stets bei der Annahme solcher 
Angaben sehr vorsichtig sein, denn es ist nicht leicht, die Fliegen- 
larven genau zu bestimmen, und es gelingt nicht immer, aus den 
Larven ausgebildete Insecten zu züchten. 

JDermatöbia. 

Aus dem tropischen Amerika hat man die Larven einer Fliege 
beschrieben, welche in dem Unterhautzellgewebe höherer Thiere 
und des Menschen Vorkommen und daselbst Beulen erzeugen, die 
sogenannten Dasselbeulen, in welchen die Maden heranwachsen. 

JDermatöbia noxialis s. hominis ■ Menschenbiesfliegen. 

Das geschlechtsreife Insect wird 14—17 mm lang. Die Fühler- 
borste ist gefiedert, die Fühler gelb-braun. Der Rüssel ist geknickt 



111 



und eingezogen, die Stirn springt stark vor, sie ist braun schillernd 
und zeigt jederseits einen glänzenden gelben Fleck. Das Rücken- 
schild ist bläulich oder grau, die Beine sind gelb-braun, der Hinter- 
leib stahlblau, unten gelb-braun. Die Flügel sind bräunlich mit 
gelbbraunem Geäder. Die Larven werden 3 cm lang und 8,5 mm 
breit. Das vordere Körperende derselben ist dicker als das hintere. 
Auf dem Rücken finden sich kleinere Erhabenheiten oder klauen- 
artige nach rückwärts gerichtete Vorsprünge. 

Die Fliegen legen ihre Brut in die Haut des Kopfes und 
Rumpfes, des Bauches und des Scrotums ab. Es entsteht an den 
betreffenden Stellen eine Geschwulst, welche sich an einer Stelle 
öffnet, durch welche Oefthung die Athemluft den Larven zugeführt 
wird. Die Geschwulst erreicht im Laufe der Zeit die Grösse eines 
Hühnereies. Ehe die Larven in das Puppenstadium übergehen, 
werden sie wohl die Dasselbeule verlassen und sich ausserhalb des 
Körpers weiter entwickeln. 

Die Dasselbeulen können sich zu bösartigen Geschwüren um- 
wandeln, wenn die Maden in denselben zerquetscht werden und die 
Wunde nicht gründlich gereinigt werden kann. 

Man schützt sich vor dem Ueberfallenwerden durch die Bies- 
fliegen dadurch, dass man am Tage nicht in offenen Zimmern oder 
im Freien schläft oder sich dann wenigstens mit einem Muskitonetz 
umgiebt. 

Aphaniptera. Flöhe. 

Der Körper derselben ist seitlich zusammen gerückt, der Kopf 
abgerundet oder eckig, dem deutlich gegliederten Thorax mit seiner 
ganzen Breite angeheftet; die Fühler sind kurz, 3gliederig und 
liegen in einer kleinen Vertiefung hinter den einfachen Augen. Die 
Mundwerkzeuge dienen zum Stechen und Saugen ; die Oberlippe 
fehlt, die Mandibeln sind am Rande sägeartig gezähnt und liegen 
mit der feinen unpaaren Stechborste in der sogenannten Rüssel- 
scheide, welche aus der 3gliederigen Unterlippe gebildet wird ; neben 
der Unterlippe befinden sich 2 viergliederige Taster und die breiten 
plattenartigen, zugespitzten Maxillen, an denen ebenfalls 4gliederige 
Taster sitzen. Die Brustsegmente sind deutlich getrennt, der Mittel- 
und Hinter- Brustring zeigt die rudimentären Flugorgane in Form 
zweier seitlicher Lappen entwickelt. Die Hinterbeine sind Sprung- 
beine mit starken Schenkeln. Der Hinterleib ist 9gliederig, bei den 
Männchen stark nach oben gebogen. 

Die Flöhe sind im ausgebildeten Zustande stationäre Parasiten 
auf dem Körper vieler Warmblüter, es finden sich bei den ver- 
schiedenen Thieren verschiedene Floharten , welche zwar vorüber- 
gehend andere Warmblüter befallen können, sonst aber stets wieder 
auf ihre bestimmte Art zurückgehen. 

Pulex irritans. Der Menschenfloh. 

Das Männchen wird 2 — 2,5 mm, das Weibchen 3—4 mm lang, 
der Kopf ist ohne Stacheln, ebenso der Rücken des Brustabschnitts. 



112 



Die Hinterrändel' der Brust- und Hinterleibssegmente sind mit Reihen 
steifer, rückwärts gerichteter Haare besetzt. Das Hinterleibsende 
des Männchens ist nach aufwärts gerichtet und enthält den stark 
behaarten, kegelförmigen Copulationsapparat. Das 9. Abdominal- 
segment des Weibchens besitzt einen oval geformten Kamm, an 
dessen hinterem Rande 2 mit Borsten besetzte Zapfen hervorspringen; 
ventral liegen an demselben Leibessegment 2 cylindrische Bauch- 
schienen, welche gleichfalls mit Borsten besetzt sind. Die Ge- 
schlechts- und Aftermündung liegt am hinteren Rande des achten 
Segments. 

Von dem häufig in Zimmern vorkommenden Hundefloh unter- 
scheidet sich der Menschenfloh sehr leicht dadurch, dass ihm die 
dem ersteren eigenen Chitinkämme am Kopfe und am Rückentheile 
der Brust fehlen. 

Das Weibchen des Flohes legt ungefähr 12 Eier in die Dielen- 
ritzen und besonders in jene, welche durch den Urin der Kinder 
feucht gehalten werden. Die Eier sind oval, tonnenförmig, an den 
Polen abgeflacht, 0,7 — 0,8 mm lang und von weisser Farbe, an 
beiden Ei-Polen findet sich ein Mikropyl- Apparat, welcher aus zu- 
sammen ca. 100 Kanälchen gebildet wird. Nach Verlauf einer Woche 
entwickelt sich aus den Eiern eine kleine Larve, welche einen etwas 
abgeflachten, 13gliederigen Körper besitzt ; Füsse und Augen fehlen. 
Der erste Leibesabschnitt bildet einen mit 2 kurzen Fühlern be- 
setzten Kopf; die Mundwerkzeuge bestehen aus Ober- und Unter- 
lippe, aus einem Paar keilförmigen, an der Innenseite mit 5 Zähnchen 
versehenen Mandibeln und 2 plattenartigen, gezähnelten Maxillen, 
an denen 2gliederige Taster angeheftet sind. Die Körpersegmente 
sind behaart, das letzte Segment trägt ventral 2 Stacheln, — das 
2. und 11. jederseits 1 Stigma. Die Larven nähren sich von ver- 
schiedenen, in den Bodenritzen liegenden Substanzen; nach 11 Tagen 
spinnen sie sich in einen Cocon ein, in welchem die weisslichen Puppen 
nach weiteren 11 Tagen zum ausgebildeten Floh heranreifen. 

Bei der Begattung schiebt sich der männliche Floh unter den 
Körper des Weibchens, so dass die Rückenseite des ersteren an der 
Bauchseite des letzteren liegt. 

Gutes Durchlüften der Zimmer und Reinlichkeit, sowie das Aus- 
streuen von Insectenpulver hält die Flöhe von den Wohnungen fern. 

Sarcopsylla penetrans. Der Sandfloh. (Taf. VI, Fig. 17). 

Der Körper wird 1 — 1,2 mm lang, der Kopf ist nach vorn ge- 
neigt, die Fühler 3gliederig und fein behaart. Die Maxillen sind 
klein, die Mandibeln am Rande stark gesägt, die Zunge am Rücken 
mit 3 kleinen Zähnen versehen, der Hinterleib ist eirund und dehnt 
sich bei den befruchteten Weibchen bis zur Grösse einer kleinen 
Erbse aus (Fig. 17). Die Männchen und auch die nicht befruch- 
teten Weibchen saugen, wie der gemeine Floh, das Blut verschie- 
dener Warmblüter und des Menschen, wenn aber das Weibchen 
befruchtet ist, bohrt es sich mit dem Oberkörper tief in die Haut 



113 



des Menschen oder der Thiere ein, worauf der Hinterleib bald an- 
scbwillt und reife Eier enthält. Die letzteren werden von Zeit zu 
Zeit aus dem Leibe herausgesckleudert, und wenn die letzten ab- 
gelegt sind, so stirbt das Weibchen und fällt von dem Körper des 
Wirthes ab. In der Erde, in Holzritzen u. s. w. entwickeln sich aus 
den Eiern die Larven, welche zunächst weiss, dann grau sind. Das 
letzte (13.) Körpersegment besitzt oben eine kleine und unten zwei 
grössere Papillen, welche zur Locomotion dienen. Nach 10 Tagen 
ungefähr spinnen sich die Larven in einen gelben Cocon ein, nach 
weiteren 10 Tagen schlüpfen aus den Puppen die fertigen In- 
secten aus. 

Die Störungen, welche das Sandflohweibchen in der Haut des 
Menschen hervorbringt, sind nicht schwerer Art. Es können aller- 
dings mehrere Hundert Sandflöhe auf einem und demselben Indivi- 
duum schmarotzen und dann leichte locale Hautentzündungen 
hervorbringen, entfernt man aber den Sandfloh durch vorsichtiges 
Ausheben mit einer Nadel, so hat die hinterlassene Wunde, wenn 
sie einigermassen rein gehalten wird, keine weitere Bedeutung. 
Wird indessen der Hinlerleib des Sandflohes abgerissen und bleibt 
der Vorderkörper in der Wunde zurück oder wird die Wunde nicht 
genügend gereinigt, so können sich allerdings locale Geschwüre 
und stärkere Haut-Entzündungen bilden, welche bei den hohen 
Temperaturen, die in den Tropen herrschen, hin und wieder zur 
Entstehung von Brand führen können. Der Sandfloh bewohnt das 
centrale Amerika, ungefähr vom 30. Grad nördl. Breite. Nach Afrika 
ist er von Amerika verschleppt worden. Man schützt sich vor dem 
Sandfloh am einfachsten durch Bestreichen der Füsse mit Peru- 
balsam. 



Sporadisch auf dem Menschen parasitirende Insecten. 

Eine grosse Anzahl jener Kerfe, welche auf dem Körper der 
höheren Säugethiere Blut saugen, geht auch unter Umständen auf 
den des Menschen über, so z. B. mehrere aus der Gruppe der 

Pupipara. 

Der Brustabschnitt der Pupiparen stellt einen vollkommen ver- 
schmolzenen Brustkasten dar, an dem sich ein Paar Flügel und ein 
Paar Schwingkölbchen befinden. Die Flügel können fehlen, rudi- 
mentär sein oder nach einiger Zeit abgeworfen werden. Der Hinter- 
leib ist breit und häutig abgeflacht. Die Eier kommen in einer 
Uterus-ähnlichen Scheide zur Entwickelung; die Larven wachsen an 
derselben Stelle heran, werden dann abgelegt und verpuppen sich 
kurz nach der Geburt. Diese Thiergruppe ist also nicht, wie der 
Name sagt, puppengebärend. Die ausgebildeten Insecten schma- 
rotzen wie die Läuse auf dem Körper der Warmblüter und einiger 
Insecten. 

8 



Melophagus ovinus. Die Schaf zeche. 

Der flügellose Körper derselben ist ungefähr 4 mm lang. Der 
Kopf ist breit und besitzt seitlich ein Paar schmale Augen. Der 
Brustabschnitt ist etwas schmäler als der Kopf. Der Hinterleib ist 
breit, ungegliedert, mit Haaren und Borsten besetzt und von roth- 
bräunlicher Farbe. Der Säugrüssel ist beinahe so lang als der 
Kopf. Die Beine sind kurz und dick. Die Zecke lebt besonders auf 
Schafen. 

Hippolosca equina. Die Pferdelausfliege. 

Sie besitzt 2 Flügel, breite Brust von kreisrunder Form; der 
Säugrüssel ist kurz und stumpf; die ungefähr 7 mm langen Thiere 
sind glänzend rostgelb mit braunrother Brustscheibe; die 2zähnigen 
Fussklauen sind schwarz. 

Lipoptena cervi. Die Lausfliege des Wildes. 

Diese Art geht ebenfalls dann und wann auf den Menschen 
über. Die viereckige, vorn abgestutzte Brust ist schmal und trägt 
2 an der Wurzel abwerfbare Flügel. Der Kopf besitzt ausser den 
Facetten -Augen ein Paar Nebenaugen. Auf der Haut des Wildes 
leben die ungeflügelten, auf Vögeln die geflügelten Insecten, die 
letzteren wurden als ornithobia pallida beschrieben. 

Ornitliomyia avicularia. Die Vogellausfliege. 

Der Kopf zeigt 3 Nebenaugen und einen kurzen Säugrüssel, 
die Brust ist quer und umfasst jederseits den Kopf etwas; sie be- 
sitzt ein Paar nicht abwerfbare, den Körper an Länge überragende 
Flügel. Die Färbung ist rostbraun, die des Hinterleibes grünlichgelb. 



M tuscaria. 

Stomoxys calcitrans. Stechfliege. 

Der Körper derselben ist dem der Stubenfliege ähnlich, jedoch 
ist der Rüssel fadenförmig, horizontal vorstehend, an der Basis ge- 
knickt. Die Fühler tragen eine Rückenborste. Der Hinterleib ist 
4gliederig. 

Anthomyia meteorica. Die Gewitterfliege. 

Sie ist eine Verwandte der schon oben beschriebenen Blumen- 
fliegen. 

Tany stomata. 

Zu dieser Gruppe gehören die Raubfliegen, die Stiletfliegen, 
Bremsen, Waffenfliegen u. s. w. 

Asilus cräbroniformis. Die hornissenartige Paul) fliege. 

Der Körper ist kräftig, langgestreckt. Der Rüssel kurz, hori- 
zontal vorgestreckt, die Maxillen sind messerförmig, die Unterlippe 



115 



hornig, ein unpaares starkes Stechorgan ist vorhanden. Der Hinter- 
leib ist walzig, Sgliederig. 

Chrysops coccutiens. Die blinde Bremse. 

Die im Sommer häufige, ungefähr 8 mm lange Fliege geht 
öfters auf den Menschen über. Der Kopf ist halbkreisförmig und 
liegt der Brust eng an; die grossen Augen sind schön grün-goldig 
glänzend; die Mandibeln sind scharf messerförmig, nur beim Weib- 
chen ausgebildet, die Maxillen sind stabförmig, die Taster Sgliederig; 
die halb röhrenförmige Oberlippe dient als Saugapparat. Der Hin- 
terleib ist 8gliederig. Die Flügel werden im Ruhen dachförmig 
angelegt. Die Farbe des Leibes ist dunkel, Männchen und Weib- 
chen sind jedoch verschieden gefärbt. Der Stich dieser, besonders 
die Badenden gern überfallenden Bremsen ist ziemlich empfindlich. 
Es entsteht an der Stelle, wo die Bremse gesaugt hat, eine oft 
mehrere Tage andauernde Palpel, welche lästig wird, wenn Klei- 
dungsstücke auf ihr hin- und herreiben. 

Hctematopoda pluvialis. Die Rcyenbremse. 

Der Körper der ungefähr 9 — 10 mm langen Bremse ist grau. 
Die Brust mit weisslichen Striemen, der Hinterleib mit ebensolchen, 
sowie mit Punktreihen und Einschnitten versehen. Die Flügel liegen 
im Ruhen dem Körper dachförmig an. Die Fliege, welche im Sommer 
sehr gemein ist, überfällt besonders bei aufziehenden Gewittern den 
Menschen und sticht ziemlich empfindlich. 



Jene Fliegen, welche im Sommer so häufig den Menschen mit 
Leichengift inficiren, sind noch nicht alle genau bekannt geworden, 
jedenfalls sind es aber kleinere Stechfliegen, welche entweder an 
faulendem Aas gesogen haben, oder welche sich vom Blute kranker 
Thiere nährten. Dass z. B. der Milzbrand durch die auf dem Körper 
der Wiederkäuer schmarotzenden Stechfliegen verbreitet wird, ist 
in mehreren Fällen constatirt worden. 



Wemocera • Zweiflügler. 

Diese Zweifüssler, zu denen die verschiedenen Mückenarten 
•gehören, sind von zartem, schlankem Körperbau; die Fühler sind 
vielgliederig, beim Weibchen mit einzelnen Borsten besetzt, beim 
Männchen oft buschig; der Rüssel kurz und fleischig und häufig 
mit Stechborsten bewaffnet. Die Weibchen vieler Arten saugen 
Blut und können häufig, besonders wenn sie zahlreich Vorkommen, 
zur Landplage werden ; die gefürchtetsten derselben sind die Mus- 
kito, welche verschiedenen Familien angehören und die von den 
Tropen bis hinauf in die Polargegenden Menschen und Thieren 
äusserst lästig werden können. 



8 * 



116 



Bibionidae. 

Simulia pertinax. Die amerikanische Schwarzfliege. 

Sie ist einer der berüchtigtsten Muskitos in Südamerika. Der 
Körper ist fliegenähnlich, die Fühler sind kurz und llgliederig, die 
Oberlippe ist spitz, dolchförmig. Die Weibchen saugen Blut und 
kommen oft in grossen Schwärmen vor. 

In diese Familie gehört auch die Kolumbaczer Mücke, Simulia 
columbacschensis , welche in colossalen Schwärmen in Ungarn vor- 
kommt, hier die Viehheerden überfällt und oft den Tod der Thiere 
herbeiführt. 

Culicidae. Stechmücken. 

Culex pipiens. Cremeine Stechmücke. 

Diese bei uns häufige Art wird bis 6Va mm lang. Der Rüssel 
ist lang, hornig, vorgestreckt und mit 6 Stechborsten ausgerüstet; 
die Fühler sind 14gliederig, beim Weibchen mit kurzen Borsten 
besetzt, beim Männchen auf 2 Seiten dicht federbuschartig behaart. 
Die Weibchen saugen häufig am Menschen und andern Warmblü- 
tern. Mücken kommen besonders in nasseu Jahren in der Nähe der 
Sümpfe und Gewässer vor, in denen ihre Larven zur Entwickelung 
gelangen. Im Norden von Europa sollen sie vielfach bis über den 
72. Grad hinaus in ungeheuren Mengen auftreten. 

Culex annulatus. 

Diese Mücke ist 2 mm grösser, als die vorhergehende. Die 
Flügel sind mit 5 Punkten ausgestattet, die Beine weiss geringelt. 

Ausserdem gehen Culex mölestus, C. trifurcatus , C. plumicoris 
und einige andere Arten gelegentlich auf den Menschen über. Der 
Stich der Mücken ruft in der Haut kleine oft mehrere Tage anhal- 
tende Papeln hervor, die besonders nach Reiben und Jucken schmerz- 
haft und lästig werden können. Tabaksdampf und Bestreichen der 
Haut mit ätherischen Oelen hält die Mücken fern. 



Die Verhütung der durch thierische Parasiten beim 
Menschen hervorgerufenen Krankheiten. 



Nachdem wir also im vorhergehenden Abschnitt den Körper 
und die Entwickelung der thierischen Parasiten kennen gelernt 
haben, welche im Körper des Menschen und auf demselben schma- 
rotzend leben, ist es noch nötliig, einige allgemeine Bemerkungen 
über die durch die Parasiten hervorgerufenen Krankheiten und über 
die Verhütung und eventuelle Heilung derselben anzuschliessen. 

Es ist leider der Fall, dass der praktische Arzt in vielen Fällen 
den im Körper schmarotzenden Thierformen wenig Aufmerksamkeit 
schenkt und das Publikum kann sich nur zu schwer daran ge- 
wöhnen, dem Arzte volles Vertrauen eutgegen zu bringen, viel lieber 
macht es bei jenen, zahlreich das Land durchziehenden Bandwurm- 
doctoren eine oft sehr zweifelhafte Kur durch. Der Arzt wird aber 
mehr, als dies bisher geschehen ist, den durch eingewanderte Orga- 
nismen hervorgerufenen Störungen Beachtung schenken müssen. 
Ein jedes Jahr zeigt uns ja, dass die verschiedensten Krankheiten 
der inneren Organe und der äusseren Haut mehr, als man es je 
geahnt hätte, durch Mikroorganismen oder durch höher organisirte 
Lebewesen hervorgerufen werden. Es kann nicht blos die Arbeit 
einer verhältnissmässig geringen Anzahl von Forschern hinreichend 
sein, um uns über die Entstehung vieler Krankheitsformen, über 
den Verlauf derselben, über die Behandlung event. Heilung Auf- 
schluss zu geben, es wird auch vom praktischen Arzte verlangt 1 
dass er mit helfe die Wissenschaft zu fördern und dass er durch 
eine ruhige, objective Darstellung dessen, was er in seiner Praxis 
erlebte, mehr und mehr Licht in jenes noch dunkele Gebiet von der 
Entstehung der Krankheiten bringe. 

Jener alte medicinische Satz, dass es leichter sei, Krankheiten 
zu verhüten, als Krankheiten zu heilen, gilt im vollen Umfange bei 
den durch die Einwanderung von Parasiten im Körper hervorge- 
rufenen Störungen. Wie manches schwere Gehirn- und Augenleiden 
wäre verhütet worden und würde verhütet, wenn man die Anwesen- 
heit der Taenia solium im menschlichen Körper nicht so leicht 
nehmen wollte. Wie viel Fälle von Echinococcus -Kranken würden 
nicht vorhanden sein, wenn der Hausarzt in jenen Familien, wo er 
die Behandlung übernimmt, auf die Gefahr hingewiesen hätte, welche 



118 



das intime Zusammenleben von Hund und Mensch mit sich bringt- 
Ein Wort der Ermahnung von Seiten des Arztes wirkt bei dem 
Laien bekanntennassen hundertmal mehr, als die besten Artikel 
aus der Feder eines bedeutenden Forschers. In der Familie, Ge- 
meinde und Staat kann durch den Einfluss entschiedener Aerzte 
viel, viel Unglück verhütet werden. Ebensogut, wie von Seiten des 
Staats gegen heranrückende Epidemien mit Erfolg vorgegangen 
wird, ebenso könnte auch mit mehr Nachdruck gegen die durch 
Parasiten hervorgerufenen Krankheiten vorgegangen werden , da- 
durch, dass eine zweckmässigere Schlachtordnung und Fleischbe- 
schau eingeführt würde und der Viehzucht von Seiten des Staats 
mehr Beachtung, als dies bisher geschehen, geschenkt würde. Das 
Halten aller Luxushunde sollte derartig erschwert werden, dass die 
Gefahr einer Infection durch dieselben sich auf ein Minimum ver- 
minderte. 

Es wird im Grossen und Ganzen von Seiten der Sanitätspolizei 
nur äusserst wenig gethan, um das Umsichgreifen der durch höhere 
Parasiten erzeugten Krankheiten zu verhindern, meist glaubt die 
Polizeiverwaltung, ein Uebriges gethan zu haben, wenn sie die 
Trichinenschau einführt und von Zeit zu Zeit controllirt. Die Fleisch- 
untersuchung wird da in die Hände vollständiger Laien gegeben, 
welche nebenbei noch einen anderen Beruf haben, man verlangt 
dann von einem solchen Fleischbeschauer, dass er des Tags bis 20, 
ja bis 30 Schweine untersuchen soll. Der Schlächter schickt sein 
Fleisch des Nachmittags oder des Abends ein und möchte am an- 
dern Tage die geschlachteten Thiere gern verkaufen, der Fleisch- 
beschauer betreibt seinen Beruf daher fabrikmässig, um den an ihn 
gestellten Anforderungen genügen zu können. Ich bin selbst Zeuge 
gewesen, wie die gesammte Familie eines Optikers Abends bei 
Lampenlicht mit mangelhaftem Mikroskop Trichinen suchte, ich ver- 
suchte selbst zu controlliren, vermochte jedoch nur zu constatiren, 
dass jede Untersuchung geradezu unmöglich war. Die Trichinen- 
untersuchung gehört nicht zu den leichtesten und selbst der ge- 
übteste Fachmann wird sich hüten, ein Schwein nach einer solchen 
Untersuchung, wie sie in der Regel ausgeführt wird, für trichinen- 
frei zu erklären, ja er wird' auch nach genauer, stundenlanger 
Untersuchung nicht im Stande sein, eine durchaus sichere Erklä- 
rung abzugeben. Finden sich nun einmal nach vorhergegangener 
Untersuchung Trichinen in verkauftem Schweinefleisch vor, so wird 
der betreffende Fleischbeschauer meist sehr empfindlich bestraft, 
trotzdem ihm wohl die geringste Schuld zukommt. Der praktische 
Arzt kann überall auch nach dieser Seite hin einen grossen Einfluss 
ausüben, denn es fehlt den massgebenden Persönlichkeiten leider 
an dem nöthigen Verständniss für die Sache und es wird der Rath 
des Mediciners sehr häufig direct gefordert, meist aber auch ohne 
Weiteres dankbar angenommen. Jene jahrelangen Untersuchungen 
über die Entwickelung der verschiedenen Parasiten der Hausthiere 
und des Menschen, werden, trotzdem sie von hochbedeutenden Ge- 
lehrten ausgeführt worden sind, nach ihrem praktischen Werthe 



119 



nur wenig beachtet. Als Beweis für die Richtigkeit dieses will ich 
nur folgendes Beispiel anfühl en: Schon vor längeren Jahren gelang 
es dem berühmtesten unserer Helminthologen, dem Professor 
Leuckart in Leipzig den auf Seite 41 erwähnten Zwischenwirth von 
Distoma hepaticum zu finden — von jenem furchtbaren Parasiten, 
welcher die Yieheerden ganzer Länderdistrikte in oft kurzer Zeit 
zum grössten Theil vernichtet und dem Staate dadurch ein Ver- 
mögen entzieht, welches nach vielen Millionen Thalern zu berechnen 
ist — aber bis zum heutigen Tage hat der Staat sich noch nicht ver- 
anlasst gefühlt, energische Schritte zu thun, um die Vermehrung 
des Leberegels auf ein Minimum zu beschränken. 

Wenn wir die in dem ersten Abschnitt kurz behandelte Lebens- 
geschichte der in dem Menschen schmarotzenden niederen Thiere 
betrachten, so werden wir auf den ersten Blick gewahren, dass es 
besonders die Hausthiere sind, von denen der Mensch seine Para- 
siten bezieht, dass weiterhin nicht genügend gereinigte Nahrungs- 
mittel und das Trinkwasser die Stoffe sind , durch welche ebenfalls 
eine grössere Anzahl ähnlicher Parasiten dem Organismus zugeführt 
werden, es muss daher diesen die grösste Beachtuug sowohl von 
Seiten des Arztes als von Seiten dor Sanitätspolizei geschenkt werden. 
Unter den Hausthieren stehen, was die Gefährlichkeit anlangt, der 
Hund und das Schwein obenan. Ersterer beherbergt eine ganze 
Reihe von Parasiten, welche auf den Menschen übergehen können 
und der gefährlichste derselben ist die kleine, leicht zu übersehende 
Taenia echinococcus. Wenn also in einer Familie Leberleiden auf- 
treten, so hat sich der Arzt davon zu überzeugen, ob eine Infection 
mit ebengenannter Taenia stattgefunden haben kann. An eine 
Therapie ist bei dem betreffenden Patienten nur selten zu denken, 
wohl aber können weitere Infectionen leicht durch Beseitigung der 
Hunde verhütet werden. Die übrigen Parasiten des Hundes haben 
für den Menschen eine geringere Bedeutung, indem sie höchstens 
in und auf dem Körper desselben durch ihre Anwesenheit geringere 
Beschwerden hervorrufen können. Das Schwein beherbergt die 
Taenia solium im Finnenzustande und sollte es den Fleischern poli- 
zeilicherseits direct verboten werden, finniges Schweinefleisch zu 
verkaufen oder zu frischer Wurst zu verarbeiten. Es ist darauf 
hinzuwirken, dass in grösseren Städten durch Anlage von Schlacht- 
häusern, in kleineren Städten und bei Landfleischereien durch strenge 
polizeiliche Controlle eine Uebertragung der Schweinefinne im lebenden 
Zustande möglichst vermieden wird. Finniges Schweinefleisch darf 
als Fleisch geringerer Qualität, wenn es gut gepökelt oder heiss 
geräuchert oder ordentlich durchgekocht zu Wurst verarbeitet wird, 
zum Verkauf zugelassen werden. Jene Conservirung des Fleisches, 
wie sie von vielen, besonders grossen Schlächtereien geübt wird 
und die nur in einem Ueberstreichen der Fleisch- und Wursttheile 
mit Holzessig besteht, sollte aufs strengste verboten werden. Es 
würde sich dies wohl durchführen lassen, wenn die Aerzte ent- 
schiedener gegen die Fleischer sowohl, als auch gegen die laxen 
Polizeiverordnungen aufträten. Dies ist um so mehr nötjrig, als der Arzt 



120 



nach geschehener Infection dem Auftreten der Krankheitserschei- 
nungen u. s. w. gegenüber ziemlich hilflos dasteht. 

Als einen weiteren gefährlichen Parasiten beherbergt das 
Schwein die Trichine und um deren Ausbreitung möglichst zu ver- 
hüten ist es nicht allein nötliig, dass die Trichinenschau besser 
organisirt wird, sondern es müsste gegen Fleischer und Abdeckerei- 
besitzer eine Anzahl von Verordnungen erlassen werden, welche die 
Infection der Schlachtschweine mit Trichinen möglichst unterdrückte. 
In Schlächtereien und Abdeckereien sollte das Halten von Haus- 
schweinen vollständig untersagt sein, die Cadaver crepirter Schweine 
sollten niemals verscharrt, sondern durch Ueberfülirung an Seifen- 
und Leimsiedereien vollständig unschädlich gemacht werden. 

Die Rinderfhine, welche im Körper des Menschen zur Taenia 
saginata heranwächst, ist im geschlachteten Thiere nur schwer im 
Muskelfleische zu beobachten. Sie wird glücklicherweise auch nicht 
so verhängnissvoll für den Menschen, wenn sie in dessen Darm zur 
weiteren Entwickelung gelangt, sie ist bloss deshalb so sehr unan- 
genehm, weil der aus ihr entstehende Bandwurm äusserst schwer 
zu entfernen ist. 

Mit rohem Obst, Salat u. s. w. werden eine Reihe Parasiten 
in den menschlichen Körper übergeführt, welche wie der Spulwurm 
und der Pfriemenschwanz häufig grosse Beschwerden im Körper des 
Menschen hervorrufen können und es hat der Arzt darauf hinzu- 
wirken, dass beim Genüsse der genannten Speisen mit grösserer 
Vorsicht verfahren wird. Die peinlichste Reinlichkeit in Küche und 
Keller wird manche Infection verhüten. 

Auch dem Trinkwasser ist die nötkige Beachtung zu schenken, 
da durch dasselbe die meisten der Protozoen, dann aber auch eine 
grosse Anzahl höherer Parasiten gelegentlich in den Körper des 
Menschen gelangen. Gut filtrirtes oder wenigstens ausgekochtes 
Wasser ist an jenen Orten zu Trinkwasser zu wählen, an welchen 
Infectionen mit den im Wasser vorkommenden Parasiten häufig 
sind. Die am Schlüsse beigegebenen Tabellen werden eine schnelle 
Orientirung über die hier behandelten Fragen ermöglichen. 

Während viele der sogenannten Mikroorganismen durch die 
Strömungen der Luft von einem Individuum auf das andere über- 
tragen werden, hat man eine solche Uebertragung der höher orga- 
nisirten nicht zu befürchten. 

Schliesslich sei noch erwähnt, dass die Parasiten vom Menschen 
direct auch wieder auf den Menschen übertragen werden können, 
wie dies haupsächlich bei dem auf Seite 60 besprochenen Pfriemen- 
schwanz der Fall ist. Es hat also der Arzt in solchen Fällen auch 
der directen Umgebung des Patienten, den Angehörigen desselben, 
dem Dienstpersonal und den mit ihm in näheren Beziehungen 
stehenden Personen, seine Beachtung zu schenken und sich davon 
zu überzeugen, ob nicht fortwährend neue Infectionen von den ge- 
dachten Seiten aus möglich sind. Der Cysticercus cellulosae kann 
ebenfalls durch den Menschen auf den Menschen übertragen werden. 



Die Therapie der durch die Parasiten veraniassten 

Krankheiten. 



Um den Störungen, welche die Parasiten im Organismus des 
Menschen hervorrufen, event. entgegentreten zu können ist esnöthig, 
dass sich der Arzt zunächst von der Anwesenheit der Parasiten 
überzeugt, es genügt hier absolut nicht nur etwaige mündliche An- 
gaben der Patienten zu beachten, sondern es ist Schuldigkeit des 
Arztes, sich auf alle Fälle möglichst genau über die. anwesenden 
Parasiten zu orientiren und die Patienten zu veranlassen, etwaige 
abgehende Bandwurmglieder oder sonst nach aussen gelangende 
Parasiten aufzuheben und dieselben, Zwecks einer gründlichen Unter- 
suchung, dem behandelnden Arzte zu übermitteln. In vielen Fällen 
wird es auch nöthig sein, dass der Arzt das Blut, den Urin oder 
die Fäces der Patienten einer eingehenden mikroskopischen Unter- 
suchung unterwirft, denn sehr häutig sind es nur die Eier der Para- 
siten oder die junge Brut derselben, welche nach aussen gelangen 
und für die Diagnose von Werth sein können. Bei den Echino- 
coccusgeschwtilsten wird man eine Punktion mit dem Troikart dann 
vornehmen, wenn die Geschwulst dicht unter der Oberhaut liegt, 
der ausfliessende Cysteninhalt ist einer mikroskopischen Unter- 
suchung zu unterwerfen, denn nur dann, wenn sich Theile der 
Echinococcusblase (Membran, Köpfchen oder Haken) bestimmt nach- 
weisen lassen, ist die Diagnose eine absolut sichere. Bei der Tri- 
chinose kann man während der ersten Stadien in den Fäces und 
event. in dem Erbrochenen vereinzelte Darmtrichinen oder ganz 
junge Brut derselben nächweisen. Die Muskeltrichine wird man 
nur sicher diagnosticiren können, wenn kleine Theile der schmer- 
zenden Muskeln .durch einen kurzen Längsschnitt frisch ent- 
nommen und mikroskopisch untersucht werden. Ueber Parasiten 
im Auge wird der Augenspiegel meist sichere Auskunft geben und 
über jene Parasiten, welche den Nasen- und Rachenraum, den Schlund 
und Kehlkopf überfallen, kann man sich durch die Anwendung von 
Nasen- und Kehlkopfsspiegeln Aufschluss verschaffen. Parasiten, 
welche unter der Haut oder in derselben ihren Wohnsitz aufge- 
schlagen haben, sind vermittelst leichter Operationen oder, z. B. 
die Krätze, unter Zuhilfenahme der Loupe zu diagnosticiren. Am 



122 



unsichersten ist die Diagnose, wenn Krankheitserscheinungen im 
Centralnervensystem auftreten, in solchen Fällen muss man ver- 
suchen , ob man nicht von anderen günstiger gelegenen Körper- 
theilen (Augenkammer, Oberhaut) auf die Anwesenheit bestimmter 
Parasiten schliessen kann. 

Bei operativen Eingriffen hat man verschiedenes zu beachten; 
dass eine jede Operation möglichst nach allen Regeln der Antisepsis 
ausgeführt wird, braucht wohl kaum noch erwähnt zu werden. Bei 
der Operation hat man sich nun streng davor zu hüten, etwaige 
Theile des Parasiten im Körper zurückzulassen. Die Echinococcen 
und die Cysticerken müssen unter Umständen auf operativem Wege 
entfernt werden, es ist von dem behandelnden Arzte dabei folgende 
Regel zu beobachten. 

Wenn ein Cysticercus in der Augenkammer vorkommt, so ist 
es meist nur vermittelst einer Durchschneidung der Cornea oder 
der Sclerotica möglich, den Cysticercus zu entfernen, man hat da- 
bei aber möglichst darauf Rücksicht zu nehmen, dass die Schwanz- 
blase, welche an dem Halstheil des Bandwurmkopfes sitzt, nicht 
verletzt werde und ihren Inhalt in das Innere des Auges ergiesst, 
es wird daher gut sein, den Cysticercus zu fixiren und den Inhalt 
der Blase mit einer Pravatz’schen Spritze auszusaugen. Ergiesst 
sich der Inhalt in das Augeninnere, so werden meist Entzündungen 
der inneren Augentheile, event. Trübungen und Zerstörung der- 
selben die Folge davon sein. Auch bei dem Oeffnen der Echino- 
coccusblase hat man möglichst vorsichtig zu verfahren, denn wenn 
sich der Inhalt derselben in die innere Körperhöhle ergiesst, so 
werden durch die weiter geschlämmten organischen Theile des 
Blaseninhalts Entzündungen des Bauch- resp. Brustfelles hervorge- 
rufen werden. Gerade durch die Anwesenheit von organischen De- 
tritus in den Körperhöhlen werden eine grosse Anzahl von Ver- 
änderungen der diese Höhlen auskleidenden Schichten hervorgerufen. 
Während reine Gold- und Silberplättchen, Graphit- und Kohlen- 
theilchen, Glassplitter, unlösliche Krystalle, eingeriebener Zinnober 
u. s. w. in den meisten Organen des Körpers abgelagert werden können, 
ohne dass sie schwerere entzündliche Processe hervorbringen, be- 
wirken eingelagerte organische Fremdkörper allerhand pathologische 
Veränderungen. Es bilden sich dort, wo organische Theilchen zur 
Ablagerung gelangten, sehr leicht Bindegewebswucherungen und 
eiteriger Zerfall der umliegenden Gewebe, sowie immer weiter um 
sich greifende Entzündungen. So werden sich auch, wenn der In- 
halt einer Echinococcus -Blase in die Bauchhöhle gelangt, meist 
die Symptome einer mehr oder minder hochgradigen Peritonitis 
einstellen. Man tb.ut daher gut, bei der Operation die Ränder der 
Blase mit den Wundrändern verschmelzen zu lassen und dann erst 
den Blaseninhalt zu entfernen. Eine Operation wird nur selten 
günstige Resultate liefern, wenn die Echinococcusblase weit im 
Inneren der Bauchhöhle , im Beckenraum oder nach der Pleurahöhle / 
zu liegt. Ebenso ist von einer Operation abzusehen, wenn, wie es 
vorkommt, eine grössere Anzahl von Echinococcusblasen vorhanden 



123 



ist. Da es an dieser Stelle zu weit führen würde, näher auf den 
Gang der verschiedenen Operationen einzugehen, so muss auf die 
wohl jedem Arzte zugängliche Litteratur über die Operationen und 
auf die Darstellungen in Küchenmeisters und Leückarts Parasiten- 
werken hingewiesen werden. 

Jene Parasiten, welche in dem Darmkanal des Menschen Vor- 
kommen, sind unter allen Umständen möglichst schnell und mög- 
lichst gründlich zu entfernen. Ueber die specifische Therapie ist in 
den folgenden Tabellen nachzusehen. 

Es ist hier zu bemerken, dass nicht alle Individuen in gleicher 
Weise geneigt sind, Parasiten längere Zeit zu beherbergen, denn 
es müssen ja auch die Theile eines Parasiten, welche in den Magen 
des Menschen gelangen, meist erst gewisse Umformungen erfahren, 
ehe aus ihnen Individuen hervorgehen, welche sich in dem Darm- 
kauale festsetzen können, so müssen z. B. die Kapseln der Cestoden- 
linnen erst vollständig gelöst werden und längere Zeit im Darm 
verharren, ehe sich die Köpfchen anheften können. Von 3 Indivi- 
duen, welche mit demselben finnigen Rindfleische inficirt waren, be- 
kam nur eins einen Bandwurm, während in den beiden anderen die 
Finnen nicht zur Ausbildung gelangten, bei den beiden letzteren 
waren niemals Verdauungsstörungen eingetreten, besonders ging die 
Entleerung der Fäces mit Regelmässigkeit vor sich, während das 
erste Individuum an Verstopfung litt. Gleiche Resultate habe ich 
auch bei Uebertragung von reifen Oxyurisweibchen resp. Eiern er- 
langt; bei einzelnen Individuen ist es gar schwierig, die Entwickelung 
grösserer Mengen von Oxyuris im Darm zu veranlassen. 

Es wäre von grosser Wichtigkeit, wenn die praktischen Aerzte 
selbst ein statistisches Material sammeln wollten, aus welchem man 
event. ersehen könnte, wie sich die mit einer grösseren Anzahl 
von Parasiten behafteten Menschen bezüglich ihres Allgemeinbe- 
findens, Verdauung u. s. w. vor und nach der Infection verhalten 
hätten. 










' - 

. 

. 

■ 



• , 




























Tabellen 



enthaltend 

Hauptkeiiiizeiclien der wichtigsten Parasiten des Menschen. 

Torkommen und geographische Verbreitung derselben. 
Zusammenstellung der Krankheiten, erzeugt durch Parasiten. 
Therapie der durch Parasiten erzeugten Krankheiten. 









X 







































■ 










' 

. 



































I. 

Die Krankheiten 

welche durch die Protozoen erzeugt werden. 



Vermuthet man bei einer Krankheit Protozoen in den Organen 
des Körpers, so kann man nur vermittelst eines guten Mikroskopes 
eine vollständig genaue Diagnose stellen. 

Therapie: Die Krankheitsbilder, welche durch die Anwesenheit 
von Protozoen im Körper erzeugt werden, sind noch keineswegs 
genau bekannt, ebensowenig wie es feststehend ist, dass die Arten 
welche man bei den Protozoen gemacht hat, als solche anzuerkennen 
sind. Bis jetzt kennen wir Protozoen nur aus dem Darmkanal des 
Menschen, aus der Harnblase, der Vagina und aus einigen inneren 
Organen; sehr wahrscheinlich wird sich aber über kurz oder lang 
einmal heraussteilen, dass die gesammte Körpermusculatur unter 
Umständen von Protozoen bewohnt sein kann, wie wir es in ähn- 
licher Weise von höheren Säugethieren kennen. 

Solange nun noch nicht das Vorkommen und die pathologische 
Bedeutung der Protozoen genau bekannt ist, solange kann auch 
von keiner rationellen Therapie die Rede sein; sollten sich Proto- 
zoen im Enddarm finden, so werden jedenfalls Klystiere, denen man 
antiseptische Mittel beifügt, wirksam sein. Die Anwendung der 
freien Carbol- und Salicylsäure in solchen Klystieren ist möglichst 
zu meiden; ich habe gefunden, dass das neutrale Ammoniumsalz 
der Carbolsäure in 2procentiger Lösung alle Protozoen zerstört und 
ausserdem, auf die Schleimhäute des Körpers gebracht, keine nach- 
theilige Einwirkung erkennen lässt. Gegen die Protozoen der Vagina 
ist es direct und mit Erfolg anzuwenden und möchte ich als In- 
jectionsflüssigkeit in dieselbe folgende Zusammensetzung vorschlagen: 



Ep. Acid. carbolici 

Acid. muriat. aa 10,00 

Add. Liqu. ammon. 
ad neutralis. 

Natr. chlor. 10,00 



Ds. Wässerige Lösung 3mal täg- 
lich in die Vagina einzuspritzen. 
In den Darm als schleimiges Kly- 
stier. 



Aqu. dest. 1000—2000,00 

An Stelle des Wassers können Gersten- und Haferschleim, Kamillenthee u. a. 
genommen werden. 



Da wir auch noch nicht wissen * auf welche Weise die Infu- 
sorien in den menschlichen Körper gelangen, so lässt sich über die 



Ia 



Prophylaxis nicht viel sagen. — Da es mir bei Kaninchen und 
Mäusen gelungen ist, Amöbeninfectionen im Darm dadurch hervor- 
zurufen, dass ich dem Trinkwasser die in unseren Teichen allge- 
mein vorkommenden Dauercysten der Amöbe beigab, so vermuthe 
ich, dass auch bei Menschen Amöbensporen mit dem Trinkwasser 
aufgenommen werden und im Darm zur Weiterentwickelung ge- 
langen. Als innerliches Mittel gegen die" Protozoen hat man grosse 
Chinindosen und Chininklystiere angeordnet; jedenfalls hat man bei 
der Verordnung von chininhaltigen Arzeneien vorsichtig zu sein, 
weil bei den herrschenden Magen- une Darmkatarrhen Chinin noch 
weniger gut als sonst vertragen wird. N eben Chinin hat man Gerb- 
säure und Salzsäure in Klystieren angewendet. 



II. 


Taenia solium. 


Taenia saginata. 


Taenia 

echinococcus. 


Taenia cucumerina. 


Bothriocephalus 

latus. 


üothriooeph. cor- 
datus u. cristatus. 






Kopf. 


Mit 4 Saugnäpfen u. dop- 

peltemHakenkranz, Durch- 
messer 1,3 mm. 


Mit 4 Saugnäpfen, ohne 
Hakenkranz, Durchmesser 
2,0 mm 


Mit 4 Saugnäpfen u. dop- 
peltem Hakenkranz, Durch- 
messer 0 ; 3 mm. 


Mit 4 Saugnäpfen, Haken- 
kranz auf einziehbarem Ro- 
steilum, Durchmesser 
1,0 mm. 


Mit 2 längsverlaufenden 
Saugnäpfen 
2—2,5 mm lang. 

1,0 „ breit. 


herzförmig, 2 mm breit. 


— 


— 


Anzahl. 


o 

© 

05 

1 

o 

o 

co 


ca. 1200. 


3-4. 


bis 120. 


3000-4200. 


400—600. 


u 

© 


Grösse. 


Die Bandwurmkette bis 
3,5 m. 

reif. Glied 10-12 mm lang. 

5—6 „ breit. 


Die Gliederkette wird bis 
8 m lang. 

reif. Glied 16— 20 mm lang. 

6—7 „ breit. 


Die Gliederkette wird bis 
4 mm lang, 

reifes Glied 2 mm lang. 

7 2 „ breit. 


Länge der Gliederkette bis 
250 mm 

reifesGlied8— 10mm lang, 
ca. 2 „ breit. 


Länge der Kolonie bis 9 m. 
reif.Glied 2,5 —3,5 mm lang. 
10,0-15,0 „ breit. 


3—4 mm lang. 
7—8 „ breit. 


© • 


Geschlechts- 

Öffnungen. 


An den Seiten der einzelnen Glieder, häufig alter- 
nirend gelegen. 


An den Seiten der Glieder. 


Auf beiden Seiten jedes 
Gliedes. 


InderMitte derGliedfläche 
und am oberen Rande des 
Gliedes. 


wie bei B. latus. 


55 


Uterusform der 
reifen Glieder. 


Längsstamm mit 7 — 10 
Paar Seitenästen. 


Längsstamm mit ca. 20 
Paar Seitenästen. 


Nicht deutlich, zieht röh- 
renförmig durch das Glied, 
Seitenäste kurz. 


An beiden Seiten d. Glie- 
des, wenig verzweigt, in 
Form kleiner Säckchen ent- 
wickelt. 


Rosettenförmig in d. Mitte 
des Gliedes liegend. 


Ebenfalls rosettenförmig, 
länger und schmäler als 
bei B. latus. 


Eier. 


Innere Eischale rund, 
Durchmesser 0,036 mm. 
Embryonen 0,02 mm. 


Oval, von derselben Grösse 
wie die der Taenia solium. 


Rund, Durchm. 0,065 mm. 


Rund, Durchmesser 
0,05 mm. 


Oval, mit Deckelchen 
0,07 mm lang. 

0,04 „ breit. 


0,075 mm lang. 
0,05 „ breit . 


ffirtli 


[ d. ausgebildeten 
| Bandwurms. 


Mensch. 


Mensch. 


Hund. 


Mensch, Hund, Katze. 


Mensch, Hund, Katze. 


Hund, Walross, Seehund, 
selten Mensch. 


TYirtli 


| der Finne resp. 

1 Jagendzustände. 


Mensch, Schwein, selten 
bei anderen Hausthipren. 


Das Rindvieh und andere 
Wiederkäuer. 


Mensch und verschiedene 
Haussäugethiere. 


Hundelaus. 


Hecht, Quappe und viel- 
leicht andere Fische. 


Wahrscheinlich Fische. 


Finne. 


ln eine grössere Schwanz- 
blase eingeschlossen, vond. 
Grösse einer Erbse bis zu der 
einer Bohne, selten darü- 
ber. Als Cysticercus cellu- 
losae bekannt. 


Aehnlich gebaut, wie die 
der Taenia solium. 


Köpfchen entwickeln sich 
innerhalb grosser Blasen, 
einzelnes Köpfchen 0,3 mm 
lang. 


Ohne Schwanzblase, 0,3 mm 
gross, Kopf eingezogen, 
sogen. Plerocercoia s. Cy- 
sticercoid. 


Ohne Schwanzblase, 
sog. Plerocercoid. 


Aehnlich der von B. latus. 


Geographische Yer- 
breitnng. 


Ueberall, wo das Schwein 
Hausthier ist. 


In allen Ländern, wo Rind- 
viehzucht betrieben wird. 


Sehr häufig in Island, häu- 
fig : mittleren Europa, Al- 
gier, Egypten, Indien, Au- 
stralien. 


Bei Menschen, soweit be- 
kannt, nur in Europa ge- 
funden. 


Schweiz, Südfrankreich, 
Nordrussland , Ostseelän- 
der, Polen, Holland, Bel- 
gien, sporadisch in Mittel- 
Deutschland. 


Grönland und Island. 



Krankheits- 

Erscheinungen. 



Die Erscheinungen, welche die ausgebildeten Bandwürmer im Körper des Menschen hervorrufen, sind im Grossen und Ganzen bei den verschie- 
denen Arten dieselben. Kräftige Personen werden durch einen oder mehrere Bandwürmer nicht belästigt, während bei Kindern und bei nervösen und schwachen 
Personen die allerverschiedensten Krankheitssymptome auftreten können. Die Wirkungen, welche die Taenia saginata ausübt, sind im Ganzen und Grossen 
heftiger, als die der übrigen Bandwürmer. Die einfachsten Symptome, welche auftreten, sind Yerdauungsbesch werden der allerverschiedensten Art. Uebelkeit, 
Erscheinungen eines leichten Magen- und Darmkatarrh’s, Kolik, oft lang andauernder Brechreiz, ohne dass es zum Brechen selbst kommt, Fehlen des Appetits oder 
Heisshunger; weiterhin können, besonders bei Nervenleidenden, Ohnmacht und Schwindelanfälle, Sinnesstörungen und leichte Krämpfe auftreten; dazu kommt 
dann Herzklopfen, Hysterie, Schwermuth, Dispnoe, ja unter Umstänen vorübergehende Gehirnstörungen und leichte epileptische Zufälle. Häufig ist auch die 
Einbildung mit im Spiele ; Kranke, welche früher einmal am Bandwurm gelitten haben, bilden sich lange Zeit hindurch ein einen solchen zu besitzen ; man hat 
dieses als Hypochondria taeniosa bezeichnet. — Wir sehen, dass es nicht leicht ist, eine scharfe Diagnose zu stellen; der Arzt kann nur nach einer Untersuchung 
abgegangener Glieder, sowie durch Untersuchung der Faeces auf Eier sicher Taenien diagnosticiren. Die Prognose ist bei alleiniger Anwesenheit von nur ausge- 
bildeten Bandwürmern im Grossen und Ganzen günstig, weil mit der Entfernung des Bandwurms auch die Beschwerden aufhören. 

Die Erscheinungen, welche die Jugendzustände der Bandwürmer im menschlichen Körper hervorrufen, sind meist anderer, weit schwererer Art, 
dadurch bedingt, dass der Embryo innerhalb der verschiedenen Organe zu einer grösseren Blase heranwächst, welche durch den Druck, welchen sie auf das neben- 
liegende Gewebe ausübt, in verschiedenen Organen verschieden heftige Störungen hervorruft. Gefährlich ist die Finne der Taenia soliura, der sogenannte Cysti- 
cercus cellulosae und der Jugendzustand der Taenia echinococcus, die oft bedeutende Echinococcen-Blase. Hauptsächlich sind es Gehirn- und Rückenmarks*, sowie 
Leberleiden, welche dabei in Frage kommen. Die Gehirnerscheinungen compliciren sich von den einfachsten bis zu den schwierigsten, einerlei, ob Cysticercen oder 
Echinococcen die Ursache sind. In den Organen der Brust und Bauchhöhle ruft hauptsächlich der Echinococcus verschiedene Störungen hervor. (Vergl. S. 28 u.45). 



Therapie. 



Ausgebildete 

Taenien und Bothrioceplialen. 



Cysticercus cellulosae. 



Taenia echinococcus. 



Gegen die ausgebildeten Bandwürmer sind im Grossen 
und Ganzen überall die gleichen Mittel anzuwenden; zu- 
nächst hat man dafür zu sorgen, dass der Bandwurm ge- 
schwächt werde, was durch leichte Abführmittel, sowie 
durch den Genuss von Häring, Sauerkraut etc. bewirkt wird. 
Ebenso wird der Bandwurm durch den Genuss von Obst, 
dessen Früchte klein und hartschaalig sind (Rosinen, Wein- 
beeren, Stachel-, Johannis- und Preiselsbeeren u. s. w.) oft 
sehr geschwächt, weil die harten Körner dieser Früchte 
den Bandwurm fortwährend reizen und ev. verwunden. Es 
kann niemals genügen, den Bandwurm nur stückweise ab- 
getrieben zu haben, sondern es muss dem Arzt stets darauf 
ankommen, auch den Hals- und Kopftheil zu entfernen. 
Alle die angewandten Wurmmittel sind überflüssig und 
unter Umständen schädlich, bis auf zwei, hier angeführte. 

Granatwurzel. Ein sicher wirkendes Mittel ist eine 
Abkochung der Granatwurzel, vorausgesetzt, dass dieselbe 
frisch ist, alt taugt sie gar nichts. Die Dosis ist je nach 
Alter und Constitution des Patienten zu bemessen 

Wurmfarru Wurzel, Das zweite, sicher wirkende Mittel 
besitzen wir in dem Extracte aus dieser Wurzel, welche je- 
doch echt sein muss und nicht, wie es so häufig vorkommt, 
mit den W urzeln anderer Farrne verwechselt werden darf. 

Neben diesen beiden Mitteln werden noch Cousso, Ca- 
mala, Terpentinöl viel verordnet; Cousso wirkt nicht sicher 
genug, zerstückelt aber den Wurm sehr und erschwert so 
die Auffindung des Kopftheiles. Camala reizt die Darm- 
wandung, wirkt ebenfalls nicht sicher. Terpentinöl ruft 
besonders in den Excretions- Organen Störungen hervor, 
wenn es in grossen Dosen angewandt wird. 

Rp. nach Küchenmeister. 

Extr. rad. Granati quantum adeptum est ex rad. 120,00. 

Aqua dest. ferv. 180,00. 

Extr. filicis maris aeth. 2,00. 

Gummi resinae Gutti 0,2. 

M. S. Nach der Yorkur früh nüchtern 1 Tasse, nach 
3 / 4 Stunde die zweite und event. nach weiteren 2 Stunden 
den Rest. Wenn nach 3 Stunden kein Erfolg erzielt ist, 
lasse man 01. Ricini nachnehmen. 

Wirkt bei Anwendung frischer Präparate sehr sicher! 

Rp. nach Stein. 

Extr. filicis maris aeth. 7,5—10,00. 

Div. in part. aequal. No. 15 — 20. 

Det. ad caps. gelatinös, elast. 

S. Innerhalb */! Stunde zu nehmen. Event, mit Kaffee. 

Kinder 4—6 gr. Extr. f. m. aeth. 

Soll sehr sicher wirken. 



Beim Cysticercus kann es nur in sehr 
wenigen Fällen angezeigt sein, durch directe 
Einwirkung die Finne aus dem Körper des 
Menschen zu entfernen ; in den Muskeln , in 
der äusseren Haut, so wie in den meisten in- 
neren Organen wird man den Cysticercus ruhig 
liegen lassen; in den grösseren Gefässen, im 
Herzen, im Gehirn und Rückenmark kann man 
operativ absolut nicht eingreifen. Die einzige 
Therapie, welche wir anwenden können, be- 
schränkt sich auf die Cysticercen des Auges, 
welche besonders dann unter günstiger Prog- 
nose zu entfernen sind, wenn dieselben in oder 
an den äusseren Theilen des Bulbus, in der 
vorderen Partie der Orbita gelegen sind. Sehr 
schwer oder unter Umständen gar nicht wird 
man die Cysticercen von der Hinterwand des 
Augenbulbus entfernen können. In der vor- 
deren Augenkammer, in der hinteren Augen- 
kammer und im Glaskörper sind die Cysticercen 
ebenfalls von aussen her durch einen Sklero- 
ticalschnitt zu erreichen und unter Umständen 
vollständig zu entfernen, wobei jedoch das auf 
Seite 122 Gesagte sehr zu beachten ist. Liegt 
der Cysticercus in der Netzhaut, so kann man 
die Schwanzblase von aussen her anstechen, 
ihren Inhalt entleeren und so wenigstens den 
Druck mildern , welchen die wachsende Blase 
auf die umliegenden Theile ausüben würde. 
Einen vollständigen Erfolg, d. h. eine Wieder- 
erlangung der Sehkraft kann man nicht erwar- 
ten. Liegt der Cysticercus noch hinter der Netz- 
haut , so kann man ihn auch höchstens nur 
anstechen und so die wachsenden Beschwerden 
zum Stillstand bringen. 

Durch Medikamente lässt sich niemals auf 
den Cysticercus einwirken. 

Es sei hier nochmals wiederholt, dass es 
durchaus nothwendig ist, die Taenia solium 
aus dem Darm so schnell als möglich zu ent- 
fernen, um den Cysticercen- Infectionen mög- 
lichst vorzubeugen. Da man bei Schwangeren 
viele Erkrankungen an Cysticercen fand, so 
hat man bei denselben etwa vorhandene Tae- 
nien ohne Rücksicht auf den Zustand der Be- 
treffenden abzutreiben. 



Die Echinococcen sind unter Umständen gar nicht 
zu entfernen, und uur in den Fällen, wo dieselben 
unter der Bauchdecke liegen, kann man daran denken, 
eine einigermassen erfolgreiche Operation vornehmen 
zu wollen. Es stellt sich im letzteren Falle die 
Prognose aber auch nicht gerade sehr günstig, denn 
man wird nur 70 Procent Heilungen erzielen, im 
Uebrigen aber erfolglos operiren oder den schnellen 
Tod des betreffenden Patienten zu erwarten haben. 
Vielleicht gelingt es uns mit der Zeit noch, die 
Echinococcen in den verschiedenen Organen der Bauch- 
höhle mit günstigerem Erfolg als bisher durch Ope- 
ration entfernen zu können, besonders wenn man 
daran denken kann, die Bauchhöhle ohne grosse Ge- 
fahr zu öffnen und den Echinococcus unter strenger 
Antisepsis vollständig aus dem von ihm befallenen 
Organ auszuschälen. Liegt der Echinococcus der 
Bauchwand an, so hat es sich als am meisten zu- 
verlässig erwiesen, denselben vor der Operation mit 
der Bauch wand zur Verschmelzung zu bringen, was 
nach Simon am besten durch Einführung von 2 oder 
mehreren Troikarts in einem Abstande von 3 — 6 cm 
durch die Bauchdecke in den Ecbinococcensack ge- 
schieht. Ein Theil der Echinococcen-FJüssigkeit wird 
ablaufen gelassen, und je nach der Heftigkeit des 
eintretenden Fiebers und der stattfindenden Entzün- 
dung nach 3—7 Tagen die Incision vorgenommen. 
Die Canülen bleiben selbstredend während der Zeit 
liegen. Man muss versuchen, vermittelst der Haken- 
oder der Schieberpincette die Tochterblasen, sowie 
die Wandung der Mutterblase vollständig zu entfer- 
nen, dabei sich aber vor unnöthigen Verletzungen 
und Reizungen der nebenliegenden Gewebe hüten. 

Die Wunden werden später mit Karbol- oder 
Salicylwasser häufig gereinigt, es bleibt eine Fistel 
und nach 1—6 Monaten kann Heilung erfolgen. Die 
Oberflächen der sich bildenden Granulationen sind 
nach Möglichkeit nicht zu verletzen. 

In vielen Fällen hat man vermittelst des elec- 
trischen Stromes, den man vermittelst eingestochener 
Goldnadeln durch die Oeffnung der Echinococcenblase 
leitete, das Absterben des Echinococcus und Schwund 
der Blase bemerkt. 

Einfache Punktion und möglichste Entfernung 
des Cysten- Inhalts durch den Troikart hat häufig 
Heilung veranlasst, führt aber auch häufig sehr hef- 
tige Peritonitis oder Tod herbei. Um den Echino- 
coccus zum Absterben zu bringen, hat man Injectionen 
von Jodlösnng in die Echinococcenblase empfohlen, 
der Erfolg ist jedoch zweifelhaft. 

































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V. 

Krankheiten, 

welche durch Arthropoden hervorgerufen werden. 



Da die Arthropoden meist auf dem Körper des Menschen 
schmarotzen, so sind die pathologischen Veränderungen, welche sie 
hervorrufen ziemlich gleichartig und können im Zusammenhänge 
hier betrachtet werden. Ebenso sind auch die Störungen, welche die 
Fliegenmaden im Inneren des Körpers veranlassen, im Zusammen- 
hang zu betrachten. 

Die Veränderungen, welche durch die Arthropoden auf dem Körper er- 
zeugt werden. 

Die Milben bohren sich entweder, wie die Krätzmilbe, in die 
Haut ein, oder sie saugen äusserlich durch die Haut das Blut des 
Menschen; in allen Fällen aber erzeugen sie einen mehr oder minder 
heftigen Hautausschlag, welcher entweder durch das Auftreten kleiner 
Pusteln und Quaddeln oder durch die Bildung von Schorfen in ver- 
schiedener Ausdehnung gekennzeichnet ist. 

Die Läuse und Wanzen saugen auf verschiedenen Körper- 
stellen und erzeugen dadurch kleine oder grössere Pusteln oder 
Quaddelu. 

Die Flöhe rufen durch ihren Biss unbedeutende, locale Ent- 
zündungen hervor, das Sandfloh Weibchen wird insofern unange- 
nehmer, als es sich ganz in die Haut einbohrt. 

Die Bies fliegen sollen unter die Haut des Menschen ihre 
Eier ahlegen und dadurch Hautgeschwülste und Geschwüre erzeugen. 

Die Stechfliegen und Mücken rufen locale, leichte Ent- 
zündungen und Quaddeln an den Bissstellen hervor. 

Die in dem Menschen lebenden Fliegenmaden. 

Die wurmähnlich geringelten Maden der im Text nachzusehenden 
Fliegenarten erzeugen je nach der Anzahl, in der sie vorhanden 
sind, mehr oder minder hochgradige Magen- oder Darmkatarrhe; 
sitzen sie in eiternden Wunden der Nasenhöhle oder des Gehör- 
ganges, so können sie hier durch den fortwährenden Reiz den sie 
ausiiben, schwerere Störungen, Geschwürsbildungen u. s. w. hervorrufen. 



Die Therapie ist meist eine sehr einfache. Bei Krätze genügt 
grosse Reinlichkeit, Anwendung von ätherischen Oelen, Benzin, 
Kreosot, Carbolsäure, Perubalsam, Styrax, arsenige Säure ; vor allem 
ist aber Perubalsam und arsenige Säure zu empfehlen. 



Gegen den Stich der Mücken und Fliegen ist mit Vortheil 
Ammoniaklösung auzuwenden. Festsitzende Zecken und Holzböcke 
entfernt man am leichtesten durch Betupfen der Insecten mit 
reinem Oel. 

Etwa entstandene Hautgeschwüre sind ordentlich rein zu halten 
und antiseptisch zu behandeln. 

Gegen Läuse ist vor allen Dingen peinliche Reinlichkeit, Ein- 
reibungen mit grauer Salbe und Anwendung ätherischer Oele zu 
empfehlen; besonders ist das Rainfarrnöl, Oleum tanaceti allen Ar- 
thropoden äusserst widerwärtig und schnell tödtend wirkend. Alle 
ein geriebenen Mittel sind längere Zeit hindurch 
auf dem Körper liegen zu lassen und besonders gilt 
dies von den Schmiermitteln bei den Kr ätzkuren. 

Therapie der durch Fliegenlarven erzeugten Störungen. 

Sind die Larven in dem Magen und Darmkanal, so können sie 
unter Umständen durch Brech- und Abführmittel leicht entfernt 
werden; liegen die Maden in äusseren Hautwunden oder in den so- 
genannten Dasselbeulen, so ist sehr häufig eine Erweiterung der 
Wundöffnung geboten, die Larven sind dann mit der Pincette zu ent- 
fernen und die Wunden rein zu halten. Aus der Nase bekommt 
man die Larven entweder direct durch Extraction vermittelst Pin- 
cette oder man veranlasst sie durch Einblasen von Kalomel, dem 
etwas Kreide beigemischt ist, zur event. Auswanderung. Jedoch hat 
man darauf zu achten, dass sie nicht etwa durch die Choanen hin- 
durch in den Kehlkopf hineingelangen. Aus den Ohren hat man 
die Fliegenmaden häufig dadurch entfernt, dass man während der 
Nacht dem kranken Ohre ein zusammenhängendes Stück faulen 
Käses, in weitmaschiger Gaze eingeschlagen, aufband. Die Maden 
gehen auf den Käse über. Sonst Ausspritzen des Gehörganges. 




Rp. Acid. arsenic. 0,05 

Kali carbonic. 1,00 

Aqu. dest. 1000,00 

Glycerini 30,00 



1000,00 

30,00 



0,05 

1,00 



2 Mal täglich einzureiben. Vorsicht! 



Verzeichniss der Synonymen. 



Reihenfolge der in diesem Werkchen 

1. Taenia solium. 

2. Cysticercus cellulosae. 

8. Taenia saginata. 

4. Bothriocephalus latus. 

5. Taenia cucumerina. 

6. Taenia madagascariensis. 

7. Taenia flavopunctata. 

8. Taenia nana. 

9. Taenia lophosoma und Taenia te- 

nella. 

10. Bothriocephalus cordatus und Bothr. 

cristatus. 

11. Taenia echinococcus. 

12. Taenia coenurus. 

13. Cysticercus acanthotrias. 

14. Monostoma lentis. 

15. Distoma hepaticum. 

16. Distoma lanceolatum. 

17. Distoma oculi humani. 

18. Distoma crassum. 

19. Distoma sinense. 

20. Distoma conjunctum. 

21. Distoma heterophyes. 

22. Distoma haematobium. 

23. Amphistoma hominis. 

24. Ascaris lumbricoides. 

25. Ascaris mystax. 

26. Oxyuris vermicularis. 

27. Eustrongylus gigas. 

28. Strongylus. 

29. Strongylus duodenalis. 

30. Trichocephalus dispar. 

31. Trichina spiralis. 

32. Filaria medinensis. 

33. Filaria loa. 

34. Filaria lentis. 

35. Filaria labialis. 

36. Filaria hominis oris. 

37. Filaria bronchialis. 

38. Filaria trachealis. 

39. Filaria sanguinis. 

40. Anguillula intestinalis. 

41. Echinorhynchus gigas. 

42. Haementaria mexicana. 

43. Hirudo medicinalis. 

44. Hirudo Ceylonica. 

45. Hirudo vorax. 



aufgenommenen Parasiten des Menschen. 

46. Pentastoma taenioides, P. denti- 

culat., P. constrictum. 

47. Acarus folliculorum. 

48. Sarcoptes scabiei communis. 

49. Sarcoptes squamifera. 

50. Sarcoptes minor. 

51. Dermanyssus avium. 

52. Ixodes ricinus. 

53. Ixodes americanus. 

54. Argas reflexus columbarum. 

55. Argas Persicus. 

56. Trombidium (Leptus) autumnalis. 

57. Chrithoptes monunguiculosus. 

58. Cheyletus de Mericourt. 

59. Pediculus capitis. 

60. Pediculus vestimenti. 

61. Phtirius inguinalis s. pubis. 

62. Trichodectes canis. 

63. Cimex lectularius. 

64. Musca domestica. 

65. Musca vomitoria. 

66. Musca caesar. 

67. Musca cadaverina. 

68. Sarcophaga carnaria. 

69. Musca anthropophaga. 

70. Anthomyia. 

71. Dermatobia noxialis s. hominis. 

72. Pulex irritans. 

73. Sarcopsylla penetrans. 

74. Melophagus ovinus. 

75. Hippobosca equina. 

76. Lipoptena cervi. 

77. Ornithobia pallida. 

78. Ornithomyia avicularia. 

79. Stomoxys calcitrans. 

80. Anthomyia meteorica. 

81. Asilus crabroniformis. 

82. Chrysops coecutiens. 

83. Haematopoda pluvialis. 

84. Simulia pertinax. 

85. Simulia Columbacschensis. 

86. Culex pipiens. 

87. Culex annulatus. 

88. Culex molestus. 

89. Culex trifurcatus. 

90. Culex pulicaris. 



Die im nachfolgenden Verzeichniss zusammengestellten Synonymen sind durch 
Nummern bezeichnet, welche sich auf die Nummern der obigen 90 in dieser Arbeit 
angeführten Parasiten des Menschen beziehen. Es ist z. B. „63. Acanthia lectu- 
laria“ gleich „63. Cimex lectularius“ der vorigen Seite. 



63. Acanthia lectularia. 

47. Acarus folliculorum (Owen). 

48. Acarus scabiei. 

29- Achylostoma duodenale (Billharz)* 
53. Amhlyoma americanum (Koch). 

29. Ancyl ostoma- Agchylostoma duode- 

nale (Creplin). 

25. Ascaris alata (Bellingh). 

24. Ascaris gigas (Goeze). 

25. Ascaris leptotera (Bud.). 

25. Ascaris marginata (Rud.). 

30. Ascaris trichiura (Lin.). 

25. Ascaris triquetra (Schrauk). 

26. Ascaris vermicularis (Lin.). 

27. Ascaris visceralis aut renalis 
(Gmelin). 

22. Bilharzia haematob. (Cobbold). 

22. Bilharzia capens. (Harley). 

69. Calliphora anthropophaga (Conil). 
69. Calliphora macellaria (Jorge). 

65. Calliphora vomitoria 
48. Cheyletes scabiei. 

69. Compsomyia rubrifrons (Macquard). 
47. Demodex follicularis (Owen). 

47. Demodex folliculorum hominis (Kü- 
chenmeister). 

71. Dermatobia hominis. 

73. Dermatopliilus penetrans (Guerin). 
18. Dicrocoelium (Weinland). 

27. Dioctophyme (Collet-Meygret.). 

18. Distoma crassum (Busk, Cobbold, 

Leuckart). 

29. Dochmius anchylöstomum (Molin). 
29. Dochmius duodenalis (Leuckart). 

33. Dracunculus loa (Cobbold). 

32. Dracunculus medinensis (Cobbold). 

33. Dracunculus oculi (Diesing). 

32. Dracunculus Persarum (Kaempfer). 

19. Dracunculus spathulum (Leuckart). 
47. Entozoon folliculare (Wilson). 

39. Pilaria Bankrofti (Cobbold). 

39. Fil. cystica (Dobson). 

32. Fil. dracunculus (Bremser). 

37. Fil. hominis bronchialis (Rud.). 

33. Fil lacrymalis (Duhini). 

34. Fil. oculi (Owen). 



34. Fil. oculi humani (v. Nordmann). 
39. Fil. sanguinis (Bancroft). 

39. Fil. Wucheren (Cobbold). 

33. Fil. oculi (van Beneden). 

32. Furia (Modeer). 

24. Fusaria lumbricoides (Zeder). 

26. Fusaria vermicularis (Zeder). 

27. Fusaria visceralis et renalis (Zeder). 
32. Gordius medinensis (Linne). 

22. Gynaekophorus (Dies). 

1. Halysis solium (Zeder). 

37. Hamularia lymphatica (Treutier). 

37. Hamularia subcompressa (Rud.). 

7. Hymenolepis flavopunct. 

46. Lingqatula constricta (Pruner). 

46. Linguatula serreta (Fröhlich). 

69. Lucilia hominivorax (Coquerel). 

27. Lumbricus in renibus (Blasius). 

27. Lumbricus renalis (Redi). 

27. Lumbricus sanguineus in rene (Hart- 
mann). 

47. Macrogaster platipus (Miescher). 

38. Nematoideum tracheale. 

59. Pediculus cervicalis (Leach). 

59. Ped. humanus Var. 1. (Linne). 

60. Ped. humanis. 

61. Ped. inguinalis (Redi). 

61. Ped. pubis (Linne). 

1. Pentast. coarctata (Virey). 

61. Phtirius pubis (Küchenmeister). 

31. Pseudalius trichina (Davaine). 

72. Pulex ater (Linne). 

72. Pul. hominis (Duges). 

73. Pul. penetrans (Linne). 

72. Pul. vulgaris (Degeer). 

54. Rhynchoprion columbae (Hermann). 

73. Rhynchoprion penetrans (Owen). 

48. Sarcoptes hominis. 

48. Sarcoptes scabiei. 

22. Schistoma (Weinland). 

29. Sclerostoma duodenale (Cobbold). 

47. Simonea folliculorum (Gervais). 

69. Somomyia montevidensis (Bigot). 

47. Steatozoon folliculare (Gervais). 

27. Strongylus gigas (Rudolphi). 

29. Strongylus quadridentatus(v.Siebold). 



* 



1. Taenia armata humana (Brera). 

4. Taenia ä articl. courtes (.Bonnet). 

1. Taenia articulos demittens (Dyonis). 
4. Taenia ä epine (Andry). 

46. Taenia caprina (Abilgaard). 

6. Taenia ex Cystic. tennicolli (Küchen- 
meister). 

1. Taenia curcubitina (Pallas, Bloch, 
Göze, Bätsch, Schrank). 

3. Taenia cucurbitina (Göze). 

1. Taenia dentata (Ginelin, Nicolai). 

3. Taenia dentata (Nicolai). 

46. Taenia lanceolata (Chabert). 

1. Taenia lata (?) (Reinstein). 

3. Taenia lata (Tutscheck). 

4. Taenia lata event. gnsea (Pallas). 

4. Taenia lata (Linne). 

1. Taenia fenestrata (delle Chiaje). 



1. Taenia osculis marginal solitär. 
(Bradley). 

4. Taenia prima (Plater). 

3. Taenia saginata (Lewin). 

1. Taenia secunda (Plater). 

1. Taenia solitaria (Leske). 

3. Taenia solium (Bremser). 

1. Taenia stigmat. lateralibus (Bonnett). 
1. Taenia vulgaris (Werner). 

37. Tentacularia subcompressa (Zeder). 
22. Thecosoma (Moquin-Tandon). 

39. Trichina cystica (Salisbury). 

30. Trichocephalus hominis (Göze). 

30. Trichocephalus palaeformis (R.). 

30. Trichuris (Büttner). 

56. Trombidium autumnalis. 

1. Vermis cucurbit. (Plater). 



9 



Figurenerklärung. 



Fig. 1. 

Fig. 2. 
Fig. 3. 

Fig. 4. 

Fig. 5. 
Fig. 6. 

Fig. 7. 
Fig. 8. 
Fig. 9. 

Fig. 10. 
Fig. 11. 
Fig. 12. 
Fig. 13. 
Fig. 14. 
Fig. 15. 
Fig. 16. 
Fig. 17. 
Fig. 18. 

Fig. 19. 
Fig. 20. 

/ Fig. 21. 

Fig. 22. 

Fig. 23. 
Fig. 24. 



Fig. 25. 



Tafel I. 

Amöbe aus dem Darm einer inficirten Maus (Vergr. 1000). n Kern, v 
Vacuole, e Bewegungspiasma, e Ernährungsplasma, k Nahrungsplasma. 
Buhestadium einer gleichen Amöbe. 

Dauerstadium mit Schwärmerbildung einer Amöbe aus dem Darm des 
Frosches. 

a Ausschlüpfende Schwärmer, 6 Schwärmer mit 2 Cilien, c zu Amöben 
gewordene Schwärmer. 

Sporenbildung bei einer freien Amöbe (Vergr. 1000). 

b) kleine Sporen mit 1 Cilie, c) Sporen, welche beinahe ausgewachsen sind 

mit 2 Cilien. 

Dauercyste einer freien Amöbe (Vergr. 1000). 

Freie Amöbe aus dem Süsswasser mit ausgestreckten Pseudopodien. 
Sporen einer in Pflanzen schmarotzenden Amöbe (rechts und unten 2 in 
Theilung begriffene Schwärmersporen). 

Coccidium aus dem Darm eines Kaninchens (Vergr. 500). 

Coccidien aus dem Darm des Menschen (nach Leuckart, Vergr. 1000). 
Bainey’sche Schläuche in Muskelfasern (nach Leuckart. Vergr. 100). 
Dasselbe. (Vergr. 40). 

Cercomonas intestinalis (nach Davaine). 

Cercomonas aus der Leber (nach Lambl). 

Trichomonas vaginalis (nach Kölliker). 

Trichomonas intestinalis (nach Zenker). 

Balantidium coli aus dem Darm des Schweines, p Peristom, n Kern, 
na Nahrungsplasma, v Vacuole. 

Ein sich theilendes Balantidium. 

Zwei freie, dem Balantidium verwandte Infusorien in Begriff der Con- 
jugation. 

Ein solches Infusorium stärker vergrössert (Vergr. 1000), n Kern, a um- 
flossene Nahrung, na Nehrungsplasma. 

Gregarine aus dem Mehlwurm. 7c Kopf, l Leib, 7c Kern der hinteren 
Zelle, k' der der Kopfzelle. 

Gregarine, welche durch Sprossung ein neues Individuum erzeugt. 
a Zwei Gregarinen nach der Conjugation eingekapselt (?). b Pseudonavi- 
zellen einer Gregarine des Regenwurmes, c Pseudonavizellenbildung 
der Gregarine des Mehlwurmes (n. mehreren Anderen). 
a Ende eines Miescher’schen Schlauches, b Sporen aus einem solchen 
(nach Leuckart). 



Tafel II. 

Fig. 1. Finne der Taenia solium aus dem Schweinefleisch (nach Gr.). 

Fig. 2. Dieselbe, geöffnet. 

Fig. 3. Dieselbe , senkrecht durchschnitten (Loupenvergrösserung) , b Blase, 
k Kopf. 

Fig. 4. Embryo der Taenia solium. 



Fig. 5. Erstes Finnenstadium. 

Fig. 6. Zweites „ 

Fig. 7. Drittes „ 

Fig. 8. Kopf der Finne (Fig. 1—3) stärker vergrössert, an der inneren Kapsel- 
wandung bei a angewachsen, k Kopf (eingestülpt). 

Fig. 9. Derselbe, schematisirt, Bezeichnungen wie in Fig. 8. 

Fig. 10. Derselbe, ausgestülpt, schematisirt; die punktirte Linie giebt die Lage 
der Blase nach vollständiger Ausstülpung an. 

Fig. 11. a Kopf der Taenia solium (natürliche Grösse), b unreife Glieder, c Glie- 
der mit beginnender Anlage der Geschlechtsorgane, d Halbreife Glieder. 
e Reife Glieder, f Abgegangene Glieder, g Reife Glieder gefärbt und 
präparirt. 

Fig. 12. Kopf stärker vergrössert, halb von der Seite gesehen. 

Fig. 13. Derselbe, von oben gesehen. 

Fig. 14. Links ein grosser, rechts ein kleiner Haken. 

Fig. 15. Querschnitt durch den Hals. 

Fig. 16. Glied mit Anlage der Geschlechtsorgane (s. Fig. 19). 

Fig. 17. Halbreifes Glied (s. Fig. 22). 

Fig. 18. Zwei zusammenhängende reife Glieder (vergrössert). 

Fig. 19. Glied von der Entwickelung und Grösse Fig. 11, c (vergrössert). n Nerv, 
g Seitengefäss , a Queranastomose , s Hodenbläschen, d Vas deferens, v 
Vagina, e Eierstöcke, ds Dotterstöcke, u Uterus, o Geschlechtsöffnung. 

Fig. 20 u. 21. Die Ausführungsgänge der Geschlechtsorgane, s Hodenbläschen, 
vd Ausführungsgänge derselben, d Vas deferens, c Cirrusbeutel, p Cir- 
rus, Penis, v Vagina, r Receptaculum seminis, e Eierstockbläschen 
(schematisch), ov Oviducte, s Schalendrüse (im Durchschnitt), ds Dotter- 
stock (schematisch), u Uterus (Anfangstheil). Der Pfeil zwischen Fig. 20 
u. 21 deutet die Zusammengehörigkeit der Enden der Vagina an. 

Fig. 22. Halbreifes Glied, Bezeichnung wie oben (entspricht Fig. 1 d, 17). 

Fig. 23. a Reifes Ei nach Liegen in absolutem Alcohol, die äussere Hülle ist zu- 
sammengeschrumpft. .b Reife Uteruseier mit Embryonen, s Schale, e 
Embryo. 

Fig. 24. a Finne mit vorgestülptem Kopf, h Hals, b Finnenblase, b Kopf mit 
Resten der Blase, c zwei Köpfe aus dem Darm des Menschen (letztere 
nach Leuckart). 



Fig. 1. 



Fig. 2. 



Fig. 3. 
Fig. 4. 
Fig. 5. 
Fig. 6. 
Fig. 7. 
Fig. 8. 

Fig. 9. 
Fig. 10. 
Fig. 11. 
Fig. 12. 
Fig. 13. 
Fig. 14. 
Fig. 15. 



Tafel III. 

Taenia saginata. a Kopf und Hals (nat. Gr.), b unreife Glieder, c 
Glieder mit beginnender Entwickelung der Geschlechtsorgane, d reife 
Glieder mit halbgefülltem Uterus, e reife Glieder mit ganz gefülltem 
Uterus, f abgehende Glieder. 

Bothriocephalus latus (natürliche Grösse), a Hals und Kopf, b indifferente 
Glieder; d, e, f Glieder mit steigender Entwickelung der Geschlechts- 
organe; g, h, i, k, l reife [g ) und abgestossene ( l ) Glieder. 

Glied des Bothr. latus mit Parencbymstreifen. 

Dasselbe mit beginnender Uterusknäulung. 

Dasselbe, geschlechtsreif. 

Kopf der Taenia saginata (7fache Vergr.). 

Kopf der Bothr. latus (7fache Vergr.). 

Derselbe im Querschnitt von oben gesehen, rechts und links steht der 
Hals hervor. 

Finne der Taenia saginata (nat. Gr.). 

Dieselbe senkrecht durchschnitten (vergrössert). 

Köpfe des Bothr. latus aus dem Hechtfleische (nach Braun). 

Ei der Taenia saginata. 

Ei des Bothr. latus. 

Flimmerembryo des Bothr. latus (sogen. Oncosphaere). 

Finne der Taenia cucumerina (sogen. Plerocercoid) 



Fig. 16. Männliche Geschlechtsorgane des Bothr. latus (hintere Fläche des mitt- 
leren Theiles einer Proglottide; unter den braungehaltenen männlichen 
Geschlechtsorganen liegen in einigen Umrissen angedeutet die in Fig. 
17 von der vorderen Fläche gezeichneten weiblichen Geschlechtsorgane) ; 
h Hodenbläschen, Je Ausleitungsgänge derselben, vd gewundenes Yas 
deferens, c Cirrusbeutel mit gewundenem Cirrus (Vergr. 6fach). 

Fig. 17. Weiblicher Geschlechtsapparat des Bothr. latus, ov Ovarien, ds Dotter- 
stöbke, d Ausführungsgänge derselben, s Schalendrüse, r Ampulle für 
Dotter- und Eiweissmaterial, v Vagina, welche sich bei cv nach aussen 
öffnet; u Uterus, a äussere, ventral gelegene Oeffnung desselben, c Cir- 
rusbeutel (der Cirrus liegt gerade über der Vaginalöffnung cv); diese Fi- 
gur stellt halbschematisch den mittleren Theil einer reifen Proglottide 
von der vorderen Fläche gesehen dar (Vergr. ca. 12fach). 

Fig. 18. Taenia cucumerina (natürliche Grösse), d reife Glieder, e ausgestossenes 
Glied, s stellt dasselbe vergrössert dar; gg die beiderseits gelegenen 
Geschlechtsöffnungen, Ji Hoden, vd Vas deferens, führt in den Cirrus- 
beutel über, iv weibliche Geschlechtsorgane. 

Fig. 19. Taenia nana (natürliche Grösse). 

Fig. 20. Kopf der Taenia nana (vergrössert) mit eingezogenem Rostellum (r) 

Fig. 21. a und b, halbreife Proglottiden, c reife Proglottiden der Taenia nana. 

Fig. 22. Ei der Taenia nana mit dem sechshakigen Embryo im Innern (stark 
vergrössert) (Fig. 20 — 22 n. Stein). 



Tafel IV. 

Fig. 1. Taenia echinococcus (natürliche Grösse). 

Fig. 2. Taenia echinococcus vergrössert. c Cirrus, vd Vas deferens, v Vagina. 

Fig. 3. Reifes Ei mit Embryo der Taenia echinococcus. 

Fig. 4. Erstes Entwickelungsstadium der Brutkapsel (nach Leuckart, Vergr. 25). 

Fig. 5. Zweites Entwickelungsstadium der Brutkapsel (nach Leuckart, Vergr. 25). 

Fig. 6. Echinococcussack aus der menschlichen Leber (V 8 natürlicher Grösse). 

Der Sack ist vorn geöffnet und zeigt im Inneren eine grosse Anzahl der 
Tochterblasen. 

Fig. 7. Theil eines Echinococcussackes (halbschematisch), cu Cuticularschicht, 
p Parenchym (Keimschicht), a beginnende Brutkapselbildung, b Brut- 
kapsel mit 1 ausgestülpten und 1 eingezogenenen Köpfchen , c Brutkapsel 
mit mehreren Köpfen, Je drei auf Stielen sitzende Köpfchen, Je' ausge- 
stülptes Köpfchen, Je“ noch ein entwickeltes und eingezogenes, s sterile 
Blase in der Brutkapsel. 

Fig. 8. Kleiner Echinococcussack (Schema), au äussere Blasenwucherung, d 
Tochterblase mit Brutkapsel und Köpfchenanlagen im Inneren, b r Brut- 
kapseln, st sterile Tochterblase, Je freies Köpfchen, Je“ 5 festsitzende 
Köpfchen aus einer geplatzten Brutkapsel, Je“ Köpfchen, welches sich zu 
einer Tochterblase umwandelt. 

Fig. 9. Stark vergrössertes Köpfchen der Taenia echinococcus. 

Fig. 10. Haken der Echinococcusköpfchen. 

Fig. 11. Distoma hepaticum, natürliche Grösse, a Mund, b Bauchsaugnapf. 

Fig. 12. Verdauungsapparat des Distoma hepaticum. 

Fig. 13. Geschlechtsapparate des Distoma hepaticum (braun weiblicher, grau 
männlicher Theil). Ji Hodenkanälchen und Ausführungsgänge derselben, 
v Vas deferens, c Cirrus, d Dotterstöcke. 

Fig. 14. Reifes Ei des Distoma hepaticum (Vergr. 100). 

Fig. 15. Ei mit Embryo des Distoma hepaticum (nach Leuckart) a Augenflecke, 
e Embryo, r Reste des Nahrungsmateriales. 

Fig. 16. Freier wimpernder Embryo von Distoma hepaticum (nach Leuckart). a 
Augenfleck 

Fig. 17. Redie mit Cercarien (c) im Inneren (nach Leuckart). 

Fig. 18. Freie Cercarie, d Magen und Darm arm, s Schwanz (nach Leuckart). 

' Fig 19. Eingekapselte Cercarie, d Darm (nach Leuckart). 



Fig. 20. Weibchen von Ascaris lumbricoides. 

Eig. 21. Mund von Ascaris lumbricoides. 

Fig. 22. a) Hinterleibesende vom männlichen A. lumbricoides (halbschematisch), 
d Darm, h Hoden und Vas deferens, p Spiculatasche , sp Spicula. b) 
Hinterleibsende eines Männchen von A. lumbricoides mit zwei Spicula. 
Fig. 23. Ei von A. lumbricoides. 

Fig. 24. Querschnitt durch einen A. lumbricoides, cu Cuticula, z Subcuticula, m 
Musculatur, d Darm, g Geschlechtsorgane. 



Fig. 1. 

Fig. 2. 

Fig. 3. 
Fig. 4. 
Fig. 5. 
Fig. 6. 
Fig. 7. 

Fig. 8. 

Fig. 9. 
Fig. 10. 
Fig; 11. 
Fig. 12. 

Fig. 13. 



Fig. 14. 
Fig. 15. 
Fig. 16. 
Fig. 17. 
Fig. 18. 
Fig. 19. 
Fig. 20. 
Fig. 21. 



Fig. 1. 
Fig. 2. 

Fig. 3. 
Fig. 4 
Fig. 5. 
Fig. 6. 
Eig. 7. 
Fig. 8 
Fig. 9. 
Fig. 10. 
Fig. 11. 



Fig. 12. 



Tafel V. 

Oxyuris vermicularis (natürliche' Grösse), links zwei Weibchen, rechts 
zwei Männchen. 

Weibchen von 0. vermicularis (Vergr. 11), s Schlund, d Darm, v Vulva, 
w Uterus. 

Männchen von 0. vermicularis (Vergr. 11), h Hoden, m Spiculum. 

Theil der äusseren Haut von 0. vermicularis. 

Reifes Ei von 0. vermicularis. 

Abgelegtes Ei mit Embryo, von der Fläche gesehen, s Schwanz. 
Abgelegtes Ei mit Embryo von der Seite gesehen, s Schwanz, d Darm- 
anlage. 

Triehocephalus dispar (natürliche Grösse), oben Weibchen, unten rechts 
Männchen. 

Dasselbe Präparat vergrössert, v Vulva, ov Oviduct, m Mundöffnung. 
Eier von Triehocephalus dispar. 

Geschlechtsreife Darmtrichmen (natürliche Grösse). 

Geschlechtsreife Darmtrichinen (Loupenvergrösserung), links Weibchen, 
rechts Männchen. 

Weibchen von Trichina spiralis (Daimtrichine), oe Oesophagus mit Zell- 
belag, d Darm, k Keimdrüse mit Uterus. Vorne treten aus der Vulva 
einige lebende Embryonen aus. 

Männchen der Trichina spiralis, 7tHoden. a) Hinterleibsende des Männchens. 
Trichinenembryo. 

Eingekapselte Muskeltrichinen (natürliche Grösse). 

Wandernde Muskeltrichinen. 

Eingekapselte Muskeltrichine, k Kapsel, m Muskelfaser. 

4 eingekapselte Muskeltrichinen. 

Trichinöses Fleisch, m Muskelfaser, b) b Bindegewebswucherungen. 
Filaria sanguinis (n. Lewis). 



Tafel VI. 

Dochmius duodenalis (natürliche Grösse), links Männchen, rechts Weibchen, 
a) Dochmius duodenalis, Männchen vergrössert. b) Dochmius duodenalis, 
Weibchen vergrössert. 

Mundhöhle von Doch, duodenalis (z Th. n. Leuckart). 

Hinterleibsende mit Bursa eines männlichen Doch, duodenalis. 
Pentastoma taenioides (natürliche Grösse) von oben gesehen, Weibchen. 
Dasselbe, Männchen. 

Kopf von Pentastoma taenioides (vergrössert), m Mund, f Fussklauen. 
Fussscheide, aus welcher eine Klaue hervorsieht (stärker vergrössert). 
Acarus folliculorum, a von der Seite, b von unten, c von oben gesehen. 
Weibliche Krätzmilbe. 

a) Kopf (nach Weisker) von unten gesehen, s Kopfschild, k Kiefer, t 
Taster, l Unterlippe. b)Kopf (nach Weisker) von vorne gesehen, s Kopf- 
schild, k Kiefer, t Taster, l Unterlippe. 

Kopflaus (Pediculus capitis), Weibchen. 



Fig. 13. Kleiderlaus (Ped. vestimenti), Weibchen. 

Fig. 14. Filzlaus (Phthirius pubis), Weibchen. 

Fig. 15. Ei der Kopflaus an ein Haar angeklebt. 

Fig. 16. Larve der Stubenfliege (natürliche Grösse), a) Kopf derselben Made von 
der Seite gesehen, stärker vergrössert. z Hornzähne, p Tastpapillen, 
b) Hornzähne der Made von vorne gesehen, c) Hinterleibsende der 
Made von hinten gesehen, sl Stigmenöffnung, unten 4 als Bewegungs- 
organe dienende Stummel. 

Fig. 17. Sandflohweibchen mit durch Eier aufgetriebenem Hintertheile (nach 
Küchenmeister und Lion). 



Nachtrag zu Seite 56. 



Neuerdings sind bei Chinesen und Japanesen einige Distomeen 
gefunden worden, welche ziemlich häufig Vorkommen und welche 
meist keine beträchtlichen Störungen im Organismus hervorbringen. 

Distoma innocuum , 

Distoma endemicum aus der Leber, 

Distoma pulmonale aus der Lunge der Japanesen. Der reife 
Wurm zerstört das Lungengewebe (nicht die Bronchien), ohne son- 
stige heftige Störungen hervorzurufen; die Eier werden mit den 
Sputis nach aussen befördert, sie haben eine röthliche Farbe. 




Druck von Leopold & Bär in Leipzig. 



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TafI 




A. Brass del 



Artist Anst.v. Th. Fischer, Cassel. 



Taf.JL 




Jlpj' Uhfl/nrQ u 



A . Brass del. 



Artist, Anst.v Th, Tischer, Cassel 



Taf'III 




A.Brass de]. 



Artist Anst.v Th. Fischei; Oassei. 



Taf. IV 




A. Brass del 



Artist. Anst.v. Th. Fischer, Gassel. 




Taf.V 



ABrass de]. 



Artist Anstv Th Fischer, Cassel 





Taf.YI. 



Orass del 



-Artist. Anst.v .Th. Fischer, Cassel 






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